You’re not singing anymore!
Was für eine Auslosung, endlich durften wir gegen den FC Arsenal spielen. Jenen Klub, der sich in England dank seiner ergebnisorientierten Spielweise irgendwann den Namen „Boring, Boring, Arsenal“ verdient hatte. Aber das ist auch der Klub, dem wir das großartigste Fußballfanbuch der Welt verdanken: „Fever Pitch“ von Nick Hornby. Der fanatische Arsenalfan beschreibt sein Gefühlsleben wenn es um seinen Klub geht und viele von uns haben sich darin sicherlich schon wiederfinden können.Schon im letzten Jahr durften wir die Anfield-Road besuchen und feststellen, dass die Legende vom englischen Fußballfan eben nur noch eine Legende ist. Im Gegensatz dazu hatten wir BVB-Fans in Liverpool eine wirklich große Show geboten und die Scouser an die Wand gesungen. Nicht umsonst waren wir vom fairen Heimpublikum beklatscht und durch ein Fanzine zum „Best Awaysupport 2001/2002“ gekürt worden. Nun also Arsenal London und Highbury Park, eine der letzten Kultstätten des europäischen Fußballs. Ähnlich wie Anfield Road in Liverpool wird es bald irgendeinem nichtssagenden Neubau weichen müssen, da es durch die Versitzplatzung einfach zu klein geworden ist. Durch ein kleines Mißverständnis zwischen uns und dem Busunternehmer mußte die Fahrt bereits um 18:45 Uhr starten. Treffpunkt war das Westfalenstadion - vor der Nordtribüne sollte die Reise losgehen. Während alle Mitfahrer (bis auf 2, die kommentarlos nicht erschienen – danke schön an dieser Stelle!) pünktlich ankamen, wurden wir alle spätestens um 19:15 Uhr nervös, als der Bus immer noch nicht da war. Ein Anruf und das Problem war eingekreist: niemand hatte den Busfahrer informiert, der wartete nicht minder ungläubig am Busbahnhof.
Eine Stunde später als geplant ging es dann endlich los. Unser Busfahrer war Walter und wußte im Gegensatz zu Speedie von der Liverpool-Tour, wo das Gaspedal war. Auch sonst war er absolut in Ordnung. Wir wollten nun versuchen, die 1 Uhr-Fähre von Calais nach Dover zu bekommen, um früh auf der Insel zu sein. In Belgien wurde noch eine kurze Rast eingelegt, bei der Simon B. (der vollständige Name ist der Redaktion bekannt) erstmals in Erscheinung trat. Beim Versuch, ihn endlich ökologisch einwandfrei zu entsorgen, trat er gegen den bereitgestellten Entsorgungsbehälter (man kann auch von Mülltonne sprechen) und die mühselig getrennten Güter ergossen sich auf die Straße. Nach einem erfolglosen Versuch zweier Mitfahrer, die bereitgestellten Esso-Fahnen gegen heiße Luft zu tauschen, jagten wir weiter der Küste entgegen. Dabei war es sehr clever, den Austausch der einzigen Kassette an Bord mit ein paar gescheiten CD’s zu verschlafen. Diesen Punkt sollten wir noch die gesamte Fahrt über bei jeder Pause vergessen. Während der Fahrt war die CD-Box nicht wirklich erreichbar und Walter riet uns von seiner Musik ab. Um 0 Uhr schlug dann Jannis große Stunde. Der Desperados-Generalsekretär feierte Geburtstag und ist nun endlich 18. Belohnt wurde das mit einem Kuchen und einer einzigartigen Pyroshow im Bus. 3 (in Worten: DREI!!!!!) Wunderkerzen ließen den Bus quasi brennen.
In dieser Zeit wurde auch mal wieder ein neues Lied angezuckert, daß uns den Rest der Fahrt nicht mehr loslassen sollte. Um 0:30 Uhr Ortszeit erreichten wir Calais und machten uns gerade ans bezahlen der Tickets für den Bus, als irgendjemand wieder das Lied anstimmte. Sofort fuhren die Köpfe der Fähr-Angestellten herum und mit stechendem Blick wurden wir in fehlerfreiem Französisch gefragt: „Vous êtes Futbol-Supporteures?“ Auf unser lässiges „Oui!“ folgte eisiges Schweigen und ein hektisches Telefonat. Daraufhin teilte man uns unerbittlich mit, daß Busse mit Fußballfans bei „P&O“ Kaution zu zahlen hätten. Und wir müßten nun schlappe 790,- EURO zahlen! Dazu fuhren wir an ein Büro heran, wo man uns einen Kreditkartenbeleg abquatschte und uns Vorträge hielt, warum das so gemacht werde. Gut, daß wir soviel Französisch verstanden und die beiden Menschen noch weniger Deutsch. Womit uns klar wurde, dass auf der Fähre singen und Alkohol trinken verboten wäre (zumindest für uns). Ich frage mich heute noch, ob wir für singen an Bord die Kaution aufs Spiel gesetzt hätten. Auf meine Bemerkung, dass dies im letzten Jahr bei der anderen Fährgesellschaft „Sea France“ nicht so gewesen wäre, beharrte der clevere Franzose mit gekonnter Arroganz darauf, daß das erstens nicht stimmt und wir doch zweitens in Zukunft einfach mit denen fahren sollten.
Die Fähre war nun natürlich weg und wir wurden auf die nächste – Abfahrt 1:45 Uhr – verwiesen. Nachdem wir ein paar Minuten warteten durften wir diese bereits „entern“. Unter Pfiffen und ständigem „Psssssst!“ (war uns ja nicht verboten worden!) verließen wir den Bus und wanderten im Schiff herum. Jetzt wurde uns auch klar, warum das Alkoholverbot so betont wurde: an Bord gab es alkoholhaltige Getränke in rauhen Mengen zu wahren „Greif-zu“-Preisen. Für ein Sixpack mit 0,7l Flaschen Smirnoff-Ice wollten die günstigen Engländer irgendwas um die 15,- Pfund von uns haben. Unser Geburtstagskind kam nicht umhin, zumindest eine Flasche davon zu kaufen. Schließlich wird man nicht jeden Tag volljährig und darf dann kaufen, was man will. Bei Landung in England waren alle wieder wohlbehalten an Bord und nach einem kurzen Aufenthalt zwecks Visums-Kontrolle fuhren wir auf der falschen Straßenseite durch Dover hindurch. Zum Glück fahren alle dort drüben falsch, nicht auszudenken, was sonst täglich passieren würde. Im Bus war es seit dem Affentheater mit „P&O“ merklich ruhiger geworden und die Müdigkeit zollte ihren Tribut. Irgendwo vor London machten wir dann eine Stunde Rast, um nicht noch früher als ohnehin schon, in London anzukommen. Am Rastplatz begrüßte uns die Polizei ganz locker und entspannt. Etwas, was man als Fußballfan in Deutschland nur sehr sehr selten erleben darf. Meist ruft eine Busladung Fußballfans eher Panik hervor. Very british übrigens die knuffig blinkenden Automaten an jeder Ecke. Schon auf der Fähre hatten sich geschmackvoll tätowierte Ureinwohner in ihrer Stammeskleidung (Trainingsanzug) an diesen Teilen zu schaffen gemacht. Und auch um 4 Uhr Ortszeit kennt Tommie keine Gnade, es wird gezockt, was das Zeug hält. Bewundernswert, wie schick sich der durchschnittliche englische Trucker kleidet, wenn er das „Casino“ betritt. Ganz in Seide gehüllt, schreitet er in Richtung Automat. Das es sich hierbei um die hochwertige Ballonseide eines Trainingsanzugs handelt, sollte klar sein. Beim nächsten Länderspiel in UK sollten wir alle Trainingsanzüge tragen, dann fallen wir nicht so auf. Ein paar üble Anker- und Union-Kack-Tatoos dürfen auch nicht fehlen. Nach dieser Rast fuhren wir weiter in Richtung London. Walter hatte beschlossen, uns am Tower rauszulassen, da er ein Hotel außerhalb Londons gebucht hatte und am Stadion wohl auch keine Parkplätze seien. Außerdem soll die Gegend dort auch nicht der Bringer sein. Daher konnten wir vor dem Spiel nicht mehr an den Bus, wie das anderswo evtl. möglich gewesen wäre. Hinter einem Parkhaus am Tower parkten wir dann, um den Bus zu entladen und Müll zu entsorgen. Fahnen und Trommel ließen wir in weiser Voraussicht im Bus. In kleinen Gruppen machten wir uns dann auf, irgendwo zu frühstücken. Mit unserer Gruppe stöberten wir schließlich ein geschlossenes Starbucks-Café auf. Gottlob hatte der Italiener (Lazio irgendwas) geöffnet und wir konnten kochendheißen Kaffee genießen. Gestärkt machten wir uns auf den Weg, das hiesige Geschäftsviertel zu verlassen. Aus der U-Bahn-Haltestelle strömten ständig gehetzt aussehende Menschen in typischer Geschäftskleidung. Schon jetzt wurde uns die Hektik dieser Stadt bewußt. Mit unserer 20-Mann-Gruppe brauchten wir etwas Zeit, die richtige Fahrkarte zu ziehen. Aber irgendwann war es geschafft und wir gingen das erste mal an diesem Tag in die Londoner U-Bahn („The Tube“). Dank diverser kostenloser Infomaterialien und erfahrener London-Touristen kamen wir damit auch recht gut zurecht. Wir fuhren zuerst zum Picadilly Circus, wo wir bei McDonalds richtig herzhaft frühstücken konnten. In England, zumindest in London, gibt es selbst unter Gewaltandrohung vor 11 Uhr keine Burger. Auch wenn der eine oder andere schon um 7:30 Uhr gerne einen gegessen hätte. Beim goldenen M hielten wir uns länger als gewöhnlich auf. Einige nutzten die Gelegenheit zu einem Nickerchen und wir anderen schrieben phantasievolle Postkarten in die Heimat. Das Rahmenprogramm konnte sich auch sehen lassen, so verbrühte sich Arne mit heißem Kaffee den Mund und Simon wurde von einer Engländerin an den Allerwertesten gepackt, das sexuelle Highlight dieser London-Tour! Ein paar Gespräche über die Womanizer der Dortmunder Fanszene schlossen sich an, bevor wir uns mit ein paar Leuten auf zur Oxford-Street machten. Unweit der Oxford-Street im berühmten Stadtteil Soho liegt auch die Carnaby-Street, die für ihre coolen Geschäfte bekannt ist. Leider muß man sagen, dass die Einkaufsmeile auch durch die Dortmunder Brückstraße ersetzt werden könnte. Inzwischen reiht sich auch hier Markengeschäft an Markengeschäft und unabhängige Läden sind selten zu finden. Allerdings befinden sich abseits der Einkaufsstraße etliche Cafés und Pubs. Wir begnügten uns mit dem Post-Office, um endlich unsere Postkarten loszuwerden. Simon hatte Spaß daran, Londoner als Roboter zu titulieren, so zackig liefen die durch die Straßen. Irgendwann bekam er endlich „Ich spreche Deutsch!“ als Antwort und war ruhig. Da die Geschäfte noch geschlossen hatten, begaben wir uns wieder zurück auf die Oxfort-Street, wo so langsam aber sicher das hektische Treiben begann. Die ersten Geschäfte wurden von uns unsicher gemacht, ohne aber irgend etwas zu kaufen. Übrigens bewegen sich die CD-Preise in England offensichtlich etwa auf deutschem Niveau. Geil war aber, daß man von fast jeder populären CD auch eine Vinylversion (für die Jüngeren: große, schwarze Scheiben, die mit Hilfe analoger Technik – eines Plattenspielers – abgespielt werden) erstehen konnte. Mein Portemonnaie juckte mich zwar, aber es biss nicht zu ;-) Jockel versuchte auf der Oxford glücklos sein Geld umzutauschen. In einer Citibank sagte man ihm schlicht, daß man kein Geld tauschen würde, Punkt, aus! Geiler Service. Nachdem wir die eine Seite der Oxford abgegrast hatten, erreichten wir Punk 10:30 Uhr Ortszeit einen McD. Endlich konnten wir warm speisen. Englisches Rindfleisch gab es hier vierlagig auf dem Big Mac. „Wahnsinnig“ lecker. Simon wollte dann unbedingt mit EURO zu bezahlen, was kläglich scheiterte. Nach dem Genuß englischen Rindfleischs zog es uns wieder zurück zur Carnaby-Street, wo ich verzweifelt ein schwarz-gelbes „Fred Perry“-Polo in meiner Größe suchte und nicht fand.
Der Fußballladen namens „Soccer World“ war dagegen ein Hochgenuß. Warum man sich ausgerechnet im Heimatland des Fußballs auf „Soccer“ eingelassen hat, bleibt mir ein Rätsel. Jedenfalls gab es hier Unmengen von alten Trikots, hergestellt von der Firma Toffs. Alle mit Original-Materialien, da sind wirklich Schmuckstücke dabei (www.toffs.com). Nach dieser Odysee fuhren wir mit der nächsten U-Bahn zum Trafalgar-Square. Vor unserer Abfahrt hieß es noch, dass sich dort viele Dortmunder treffen würden. Leider waren nicht mal 40 Leute anwesend. So trafen wir einige Leute der Bulldogs- und Werdohl-Busbesatzungen, mit denen wir reichlich Spaß hatten. Irgendjemand kam dann auf die Idee, jetzt schon in Richtung Arsenal zu fahren, um einen Pub aufzusuchen. Wir ließen uns teilweise breit schlagen und fuhren mit der U-Bahn nach Arsenal. Eine Station hinter „Arsenal“ hieß es dann raus aus der Bahn und wir standen in einem der schönsten Vororte Londons. Wir betraten dann einen Pub, in dem sich bereits einige „Organisierte“ herumtrieben. Die waren seit 11 Uhr hier und entsprechend gut mit Spaßwasser abgefüllt. Ein kurzes Pläuschken mit Öhli, Plette und Joschi und schon ging es weiter. Einige von uns wollten unbedingt noch das Arsenal-Stadion sehen und vielleicht noch an die White-Hart-Lane (Heimstadion der Tottenham Hotspurs).
Das Stadion erreichten wir durch eine Seitenstraße (Ellwood Street), nachdem uns zwischendurch immer glaubhaft gemacht wurde, dass wir Arsenal schlagen würden (leben hier keine Arsenal-Fans?). Wie im Film „Fever Pitch“ (Klassen schlechter als das Buch) tauchte der große „East Stand“ (also die Osttribüne) am Straßenende auf und diese Tribüne erinnert von hinten überhaupt nicht an ein Stadion, eher an ein altes Wohngebäude. Um diese Uhrzeit war noch nichts los hier. Keine Polizei oder Ordner waren zu sehen. Am anderen Ende der Tribüne, zum South-Stand hin, befindet sich der supi Fanshop vom Arsenal F.C. Dieser besticht allein durch sein reichhaltiges Sortiment zu Schnäppchenpreisen und dem Hinweis am Eingang: „Show you support and buy....“ Ja, so muss es sein liebe Ware Fans. Kauft ein, was das Zeug hält. Und so ist es kein Wunder, dass beinahe jeder Arsenal-Fan ein nagelneues Trikot trug oder sonstigen Schrott aus dem Fanshop. Solche Fans, Konsumenten trifft es besser, wie das Verhalten später im Stadion auch noch zeigen sollte, wünschen sich wohl viele Vereine. Wir zogen dann durch die Gillespie Road in Richtung U-Bahn-Station. Hier verdecken Wohnhäuser den North-Stand, allerdings taucht der Eingang dieser Tribüne plötzlich inmitten der Häuser auf. Das ist etwas, was ich persönlich an englischen Stadien liebe und was Englands Fußball wohl auch mal groß gemacht haben dürfte. Die Stadien inmitten der Wohnviertel, inmitten ihrer Anhänger. Auf dem Weg durften wir uns wieder über modische Engländer amüsieren (immer wieder spaßig, dass sich ausgerechnet die Engländer über deutsche Mode und Haarschnitte lustig machen). Trainingsanzüge sind diesen Sommer wieder der letzte Schrei, am besten kombiniert mit einem Handy am Sack. Mit der U-Bahn ging es jetzt für einige zur White-Hart-Lane. Wir anderen hatten uns kurzfristig entschieden, doch noch mal in die Stadt zu fahren. Ein Fehler, wie sich noch zeigen sollte. Am Trafalgar Square waren inzwischen noch weniger BVB-Fans, als ein paar Stunden zuvor. Also suchten wir uns einen Pub, um noch ein Lager zu trinken und einen Happen zu essen. Das Essen war super, das Lager war halt englisch, nicht sonderlich lecker. Nach und nach trudelten noch ein paar TU’ler ein und wir machten uns wieder auf die Socken in Richtung Arsenal. Wie gesagt, ein Fehler. Wir befanden uns nun mitten im Feierabend-Verkehr. Und unsere Umsteige-Station Kings-Cross war brechend voll. Wir quetschten uns in die zweite Bahn, die eintraf und waren froh, nicht mehr umfallen zu können, so voll war es.
Endlich kamen wir in Arsenal an und machten uns aus der U-Bahn. Draußen gab’s schon reichlich Verkaufsstände, die die unglückseligen Begegnungsschals feil boten. Einige Deutsche, die wohl in London lebten, liefen herum und suchten Karten, die sie wohl auch fanden. Eine Polizistin kollabierte neben uns und schickte uns von der Straße aufs „Pavement“. Komisch, ich kannte bisher nur die Band. Am Stadion teilten uns die fleißigen Fanprojektler Thilo und Rolf mit, dass Zaun-, Schwenkfahnen und alles weitere verboten waren. Im Mutterland des Fußballs hat man im Zuge der Versitzplatzung eigentlich alles abgeschafft, die Stimmung gleich mit. Also waren für uns die guten alten Müllsäcke wieder im Gebrauch. Wir verteilten vor dem Stadion eifrig gelbe Mülltüten, die sich jeder in die Tasche stecken sollte, damit die nicht von Ordnern einkassiert wurden, was später einmal passierte, als jemand mit einer vollständigen Rolle ins Stadion wollte. Während der Verteilung konnte man sich mit einigen BVB-Fans unterhalten. Viele Ältere waren froh, endlich wieder auswärts spielen zu können, da es zuhause ja nicht mehr zum aushalten sei. Irgendwie ist es schon komisch. Wenn jeder diese Meinung hat, kann es zuhause gar nicht schlecht sein, weil dann alle mitmachen würden, oder nicht? Naja, egal, jetzt galt es Arsenal zu erobern. 90% der anwesenden BVB-Fans wussten sofort, mit den Mülltüten um zu gehen und wir waren guter Dinge, wenigstens einen kleinen Farbtupfer bieten zu können.
Der eigentliche Einlaß war ok, die Ordner freundlich und gaben für die Fahnen sogar Quittungen aus (das ist in Deutschland leider eher unüblich). Das Stadion ist einfach geil, ein paar schöne, flache Tribünen, vollständig überdacht und keine Zäune. Als wir drin waren, begann die Mannschaft auch schon mit ihrem Aufwärmprogramm und endlich wurde das Team mal wieder ordentlich abgefeiert (warum geht das eigentlich nicht immer so?). Oben unterm Dach stand ein Großteil der Alles- und Vielfahrer, während sich unsere Busbesatzung größtenteils unten am Spielfeld ausbreitete. Wir verteilten noch fleißig einige Mülltüten und mussten hier und da noch erklären, was damit zu tun sei. Einige Fans vor uns zogen sich die Mülltüten nämlich schon über den Kopf, um sie über dem Pulli zu tragen. Zum einlaufen der Mannschaften wurden dann im BVB-Block fast alle Mülltüten wie Luftballons in der Luft geschwungen. So ergab sich hoffentlich ein gutes Bild für unsere Profis. Leider sind diese ja wohl zu konzentriert, um in solchen Momenten noch mal ins Publikum zu winken oder aufmunternde Gesten zu machen. Sowas könnte den Zusammenhalt sicherlich stärken. Das Spiel begann und Arsenal mühte sich praktisch die gesamte erste Halbzeit, die Dortmunder Abwehr zu knacken. Gottlob gelang dies zunächst nur selten und dann stand da noch Jens Lehmann im Tor, der zweimal bravurös abwehrte. Ahmed Madouni und Christoph Metzelder (etwas schwächer) machten ein gutes Spiel und bereiteten dem Super-Sturm der Engländer große Probleme. Fernandez gab Mitte der ersten Halbzeit auch einen Schuss aufs Londoner Tor ab. Die einzige Torchance im ganzen Spiel, das sagt alles über die Dortmunder Offensivleistung, die am Dienstag schlicht nicht vorhanden war. Neun Ecken erkämpfte sich die Mannschaft, aber selbst daraus entstanden praktisch keine gefährlichen Situationen. Im Gegenteil: aus einer Ecke fiel das 2:0 für Arsenal (wenn es auch abseits war). Das 1:0 war durch einen abgefälschten Schuss von Dennis Bergkamp gefallen. Das sportliche Fazit: defensiv ganz ordentlich, offensiv ganz, ganz schwach. Da muss langsam was passieren, sonst wird auch Rostock noch gefährlich für unser Team. Die Stimmung im Gästeblock war sehr gut. Wir kamen sicherlich nicht ganz an die Glanzleistung von Liverpool heran, aber es war schon recht gut, was wir alle dort ablieferten. Viel Abwechslung, aber eben nicht ganz soviel wie in Liverpool, wo viel mehr alte Lieder geschmettert wurden. Die Engländer dagegen sind einfach nur noch albern. Auf unsere ersten Gesänge fielen den AFC-Fans im Nachbarblock nur Gepöbel und diverse Handzeichen ein. Als diese sich dann auch mal im Gesang übten (keine 20 Sekunden lang), ernteten sie schlicht höhnischen Applaus aus unserem Block. Das soll die von den Medien immer so gepriesene Super Stimmung in England sein? Gott, war das schlecht. Überhaupt keine Unterstützung der Mannschaft, als diese sich nicht durchzusetzen wusste und auch nach den Toren nur mal kurzer Jubel und ein kleines Liedchen (dann machen aber auch fast alle Tribünen mit).
Als die AFC-Fans uns dann mit Handzeichen zu verstehen geben wollten, dass England schließlich in München 5:1 gegen unsere Nationalmannschaft gewonnen habe, gab es nur ein höhnisches „We won the last match in Wembley!“ zurück. Und schon war man drüben wieder still. Auf Joschis „There’s only one David Seaman!“ – als Anspielung auf dessen Fehler während der WM – gingen leider zu wenige Leute ein, so dass es die Tribüne nebenan nicht genießen konnte. Auf unser „You only sing, when you’re winning!“ wusste man außer universeller Handsprache auch keine Antwort. Vielleicht hätten sie als Gegenbeweis einfach mal das singen anfangen sollen, aber das macht man in Englands wirklich geilen Stadien wohl kaum noch. Schade eigentlich. Denn wenn die 3 Tribünen denn mal sangen, kann man nur andächtig schweigen, so laut ist es dann. Das kam aber nur 2-3 mal vor. In der Halbzeit brachte mir noch ein älterer Fan zwei super alte Songs bei. Leider habe ich diese vollkommen vergessen. Wer also den Originaltext zu „Man sagt, Borussia ist heute nicht mehr modern....“ und „Wir schlugen Moskau, wir schlugen Rom...“ (nicht das Lied der Blauen von 1997, sondern wesentlich älter) kennt, möge ihn mir bitte schicken.
Bevor ich es vergesse: nachdem Arsenal ein Abseitstor erzielte und eigentlich jeder merkte, dass es nicht zählte, fiel unserem Simon B. nach einigen Minuten etwas auf: „Ey, da steht ja immer noch 0:0!“ Wir waren uns ganz sicher, dass ihm heute noch ein Unglück zustoßen würde...... Als das Spiel vorüber war, wurden wir – anders als in Liverpool – nicht im Block festgehalten, sondern konnten diesen sofort verlassen. Wir feierten jedoch noch ein wenig und die Mannschaft bequemte sich dann auch in die grobe Nähe unseres Blockes. Bei allem Verständnis für den Frust über die Niederlage, es sollte selbstverständlich sein, sich etwas mehr zu uns zu bewegen und vielleicht auch mal wie Jörg Heinrich an den Block zu kommen. Als Beispiel: am vergangenen Sonntag waren einige Dortmunder beim Rostocker Gastspiel in Bochum. Da kam die Mannschaft schon vor dem Spiel an den Block und klatschte Beifall. Nach dem Sieg blieben sie noch lange vor dem Block stehen und sangen sogar mit. In Dortmund fast unvorstellbar. Vor dem Stadion trieb die Polizei dann die BVB-Fans in Richtung U-Bahn. Wir warteten mit etwa 12 Leuten noch etwas ab, um uns nicht in die volle Röhre stopfen zu lassen. Nach etwa 20 Minuten wanderten wir dann in Richtung Bahn. Mit einigen Glatzköpfigen, tätowierten Trainigsanzügen fuhren wir in Richung Kings Cross. Dort durften wir dann feststellen, dass keine U-Bahn mehr zum Tower fuhr. Also ab zu einer anderen Station und auf gut Glück nach dem Bus suchen. Und das klappte sogar! Im Gegensatz zu Martin, der irgendwo an der Themse gestrandet war, weil er der falschen Busbesatzung gefolgt war und unseren beiden Augsburger Vielfahrern David und Frank (Respekt für fast jedes Auswärts- und Heimspiel von dort aus!) waren auch alle da. Die trudelten dann auch irgendwann ein. Nur Martin musste auf der Tower-Bridge eingesammelt werden, wie ein Prominenter. Die Rückfahrt verbrachte ich vollständig schlafend, sogar auf der Fähre legte ich mich gleich zum pennen. Also kann ich fast nichts dazu sagen. Achja, unsere super Kaution bekamen wir in Calais zurück, wenn auch unter Umwegen. In Duisburg und Essen setzten wir noch ein paar Mitfahrer ab und dann waren wir gegen 10 Uhr endlich wieder in Dortmund. Kleines Fazit von mir: ordentliche Busbesatzung, die einen auch mal schlafen ließ ;-), geile Stimmung im Stadion, eine megahektische Stadt und ein super Walter als Busfahrer. Nach Eindhoven und Auxerre fahren wir natürlich auch wieder!
Geschrieben von Jens
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