BVB (A) filmreif gegen Babelsberg – 4:0

Wer hätte das gedacht? Am sechsten Spieltag erklimmt der Aufsteiger BVB Amateure die Tabellenführung der Regionalliga Nord. Nach einem tollem 4:0 (0:0) gegen Babelsberg hat die zweite Mannschaft der Borussia zumindest bis zum Wochenende den Platz an der Sonne.


Eine Dortmunder Zeitung verkaufte es seinen Lesern als „Coup“. Doch, dass Roman Weidenfeller irgendwann mal im Tor der Amateure des BVB auftauchen würde, war abzusehen. Schon vor Wochen äußerte sich Horst Köppel dahingehend, dass wenn es der Spielplan zuläßt, Roman mal reinschnuppern würde. Zumal er schon in Kaiserslautern, wenn denn Zeit war, das Tor der 2. Mannschaft der roten Teufel hütete. Und heute war es gut, dass man mit ihm einen solch erfahrenen Mann zwischen den Pfosten hatte. Auch er hat einen großen Anteil an diesem Sieg. Dazu später mehr.

Die Statistik vor dem Spiel: Auf der Webseite der Babelsberger konnte man vor dem Spiel eine nette Zahlenspielerei verfolgen. Aufgrund des bisherigen Saisonverlaufes kam man auf eine Berechnung der Chancen von 56,39 % zu 43,61 % für den BVB. Die Potsdamer Vorstädter waren vor diesem Spiel ungeschlagen. Allerdings erzielte man in den ersten fünf Spielen einen Sieg und vier Unentschieden, davon zuletzt drei Stück in Folge. Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der Roten Erde war im August 2000 und endete mit einem 0:0 vor damals 890 Zuschauern. Damals waren mit Pinske, Bugri und Sahin lediglich drei Spieler am Start, die noch heute das schwarzgelbe Trikot tragen.
Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der Roten Erde war im August 2000 und endete mit einem 0:0 vor damals 890 Zuschauern. Damals waren mit Pinske, Bugri und Sahin lediglich drei Spieler am Start, die noch heute das schwarzgelbe Trikot tragen.

Horst Köppel konnte aus dem Vollen schöpfen. Neben Profileihgabe Weidenfeller, standen auch wieder Timo Achenbach und David Odonkor zur Verfügung, die zuletzt zu Matthias Sammer abgestellt waren. Die Babelsberger, die in der letzten Saison noch das Tabellenende der 2. Bundesliga zierten, traten mit einer namentlich unbekannten Truppe auf. Lediglich der Banksitzer Slawomir Chalaskiewicz könnte dem einen oder anderen noch negativ in Erinnerung sein. Dieser war es nämlich, der dem BVB vor Jahren mal mit seinem entscheidenen Tor eine schmerzhafte Auswärtsniederlage bei seinem damaligen Verein Hansa Rostock bescherte.
1170 Zuschauer in der Roten Erde. Abendspiele scheinen nicht nur die Mücken anzuziehen, sondern auch ein paar mehr Zuschauer, als man es in Dortmund bei den Amateuren gewöhnt ist. Darunter eine Handvoll Babelsberger Anhänger, die sich vor dem Spiel alle Mühe machten, ihre blauweißen Farben in rechte Licht zu rücken.
Auf der Dortmunder Seite fanden sich auch wieder mehr supportwillige Fans des BVB als zuletzt ein. Diese machten bereits zu Beginn des Spieles von sich hören. „Keppmann raus“ schallte es durch das Stadion. Eine Reaktion auf die andauernden Zwistigkeiten zwischen den Fans und dem Manager der Amateurabteilung.

Zum Spiel. Beide Mannschaften standen von Beginn an sehr gut. Niemand zeigte Schwächen. Das führte aber auch dazu, dass Chancen zu Anfang Mangelware waren. Nach einer Flanke von Sahin, setzt Achenbach einen Kopfball von der Strafraumgrenze über den Kasten (14.). Ein Abpraller im Mittelfeld landet bei Odonkor, der durchstartet und in der Mitte Emanuel Krontiris bedient, der aber in der Abwehr der Blauen stecken bleibt. (26. Minute). Roman Weidenfeller war bis dahin eigentlich mehr oder weniger beschäftigungslos geblieben. Erst in der 36. Minute wurde er gefordert, da aber richtig. Einen strammen Schuss von Hendryk Lau parierte er glänzend.

Packendes war nicht zu sehen, und das Fazit zur Pause von Mönchengladbachs Trainer Meyer, der sich den Pokalgegner des nächsten Wochenende Babelsberg ansah, fiel nicht gerade überschwänglich aus: „Auf dem Platz tut sich allerhand.“

Die zweite Hälfte versprach von Beginn an mehr. Bereits nach vier Minuten eine gute Chance. Florian Thorwart bedient in der Mitte Emanuel Krontiris, der mit seinem Schuss an Keeper Herber scheitert. Der Nachschuss von Guy Demel wird von der Abwehr abgeblockt. In der 54. Minute ändert sich dann endlich zum ersten Mal der Spielstand. In eine Flanke von rechts von David Odonkor macht Emanuel Krontiris ein langes Bein und schießt ein zum 1:0 für den BVB. Dass es bald darauf nicht unentschieden steht, verdankt man Weidenfeller, der sich mutig in einen Schuss aus kurzer Distanz wirft. (58.) Dann wieder der BVB. Florian Thorwart schlägt wieder einen weiten Pass nach vorne auf Odonkor, der wieder wie der geölte Blitz durchstartet. Vor dem Tor angekommen, spielt er links raus auf den mitgelaufenen Thorwart, der mit seinem Schuss scheitert. Vielleicht hätte David hier eigennütziger Spielen sollen. Dann wieder Roman Weidenfeller, der einen schneller Konter mit Übersicht vor dem herannahenden Lars Kampf entschärft. (62.) Zwei Minuten später fliegt der Neuzugang aus Kaiserslautern wieder einem Ball entgegen, den er super über die Latte lenkt. Zu diesem Zeitpunkt hätten die Gäste auch führen können.
Der nicht-sportliche Höhepunkt des Abends erleben die Anhänger in den schwarzgelben Farben in der 72. Minute. Eine, der Redaktion nur zu gut bekannte junge Teilzeitcaporin ergreift die Gewalt und legt zusammen mit den ihr zu Füßen sitzenden eine absolut geniale „Humba“ hin. Qualitativ gleichzusetzen mit einem Hattrick innerhalb weniger Minuten, einem Fallrückzieher aus zwanzig Metern, einem Tor des Jahres, ach was, des Jahrzehnts. Nicht gleich im Anschluss daran, sondern mit ein paar Minuten Verspätung, bekamen dann die Gäste die Bude so vollgeknallt, dass die Rückfahrt nach Potsdam wohl quälend lang geworden sein dürfte. Das 2:0 ein Meisterwerk. Timo Achenbach spielt aus spitzem Winkel zurück in die Mitte auf den eingewechselten Salvatore Gambino, der seinen Gegenspieler aussteigend, scheinbar mit sich selbst Doppelpass spielt, um dann den Ball zum zweiten Tor für die Borussia zu versenken (82.).
Das nächste Tor in der 87. nach genialem Zuckerpass vom eingewechselten Uwe Seggewiß auf David Odonkor, von dem seine Gegenspieler nur noch die Staubwolke registrierten. Diesmal machte er es besser und schob alleine vor Herber den Ball zum 3:0 ein. Sichtlich erleichtert durch diesen Torerfolg dampfte David nach dem Treffer zur Eckfahne und dekorierte sie mit seinem Trikot. Damit aber noch nicht genug. Eine Minute später gar das 4:0 durch Leandro Dede. Ein langer Ball aus dem Nichts trudelt hoch in den Kasten der Blauen. Auch der Rettungsversuch eines Abwehrspielers, der den Ball nur ins eigene Tor verlängern kann, hilft nichts. 4:0, der BVB obenauf und die Filmstädter zum guten Schluss glasklar geschlagen.

Riesige Freude nach dem Schlusspfiff und strahlende Gesichter. Selbst Stadionsprecher Ulrich Behle machte seiner Freude mit dem Hinweis auf den neuen Spitzenreiter der Regionalliga Nord, dem BVB Luft. Weniger Freude hatte Babelsbergs Trainer Nenad Salov, der erst nach langem Suchen und Bitten zu der anschließenden Pressekonferenz erschien.
Nenad Salov (Trainer Babelsberg): Natürlich ist es schwer nach einem solchen Spiel etwas zu erzählen. In der ersten Halbzeit haben wir das Spiel einigermaßen gut kontrolliert. In der zweiten Halbzeit bekommen wir das erste Tor. Dann werfen wir alles nach vorne, aber keine der großen Chancen konnte wir realisieren und so kommt das, was normalerweise immer kommt. Wir haben uns nach vorne orientiert und der Gegner hat das ausgenutzt.

Horst Köppel: Mit dem 4:0 bin ich mehr als zufrieden. Ich denke aber, dass das Ergebnis etwas zu hoch ausgefallen ist. Der Gast musste aufmachen und wir hatten Konterchancen. Wir haben aber auch in der zweiten Halbzeit Glück gehabt, dass wir mit dem Roman Weidenfeller einen guten Torwart zwischen den Pfosten hatten, der einige klare Chancen zunichte gemacht hat. Ich kann allen Spielern ein Kompliment machen.
Die Mannschaftsleistung ist momentan bei uns das Beste. Alle Spielen hervorragend, ich hoffe, dass dies lange anhält. Die wissen aber auch ganz genau, dass ich darauf Wert lege, dass das nächste Spiel immer das wichtigste ist und wir auf keinen Fall nachlassen dürfen. Das Potenzial ist da. David Odonkor, hat die Leistung gebracht, die ihn auch nach oben gebracht hat. Ohne ihn herausheben zu wollen, hat er doch besser gespielt als zuletzt.

Das nächste Heimspiel der Amateure ist am Sonntag, den 15.09.02. gegen den Chemnitzer FC. Anpfiff in der Roten Erde ist um 14 Uhr. ACHTUNG NEUER TERMIN
Zum Schluss eine weitere Folge aus der Reihe „Florian und seine Mädels“. Nach der Zaunfahne „Heute nur für Flo“ gesellte sich heute eine weitere dazu mit der Aufschrift „Schieß noch ein Tor“ Wie wird es weitergehen? Klicken Sie bald wieder auf diese Seiten, wenn es dann vielleicht heißt "Flo, ich will ein Kind von Dir“.


BVB: Weidenfeller, Thorwart, Sahin, Achenbach, Demel (62. Seggewiß), Pinske, Odonkor, Bugri (89. Sirin) , Krontiris (65. Gambino), Sasy, deDeus

Tore: 1:0 Krontiris (54.), 2:0 Gambino (82.), 3:0 Odonkor (87.), 4:0 deDeus (88.)

Zuschauer: 1170

Schiedsrichter: Heinz Zinken (Mechernich) sollte mit seine Assistenten mal Abseits üben.

Geschrieben von Thomas