Sammers Wechselfehler kostet Sieg
Endlich war es wieder so weit! Genau vor 97 Tagen streckten unsere Jungs die Meisterschale in den Himmel und das Stadion versank in einem schwatzgelben Farbenmeer. Drei Monate ohne Fußball im Tempel sind eine Ewigkeit und bringen den echten Borussenfan fast um den Verstand.Da hilft auch keine noch so gute Fußballweltmeisterschaft über die Runden. Viel länger wäre man auch wohl kaum noch in der Lange gewesen, den andauernden Lobgesang auf diverse Nationalspieler zu ertragen. Vier bis sechs Wochen hat man zusammengehalten, aber nun ´is auch gut gewesen. Der Ligaalltag hat uns wieder, man kann die eigenen Spieler wieder so wunderbar lieb haben und nicht näher genannten Nationalspielern den gewohnten Obsttag im Westfalenstadion gönnen. Aber, Vizeweltmeister hin oder her, endlich ist das Seelenleben des BVB Fans wieder im Lot. Die DFL hatte zur großen Saisoneröffnungsfeier geladen und würdigte den ersten DFL Meister, Borussia Dortmund, mit dem Eröffnungsspiel an diesem Freitagabend.
Alles schien wie bestellt. Der Wetterbericht hatte endlich einmal gehalten, „Right said Fred“ hatte seinen großen Auftritt, DFL Präsidenten Werner Hackmann und Dr. Niebaum führten die Meisterschale ins Stadion, überreichten Rudi Völler und Michael Skibbe Blumen um dann die Spiele zu eröffnen. Besonders Hackmann Auftritt mit verschränkten Armen gab dem Auftritt die nötige Würze (Achtung Satire!!!)
Erinnert hatte alles mächtig an die Sparausgabe einer „Superbowl“ Veranstaltung. Zu viele Elemente aus dem amerikanischen Sport finden sich in der Darstellung der DFL. Kreativität und Mut zu eigenem wäre und hier gefragt. Das man eigene Ideen gut in Szene setzen kann bewiesen auch dieses mal wieder die Dortmunder Supportervereinigung „The Unity“, die mit Unterstützung des Vereins eine wunderschöne Choreo vorbereitet hatte.
Aber kommen wir zu den wichtigen Fragen dieses ersten Spieltages. Würde es dem BVB endlich gelingen „Hupe“ Stevens ordentlich das Wochenende zu versauen? Versaut dürfte sicher seit Mittwoch die Laune von Lars Ricken sein, der sich beim Training einen Muskelfaserriss zugezogen hatte.
Es bleibt zu hoffen, dass Lars schnell wieder fit wird, da gerade er vor Ehrgeiz und Entschlossenheit nur so strotze. Reuter musste ebenso passen. Dede musste unterwartete auf die Ersatzbank. Rechtzeitig fit meldeten sich Kehl und Frings, die ebenso wie Fernandez und Addo in die Startelf rutschten.
Öhm, Mittagsschlaf verlängert?
Wovon die Dortmunder Spieler in den ersten Sekunden geträumt haben werde wir wohl nie erfahren, aber was sich da in der ersten Spielminute im Strafraum des BVB abspielte, ist wohl nur mit einer kollektiven Tiefschlafphase zu erklären. Keiner der anwesenden Dortmunder Spieler fühlte sich für den harmlosen Flankenball der Berliner verantwortlich. Extraklasse dann der Abwehrversuch von Evanilson, der Bart Goor den Ball auch genauso gut hätte auflegen können. Dessen Schuss landete für Lehmann unhaltbar im linken unteren Eck. Moin, moin, sagt da der Friese. Willkommen in der Wirklichkeit.
Tiefschlaf in der Abwehr, hellwach dafür in der Offensive. Bereits drei Minuten später landete das Leder mustergültig bei Koller.
Jeder schien auf den Abseitspfiff zu warten, aber der blieb aus. Mit störrischer Ruhe ließ der „Dino“ erst Kiraly aussteigen, schoß aber dann nicht direkt aufs Tor. Alle fragten sich, was macht der Lange jetzt mit der Kugel. Das Dingen selbst zu versenken schien nicht in seinem Regiebuch zu stehen. So passte der lange Tscheche auf den besser postierten Frings, der das Leder nur noch über die Linie drücken musste.
Doch der Treffer sorgte nicht für die nötige Ruhe und Sicherheit in der Abwehr der Borussen. Dortmunds Hintermannschaft wirkte verunsichert und leistete sich anfangs zu viele Konzentrationsschwächen. Immer wieder rutschte den Fans das Herz in die Hose, wenn die Berliner vor Lehmanns Kasten auftauchen.
Offensive hui, Defensive pfui
Offensiv lief es dagegen für den BVB besser. In der 11. Minute setzte sich der starke Ewerthon gleich gegen zwei Herthaner durch, traf aber beim Torschuss die Kugel nicht richtig.
In der 19. Minute konnte sich der BVB bei Lehmann bedanken, der den wieder durch eine Nachlässigkeit in der Hintermannschaft den freistehenden Preetz mit einem tollen Reflex am Führungstreffer für die Berliner hinderte.
Nur zwei Minuten später war es Alves, der diesmal mit einem Heber versuchte Lehmann zu überwinden. Doch das Leder landete zum Glück auf dem Netz des Dortmunder Kasten.
Der BVB Express rollte
Im direkten Gegenzug tanzten Koller und Rosicky die Berliner Abwehr mit einem sehenswerten Doppelpass aus. Der kleine Tscheche setzte sich auf der rechten Außenbahn wunderschön durch und passte den Ball zum einschussbereiten Frings. Doch Dortmunds neue Nummer 8 verpasst die Chance seinem zweiten Treffer an diesem Abend zu markieren. Nach dieser Szene bekam der BVB das Spiel immer besser in Griff.
In der 26. Minute kommen wir kurz zur Werbung:
„ Sie haben keine Stimmung im Stadion? Wir haben die Lösung. Dr. Markus Merk! Hysterische Fans kurz vor dem Blutsturz, garantiert.“
Schiedsrichter Merk wird beim Dortmunds Anhang wohl auch nach diesem Spiel in der nach oben offenen Sympathieskala nur knapp über ansteckende Krankheiten kommen. Die Szene, die zum völligen Ausraster der Dortmunder Fans sorgte war ein elfmeterreifes Foulspiel an Otto Addo, das wohl alle außer Dr. Merk gesehen hatten.
Die Fans der Berliner glänzten vor allem mit Beleidigungen und weniger durch Unterstützung des eigenen Teams. Ein bisschen mehr Information über den Gegner würde den Herthafans auch gut tun, denn mit dem Spruch: „Ihr seid scheiße wie der S#4!“, treffen sie wirklich keinen Dortmunder Fan.
In der 36. Minute endlich ein Aufschrei der Erlösung aus über 60.000 Kehlen in der „Baustelle“ Westfalenstadion. Die erste Ecke für Borussia verwandelte Ewerthon im Nachschuss zur 2:1 Pausenführung. Rosicky hatte den Eckball getreten und Ewerthons Kopfball sprang vom linken Pfosten ans rechte Aluminium. Der Sambafloh setzte nach und brauchte den Ball nur noch über die Linie drücken.
Taube auf dem Dach, Spatz in der Hand
Die Dortmunder begannen so, wie sie die erste Halbzeit beendet hatten. In der 47. Minute setzte Rosicky einen Freistoß aus 18 Meter an den Pfosten. Das Spiel nahm langsam wieder Fahrt auf und Borussia knüpfte an die gute Offensivleistung der ersten Hälfte an. Hertha blieb gefährlich doch der BVB hatte die hochkarätigeren Chancen.
In der 59. Minute hätte der Berliner Friedrich für sein Foul an Otto Addo die rote Karte sehen müssen. Aber Schiri Merk sah das mal wieer völlig anders und "belohnte" Friedrich mit dem gelben Karton. Der Berliner wird mit Sicherheit ab sofort ein großer Markus Merk Fan sein. Zum wiederholten mal brachte er das Stadion gegen sich auf.
Nur eine Minute später tauchte Ewerthon vor dem Berliner Keeper auf, der jedoch den schwachen Schuss des Brasilianers parieren konnte. Die Chancen für den BVB häuften sich, ein weiter Treffer für den BVB lag in der Luft, doch er wollte nicht gelingen. Als nächster vergab Tomas Rosicky in der 63. Minute die Möglichkeit auf 3:1 zu erhöhen. Doch auch er scheiterte nach toller Ballannahme an Kilary.
Borussia drückte weiter, Hertha reagierte nur noch und alle im Stadion erwarteten den erlösenden dritten Treffer. Ewerthon spielte in der 73. Minute Koller frei. Der „Dino“ ließ Kilary aussteigen, doch der Ball versprang ihm. Sein Versuch, den Ball mit der Hacke über die Linie zu befördern landete in den Armen des Berliner Keepers.
Dortmunds Kräfte schwanden, trotzdem kämpfte die Mannschaft aufopferungsvoll. Sammer brachte Oliseh für Ewerthon (74.). Ein taktischer Fehler, der sich kurze Zeit später rächen sollte. Matthes Plan, mit Oliseh die knappe Führung über die Runden zu bringen ging nicht auf. Die Berliner konnten sich aus der Umklammerung des BVB befreien und ihrerseits immer wieder gefährliche Angriffe vortragen.
In der 85. Minute bestätigte sich dann wieer einmal eine alte Fußballweisheit. Wenn Du die Bude selbst nicht machst rächt sich das am meistens am Ende. Pinto schüttelte im Mittelfeld den langsam müde werdenden Fernandez ab und passte das Leder zu „Zecke“ Neuendorf. Der schob am verdutzen Lehmann vorbei das Leder ins Netz. Kollektive Betroffenheit im Westfalenstadion. Innerhalb weniger unachtsamer Minuten brachte sich Borussia um den verdienten Lohn.
Jetzt, viel zu spät, brachte Sammer für den enttäuschenden Otto Addo mit Odonkor einen neuen Stürmer, um das Angriffspiel noch einmal zu beleben. Doch zu spät, Hertha schaukelte mit viel Glück und Geschick den glücklichen Punkt in die Hauptstadt.
Stimmen und Daten zum Spiel:
Stevens:
Ich glaube das wir froh sein können, das unser erste Spiel hier in Dortmund war. Man sah, dass die Nationalspieler erst seit drei Wochen im Training sind und ihnen etwas Kraft fehlte. Wir sind glücklich und zufrieden mit dem einen Punkt.
Sammer:
Wir haben den Anfang verschlafen. Sind dann besser zurecht gekommen. Ich war zufrieden mit der kämpferischen Leistung meiner Mannschaft. Wir wollten dem Publikum zeigen, dass wir auf dem Platz alles geben. Großen Respekt auch an die Leistung der Nationalspieler. Wenn Herr Merk nicht in der letzten Zeit soviel auf Uli Hoeneß gehört hätte, dann hätten wir den Elfmeter für das Foul an Otto Addo erhalten.
Daten zum Spiel:
Aufstellung: Lehmann (3), Metzelder (3), Evanilson (3), Juan Fernandez (4), Kehl (2,5), Heinrich (3,5), Frings (3,5), Addo (4,5), Rosicky (3,5), Ewerthon (3), Koller (3),
Schiedsrichter: Dr. Markus Merk (4) übersah einen klaren Elfmeter und ein rotwürdiges Foul an Otto Addo
Karten: Rosicky (24. Gelb), Fernandez (86. Gelb)
Zuschauer: 68.600 ausverkauft
Tore: 1.0 Goor (1.), 1:1 Frings (4.), 2:1 Ewerthon (36.), 2:2 Zecke (86.)
Geschrieben von wade
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