Die Saison ist zu Ende! Endlich?

Mit einem Spruchband bedankte sich das Team nach AbpfiffDas letzte Spiel in dieser Saison endete mit einer 2:4-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg, der damit für den Uefa-Cup qualifiziert ist. Muntere, offensivstarke Borussen zeigten, warum sie mit 62 Gegentoren ganz klar die schlechteste Defensive der Liga stellen und der Angriff mitunter nicht immer in der Lage ist, die Unzulänglichkeiten in der Abwehr auszugleichen. Jetzt ist es nötig, die Saison zu analysieren, an Schwachstellen zu arbeiten und sich neu aufzustellen.

Das Spiel begann mit einem Paukenschlag. Kaum hatten die Zuschauer Christian Wörns (mit tosendem Applaus), Philipp Degen und Alexander Bade verabschiedet, klingelte es schon im Kasten von Torhüter Marcel Höttecke. Und das nicht einmal, nein, gar zweimal. Wenn schon, denn schon. Die Spätstarter von Borussia Dortmund hatten die Anfangsphase mal wieder komplett verschlafen und mussten diesem Rückstand hinterherlaufen. Eine zentrale Rolle bei beiden Gegentoren spielte auch Höttecke. Der Mann, den die Amateure vielleicht eher benötigt hätten, sah beim ersten Treffer von Sascha Riether (3. Minute) zumindest unglücklich aus, das zweite Gegentor aus der 6. Minute muss er zu hundert Prozent auf seine Kappe nehmen. Während Höttecke beim Kopfball von Riether nach einer Ecke noch in seiner Sicht behindert wurde und es deshalb schwer war, den Ball zu fangen, ließ der junge Nachwuchstorhüter den Der Torjubel zum FührungstrefferFreistoß von Marcelinho einfach passieren.

Der Stimmung, die vor dem Spiel bei dem Großteil der BVB-Fans hörbar gut war, tat das zwar keinen Abbruch, etwas leiser wurde es im Stadion aber schon. Die mitgereisten Wolfsburger Fans - mit rund 3 500 Auswärtsfahrern für ihre Verhältnisse schon fast rekordverdächtig - zeigten, dass sie nicht immer so schlecht sind wie der ihr vorauseilende Ruf. Mit grün-weißen Luftballons und vielen Fahnen konnten sie nicht nur akustisch, sondern auch optisch etwas hermachen. Dass ihnen liedertechnisch oft aber nichts anderes einfiel, als den BVB zu verunglimpfen, ist traurig.

Als Marcelinho nur eine Minute nach seinem Treffer, schon wieder gefährlich vor dem BVB-Tor auftauchte und Grafite kurz darauf die Latte traf (7.), wurden Erinnerungen an den Wolfsburger 4:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart aus der letzten Woche wach. Ein Freistoß von Marcelinho (9.) - Und schon stand es 0-2hier bot sich Höttecke erstmals die Möglichkeit sich auszuzeichnen - beendete aber dann erstmal die grün-weiße Sturmphase. Die Zeit von Giovanni Federico war gekommen. Der Mittelfeldspieler, der so oft in letzter Zeit in der Kritik gestanden hatte, demonstrierte, warum es von Doll ein Fehler war, ihn in mehreren Spielen aus dem Kader zu verbannen. In der 19. Minute noch setzte der Ex-KSC´ler (weswegen er an diesem Wochenende wohl auch froh war) einen Schuss knapp neben das Gehäuse von Diego Benaglio, bereitete rund fünf Minuten später den Ausgleich durch Alex Frei mit einem Traumpasse mustergültig vor. Der Schweizer Nationalspieler musste nur noch einschieben (25.). Wolfsburg zog sich nun immer mehr zurück und Dortmund kam auf, wurde aber das ein oder andere Mal von Peter Gagelmann gestoppt. Der Schiedsrichter der sich beim letzten Derby im Westfalenstadion so unbeliebt gemacht hatte, zeigte auch am 34. Spieltag alles andere als eine mustergültige Leistung. Mit mehreren knappen und fragwürdigen Abseits-, Einwurf- oder Foulentscheidungen zog er eine Menge Alex frei verschoss den ElfmeterPfiffe auf sich. Auf dem Höhepunkt der Dortmunder Druckphase - Federico hatte sich unter anderem wieder mit einem Fernschuss probiert (35.) - hatte dann wieder Alex Frei die Möglichkeit, die Partie auszugleichen. Doch einen Elfmeter, den er selbst gegen Benaglio herausgeholt hatte, verschoss er (42.). Übrigens gibt so mancher Unparteiische bei einer Notbremse des Torwarts auch die Rote Karte. Auch danach blieb der BVB am Drücker. Kuba setzte einen Schuss rechts neben den Kasten, während Valdez nach einem guten Sololauf nur das Außennetz treffen konnte (45.+1'). Dann war Pause.

Das Team von Coach Thomas Doll trat unverändert zu 2. Halbzeit an und machte da weiter, wo es aufgehört hatte. Nach einer Flanke Valdez' kommt der starke Federico zum Kopfball, schafft es aber nicht den Ball auf das Tor der „Wölfe" zu bringen. Hummels, kurz zuvor mit Dzeko böse Wörns im Zweikampf gegen Dzekozusammengestoßen, tut es seinem Mittelfeldkollegen fünf Minuten später gleich. Auch Sein Kopfball nach Ecke Frei verfehlt das Tor knapp (50.).

Doch dann kommt es zum Bruch. Dem VfL Wolfsburg gelingt es, sich etwas zu befreien und selber mal wieder Aktionen in der Offensive zu initiieren. Marcel Schäfer deutet bereits in der 53. Minute an, dass man ihn nicht so einfach zum Schuss kommen lassen sollte, auch Dzeko zeigt, wieso bei ihm in den letzten Spielen wahrlich der Knoten geplatzt ist. Seinen Kopfball kann Höttecke aber noch locker fangen. Beim nächsten Schäfer-Weitschuss ist er dann chancenlos. Der Ball schlägt aus 25 Metern genau im rechten oberen Winkel ein (62.), das Team von „Quälix" Magath hat den alten zwei Tore Abstand wieder hergestellt.

Aus der Wolfsburger Ecke schallen Europokal rufe, die vom BVB aber lässig gekontert werden. „Erste Runde..." Auch der BVB spielt nämlich im Uefa-Pokal, und das stand schon viel länger fest. Zugegeben, ein bisschen Glück war da auch dabei.

Doch Dortmund versucht es noch einmal. Alex Frei will unbedingt das nachholen, was er beim Elfmeter Torjubel Alexander Freiverpasst hat. Das Tore schießen. Und das klappt auch. Dank Federico muss Frei den Ball in der 69. Minute nur noch an seinem Eidgenossen im VW-Tor vorbeizirkeln, dann steht es nur noch 2:3. Kurz darauf ist es wieder Frei. 3:3! Der Ausgleich ist geschafft. Denkste! Peter Gagelmann und sein Assistententeam machen Frei und Co. einen Strich durch die Rechnung und entscheiden fälschlicherweise auf Abseits, was nicht nur den ehrgeizigen und hadernden Frei in Ekstase versetzt. Die Stimmung im Stadion ist nun aufgeheizt, Gagelmann ist endgültig - und das zu Recht - zum Buhmann avanciert. Damit war der letzte Widerstand des BVBs gebrochen, und als dann auch noch Mats Hummels verletzungsbedingt für Amedick weichen muss, ist die Niederlage endgültig. Der blonde Hüne, der in der Saison ein Auf und Ab zwischen Ersatzbank, Spielfeld und Amateuren erleben musste, wirkt noch etwas gedankenverloren als Marcelinho sich durchsetzt und seinen Landsmann Grafite mustergültig bedient. 2:4! Der Endstand eines Spiels, das unentschieden hätte ausgehen müssen.

Es ist das alte Lied. Bei viel zu vielen Gegentore durch individuell schwerwiegende Fehler reicht ein treffsicherer Sturm einfach nicht aus, um eine Partie zu gewinnen. Doch das ist nichts Neues. Jetzt gilt es den Blick nach vorne zu richten und alle Hebel in Gang zu setzen - sei es mit oder ohne Doll (Ein Gespräch ist wohl für Montag angekündigt). Eins ist sicher: Trainerwechsel und Neuverpflichtung Felipe Santana alleine werden die Wende nicht bringen. Dafür liegt noch zu viel im Argen. Trotzdem hat man eins auch am Samstag wieder gesehen: Tore. Denn seien wir mal ehrlich: Ein 3:3 ist manchmal um einiges attraktiver als ein 0:0. Und wenn die Gegentore noch so ärgerlich sind. Deswegen ist es schade, dass die Bundesliga mal wieder zu Ende ist. Spätesten nächsten Samstag wird es mir fehlen, Doll, Wörns oder den Gegner zu verfluchen.

Spielerbenotung

Marcel Höttecke: Heute sehr unsicher, aber auch wieder die ein oder andere schöne Rettungstat. Gerade am Spiel weg von der Linie hat er noch zu arbeiten, aber in ein paar Jahren könnte er ein richtig Guter werden. Note 4,5

Wörns bedankt sich bei den FansAntonio Rukavina: Sehr agil, bessere Flanken, defensiv mittelmäßig. Note 3

Christian Wörns: In seinem letzten Spiel für die Borussia hatte er es gegen den starken Wolfsburger Sturm nicht immer leicht. Erzielte fast ein Tor. Alles Gute, Werner! Note 3

Mats Hummels: Starkes Spiel vom 19 Jährigen. Antizipierte gut, war zweikampfstark, musste leider aber verletzungsbedingt vom Feld. Note 2

Dédé: Offensiv mit einigen guten Aktionen, defensiv schwach. Note 3,5

Kruska: Sehr unauffällig, viele Fehlpässe, bekam Marcelinho zusammen mit Tinga nie in den Griff. Note 4

Tinga: Ungewohnt viele Ballverluste und technische Mängel, das war nicht der Tinga den wir kennen. Note 4

Kuba: Nicht gut aufgelegt. Das Spiel lief vollkommen an ihm vorbei, wurde zu Recht ausgewechselt. Note 4,5

Federico: Starke Vorstellung der Nummer 8. Zwei Assists für Alex Frei und auch defensiv mit vielen Ballgewinnen. In dieser Form ein mehr als würdiger Kontrahent für Hajnal. Note 2

Frei bejubelt seinen Treffer zum 2-3Frei: Schoss zwei Tore, vergab einen Elfmeter und war sehr auffällig. Will immer, klappt aber nicht immer. Trotzdem gute Leistung. Note 2,5

Valdez: Laufstark, zweikampfstark, spielte gute Pässe ohne in der Offensive in den Abschluss zu kommen. Note 3

Kringe: Kam für Kruska und agierte sehr unauffällig. Note 4

Amedick: Dicker Patzer gegen Marcelinho, ansonsten zu kurz im Spiel, um bewertet zu werden. keine Note

Buckley: Ohne nennenswerte Aktion. keine Note

Spielerstimmen

Kringe: Wir haben noch einmal alles gegeben und versucht, den Fans zum Saisonausklang etwas zu bieten. Leider haben wir verloren, das ist sehr ärgerlich.

Die Fahne muss weg...Kruska: Wir wollten uns und unseren Anhänger einen versöhnlichen Saisonabschied bescheren. Ich glaube, wir haben ganz gut gespielt, haben aber blöde Gegentore bekommen.

Statistik

Aufstellungen

BVB: Höttecke - Rukavina, Hummels (68. Amedick), Wörns, Dede - Kruska (58. Kringe) - Blaszczykowski (65. Buckley) , Tinga - Federico - Frei, Valdez

„Wölfe": Benaglio - Riether, Ricardo Costa, Simunek (46. Madlung), M. Schäfer - Hasebe, Josué, Gentner (39. Dejagah) - Marcelinho (79. Krzynowek) - Grafite, Dzeko

Tore: 0:1 Riether (3.), 0:2 Marcelinho (6.), 1:2 Frei (25.), 1:3 M.Schäfer (62.), 2:3 Frei (69.), 2:4 Grafite (76.)

Gelbe Karten: Tinga, Kruska - Benaglio, Schäfer

Zuschauer: 74.023

Daniel R., 18.05.2008