Theo Zwanziger und die Vereinsnamen

Und Schluss ist mit der trügerischen Sicherheit, dass man in Deutschland vor hässlichen Werbekreationen à la Red Bull Salzburg verschont bleiben wird. In einem Presseinterview dachte DFB-Präsident Theo Zwanziger laut über eine Abschaffung der bisherigen Selbstbeschränkung, wonach Vereine nur einen Sponsorennamen im Vereinsnamen tragen dürfen, wenn sie ihn schon seit vielen Jahren Inne haben (z.B. Bayer Leverkusen), nach. Die Ausführungen von Zwanziger waren dabei äußerst schwammig, bis an den Haaren herbei gezogen.


1. „Bei dem Verbot der Namensführung gegenüber einem Verein bin ich mir nicht sicher, ob das überhaupt gerichtsfest ist. Das hat was mit Bevormundung zu tun, und Vereine sind autonom. Ob wir als Verband also zwingend untersagen dürfen, dass ein Verein mit einem Sponsorennamen bei uns nicht Mitglied sein darf, erscheint mir juristisch fraglich.“
Kein Fußballverein ist gezwungen, dem DFB beizutreten. Jeder Verein, der am Ligabetrieb teilnehmen will, unterwirft sich der Verbandssatzung und akzeptiert sie freiwillig. Was soll daran juristisch nicht haltbar sein? Oder andersrum die Frage, warum sollte diese Vorschrift weniger statthaft sein, als z.B. das komplette Regelwerk des Spiels, die Vorschrift einer Rasenheizung für Bundesligavereine oder die Vorgabe, dass pro Club zukünftig 12 deutsche Lizenzspieler unter Vertrag zu stehen haben? Sie sehen, Herr Zwanziger, der DFB bevormundet die Vereine in vielerlei Hinsicht und schränkt ihre Autonomie ein. Wenn das alles juristisch fragwürdig ist, würde ich an Ihrer Stelle schon mal fleißig Bewerbungen schreiben, weil der DFB als Verband dann in seiner Grundstruktur nicht tragbar ist.
2. „Um international konkurrenzfähig zu sein, muss man neue Möglichkeiten schaffen. Im Ausland scheint das ja auch zu funktionieren und akzeptiert zu werden.“
Vielleicht hat Herr Zwanziger hier nur einfach was falsch verstanden. Arsenal London hat mit einem britischen Waffenhersteller genau so wenig zu tun, wie das spanischen „Real“ mit der deutschen Ladenkette. Fakt ist, kein einziger Verein einer der drei Ligen, denen Herr Zwanziger nacheifern will, trägt einen Sponsorennamen im Vereinsnamen. Von „funktionieren“ kann hier keine Rede sein. Praktiziert wird das bei Fußballvereinen in Österreich und das mit überwältigendem Erfolg. Selbst der Finanzprimus, die Brausetruppe aus Salzburg, ist im Europapokal sang- und klanglos gescheitert. Vom Abschneiden der anderen Clubs aus dem Nachbarland wissen wohl nur Fußballexperten zu berichten. Achja, in Deutschland gibt es dieses Erfolgsmodell im Basketball. Das sind dann die Vereine, die regelmäßig von Vereinen anderer Ligen aus dem Europapokal geschmissen werden. Hier wird einfach die Wirklichkeit verzerrt und verstümmelt wiedergegeben. Es liegt nicht an fehlenden Einnahmen, wenn wie in der Vergangenheit zu oft geschehen, deutsche Vereine gegen Clubs aus dem europäischen Niemandsland die Segel streichen müssen. Es gab eine Zeit, da waren deutsche Vereine international gefürchtet und für Titel gut – und selbst in diesen Zeiten war man finanziell den großen Mannschaften aus Spanien und Italien deutlich unterlegen. Die geringeren Mittel wurden sinnvoller umgesetzt, die Möglichkeiten maximiert. Eine Vorstellung, die heutigen Bundesligisten, die in der Scheinwelt eines Hochglanzproduktes leben, mehrheitlich fremd sein dürfte. Und selbst wenn dieser Weg beschritten werde sollte, welchen großen Schritt in Richtung internationaler Konkurrenzfähigkeit sollte das bringen? Was kann ein Verein durch die Vermarktung seines Vereinsnamens erzielen? Fünf Millionen pro Jahr? 8 Millionen pro Jahr? Im Angesicht einer gewaltig klaffenden Lücke zwischen den Einnahmen aus der TV-Vermarktung der Bundesliga und den Topligen, ist das kaum mehr als ein müdes Achselzucken eines englischen Clubs im Transferpoker. Die Mehreinnahmen würden in den Taschen der Profikicker versickern, ohne einen deutlichen Qualitätszuwachs zu erwirken.
3. „Im Zuge der Neuordnung der Bundesliga-Vermarktungsrechte ab dem Jahre 2009 müsse man auch offen für weitere Neuerungen sein.“
Zumal diese Neuerung in der TV-Vermarktung ja so hervorragend klappt. Nur zur Erinnerung: Bereits kurz nach Abschluss des Vertrags über die TV-Vermarktungsrechte mit der Kirchgesellschaft Sirius, droht der ganze Deal bereits zu kippen. Bisher konnte noch keine Bank gefunden werden, die eine Bürgschaft für die angestrebten 500 Millionen Euro pro Jahr zu übernehmen bereit ist. Angesichts der kirchschen Erfolgsstory mit den Übertragungsrechten für Fußball ein Vorgang, der einen zumindest nachdenklich stimmen sollte. Die Neuordnung steht auf ganz wackeligen Füßen, das Bild dass die DFL bei diesem Deal abgegeben hat, ist, vorsichtig gesprochen, zweifelhaft. Die angestrebten Neuerungen scheinen also hervorragend zu funktionieren, warum dann nicht gleich weiter mutig voran stolpern?
Nicht von ungefähr kommt diese Überlegung von Theo Zwanziger in einer Zeit, in der sich Bundesligavereine wie Hannover für eine weitere Öffnung hin zu Geldgebern stark machen und ein Herr Mateschitz auch in Deutschland (Sachsen Leipzig) Fuß fassen will. Hier wird wohl auch Druck von Seiten der Vereine gemacht, mit dem Ziel den Boden zur Abschaffung der hemmenden Regeln zu ebnen. Bestehende und sinnvolle Regelungen sollen peu à peu gelockert werden, auf dass der deutsche Fußball sich endgültig der totalen Vermarktung hingeben kann. Dabei scheint kein Argument zu billig, keine Begründung zu an den Haaren herbei gezogen zu sein, wenn es darum geht, die breite Fanschar darauf einzustimmen.
Hier geht es um Tradition, um eine vereinseigene und gewachsene Identität, die nach den Willen einiger Geschäftemacher abgeschafft werden soll. Ein Vereinsname ist keine Worthülse, die man beliebig verändern, erweitern oder verstümmeln kann. Mit diesen Namen sind Geschichten, Schicksale, Erfolge, Niederlagen und Emotionen verbunden. Wer das wegwirft und finanziellen Mehreinnahmen opfert, verliert langfristig in einer Sportart, die so von seinen Emotionen lebt wie nur wenige andere. Die Vereine, die DFL und der DFB wollen einen Weg begehen, der nicht mehr umkehrbar sein wird und dem Fußball nicht wieder gutzumachenden Schaden zufügen wird. Sie werden Fans und Vereine weiter voneinander trennen und über Jahrzehnte gewachsene Wurzeln herausreißen – alles für einen höchst zweifelhaften Erfolg.
Normalerweise müsste man Theo Zwanziger für diese Gedankengänge aus dem Amt werfen, weil ihm als Präsident des DFB eine besondere Sorgfaltspflicht für den deutschen Fußball und die angeschlossenen Vereine obliegt. Stattdessen fördert er mit solchen Aussagen die Geschäftemacherei und Zerstörung von Vereinskultur. Da eine Entfernung aus dem Amt aber wohl nur ein frommer Wunsch bleiben wird, sind Fans aufgefordert wachsam zu sein und sich gegen die Umsetzung dieser Überlegungen zu Wehr zu setzen. Macht klar, dass man diesen Weg nicht mitgehen und eine Verstümmelung der geliebten Namen eben nicht akzeptieren wird. Die Macht dazu haben Fans, weil sie auch gleichzeitig die Zielgruppe der Sponsoren sind. Zieht eine deutliche Grenze und rettet den Fußball!


Geschrieben von Sascha