Kein Spiel wie jedes andere: Die Blauen kommen !

Der amtierende Deutsche Meister empfängt den mehrmaligen grossdeutschen Meister und amtierenden Pokalsieger. Obwohl es - wie jedes Habjahr - von den Trainern und Vereinsvorständen der beiden Revierrivalen runtergespielt wird, nähert sich unaufhaltsam der Höhepunkt der Hinrunde im Westfalenstadion. Am Samstag entscheidet sich mit welchem Selbstbewusstsein der BVB-Fan in das nächste halbe Jahr gehen darf.


Zuerst einmal überragten in dieser Woche wohl die Deja-Vu-Erlebnisse. Kaum waren in den Medien die eintürzenden Twin-Towers passend zum Jahrestag wieder der Top-Quotenbringer, fällt dem gemeinen Fan sofort wieder ein, dass vor Jahresfrist auch am Samstag danach Derbytime war und dass die Stimmung anlässlich dieses Terroraktes äußerst bedrückt war. Man hatte es bis dahin nicht für möglich gehalten, aber Bin-Ladin hat gezeigt, dass das Revierderby in seiner Bedeutung doch noch zu toppen ist. Ein Derbysieg spielt hier die allesentscheidende Rolle für das Wohlbefinden und sollte sich Bin-Ladin (was nicht zu hoffen ist) nicht noch etwas Entsetzlicheres als im letzten Jahr einfallen lassen, wird es dieses Mal niemanden gelingen davon abzulenken. Denn zum Entsetzen aller BVB-Fans ist es der schwarzgelben Erfolgstruppe seit Jahren nicht mehr gelungen, sich erfolgreich gegen die allenfalls als mittelmäßig anzusehende Meineids-u. Skandaltruppe entscheidend durchzusetzten. Gut - es heisst zwar immer so schön, "das Beste an der Meisterschaft ist die Tatsache, dass die Blauen am Ende nicht vor uns stehen können" - aber es ist einfach mal wieder an der Zeit, denen im direkten Vergleich ihren eigentlichen Status deutlich zu machen.
Kapiert hat es offensichtlich immer noch nicht Matthias Sammer, kommen doch von ihm wie jedes Jahr die gebetsmühlenartig runtergeleierten Sprüche, dass dies ein Spiel wie jedes andere sei und es auch nur 3 Punkte gäbe. Bei aller Begeisterung für seine Fähigkeiten als Cheftrainer ist in diesem Falle kritisch anzumerken, dass er damit zielsicher die Seele des Grossteils der BVB-Fans mit Füssen tritt. Mit der Einstellung kann er vielleicht Nationaltrainer werden, aber ein echter Borusse wird er damit nie. Mit dieser Ingoranz wird klar verkannt, dass es sich am Samstag entscheidet, wie das Schicksal der Fangemeinde sich im nächsten halben Jahr darstellt. Im Falle eines ausgbleibenden Sieges im Derby wird der nächste Montag am Arbeitsplatz zur Hölle der Peinlichkeit und auch die letztjährige Deutsche Meisterschaft schrumpft zur bedeutungslosen statistischen Randnotiz. Wobei die "Epizentren" Dortmund und Gelsenkirchen noch durch klare Mehrheiten einigermassen geregelt sind, aber wenn man die Mischgebiete der Fankultur wie Sauerland und Münsterland kennt, dann weiss man, dass hier die Demarkationslinie des Grauens häufig genug längs durch die Gebäudetrennfuge der Reihenhäuser gezogen wurde. Linke Doppelhaushälfte mit schwarzgelber Fahne im Vorgarten, die rechte mit blau-weisser - ohne jede Chance auf friedliche Koexistenz. Nicht wenige Schulklassen sind dort paritätisch besetzt und oftmals geht die Rivalität quer durch die Familien - und das seit Generationen. Eine Frage nach dem Weshalb ist so unsinnig wie die Frage, wieso wir eigentlich existieren - nur Unwissende, die nicht in der Lage sind, sich in unsere Fussballseele einzufühlen, kommen auf die Idee, sie zu stellen.
Somit hoffen wir weiter, das es auch endlich jedem Spieler bewusst gemacht wird, welche Verantwortung er für das Alltagsleben der echten Fans er trägt und welcher Einsatz von ihm erwartet wird. 90 Minuten Volldampf ist gefragt - Minimumm. Wo wir schon nur schwer verstehen können, wieso ein Fussballprofi, dessen Beruf es ja ist, nicht in der Lage ist, 2 mal 45 Miunuten lang auf und ab zu rennen, so sollte bitte in diesem Spiel ein Verständnis für Passivität und Schwächephasen nicht erwartet werden. Wer am Samstag nicht das letzte für uns gibt, gehört in die Wüste geschickt - oder noch schlimmer: nach Wolfsburg.
Was die Stimmung bei den Fans angeht, so kann wohl mit viel Optimismus in diese Partie gegangen werden, denn schon der Name des Gegeners bürgt für höchste Spannung von Anfang an. Da scheinen die Mannschaftsaufstellungen eher zweitrangig zu werden. Der BVB wird nach wie vor ohne Amoroso und Ricken anteten müssen, dafür ist der wiedergenesene Wörns bereit, den Kampf um einen Stammplatz wieder aufzunehmen. Experimente wird es voraussichtlich nicht geben, so dass allgemein die bewährte Formation beim BVB erwartet wird, evtl. mit Wörns für Heinrich. 
Beim S05 ist die Verletztenliste lang, es wird jedoch erwartet, dass Schwalbenkönigin "Sissy" Möller (ja,ja - hoffentlich !) und Schwalbenkönig/Aufhändetreter Emil eMpenza wieder im Kader sein werden. Ansonsten spielt wie immer die zusammgewürfelte Truppe aus nicht durchsetzungsfähigen Talenten und schwächelden Altstars - angefeuert von dem bekannten Agitator und Diktator in Blau-Weiss: Rudi "The Cigar" Assauer . Der wird wohl - wie immer - die 90 Minuten dazu nutzen, die Dortmunder Trainer- u. Auswechselbank anzupöblen. Aber dieses Anpöbeln auf niedrigstem Niveau kennen wir wir ja von den Schlackern, das sind wir ja gewohnt, Tag für Tag. 

Geschrieben von Klopfer