Alte Bekannte, eine Werkself und Kanoniere von der Insel – Borussia will zurück auf Europas Thron

Diesen Tag werden wir wohl alle niemals vergessen: Der Champions League-Triumph vom 28. Mai 1997 ist als der größte Erfolg der Vereinshistorie in den BVB-Geschichtsbüchern verewigt. Das 3:1 im Münchener Olympiastadion gegen Juventus Turin krönte die Ära Ottmar Hitzfeld in Dortmund und schuf mit Lars Ricken und dem oft vergessenen Kalle Riedle zwei Vereins-Heroen.


Gut fünf Jahre sind seitdem vergangen, und Europas Thron ist längst wieder von anderen Teams besetzt. Real Madrid (2x), Manchester United und FC Bayern hießen die Titelträger. Besonders der bajuwarische Triumph von 2001 hat wohl so manchen Schwarzgelben bitter geschmerzt. Borussias internationale Auftritte der vergangenen Jahre gaben hingegen wenig Anlass zum Jubel – mit Ausnahme des UEFA-Cup-Finales in der vorigen Saison. Den richtig großen Zauber ließen die Spiele gegen Kopenhagen, Lille oder Liberec aber dennoch vermissen. Über die Champions League-Erlebnisse nach München sollte besser behutsam das Mäntelchen des Schweigens gedeckt werden.
Folgte im ersten Jahr nach dem Titelgewinn noch das knappe Halbfinal-Aus gegen Real Madrid, endeten die anderen Anläufe in einer mittelschweren Katastrophe. 1999 war CL-Aus gegen Boavista Porto Auslöser des Fast-Abstiegs und auch in der vergangenen Saison wurden die Portugiesen zum Stolperstein. So war die beste Nachricht vor der diesjährigen Vorrunden-Auslosung in Monaco wohl Boavistas Quali-Pleite gegen den AJ Auxerre. Dennoch zogen die Hände der UEFA-Funktionäre im Fürstentum an der Côte d’Azur einige harte Brocken aus der Lostrommel.
Die Kugel mit dem BVB-Emblem im Innern fand ihren Weg zunächst in die Gruppe A, wo der FC Arsenal London als Gruppenkopf wartete. Das Team unter der Regie des Franzosen Arsene Wenger durchbrach auf der Insel die Vorherrschaft von Manchester United und sicherte sich in der Vorsaison den Titel. Nun kündigt der sonst nicht unbedingt als Lautsprecher bekannte Coach vollmundig an: „Ich will endlich einen Europacup gewinnen.“
In der Tat sind die Hauptstädter besonders im heimischen Highbury in der Lage, jeden Gegner an die Wand zu spielen, weshalb Matthias Sammer und seine Kicker wohl auch vor der Reise nach London am 17. September nicht extra gewarnt werden müssen. Unbestrittener Star des Teams ist der Franzose Thierry Henry, im letzten Jahr Torschützenkönig der Premier League, in dessen Schatten renommierte Spieler wie Dennis Bergkamp oder nahezu die Hälfte der englischen Nationalmannschaft geradezu verblassen. Die Duelle mit den „Gunners“ lassen also großen Fußball erwarten, die englische Hauptstadt ist allerdings nicht nur deshalb eine Reise wert.
Wenn am 25. September der erste Champions-League-Anpfiff im Westfalenstadion erfolgt, dann ist der Gegner ein alter Bekannter der Borussia: Bereits zum dritten Mal trifft der BVB in einem europäischen Wettbewerb auf AJ Auxerre. Mit durchaus besten Erinnerungen, denn 1993 waren die Burgunder die letzte Station vor dem sensationellen Einzug ins UEFA-Cup-Endspiel, und 1997 waren sie Viertelfinalgegner auf dem Weg nach München. Vorfreude ist also angebracht auf das Team, das unter der Leitung des dienstältesten Trainers der Welt steht. Der Belgier Guy Roux schwingt im Stile eines Monarchen das Zepter in einem der besten Weinbaugebiete Frankreichs.
Sieht man von einer zweijährigen freiwilligen Pause ab, ist der Mann mit dem Hang zur militärischen Disziplin schon seit 1969 Trainer des AJA. Heimstätte des letztjährigen Tabellendritten der ersten französischen Division ist das Stade Abbé Deschamps, das als echtes „Schmuckkästchen“ zu bezeichnen ist. Zwar fasst es gerade einmal 20.000 Zuschauer, Atmosphäre wird hier allerdings ganz groß geschrieben. Nachzufragen bei Stefan Klos, dem abgewanderten „Helden von Auxerre“, der beim 93-er Elfmeterkrimi in diesem Stadion Unsterblichkeit erlangte. Um den Französichen Top-Torjäger Djibril Cisse und Philipe Mexes , eine der größten Nachwuchshoffnungen im Land des Ex-Weltmeisters, hat Roux eine junge Truppe formiert, die aber klarer Außenseiter in dieser Gruppe A ist.
Der Dritte im Bunde ist der Vizemeister der niederländischen Ehrendivision, der PSV Eindhoven. Beim Thema „Vizemeisterschaft“ kommt einem natürlich sofort der Name Bayer Leverkusen in den Sinn, doch dieser Titel ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der Holländer mit Toppis Verlierertruppe. Wie am Rhein steht auch in Eindhoven ein mächtiger Konzern hinter dem Verein – der Elektro-Riese Philipps ziert Vereins- und Stadionnamen. Der Trainer der Werkself ist uns von der WM noch bestens bekannt: Guus Hiddink, Koreanischer Volksheld, sehnte sich nach zwei Jahren in Asien nach dem Vereinsleben und heuerte beim 16-fachen niederländischen Meister an.
Das größte Kapital des PSV ist allerdings das Philipps Stadion, das im Stile der modernen Fußball-Arenen höchsten Komfort bietet. Zwar konnte die Nationalspieler in den PSV-Reighe in Korea und Japan ihre Künste im Oranje-Team, nicht unter Beweis stelle, der Kader des 16maligen holländischen Meisters ist jedoch gespickt mit international mit erfahrenen Akteuren. Aus Borussen-Sicht dürfte die gute Erreichbarkeit der drittgrößten Stadt im Nachbarland einen großen Vorteil bieten. In Eindhoven können sich die Schwarzgelben mächtiger Unterstützung sicher sein. Bleubt nur zu hoffen, dass das Treffen mit den holländischen Fans dieses Mal friedlicher abläuft als noch in jüngster Vergangenheit. Rotterdam lässt grüßen und genaue Erfahrungsberichte mit den PSV-Fans sind von den Anhängern des 1. FC Kaiserslautern einzuholen. 2001 kam es beim UEFA-Cup-Halbfinale zu unschönen Ausschreitungen.
Alles in allem kann man in Dortmund zufrieden sein mit den Vorrundengegnern. „Platz Zwei ist hier drin, wir wollen in der Champions League überwintern“, meint Sportmanager Michael Zorc. Bei der Endspiel-Ansetzung hat die UEFA übrigens gutes Gespür bewiesen: Am 28. Mai 2003 wird in Old-Trafford zu Manchester der neue König von Europa gekrönt – und Geschichte neigt ja bekanntlich dazu, sich zu wiederholen…
 

Geschrieben von Felix