Remis im Hexenkessel
Schmeichelhaft oder verdient? Diese Frage stellt sich nach dem heutigen 1:1-Unentschieden der Borussia in Leverkusen. Zwar dominierten die Leverkusener in Hälfte 1 das Spiel fast nach Belieben, doch hätte der BVB im zweiten Abschnitt durchaus noch den Sieg klarmachen können.Aber der Reihe nach: Der Pudel hatte seine Mannschaft im Vergleich zum Saisonauftakt lediglich auf einer Position verändert, für den defensiven Balitsch rückte Neuville ins Team. Auf schwatzgelber Seite sah es ähnlich aus, auch hier hielt es Matthias Sammer nicht für nötig, groß umzuwechseln und brachte lediglich Dede für den gegen Hertha äußerst schwachen Fernandez.
Bereits zu Beginn sorgten die Leverkusener Fans für ein wenig Erheiterung. Als Intro präsentierten diese nämliche eine riesige Krone mit der Aufschrift „Kings of Europe“ sowie ein Spruchband mit der Aussage „Wir sind keine Fans von Titeln, sondern von Bayer 04“. ‚Logisch’, denkt man da, wie sollen die auch Fans von Titeln sein?
Wie sich diese Menschen überhaupt „Fans“ nennen können, mag sich der ein oder andere während seines Leverkusen-Aufenthalt am heutigen Tage auch einmal mehr gefragt haben. Die „Kings“ jedenfalls präsentierten sich während des gesamten Tages eher wie verarmter Lumpenadel, um mal in dieser Metaphorik zu bleiben.
Das Spiel in der ersten Hälfte fand fast ausschließlich in der Hälfte der Borussia statt und so gab es bereits schon in den ersten zehn Minuten drei gute Einschussgelegenheiten für die Werkself durch Neuville, Simak und Berbatov.
Nach 10 gespielten Minuten helle Aufregung: Ohne jegiche Einwirkung eines Gegenspielers geht Neuville im Strafraum zu Boden, aber Schiri erkennt die Schwalbe als solche – leider ohne Verwarungskarte für den Deutsch-Schweizer.
Um ausgleichende Gerechtigkeit zu schaffen verweigerte Wack dann nur zweit Minuten später auch dem BVB einen Strafstoß. Auch hier lag er wohl eher richtig, denn Placente trifft Ewerthon zwar klar, spielt vorher jedoch auch ebenso deutlich den Ball – eine schwierige Situation, in der ich wahrlich nicht in Schirihaut stecken wollte.
Die 23. Minute brachte Bayer die verdiente Führung: Nach Schneider-Flanke verpassten nacheinander sowohl Berbatov und Neuville, als auch sämtliche Schwatzgelben, so dass Placente nur noch am starken Jens Lehmann vorbei zu schieben brauchte.
Mit diesem Spielstand ging es in die Pause, die zweite Halbzeit sollte deutlich anders ablaufen: Dortmund kam nun besser ins Spiel und konnte sich in diesen zweiten 45 Minuten einige – allerdings wenig zwingende- - Einschussgelegenheiten erarbeiten. Das Pillenteam hingegen musste offenbar dem hohen Tempo aus Hälfte 1 Tribut zollen und kassieret so folgerichtig auch in der 61. Minute den Ausgleich durch einen sehenswerten Kopfballtreffen von Koller nach Ewerthon-Flanke.
In der Folge bot sich dem Zuschauer dann ein zerfahrenes Spiel ohne deutliches Übergewicht zugunsten einer Mannschaft. Zwar gab es auf beiden Seiten noch die ein oder andere Gelegenheit, den Spielstand zu ändern, doch beide Teams schienen durchaus mit dem Ergebnis einverstanden und trennten sich denn auch schiedlich friedlich 1 zu 1.
Die lustigste Aktion des Spiels fand jedoch ein paar Meter über dem grünen Rasen von GuantanamoBay statt und es zeichneten sich auch weder Dortmunder noch Leverkusener dafür verantwortlich. Ganz im Gegenteil, denn Mitte der zweiten Spielhälfte waren es auf einmal die Kölner (die "Wilde Horde 96" in Co-Produktion mit dem Fanprojekt), die einen sportlichen Gruß an ihre Lieblinge vom anderen (Rhein-)ufer loswerden und noch ein vorerst letztes Mal im Konzert der Großen mitspielen wollten: Ein Flugzeug erschien über der Arena und hintendran ein riesiges Spruchband mit der Aufschrift „Nie dt. Meister – Gruß us Kölle“.
Fazit:
Es gibt Spiele, die durchaus Remis ausgehen dürfen, und nach diesem Spielverlauf war das heutige ein eben solches. Gegen die Betriebssportgemeinschaft einen Rücktand aufzuholen zeit die Klasse der Borussia, die ansonsten jedoch ihre Stärken noch gut verstecken konnte. Nach Jahren der Niederlagen ist es aber allemal schön, endlich wieder einen Punkt aus der GuantanamoBayArena zu entführen.
Die Daten zum Spiel:
Leverkusen: Butt - Zivkovic, Juan, Lucio, Placente - B. Schneider, Bastürk, Ramelow, Simak - Neuville, Berbatov
Borussia: Lehmann (2) - Evanilson (2,5), Metzelder (3,5), Heinrich (3) , Dede (-) [26. Madouni (3,5) - Frings (4) [87. Oliseh], Kehl (3,5), Rosicky (3,5) - Ewerthon,(2,5) Koller (3), Addo (3,5) [75. Odonkor]
Zuschauer: 22.500 (ausverschenkt)
Schiri: Dr. Wack, Note 4: Hätte Neuville bei seiner Schwalbe gelb zeigen MÜSSEN
Schönen Dank für die Bilder an die Supporters Dortmund und www.fanarena.de
Geschrieben von Arne
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