Leidenschaftlicher Kampf – BVB II gewinnt 3:2 gegen Emden und Sebastian Kehl feiert sein Comeback
803 Zuschauer erlebten im Stadion Rote Erde bei Dauerregen und widrigen äußeren Bedingungen eine toll kämpfende BVB-Mannschaft, ein erstaunliches Comeback von Nationalspieler Sebastian Kehl und mit Sebastian Hille einen treffsicheren Joker, der zwei Minuten vor Ende der Partie den viel umjubelten Siegtreffer zum 3:2 Endstand erzielte.BVB-Trainer Theo Schneider entschied sich vor der Partie für ein defensiveres Mittelfeld gegen die körperlich robusten Ostfriesen und bildete mit Sebastian Kehl, Njambe und Eggert einen Dreierverbund. Unter den Augen von Profitrainer Doll, Sportmanager Zorc, Präsident Rauball und BVB-Geschäftsführer Watzke, agierte ein sehr spielfreudiger Lars Ricken hinter den Spitzen. Ricken war dabei von allen Defensivaufgaben befreit und nutze diese Offensivfreiheiten mit klugen und umsichtigen Spiel gut aus. Drei Tore bereitete der von Thomas Doll aus dem Profi-Kader verbannte Ex-Nationalspieler durch Standards vor und hatte somit maßgeblichen Anteil an einem Sieg, der im offenen Schlagabtausch geführt wurde. 1. Spielhälfte und Kehls Comeback Im Vorfeld der Partie trainierte Kehl nur einmal mit der Amateurmannschaft und sollte in Absprache mit Cheftrainer Doll Spielpraxis sammeln, um die Profimannschaft bei den schweren Bundesligapartien in Nürnberg und Stuttgart endlich und sehnlichst zu verstärken. Kehl begann zögerlich und spielte anfangs etwas verhalten. Aber mit einer Grätsche in der 30. Minute gegen Bernd Rauw, legte er alle Zurückhaltung ab und war unheimlich präsent auf dem Spielfeld. „Es war für mich heute sehr wichtig einen weiteren Schritt zu machen, Spielpraxis zu sammeln und ich bin sehr glücklich darüber“, so Sebastian Kehl zu seinen 79 Minuten in der Regionalligapartie. Insgesamt agierte Kehl bei seinem Comeback sehr überzeugend, gab vereinzelt auch Kommandos und prüfte zum Ende seines Spiels in der 68. Minute Kickers-Torhüter Rickert mit einem satten Distanzschuss. Auch Amateurtrainer Theo Schneider zeigte sich sehr angetan von der Leistung des Nationalspielers. „Eigentlich sollte er nach 55 oder 60 Minuten ein Zeichen geben, wann er raus möchte. Aber er hat erstaunlich gut durchgehalten“, so Schneider. Insgesamt ein beachtliches Comeback von Kehl, der auch am Samstag bei Wolfsburg II wieder eingesetzt werden soll. „Das entscheidet Sebastian aber selbst“, ergänzt der BVB-Coach. Mit viel Schwung und sehr konzentriert agierte die BVB-Zweitvertretung gegen den Tabellenführer aus Ostfriesland. In der 8. Minute zischte ein Ricken-Freistoß knapp über die Latte. In der elften Minute klappte es besser. Eine Ricken-Ecke landete auf dem Kopf von Njambe, der wunderschön den Ball zum 1:0 für den BVB in die Maschen des Kickers-Gehäuses köpfte. Erst in der 21. Minute zeigte ein Schuss von Nägelein, dass die Gäste sich erst langsam von der forschen Spielweise der Amateure erholten. Zudem war Innenverteidiger Martin Amedick in der Defensive stark und in der Offensive an zwei Toren beteiligt. „Martin zeigt sehr starke und konstante Leistungen bei uns. Er ist ein absoluter Leistungsträger“, so Trainer Schneider. Auf die Frage, warum er im Profibereich keine Chance erhält, antwortete der Amateurcoach mit, „das müssen Sie Thomas Doll fragen“. Insgesamt ließ die Hintermannschaft des BVB nur wenig zu und hatte soweit alles unter Kontrolle. Bis zur 45. Minute. Da vertändelte BVB-Rechtsverteidiger Hillenbrand völlig unnötig und unbedrängt an der Torauslinie den Ball. Der darauffolgende Eckstoß führte zum 1:1 Ausgleich durch Kickers-Stürmer Vujanovic. Dabei prallte das Spielgerät beim ersten Versuch an die Latte, der Abpraller wurde wieder an die Latte bugsiert, bis dann endlich der Ball hinter der Linie und ins Tornetz landete. Ein kleiner Schock für die Schneider-Truppe. 2. Spielhälfte, Guido Buchwald und ein Supertor durch Nöthe Auf dem tiefen und glitschigen Rasen sah auch Aachens Trainer Guido Buchwald einen leidenschaftlich geführten Kampf mit offenem Visier. Wen er sich bei dieser Partie genauer ansah bleibt natürlich sein Geheimnis. In der 56. Minute musste nach einem Luftduell erst einmal Patrick Njambe mit starken Nacken- und Kopfschmerzen den Platz verlassen. Für ihn kam mit Marcel Großkreutz ein positionsgetreuer Vertreter im Mittelfeld. In der 66. Minute brandete dann großer Jubel im Stadion Rote Erde auf. Einen Ricken-Freistoß nahm Christopher Nöthe aus der Drehung volley und versenkte das Leder zum 2:1 Führungstreffer. Ein Treffer der Marke „Tor des Monats“. Von nun an entwickelte sich ein offner Schlagabtausch. Kickers Trainer und Ex-Profi Stefan Emmerling reagierte umgehend und wechselte in der 71. Minute mit Klasen und Reichwein zwei Offensivkräfte ein. Und der eingewechselte Reichwein war es auch, der vier Minuten später nach Eckstoß durch Celikovic per Kopf zum 2:2 ausglich. Eine Busladung Emdener Fans freute sich über den sehenswerten Kopfballtreffer. Celikovic sorgte immer wieder von der rechten Angriffseite mit gefährlichen Linkshereingaben für Unruhe in der Hintermannschaft des BVB. BVB-Trainer Schneider reagierte auch und brachte mit Hille und Schmelzer für Kehl und Hillenbrand zwei frische Kräfte. Hin und Her wog das Spiel von nun an. Beide Trainer hätten in dieser Phase des Spiels Kilometergeld verdient gehabt. Und dann das packende Finale. Ecke von Ricken, Vorarbeit von Amedick und Joker Sebastian Hille löst mit seinem 3:2 Siegtreffer wahre Jubelstürme im Stadion aus. Ausgerechnet Hille, der vor der Partie wegen der U-23-Regelung, bei der nur drei Spieler über 23 Jahre in der Startelf sein dürfen, auf die Bank musste. Fazit Der BVB verschaffte sich eine glänzende Ausgangslage und steht nun vor der Auswärtsbegegnung bei Schlusslicht Wolfsburg II auf dem 8. Tabellenplatz. Die Amateure zeigten alles, was einem an so einem nasskalten Novembertag das Herz erwärmen lässt. Einsatzwille, Kampf, Leidenschaft und drei Tore. Das nächste Heimspiel trägt der BVB am 24. November um 14 Uhr gegen Zweitligaabsteiger Eintracht Braunschweig im Stadion Rote Erde aus. Der BVB besitzt nun alle Möglichkeiten, sich ein kleines Polster im Rennen um die ersten zehn Plätze anzulegen und sich am Ende dieser Spielzeit für die eingleisige dritte Liga zu qualifizieren. Trainerstimmen Stefan Emmerling (BSV Kickers Emden): „Es war klar bei diesen Bodenverhältnissen, dass es ein Kampfspiel werden kann und das haben beide Mannschaften heute auch gezeigt. Wir hätten mit dem einen Punkt leben können, haben uns in den letzten drei Minuten aber nicht clever verhalten. Wer es so dem Gegner zum 3:2 leicht macht, darf sich nicht wundern“. Theo Schneider (BVB): „Es war sicherlich am Ende ein glücklicher Sieg für uns, ob er unverdient war lasse ich mal dahin gestellt. Meistens waren wir in der Vergangenheit die, die in der Schlussphase ein Gegentor kassiert haben. Nach dem 2:2 haben die Emdener großes Druck erzeugt und durch ihre Standards war natürlich immer höchste Gefahr. Gut, wir haben heute gegen den Tabellenführer gespielt, wir hatten heute Emdener Verhältnisse, häufig ist dort der Platz auch sehr tief. Das wussten wir und haben uns im Vorfeld auch darauf eingestellt. Wir wollten über den Kampf das Spiel entscheiden und es war enorm wichtig, dass man im Mittelfeld die Zweikämpfe gewinnt und dagegen hält. Das Tor was Christopher Nöthe geschossen hat, war natürlich schon das Eintrittsgeld wert. Wir sind froh die drei Punkte zu haben und uns mit einem Erfolg in Wolfsburg ein bisschen abzusetzen von dem dicht beieinaderliegenden Mittelfeld in der Liga“.
Spielstatistik Kickers Emden: Rickert – Nägelein, Rauw, Spahic, Cannata (71. Reichwein) – Zedi, Nachtigall (71. Klasen), Celikovic, Moosmayer – Neitzel, Vujanovic BVB: Höttecke – Hillenbrand (79. Schmelzer), Hünemeier, Amedick, Akgün – Eggert, Kehl (79. Hille), Njambe (56. Großkreutz) – Ricken – Senesie, Nöthe Tore: 1:0 Njambe (11.), 1:1 Vujanovic (45.), 2:1 Nöthe (66.), Reichwein (75.), 3:2 Hille (88.) Schiedsrichter: Seemann aus Essen Zuschauer: 803 im Stadion Rote Erde
Geschrieben von Markus B.
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