Unentschieden gegen den direkten Konkurrenten

Letztlich konnte man mit dem einen Punkt gegen einen direkten Konkurrenten zufrieden sein. In einer kampfbetonten Partie und einem zwischenzeitlichen 0:1-Rückstand sicherte BVB-Profi Martin Amedick der BVB-Zweitvertretung einen Punkt im Ahlener Wersestadion. Gut 400 Schwarzgelbe fanden den Weg ins Wersestadion.


Was passiert wenn zwei große aktive Dortmunder Fangruppierungen auf ihren Homepages zu einer gemeinsamen Anfahrt ins westfälische Ahlen aufrufen und dabei eine identische Uhrzeit angeben? Richtig, die Dortmunder Polizei und insbesondere die Dortmunder SKB’s rechnen mal wieder mit dem Schlimmsten. So gab es nicht wenig staunende Gesichter, als man bereits um halb sechs am Dortmunder Hauptbahnhof eine stattliche Zahl von Beamten der Bundespolizei antraf. Schließlich sollte der Weg nach Ahlen und nicht nach Essen, Düsseldorf oder Wuppertal führen.
 
Großeinsatz der Bundespolizei
 
Nach den Testspielen gegen Arnheim, Viktoria Köln und Wattenscheid also ein weiteres Kapitel von Verschwendung von Steuergeldern bei Fußballspielen. Schon komisch, dass es in diesem Bezug nicht mal kritische Nachfragen von „Oben“ gibt um diesem Treiben endlich mal ein Ende zu setzen. Denn seien wir doch mal ehrlich: Was soll bei einem Spiel wie in beschaulichen Ahlen schon großartig passieren? Der Ahlener Anhang dürfte in der Regionalliga Nord wohl mit denen des SC Verl zu den harmlosesten überhaupt gehören. Von daher darf man jetzt schon gespannt sein, was sich diese Herren schon jetzt für das Auswärtsspiel im Steigerwaldstadion gegen RW Erfurt ausgedacht haben.
Um 17:55 Uhr ging es mit dem Westfalen-Express fast pünktlich für etwa 100 BVB gen Münsterland. Von Streikauswirkungen keine Spur. Die Fahrt verlief natürlich aufgrund der recht geringen Entfernung sehr kurzlebig. In Ahlen dann im Vergleich zu den letzten Auftritten ein eher ungewohntes Bild. Die Bundespolizei sperrte den Zugang gen Innenstadt ab, so dass zwangsläufig nur der Hinterausgang übrig blieb. Wahrscheinlich gab es von den Dortmundern szenekundigen Beamten mal wieder die bekannten Horrormeldung, ist ja auch fast ein Derby.
Zum Wersestadion ging es dann wie gewohnt per pedes. Im Stadion selbst fanden sich bis zum Anpfiff gut 400 Dortmunder Anhänger ein, der Großteil positionierte sich wie gewohnt hinter dem Tor. Neben vielen Zaunfahnen und einer handvoll kleiner Fahnen gab es optisch im Gästeblock leider nichts zu sehen. Denn die Verantwortlichen des RW Ahlen ließ sich mal wieder nicht lumpen und verbot sämtliches Tifomaterial. Immerhin fand noch ein kleines Spruchband mit der Aufschrift „Für freie Meinungsäußerung – Solidarität mit HRO und MD“, den Weg an den Gästezaun, dem nichts weiter hinzuzufügen ist.
Der Ahlener Anhang überraschte auf der Gegengerade mit einigen Doppelhaltern und Fahnen. Für Ahlener Verhältnisse bestimmt ein Toppbild, für Regionalliga-Verhältnisse jedoch ein eher maues Bild, wie auch der Support des Ahlener Anhangs während des Spiels. Etwa vierzig Fans des RWA versuchten mit den Top Ten der deutschen Ultrà-Charts ihre Mannschaft zu unterstützen.
Wer im übrigen Kenner der Ahlener Fanszene ist und die Initialen AY deuten kann, kann sich ja gerne mal im Forum dazu äußern. ;-)
 
Auf Dortmunder Seite gab es dagegen den üblichen Amateursupport, bestehend aus vielen netten Gesängen und Klatscheinlagen, die aber wohl leider nie den Weg ins Westfalenstadion finden werden. Mal abwarten.
 
Zum Spiel
 
Ähnlich überlegen wie der Dortmunder Anhang präsentierte sich Schwarz-Gelb in den ersten dreißig Minuten des Spiels. Die spielerische Überlegenheit, die Ballsicherheit der Dortmunder, war gerade in der Anfangsphase nicht zu übersehen. Der lautstarke Anhang hinter Torhüter Höttecke schien die Mannschaft zu beflügeln. Die ganze Sache hatte leider nur einen kleinen Schönheitsfehler: Es gab fast nichts Zählbares. Hochkarätige Chancen blieben auf Dortmunder Seite im ersten Durchgang Mangelware. Eine Riesenchance durch den agilen Sebastian Hille – freistehend vor dem Tor. Mehr war nicht zu verzeichnen. Es fehlt der letzte Ball, der entscheidende Pass und auch der zwingende Druck. Noch unverständlicher, nach diesen dreißig Minuten Dominanz gab Borussia das Spiel bis zum Pausentee völlig aus der Hand. Die spielerisch limitierten Ahlener kamen von Minute zu Minute besser ins Spiel und erarbeiteten sich bis zum Pausenpfiff noch zwei feine Torchancen. Die größte Chance der ersten Hälfte sprach in diesem Zusammenhang Bände. Der BVB mit 5:3-Überzahl mit Zug zum Ahlener Tor, wird an der Strafraumgrenze abgefangen. Die halbe Mannschaft, noch in der Vorwärtsbewegung, läuft in einen fast perfekt ausgespielten Ahlener Konter. Das Rezept der Ahlener schien in diesen Minuten kurz vor der Pause wirklich aufzugehen. Wer die spielerischen Mittel nicht hat, der muss sich auch im eigenen Stadion auf Konterfußball verlegen.
 
Die zweite Halbzeit
 
Zu Beginn der zweiten Hälfte kamen die Ahlener wacher aus der Kabine. Mehr und mehr Zweikämpfe gingen auf Dortmunder Seite verloren. So war auch das 0:1 in der 57. Minute durch Großkreutz keine große Überraschung. Ahlen war zu diesem Zeitpunkt einfach am Drücker und hatte mehr vom Spiel.
Dieser Rückstand war allerdings ein Weckruf für die Dortmunder Mannschaft. Zehn Minuten nach der Ahlener Führung auch schon der Ausgleich nach einer Standardsituation. Martin Amedick überspringt dabei im Strafraum die gesamte Ahlener Abwehr und markiert mit dem Kopf den verdienten Ausgleich. An diesem Spielstand sollte sich auch bis zum Abpfiff nichts mehr ändern, obwohl das Spiel auch in den letzten 20 Minuten keinen langweiligen Eindruck hinterlassen hat.
Nach dem Schlusspfiff kam das komplette Dortmunder Team noch an den Gästeblock um sich per Handschlag für die Unterstützung während der neunzig Minuten zu bedanken.
 
Fazit
 
Insgesamt ein Spiel auf einem sehr ordentlichen Niveau mit einer letztendlich gerechten Punkteteilung. Dortmund konnte seine spielerische Überlegenheit an diesem Abend leider nicht nutzen. Die Ansätze dieser Mannschaft sind wirklich sichtbar vorhanden. Das fußballerische Potenzial muss allerdings zwingender umgesetzt werden. Die Ahlener hielten mit ihren eher einfachen Mitteln dagegen – und erreichten so die verdiente Punkteteilung. Eigentlich schade, da hatte sich der Dortmunder Anhang gerade in nett anzuschauender Einigkeit warme Füße gehüpft, da waren die 90 bitterkalten Minuten im Ahlener Wersestadion auch schon vorbei.
 
Eine Anmerkung noch zur Ahlener Trainerbank. Man glaubt es kaum, man sieht sich oft im Leben wieder. Christian Wück. So nah kam Borussia diesen Mann seit der geklauten Meisterschaft 1992 nicht. Lieber Christian, Du siehst: Wir haben Dich nicht vergessen.
 
Statistik
 
RWA: Lenz - M. Busch (88. Heithölter), Kittner, Di Gregorio, Wiemann - Gibson (46. Schaffrath), Thioune, Bäumer - Stahlberg (60. Reus), Toborg, K. Großkreutz
 
BVB II: Höttecke - Hillenbrand, Hünemeier, Amedick, M. Großkreutz - Vrzogic (57. Schmelzer), Njambe, Ricken (89. Rummenigge), Öztekin - Nöthe, Hille (46. Omerbegovic)
 
Tore: 1:0 K. Großkreutz (57.), 1:1 Amedick (68.)
 
Gelbe Karten: M. Busch, Thioune, Bäumer - Hillenbrand, Ricken, Omerbegovic
 
Zuschauer: fast 2.500 im Ahlener Wersestadion.


Geschrieben von Rolf/Tommy