Die Mitgliederversammlung 2007: Friede, Glücksschwein, Erbsensuppe
Es ist wieder soweit. Der BVB lädt zur Jahreshauptversammlung und 754 Mitglieder kommen in die Westfalenhalle 2. Wegen einer Fehlplanung findet die Versammlung nicht am Sonntag statt, sondern an einem Montagabend um 19 Uhr. Neben der Wahl des BVB-Präsidenten und der momentanen Situation werden bestimmt auch die drei Satzungsänderungen für reichlich Diskussionsstoff sorgen. Ach ja, die sportliche Talfahrt ist ebenfalls ein aktuelles Thema. Wie reagieren die Mitglieder, wie der Verein?Eingeladen waren 30.057 Mitglieder. Was auffiel, nur 11% (3.399) davon waren Frauen. Ob da vielleicht Potenzial für die Mitgliedergewinnung schlummert? Um 19 Uhr eröffnete Dr. Reinhard Rauball die Versammlung. Als erstes gedachte man den 56 verstorbenen Mitgliedern, darunter dem ehemaligen Spieler Willi Kronsbein und Ehrenmitglied Herbert Sandmann. Im Anschluss wurden die Mitglieder geehrt, die 25 Jahre, 40 Jahre, 50 Jahre, 55 Jahre und 60 Jahre dem Verein angehören. Leider fehlte der berühmteste der Geehrten. Torwartlegende Heini Kwiatkowski, geehrt für 55 Jahre Mitgliedschaft, liegt derzeit im Krankenhaus, bekam dort aber von Siggi Held einen Blumenstrauß zu seinem Jubiläum überreicht. Als nächstes waren die Jahresberichte aus den Abteilungen dran. Als erster Abteilungsleiter betrat Wolfgang Springer das Podium und berichtete von seiner Abteilung. Er konnte berichten, dass alle Westfalenpokale in Dortmund stehen (Der Westfalenpokal wird ab der C-Jugend ausgespielt). Auch die Jugendmannschaften können von Erfolgen berichten. Vor allem die B-Jugend konnte in der letzen Saison neben dem Pokalsieg die Vizemeisterschaft feiern. Danach kam Heinz Keppmann für die Amateurabteilung ans Podium und dankte zuerst Schiedsrichterobmann Karl Kopeka, der seinen Posten am Ende des Jahres aus gesundheitlichen Gründen aufgeben muss. Im Anschluss ging er über zu der Erfolgstory BVB II. Noch vor einem Jahr lag man weit abgeschlagen von den Nichtabstiegsplätzen. Doch man zeigte eine beeindruckende Rückrunde und rettete sich am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen II. Man schaffte das, was die restlichen Reservemannschaften im Westen erreichen wollten. Leider wechselten nach der Saison 10 Spieler den Verein, die dann hauptsächlich durch A-Jugendliche ersetzt wurden. Somit stellen die Dortmunder aktuell die jüngste Mannschaft in den beiden Regionalligen. Vor dem Cottbusspiel lag man lediglich auf dem 16. Platz. Doch durch eine interne Aussprache hat man sich gefangen und belegt derzeit einen sensationellen 6. Platz, zwei Punkte hinter den Tabellenführer. Was aber wichtiger ist: Der BVB II belegt dadurch einen Platz, der für die Teilnahme an der neuen dritten Bundesliga berechtigt. Und das trotz einer nicht enden wollenden Verletzungsmisere, häufiger Abstellungen zur Profimannschaft und ständiger Mannschaftsumbauten. "Das sind unbezahlbare Perspektiven für den Nachwuchsbereich", erklärte Heinz Keppmann.
Der dritte Redner war der Leiter der Tischtennis-Abteilung, Bernd Möllmann. Nach der Vizemeisterschaft in der letzten Saison liegen sie aktuell auf dem zweiten Platz. Damit hat man die Chance, nächstes Jahr in die Bundesliga aufzusteigen. Auch feierten die Spieler der DFB im westdeutschen Bereich Erfolge, zum Beispiel die Meisterschaft im Doppel. Nächster Redner – dieses Mal von der Handballabteilung – war Dr. Matthias Huckemann. Nach dem Abstieg in der letzten Saison, liegen die Handballdamen zur Zeit in der zweiten Liga auf dem zweiten Platz (Nach Verlustpunkten sind sie sogar besser) und haben glänzende Aussichten auf den Aufstieg. "Wir müssen und wir werden aufsteigen!", erklärte Huckemann. Er beendete seinen Bericht mit einem Appell an die erste Fußballmannschaft: Die zweite Bundesliga sei finanziell nicht lukrativ. Dafür erntete er viel Beifall.
Für die Fanabteilung sprach dann Abteilungsleiter Olaf Suplicki zu den Mitgliedern über die Aktionen des vergangenen Jahres. Neben der Aktion „Wir sind Borussia“ war natürlich der 12.05.2007 ein Thema. Außerdem dankte er den vielen fleißigen Helfern. Unterbrochen wurde er dann von der Ankunft der Mannschaft, die mit Pfiffen und Beifall begrüßt worden ist. Er erklärte dann, man sollte die Ruhe bewahren und unterstützte die Arbeit von Sportdirektor Zorc und Trainer Doll. Er ermahnte aber die Mannschaft und fragte sie, ob sie auch alles für schwarzgelb gäben. Da er nach seiner Amtszeit nicht wieder antreten wird, wurde er von Dr. Rauball und Aki Watzke verabschiedet und für seine Arbeit gelobt.
Danach sprach er den sportlichen Bereich an. Er rechnete den Mitgliedern vor, dass man den Etat zwar fast um 30 Mio. Euro in den letzten 4 Jahren verringert hat, aber im Endeffekt nur drei Plätze verloren hat. Erneut griff er die Medien an und mahnte zur Geduld. Im Anschluss lobte er die Arbeit von Sportdirektor Zorc und verkündete, dass der Vertrag von Florian Kringe, an dem mehrere CL-Teilnehmer dran waren, um 4 Jahre bis zum Jahr 2012 verlängert wurde. Das löste Beifallstürme und Standing Ovation aus. In dieser Saison habe man erstmals wieder den Etat erhöht. Damit sei man in der Liga auf Platz acht. Fakt ist aber, man ist mit der sportlichen Entwicklung unzufrieden. Dass man trotz reichlicher Ausfälle (wie die zweite Mannschaft gegen Eintracht Braunschweig) durch Herz und Kampf ein Spiel gewinnen kann, war ein deutlicher Hinweis an die Mannschaft. Die Diskrepanz zwischen Nationalmannschaft und Vereinfußball, konnte er sich nicht erklären, mahnte aber die Mannschaft, sie sollten nicht vergessen, wer ihr Gehalt bezahlt. Zum Abschluss forderte er Geduld und Respekt ein und nahm die Mannschaft in die Pflicht. Unter Beifall beendete er seine Rede.
Im Anschluss durfte dann der Schatzmeister Dr. Lunow den Kassenbericht für den eingetragenen Verein vortragen. Erst einmal bedankte er sich bei den Mitgliedern, die erstmals bei der Sitzung teilnahmen und durch die Mitgliederaktion aufgenommen wurden. Trotz der Wiedereingliederung der Damenmannschaft habe der Verein einen Überschuss von 612.000 Euro erzielt. Ein Hauptgrund für das Ergebnis waren die 1,5 Mio. Euro Mitgliedsbeiträge. Alleine 2007 habe man 6.000 neue Mitglieder geworben. In diesem Zusammenhang lobte er die Zusammenarbeit mit der Fanabteilung, die nicht einen Cent der Mitgliederbeiträge erhalten habe, aber 5.000 Euro durch ihre Aktionen erwirtschaftet habe. Dann lobte er die ehrenamtliche Arbeit im Verein, ohne die der BVB nicht leben könnte. Hätte man diese Leute bezahlen müssen, wäre man tief in den Roten Zahlen. Die Verbindlichkeiten des Vereins wurden auf 4,7 Mio. Euro verringert. Abschließend bedankte sich Dr. Lunow bei Dr. Rauball für dessen Leistungen, unter anderem für die dreimalige Rettung des Vereins.
Nun durfte Dr. Rauball an das Rednerpult und fasste die Berichte zusammen. Er versprach der Tischtennis- aber auch der Handballabteilung, sollte man sportlich den Aufstieg schaffen, werde man für die erste Liga eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen. Er stellte fest, dass der Verein lebt und verkündete, dass die Finanzierung für das Borusseum von der Vereinsseite steht. Die dafür notwendigen 500.000 Euro habe man erwirtschaftet. Auch konnte man die Verbindlichkeiten bei der WGZ-Bank von 7,4 Mio. Euro auf 3 Mio. Euro verringern. Dadurch wurde der finanzielle Kollaps des Vereins abgewendet. Auf die vergangene Jahreshauptversammlung zurückblickend konnte er verkünden, dass die Erschließungsstraßen im Bereich des Trainingsgeländes die Namen verstorbener BVB-Spieler erhalten werden. Dazu zählen die Adi-Preißler-Allee und die Max-Michallek-Straße. Das Trainingsgelände wird die Anschrift Adi-Preißler-Allee 8 erhalten. Intention ist eine Würdigung der Rückennummer des Vorzeigeborussen aus den 50er Jahren. Weitere BVB-Angehörige stehen in der Warteschlange, unter anderem der Wiederstandskämpfer Czerkus. Es ist ein Antrag eingereicht worden, einige Straßen in einem Dortmunder Neubaugebiet nach ihnen zu benennen. Dann ehrte er Uli Behle, der mittlerweile seit 25 Jahren den BVB-Kinderhort leitet und in der ganzen Zeit diesen zu jedem Spiel geöffnet hatte. Unterbrochen wurde er dann durch den Einmarsch der Handballdamen, die frenetisch von den Mitgliedern begrüßt wurden. Er bedankte sich bei den Gremien des Vereins und erklärte, er werde ohne Probleme seine Tätigkeit als BVB-Präsident neben seiner Tätigkeit als DFL-Präsident ausfüllen können. Dann bedankte er sich für die vergangene Amtszeit bei den Mitgliedern und eröffnete die Aussprache.
Zuerst gab es eine Anfrage zum aktuellen Geschäftsjahr. Watzke erklärte, der Verlust im ersten Quartal läge vor allem daran, dass man von den drei Monaten zwei nicht gespielt habe. Er versprach den Mitgliedern, am Ende des Jahres würden keine rote Zahlen geschrieben. Die nächste Rednerin lobte Aki Watzke und sein Lächeln. Außerdem erinnerte sie ihn an das Glücksschwein, welches sie ihm einst gegeben habe und schlug vor, dieses bei den nächsten Spielen mit in die Tasche zu stecken. Verlegen versprach Watzke dies. Ein Mitglied stellte dann den Antrag an die Stadt (Borussia) Dortmund, dass man Rauball für seine Verdienste ein Denkmal bauen solle. Dies lehnte Rauball ab.
Die nächsten Redner kritisierten das Auftreten der Mannschaft. Anscheinend interessierte das von der Mannschaft wohl nur Florian Kringe, denn er hatte sich als einzigster BVB-Spieler zu den Mitgliedern umgedreht. Der nächste Redner äußerte die Bitte an die Mannschaft, dass man es nicht soweit kommen lassen solle wie im letzten Jahr. Im Namen des Vereins bedankte sich Watzke für die konstruktive Diskussion und beendete die Aussprache.
Als nächstes gab der Vorsitzende des Wirtschaftsrates Dr. Materna seinen Bericht ab. Abschließend schlug er vor, dass die Westfalenrevision wieder als Wirtschaftsprüfer gewählt wird. Dies geschah einstimmig. Nun durfte der Kassenprüfer, in Person von Dr. Petzold, den Bericht des Kassenprüfer abgeben und schlug vor, dass der Vorstand für das letzte Geschäftsjahr entlastet werden soll. Für diese Abstimmung übernahm Dr. Aden den Vorsitz. Mit überwältigenderr Mehrheit (nur eine Enthaltung) wurde dann der Vorstand entlastet.
Nun wurden die beantragten Satzungsänderungen besprochen. Unter Punkt 7.1. wurde die Änderung des Paragraphen 2 vorgeschlagen. Diese Änderung wurde wegen steuerlicher Gesichtspunkte in Richtung Borusseum vorgeschlagen. Diese Änderung wurde dann auch zugestimmt. Der Punkt 7.2 behandelte eine Änderung des Paragraphen 18, wo es um die Aufnahmekriterien für den Ältestenrat ging. Inhalt war, dass die Aufnahme in dieses Gremium erleichtert werden soll. Dieser Vorschlag wurde ebenfalls angenommen. Die Letzte Satzungsänderung kam vom Mitglied Petzold und es ging um die Zusammensetzung des Wahlausschusses, die dann von der Mitgliederversammlung gewählt werden sollte. Nach einer längeren Diskussion zog Petzold den Antrag zurück. Der nächste Punkt auf der Tagesordnung war die Wahl des Ältestenrates. Der Vorschlag des Vorstands wurde ebenfalls angenommen. Statt wie in den letzten Jahren nur zwei Kassenprüfer vorzuschlagen gab es diesmal drei Kandidaten. Neben den letzmaligen Kassenprüfern Petzold und Beck wurde diesmal Aki Schmidt als Kassenprüfer vorgeschlagen. Dazu musste man nun eine Kampfabstimmung durchführen. Während die Stimmen ausgezählt wurden, ging man zum Punkt Anträge und Wünsche über.
Es wurde der Antrag gestellt, dass man die Versammlung der Mitglieder immer an einem Heimspiel stattfinden lassen sollte. Dieser Antrag wurde zwar angenommen, aber Dr. Rauball erklärte, dass man nicht unbedingt die Macht habe, dies zu gewährleisten. Man werde sich aber bemühen und dies an die DFL weiterleiten. Als nächstes kritisierte Herr Malmann, seines Zeichen Schiedsrichter die Kartenvergabe für die Schiedsrichter. In der Vergangenheit gab es dort wohl Zuteilungen an Personen, die gar kein Schiedsrichter waren. Dieser Punkt wurde nach Abstimmung vertagt. Nächster Punkt war dann die Haftung des alten Vorstands. Eine lebhafte Diskussion zwischen dem Antragssteller und Dr. Rauball entbrannte. In der anschließenden Abstimmung konnte für diesen Vorschlag keine Mehrheit erzielt werden, Dr. Rauball versprach aber, man werde dem Antragsteller die Unterlagen zum Gutachten (welches den alten Vorstand von der Haftung freisprach) in der Geschäftstelle zur Verfügung stellen. Nun wurde das Ergebnis der Kampfabstimmung bezüglich der Kassenprüfer bekannt gegeben. Erster Kassenprüfer wurde Aki Schmidt, während der zweite Prüfer nun Reinhard Beck ist.
Geschrieben von CHS
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