Der nächste Big Point - BVB II 1:0
Wie schon im letzten Heimspiel gegen Verl reichte den Amas ein goldenes Tor von Sahr Senesie und etwas Glück beim Verhindern hochkarätiger Torchancen. Perfekt war somit der nächste Dreier und ein weiteres Spiel ohne Gegentor. Durch den heutigen Sieg verbesserten sich die Spieler von Erfolgstrainer Theo Schneider auf Platz 5 und haben nun drei Punkte Vorsprung auf Platz 11, der die Tür für die 3. Liga definitiv zumachen würde. Weiter so, Jungs!"Mangelndes Engagement" attestierte Trainer Schneider seinem Team nach dem 1:3 bei RW Oberhausen am letzten Samstag. Die erhoffte Reaktion sollte heute u.a. mit den am Freitag gegen Bochum eingesetzten Amedick, Nöthe, Njambe und Senesie erfolgen. Auch Lars Ricken konnte mitmachen und spielte 90 Minuten durch. Die Gäste aus Lübeck gewannen ihr letztes Ligaspiel zwar mit 2:1 gegen Emden, blieben in dieser Saison aber bisher hinter den Erwartungen zurück und müssen um die Qualifikation zur Dritten Liga überraschend heftig kämpfen. Kapitän von Lübeck ist der Ex-Bundesligaspieler Dietmar Hirsch (Hansa Rostock, MSV Duisburg).
993 Zuschauer kamen an diesem Mittwochabend in die Rote Erde, unter ihnen auch Gladbachs Sportdirektor Christian Ziege (wollte er Amedick beobachten?). Das gesamte Trainer-Team der Profis und Sportmanager Michael Zorc waren da, Thomas Doll leider nicht, aber für einen Cheftrainer ist es ja auch nicht notwendig, sich mal die Zweitvertretung anzuschauen... Die gut aufgelegten BVB-Fans wurden wegen einer Trommel vor Spielbeginn in die Nordkurve "gebeten", während ca. 25 Lübecker auf der Sitzplatztribüne besonders in den Anfangsminuten gelungenen Dauersupport machten, im weiteren Spielverlauf jedoch immer leiser wurden.
Zehn Minuten dauerte es, bis unsere Schwatzgelben erstmals gefährlich vor das norddeutsche Tor marschierten. Blitzschnelle Kombination über Großkreutz und Ricken, der Öztekin mustergültig bedient, doch landet sein Schuss zu zentral genau bei Frech in den Armen. Weitere zwei Minuten später die von Doll Verschmähten im Blickpunkt: Martin Amedick gewinnt den Ball, den Ricken im Zweikampf behaupten kann und auf Senesie weiterleitet. Sein Schuss jedoch zu schwach und unplatziert für den aufmerksamen Gästetorwart. Nach einer Viertelstunde dann die erste Chance für das Team aus der Thomas-Mann-Stadt. Einen Freistoß aus gut und gerne 25 Metern jagt Ex-Profi Dietmar Hirsch an der Mauer vorbei, doch Marcel Höttecke macht sich ganz lang und hat den Ball im Nachfassen sicher.
BVB eiskalt und effektiv Der Ex-Ahlener Höttecke avanciert immer mehr zum entscheidenden Mann beim Spielstand von 0:0 (siehe Essen, siehe Verl). Denn nach 22 Minuten und einem nur mäßig erfolgreichen Klärungsversuch landete der Ball erneut bei Hirsch, der verdeckt aus 13 Metern halblinks abzieht. Höttecke sieht den Ball sehr spät und lenkt ihn reflexartig noch um den Pfosten. Wieder einmal konnte man verstehen, wenn Trainer Schneider immer wieder von einem "großen Torwarttalent, was da heranwächst" schwärmt. Nach gut 30 Minuten dann ein Schock auf Lübecker Seite: Ausgerechnet der bis dato beste Mann, Kapitän und Abwehrorganisator Dietmar Hirsch, erhielt einen Schlag in den Rücken und musste draußen behandelt werden. Das nutzte Lars Ricken bei einer Standardsituation gnadenlos aus, als seine Flanke von Großkreutz, der „heute jedoch nicht so die Akzente wie noch in Magdeburg setzen konnte“ (Schneider), per Kopf auf den wegen Hirschs Verletzung völlig blank stehenden Senesie zurückgelegt wurde. Dieser netzte eiskalt zum überraschenden 1:0 ein. Nach diesem Tor kam Hirsch auch nicht wieder und wurde von dem australisch-japanischen Mittelfeldspieler Naoki Imaya ersetzt, der mit Dogan die Positionen tauschte.
Nach einer erneut sicheren Parade Hötteckes gegen einen Kopfball von Kadah aus Nahdistanz (38.) dann die Schrecksekunde im weiten Rund: Erneut konnte nach einem hohen Flankenball die Abwehr den Ball nicht rausschlagen und Cartus zog aus identischer Position wie zuvor Hirsch ab. Marcel Höttecke ohne Chance, doch halt, da war ja noch "Der Kleene" auf der Linie. Nico Hillenbrand schlug nicht nur den Ball von der Linie, sondern setzte auch noch energisch nach, als zwei von ihm angeschossene Lübecker den Ball letztgültig über die Linie bugsieren wollten. Der Badener konnte zur Ecke retten (41.). Letztmals Zittern musste man dann zwei Minuten vor dem Pausentee, als Lübeck nach Handspiel Hünemeiers eine gefährliche Freistoßsituation zugesprochen bekam. Umso ärgerlicher für die Holstentrinker, dass Noutsos den Ball aus 17 Metern über die Latte drosch.
Fazit nach 45 Minuten Der BVB wurde nach abtastender Anfangsphase vom VfB Lübeck eingelullt und hatte sowohl vor als auch nach dem Führungstreffer richtig Dusel. Das Tor selbst fiel in Überzahl, als der BVB die kurzzeitige Konfusion in der Hintermannschaft der Gäste brutal ausnutzte. Eine also insgesamt nicht unverdiente, aber doch glückliche Führung für die beste Zweitvertretung des Nordens.
Zur Halbzeit musste Mehmet Akgün angeschlagen draußen bleiben, ihn ersetzte Vrzogic eins zu eins auf der Position des linken Außenverteidigers. Richtig gut erholt in der Kabine hatte sich aber scheinbar Christopher Nöthe, der sowohl in der 47.Minute einen Kopfball so ablegte, dass daraus Ricken fast das 2:0 gemacht hätte, den Ball aber nicht richtig traf. Noch schöner Nöthes Vorarbeit zwei Minuten später, als er in vermeintlicher aussichtsloser Position an der Seitenauslinie per Hacke (!) in den Lauf von Senesie spielte, doch der immer langsamer wurde beim Sprint aufs Tor und beim Schuss an der Strafraumgrenze schließlich noch ausrutschte.
Die anschließenden 25 Minuten müssen unter die Rubrik "Leerlauf" gepackt werden: Lübeck fällt gegen die starke Innenverteidigung um Amedick und Hünemeier (Schade, dass ihr vor der Saison nicht von Juventus Turin gekommen seid!) nichts mehr ein, höchstens mal über den flinken Hoffmann über rechts, der den unsicher wirkenden Vrzogic immer mal wieder ausspielen konnte. Der BVB konnte jedoch das Spiel auch nicht entscheiden, da die Konter zu unpräzise zu Ende gefahren wurden, weil entweder schon der Befreiungsschlag oder aber dann zumindest der öffnende Pass zu unkonzentriert gespielt wurde.
Ricken scheitert knapp Erst eine Viertelstunde vor Schluss gab es wieder mal ein Raunen im Publikum, als Hillenbrand aus gut 30 Metern einen Ball als Dropkick-Volley aufs Tor pfefferte und dieser nur knapp über das Lattenkreuz flutschte. Aufregung auf Lübecker Seite dann in der 81.Minute, als der giftige Nöthe einen vermeintlichen Lübecker Vorteil nach seinem Foul kurz abwartete, dann wieder nachsetzte, den Ball schließlich eroberte und auf der linken Seite auf und davon stürmte. Mustergültig bediente er den in der Mitte besser postierten Ricken und allen im Stadion war schon der Torschrei auf den Lippen, doch auch ein CL-Sieger schießt frei aus neun Metern mal daneben. Der ob dieser Chance und der sicher falschen Vorteilsauslegung des Schiris erzürnte Frech rannte anschließend so aufbrausend aus dem Tor, dass er die Gelbe Karte wegen Meckerns sah.
Nach einer Direktabnahme Senesies (85.), die jedoch am Tor vorbeiging die letzte, dafür aber riesige Torchance für Lübeck: Eine scharfe Ecke und inkonsequente Strafraumbeherrschung Hötteckes, seine einzige Unsicherheit heute, zeitigten eine riesengroße Kopfballchance für Tobias Schweinsteiger (soll angeblich einen relativ bekannten Bruder haben), der bei seinem Versuch wohl noch von einem Mitspieler gehindert worden ist. So war es letztlich die Rote Mauer in Form des Hünen Höttecke, der die drei Punkte für den BVB rettete. Sogar das 2:0 hätte noch fallen MÜSSEN, als sich nämlich der erneut bärenstarke Hünemeier mit nach vorne einschaltete, im Zusammenspiel mit dem eingewechselten Hille einen Ball in den Rücken der Abwehr auf Senesie passte, der sich am Elfmeterpunkt den Ball sogar noch maßgerecht servieren, ein Alsterwasser bestellen konnte, um dann schlussendlich lässig einzuschieben. Blöd nur, dass er die Gewaltvariante wählte und der Ball lieber einen Freiflug Richtung Biergarten buchte, als schnöde von einem billigen Netz aufgehalten zu werden. Wenig später ertönte dann zum Glück der Schlusspfiff und der BVB-Nachwuchs hat mal wieder mehr Spaß gemacht als die "Großen"...
Fazit nach 90 Minuten Ein verdienter Sieg des BVB, die hinten kompakt standen und vorne einmal eiskalt zuschlugen. Bis auf einige wenige Möglichkeiten kam Lübeck mit der Kompaktheit der Dortmunder Abwehr nicht zurecht und musste am Ende sogar noch froh sein, dass Dortmund mit seinen guten Konterchancen zu lässig umging. Die nächsten zehn Tage kann sich der BVB jetzt eine wohlverdiente Auszeit gönnen, ehe es am übernächsten Samstag im Westfalenstadion zu einem regelrechten Spitzenspiel gegen die stark gestartete Fortuna aus Düsseldorf kommt. Anstoß ist dann um 14 Uhr. Bis dahin!
Stimmen zum Spiel
Marcel Höttecke: Die drei Punkte waren bitter nötig, weil wir unbedingt dranbleiben wolllten an den ersten 10 und das ist uns heute ja auch gelungen mit diesem 1:0-Sieg. Jetzt können wir erstmal schön die Füße hochlegen, das haben wir uns verdient. Das Glück heute haben wir uns auch erarbeitet, während wir im letzten Jahr sehr viel Pech hatten und diese Saison hat sich das eben umgewandelt.
Martin Amedick: Für die Amateure hier war es wichtig, dass wir drei Punkte geholt haben und dadurch die Tabellensituation jetzt wieder besser ist. Ich glaube, dass wir jetzt sogar schon Fünfter sind und das ist natürlich gut. (gefragt nach seinen Perspektiven bei den Profis) Ich sage hier nur was zu den Amateuren, wie hier die Situation ist und ansonsten wisst ihr ja Bescheid.
Uwe Hünemeier: Wichtig war, dass wir gewonnen haben, nachdem wir letzte Woche in Oberhausen kein gutes Spiel gemacht haben. Ich denke, dass wenn wir alle unsere Leistung abrufen und hinten zu Null stehen, dann geht das Spiel auch in unsere Richtung. Ich denke, wir haben jetzt zum 7. oder 8. Mal zu Null gespielt und das ist die Basis. Letzendlich haben wir auch verdient gewonnen. Egal, ob es Patrick Njambe, Marcel Großkreutz oder so wie heute Martin Amedick ist, das sind alles gelernte Innenverteidiger, die wissen, wie sie sich zu verhalten haben hinten drin und für mich ist es auch kein Problem, immer wieder mit neuen Innenverteidigern zu spielen, weil wir uns gut verstehen, eine gute Abstimmung haben. Das ist alles absolut kein Problem.
Sahr Senesie: Ich bin natürlich glücklich und es ist auch schön, dass ich das Tor gemacht habe. Aber ich wäre auch so glücklich gewesen, wenn ich das Tor nicht gemacht hätte. Hauptsache, drei Punkte, die waren wichtig! Wir standen gut, aber mit ein bisschen Glück und Können mache ich dann drei Tore. Wir waren keineswegs in Gefahr heute und ich fand deshalb unseren Sieg auch verdient. Pause habe ich ja nicht, weil morgen bin ich wieder mit den Profis unterwegs. Ich freue mich. Alles mitnehmen!
Uwe Erkenbrecher (Trainer VfB Lübeck): Ein Punkt wäre heute sicher drin gewesen, auch wenn wir am Ende natürlich etwas die Linie verloren haben, aber das ist doch auch ganz normal, wenn man hinten aufmacht und alles nach vorne wirft. Taktisch war das heute sicher unser bestes Auswärtsspiel und von daher ist es schon sehr bitter, wenn dann unterm Strich kein Punkt bleibt.
Theo Schneider: Das Spiel hatte sicher einige Phasen, wo es auch für Lübeck hätte kippen können, aber im weiteren Verlauf haben wir uns immer mehr zurück ins Spiel gebracht. Wir hatten am Ende auch einige gute Konterchancen, aber die hätten wir natürlich besser setzen müssen. Kompliment an meine Mannschaft für ihr Engagement heute, was ich in Oberhausen ja noch moniert habe. Heute sind wir belohnt worden und ich bin natürlich sehr froh über diesen fünften Tabellenplatz.
Daten zum Spiel
BVB II (4-2-1-3): Höttecke (2) - Hillenbrand (3), Amedick (2), Hünemeier (2), Akgün (3) (46. Vrzogic, 3,5) - Großkreutz (3), Njambe (3) - Ricken (2,5) - Öztekin (4) (79. Hille, - ), Nöthe (2,5) (82. Eggert, - ), Senesie (2,5)
VfB Lübeck (4-2-3-1): Frech - Rump, Müller, Hirsch (35. Imaya), Caruso - Dogan, Joof - Hoffmann, Cartus, Noutsos (71. Weber) - Kadah (61. Schweinsteiger)
Tor: 1:0 Senesie (34., Linksschuss, Vorarbeit Großkreutz)
Gelbe Karten: Hünemeier (42., Handspiel), Ricken (55., taktisches Foul) - Frech (81., Meckern), Schweinsteiger (86., Unsportlichkeit)
Zuschauer: 993 (die glorreichen Sieben standen im Stau)
SR: Dittrich (Bremen), Note 3. Kleinlich, aber wenigstens konsequent. Mit Problemen bei der Vorteilsauslegung.
Chancen: 6:5
Ecken: 1:7
Geschrieben von Malte
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