Der Super-Friday

Was ist schon der amerikanische Super-Tuesday gegen den Super-Friday, der uns gestern völlig überraschend und aus heiterem Himmel traf? Ob Clinton oder Obama, diese Entscheidung ist doch ein Fliegenschiss im Vergleich zu Klinsi, Lehmann oder van der Vaart. Ein Tag, der die deutsche Geschichte verändert. Noch Jahre später werden wir abends am Gartenzaun stehen und sagen: „Weisste noch ,der elfte Januar Nullacht? Ab dem Tach war hier nichts mehr so, wie es vorher mal war“. Nun gut, zumindest suggerierte das mediale Tamtam einen Tag von epochaler Bedeutung für (Fußball-) Deutschland.

Alles überstrahlt natürlich von der Heimkehr des WM-Helden und Ex-Bundestrainers Jürgen Klinsmann nach Deutschland. Von da aus flog er dann sofort weiter nach Bayern und wurde unter Blitzlichtgewitter als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld für die Saison 2008/2009 präsentiert. Was für ein Coup. Der beste, kreativste, blondeste, tollste, grinsigste, sympathischste, Ersten-Alles-Trainer der Nation, coacht demnächst Deutschlands Vorzeigeclub und Hassobjekt, den FC Bayern München. Radiosender verbreiteten die Nachricht von 5 bis 6 Millionen Gehalt – Euro, pro Jahr und netto, versteht sich. Vorbei die Zeiten, in denen Trainer vor Mannschaftsessen ihren Kapitän anpumpen mussten, weil das karge Gehalt nicht mehr für Zahnspange und Schülbücher für den Nachwuchs und gleichzeitig Essen gehen ausreichte. Im Sparkassen-Werbespot mit dem „Meine Villa, mein Auto, meine Boot“ wäre Klinsmann jetzt der, der seinen Starkickern zeigt, wo der Frosch die Locken hat.

 

Logo "Tatort Bundesliga"Aber sein wir mal ehrlich, den Schotter und die Aufmerksamkeit hat er sich doch auch verdient. Er, der Deutschland bei der WM zu einem noch nie da gewesen Platz 3 bei einer Fußball-WM geführt hat und im Sommer 2006 bessere Chancen auf eine vorzeitige Heiligsprechung hatte als Johannes Paul II. Von der „Schwabenschwuchtel“ zum größten Fußballtrainer aller Zeiten (GröFuTaZ) – die wohl zweitgrößte Karriere eines Sunnyboys in deutschen Landen.

Und alle waren sie dabei, bei der Verkündung dieser Trainerpersonalie. Ob ARD, ZDF, RTL, SAT1,N-TV, N-24, TM3, WWF, CIA oder der CVJM, alle wollten sie mit ihren Kameras die Sensation in die weite Welt hinaus übertragen. Da kann man schon ahnen, was uns ab dem Sommer blüht. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr – Seppels so weit das Auge reicht. Egal wo man hinzappt, irgendwo wird Klinsmann immer im besten Schwäbisch Weisheiten verbreiten wie „Der Ribery ist der, der wo ganz wichtig für unser Spiel sein tut“.

Da hat der Eike das eigentlich ganz richtig gemacht. Lieber im Dschungelcamp die Schaffrath beglotzen, als hier der bajuwarischen Informationsfolter ausgesetzt zu sein.

 

Jens LehmannDie Nachricht, dass der Klinsi kommt, verdrängte ein anderes Hauptthema der letzten Wochen. Ein anderer kommt nämlich nicht. Und zwar der Lehmann nach Dortmund. Der englische Ersatzkeeper mit den Stutzen voller Zettel für jede Gelegenheit wird erstmals weiter die Londoner Ersatzbank warm halten, statt durch den Strafraum des Westfalenstadions zu segeln. Gewusst hat es, wie immer, das journalistische Äquivalent zu einer Giftspritze - und zwar weit vor allen andern. Bereits vor zwei Wochen schlagzeilte die Bild, das Lehmann aus finanziellen Gründen nicht wechseln würde. Geradezu grandios dann die Nebelkerze, die man am 09.01. zündete und somit alle Konkurrenten um neueste Neuigkeiten in die Irre führte. Während jede Nachrichtenstube den perfekten Wechsel nach Bildzeitungsmeldung über den Äther tickerte, freute man sich im Springerhauptquartier über den gelungenen Schachzug. Vorsichtshalber hatte man beide Möglichkeiten schon als perfekt gemeldet, um sich später darauf zurückziehen zu können, dass man zumindest 50 % richtig und alle anderen zu 100 % falsch lagen. Grandioses Kino, Herr Diekmann.

 

Warum Lehmann jetzt seine Chancen aufs EM-Tor minimiert, ist unklar. PR-technisch macht sich die Meldung, dass er aus familiären Gründen mit seiner Familie in London bleiben will, natürlich gut. Da wird’s einem ganz warm ums Herz. Ein Spieler, der Frau und Kind zuliebe auf eine deutliche Gehaltsreduzierung verzichtet und lieber rund um die Uhr für sie da ist, statt die kleine Ewigkeit von 5 Monaten „auf Montage“ in Dortmund zu malochen. Hat man es sich in dieser romantisch anheimelnden Kuschelecke erstmal gemütlich gemacht, holen einen andere Stimmen auf den harten Boden des Profifußballs zurück. Dort wird gemunkelt, dass nicht die Familie, sondern der deutsche Spitzensteuersatz letztendlich den Ausschlag gegen einen Wechsel zurück nach Deutschland gegeben hat. Kann man aber auch verstehen. Mit 38 Jahren muss er so langsam an die Zeit denken, in der hochpreisige Corega-Tabs und Inkontinenzartikel auf dem Einkaufszettel stehen. Da ist es notwendig so langsam seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, will man nicht den Weg anderer Einkommensmillionäre gehen  und später in einer Seniorenresidenz ohne goldene Wasserhähne landen. Wie auch immer, seiner Conny wird’s egal sein. Frei nach Möller: Ob familiär oder fiskalisch – Hauptsache nicht Dortmund.

 

Gerüchteweise hat man in der Dortmunder Geschäftstelle sofort einen Fleurop-Blumenstrauss an die

 

Säbener Straße in Auftrag gegeben. Das Timing war von Dortmunder Seite aus, perfekt. Ohne den Klinsi-Hammer  hätten die ganzen Kamerateams nämlich in Dortmund und nicht in München gestanden. So ließ man sich gerne die Show stehlen und am Super-Friday zur Nummer 2 der Presse degradieren. Da behaupte noch einer, dass die Bayern nicht doch zu was gut sind.

 

Aber nach all den Meldungen, bei denen man geteilter Meinung sein kann, hier mal eine Nachricht, die durchweg positiv ist: van der Vaart hat den Vertrag verlängert und bleibt Deutschland erhalten. Der Rafael? Quatsch. Das würde doch nur norddeutsche Fischköppe interessieren. Die Sylvie hat ihren Vertrag mit dem Versandhaus Otto verlängert und Stossseufzer der Erleichterung gehen durchs Land. Die holländische Sahneschnitte wird auch weiterhin deutsche Männerherzen höher schlagen lassen.

 

Van der Vaart im Zweikampf mit TingaWas mit ihrem Mann in Zukunft passiert, bleibt weiterhin unklar. Sind Holländer von Natur aus ein putziges Völkchen, schwingt sich Rafael zum King of Comedy auf. Posierte er in der letzten Sommerpause noch, trotz laufenden Vertrags, rein präventiv schon einmal im Trikot von Valencia, wollte er diesmal schlauer sein. Erst dem HSV mitgeteilt, dass er seinen Vertrag in der Hansestadt nicht verlängern wird und dann vollmundig verlautet, dass er sehr gerne für die alte Dame Juventus Turin auflaufen würde. Nur Turin will ihn auf einmal nicht mehr. Juve-Coach Ranieri erklärte, dass der niederländische Ballvirtuose gar nicht der Zehner sei, den man sich in Italien wünsche. Wäre man gehässig, könnte man von Dortmunder Seite aus bewundernd anmerken, dass es Vereine gibt, die sich tatsächlich von der Verpflichtung eines Zehners Gedanken machen, ob der Spieler überhaupt die Anforderungen erfüllt.

Aber dennoch wird sich van der Vaart wohl keine Gedanken über seine fußballerische Zukunft machen müssen. Wahrscheinlich findet sich ja noch ein englischer Schwippschwager, der ihn gerne auf der Insel sehen und dessen Herzenswunsch er unbedingt erfüllen möchte. Vielleicht sieht man ja noch in dieser Winterpause Bilder, auf denen er das Trikot von Tottenham  spazieren trägt.

Und hier schließt sich der Kreis wieder. In Tottenham hatte Klinsi nämlich einst als „Diver“ für Furore und Schlagzeilen gesorgt. Schlagzeilen, die uns der Fußball auch in Zukunft bescheren wird. Und neben einem Super-Friday gibt es ja auch noch 6 andere Wochentage, die es aufzufüllen gilt.       


Sascha, 12.01.2008