Wieder Senesie, wieder 1:0, wieder 3 Punkte
Viele der BVB-Amateure sind sicherlich regelmäßig Kinogänger, aber ob sie seit mehreren Wochen den Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" gucken, konnte bis heute nicht ergründet werden. Denn egal, wie der Gegner heißt oder wie schlecht die Partie ist. Am Ende steht Sahr Senesie doch irgendwie richtig vorne und hinten kommt ja eh niemand an Höttecke und Hünemeier vorbei. So kann´s weitergehen!Als Gast lief heute Eintracht Braunschweig in der Roten Erde, die etwas überraschend dem Westfalenstadion als Spielstätte vorgezogen worden ist, auf. Braunschweig, das eine desaströse Hinrunde ablieferte, und sein Trainer, Ex-Profi Benno Möhlmann, standen heute unter immensem Druck, mit einem Sieg Anschluss an die ersten zehn Plätze zu halten, da die Eintracht viertklassigen Fußball wohl nicht mehr finanzieren könne. Die Dortmunder Borussen mit einer wirklichen Amateur-Elf, da sowohl Kehl, Amedick, Njambe (alle bei den Profis) als auch Ricken (Wadenprobleme) nicht mitmachen konnten. So kamen selbst für Regionalligaverhältnisse unerfahrene Akteure wie Rummenigge und Schmelzer zu ihrem Startelfeinsatz. Auch Yasin Öztekin (Bänderdehnung) musste passen. Auf Seiten des Gastes aus Niedersachsen waren bekanntere Akteure wie Dennis Brinkmann (ehemaliger BVB-Jugendspieler), Sreto Ristic (Nachwuchshoffnung des VfB Stuttgart zur Zeit des Magischen Dreiecks) und Andre Schembri (maltesischer Nationalstürmer) zu "bewundern".
Kein Profispiel parallel, kein Regen, dazu ein relativ attraktiver Traditionsverein als Gast: gut 1.500 Zuschauer fanden den Weg in die Rote Erde und die ca. 100 aktiven BVB-Fans bzw. ca. 150 TSV-Anhänger waren auch zunächst die einzigen im Stadion, die für Unterhaltung sorgten. Beim Einlauf auf schwatzgelber Seite eine nette "Klopapier"-Choreo, bei den Gästen wurden die Schals in die Höhe gereckt. Während die Gastgeber bei der Zahl der Zaunfahnen knapp vorne lagen, waren die Braunschweiger jedoch bis zum Gegentreffer wesentlich aktiver, liegt allerdings auch daran, weil sie auf der Ostseite näher sind als die BVB-Fans in der Nordkurve.
So lasset das Spiel beginnen! Auch Amas-Manager Heinz Keppmann und Thomas Treß dachten sich das und so konnten sie die "Biene Emma"-Stadiondecke über ihre kühlen Körper legen. Die ersten 15 Minuten hätten sie jedoch auch noch "Biene Maja "im TV gucken können, der Begriff "Abtasten" ist noch untertrieben. Das Spiel glich eher einer Selbsttherapie für Autisten, so wenig passierte. Der gefährliche Malteser Schembri nutzte dann fast die erste Ecke nach 15 Minuten, als er einen Kopfball nur knapp über das Tor setzte. Acht Minuten später Großkreutz als Litfaßsäule, was erneut Schembri technisch hochwertig ausnutzte, seinen Außenristpass aber am Lattenkreuz vorbei schlenzte.
Von Borussia Dortmund war überhaupt nichts zu sehen, was seine Ursache in der schwachen Mittelfeldreihe mit Omerbegovic, Hille und dem ganz schwachen Rummenigge hatte, der weder Zweikämpfe gewann noch Akzente in der Offensive setzen konnte, dazu sehr lässig wirkte. Nach gut einer halben Stunde wurde dieses passive Verhalten dann beinahe bestraft, als Schmelzer über einen langen Ball trat und Schembri allein aufs Gehäuse von Marcel Höttecke zulief. Dieser konnte nicht mehr reagieren, aber glücklicherweise ging sein Schuss aus vollem Lauf knapp am Tor vorbei. Erst gegen Ende der ersten 45 Minuten hatte der BVB zwei kleinere Tormöglichkeiten: Zunächst war bei Hilles Schuss nach feiner Vorarbeit Omerbegovics noch ein gegnerischer Fuß im Weg (36.), dann riskierte Gästetorwart Adrian Horn Kopf und Kragen als er den Volleyschuss Senesies parierte, dabei zwar noch den Stürmer umrasierte, es aber wohl zu Recht keinen Elfmeter gab.
Fazit nach 45 Minuten
Zwei Drittel der ersten Spielhälfte gehörten den vom Abstieg in die 4.Liga bedrohten Braunschweiger, ehe Borussia Dortmund etwas besser ins Spiel kam. Besonders der quirlige Schembri, der von mehreren Zweitligisten umworben wird, sorgte besonders bei Großkreutz für Kopfschmerzen, aber Höttecke und Hünemeier hatten letztlich alles ganz gut im Griff. Das größere Problem war vielmehr, dass aus dem Mittelfeld viel zu wenig Impulse kamen, sodass die beiden Spitzen Senesie und Nöthe nicht in der Luft hingen, sondern schon im Weltall.
BVB-Erfolgstrainer Theo Schneider reagierte und brachte Boztepe sowie Tyrala für Nöthe und Omerbegovic, während Eggert und Großkreutz im defensiven Bereich die Positionen tauschten. Und Schneider sollte sich nicht mehr seine Hände waschen, denn er bewies wieder mal seine goldenen. Nach einem Befreiungsschlag ließ der kleine Boztepe die Gästeabwehr ganz dämlich aussehen (wie Dede anno dazumal gegen den AC Mailand) und legte auf Senesie zurück, der sich im entscheidenden Moment lösen konnte und per Halbvolleyschuss die 1:0-Führung erzielte.
Nachdem die nächsten zehn Minuten keine Gefahr für das BVB-Tor ausging, blies Trainer Benno Möhlmann zur Fuchsjagd, indem er Benjamin und Lars einwechselte. Nur kurze Zeit später düpierte Lars den in die Innenverteidung gerückten Eggert, schoss aber letztlich weit über den Kasten. Weitere fünf Minuten später dann eine Szene, die jeden Trainer die Haare ausfallen lässt: 1:0-Führung, Heimspiel und trotzdem naives Anrennen, sodass man hinten völlig offen ist. Das hätten fast Benjamin Fuchs über die rechte Flanke sowie der in der Mitte per Flugkopfball knapp scheiternde Sreto Ristic - magisch war das sicher nicht! - brutal ausgenutzt. Jetzt konnte eigentlich nichts mehr passieren, denn dafür stand die BVB-Defensive einmal mehr viel zu sicher. Eine Viertelstunde vor Schluss dann jedoch eine Schrecksekunde: Leader Uwe Hünemeier humpelte zur Seitenauslinie und es wurde Jörn Neumeister herangewunken. Jörn Neumeister hat seine letzten Pflichtspiele vor gut einem Jahr bestritten und war seitdem verletzt. Deshalb war es gut, dass Hünemeier bei diesem Spielstand und in dieser Situation weiterspielen konnte. Wenig später kam Neumeister dann doch noch (für Rummenigge) und spielte sehr sicher, auch wenn man einen gewissen Rückstand nicht leugnen konnte.
Deshalb kamen die Braunschweiger nur noch zu zwei gefährlichen Aktionen vor Hötteckes Kasten. Erst fiel aus dem Gewühl heraus ein Schuss nach abgefälschten Freistoß, aber wieder einmal sicherte Höttecke dem BVB die drei wichtigen Punkte, denn auch zwei Minuten später, als er durch den Fünfmeterraum irrlichterte und der eingewechselte Hauk angeschossen wurde, ging der Ball am Kasten vorbei, sodass es letztlich beim insgesamt eher glücklichen 1:0 blieb, aber wie egal ist das denn bitte bei diesem brutalen Qualifkationsmarathon? Gut, die Braunschweiger Fans waren etwas sauer und man konnte eine interessante Eskalationspyramide beobachten: Sie riefen "Absteiger, Absteiger", wonach die Braunschweiger Spieler nicht mehr zu den Fans gehen wollten. Diesen riefen daraufhin "Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot." So müssen Kriege angefangen haben... Bereits nächsten Sonntag startet für unsere BVB-Amas die Rückrunde mit dem Spiel gegen den SV Babelsberg 03, Anstoß ist um 14 Uhr.
Fazit nach 90 Minuten
Nach drei Minuten Nachspielzeit sanken die Braunschweiger enttäuscht zu Boden, die zwar mehr Chancen hatten, der BVB aber war wieder einmal das effektivere Team, sodass das Tor von Mr. 1:0, Sahr Senesie, sowie die sichere Abwehr um die beiden H`s ausreichte gegen die einst ruhmreiche, sich am Abgrund befindende Eintracht aus Braunschweig.
Stimmen zum Spiel
Marcel Höttecke: Die erste Halbzeit war natürlich ganz klar eine Katastrophe und da hatten wir Glück, dass wir durch den Druck von Braunschweig nicht in Rückstand geraten sind. In der zweiten Halbzeit sind wir dafür wieder gut aus der Kabine rausgekommen und da durch die Chancen dann letztlich auch verdient 1:0 gewonnen haben. Das Spiel gegen Babelsberg müssen wir auch erstmal gewinnen, das wird ein hartes Stück Arbeit. Aber ich denke, dass wir uns jetzt ein schönes Punktepolster herausgearbeitet haben und das wollen wir natürlich weiter ausbauen zur Winterpause.
Theo Schneider: Wir hatten im Vorfeld personelle Probleme. Wir mussten die Mannschaft umbauen. Aber dies darf keine Entschuldigung für die erste Halbzeit sein, die wir heute abgeliefert haben. Wir waren nominell offensiv ausgerichtet und haben gerade in der ersten Halbzeit was das Offensivspiel betraf, alles vermissen lassen. In der Offensive fehlte uns einfach die Aggressivität. Nach zehn Minuten haben wir uns daher den Schneid von den Braunschweigern abkaufen lassen und haben in dieser Phase riesig Glück gehabt, dass wir nicht auf die Verlierstraße geraten sind.
Ich habe förmlich den Halbzeitpfiff herbeigesehnt, um zu reagieren. In der Halbzeit habe ich auch klare Worte an die Mannschaft gerichtet. Wir haben zwei Wechsel vollzogen, die uns meiner Meinung nach stabilisiert haben. Mir war klar, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht wie in der vorherigen auflaufen werden. Die Mannschaft hat sich dann auch zusammen gerissen und diese Tugenden an den Tag gelegt, die uns in den vergangenen Spielen ausgezeichnet haben, nämlich über den Kampf in das Spiel zu finden.
Mit der zweiten Halbzeit war ich letztlich zufrieden. Der Sieg war mit Sicherheit recht glücklich – aber da fragt Morgen keiner mehr nach.
Benno Möhlmann:
Wir haben in der ersten Halbzeit zum Großteil das Spiel kontrolliert und hatten aus dem Spiel heraus drei, vier gute Tormöglichkeiten. Hier hatten wir schon die Möglichkeit in Führung zu gehen. Letztlich hat uns hier aber leider die Durchsetzungsfähigkeit und die Qualität gefehlt das 1:0 zu machen.
In der zweiten Halbzeit bringt uns dann eine dumme Situation, die quasi ein Spiegelbild des bisherigen Saisonverlaufs ist, auf die Verliererstraße. Danach haben die Dortmunder gut gekämpft und haben versucht durch Konter gefährlich zu werden. Nach dem Rückstand hatten wir zwar auch noch einige gute Möglichkeiten, letztlich aber nicht die Klasse und das Selbstbewusstsein um das Spiel noch zu drehen, oder zumindest noch einen Punkt zu holen.
Daten zum Spiel
BVB II (4-1-3-2): Höttecke (2,5) - Hillenbrand (3,5), Großkreutz (3), Hünemeier (2), Schmelzer (3,5) - Eggert (3) - Omerbegovic (4,5) (46. Boztepe, 3), Rummenigge (5) (86. Neumeister, - ), Hille (4,5) - Nöthe (4,5) (46. Tyrala, 4), Senesie (3,5)
Braunschweig (4-4-2): Horn - Yildirim, Henn, Brinkmann, Dogan - Pfitzner, Danneberg (83. Hauk), Washausen (63. Benjamin Fuchs), Rodrigues - Ristic, Schembri (63. Lars Fuchs)
Tor: 1:0 Senesie (52., Linksschuss, Vorarbeit Boztepe)
Zuschauer: 1.511
SR: Grudzinski (Hamburg), Note 2. Kam auf schwierigem Boden mit nur zwei Karten aus und entschied fast jeden Zweikampf korrekt. Sehr umgänglich mit allen Spielern.
Gelbe Karten: Tyrala (82. Foulspiel), Großkreutz (90.+2 Halten)
Chancen: 3:5
Ecken: 5:4
Weitere Fotos vom Spiel gibt es auf unserer Fotoseite foto.schwatzgelb.de unter diesem Link.
Geschrieben von Malte
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