Die totale Dumminanz
Derbytime – man kommt nicht daran vorbei, er herrscht die alljährliche Pflicht mal wieder dorthin zu reisen, wohin man es sonst nicht tut. Eine Abstinenz, die vorteilhaft für den Gemütszustand ist und für die ruhende Position des Mageninhaltes. Dabei kann der Blick über die Emscher ja auch mal interessant sein – lasst uns mal schauen, wie sich die Dinge sich dort in diesem Jahr entwickelt habenDa gab es mal einen – ja, wir erinnern uns – einen gewissen Herrn mit Zigarre, dessen Nachnamen schon die Verwandtschaft mit seinem Verein preisgab:
Der Assel-Rudi, einstmals Veltins-Werbeikone und Zuproster der ganzen blauen Assel-Gemeinde. Eben jener war immer so stolz darauf, den FC Schlacke in seiner Entwicklung seinem Vorbild BVB anzugleichen. Alles was er außerhalb des Tresens tat, tat er dem damaligen Traumduo der Vereinsförderung, Niebaum und Meier, gleich.
Insbesondere das ständige Organisieren von neuen Krediten und deren scheinbare Verwendung in Immobilien, schafften den finanziellen Freiraum, sportlich fragliche Investitionen in die Mannschaft zu tätigen, die sonst mangels Sicherheiten niemals möglich gewesen wären. Die Krönung des Ganzen wäre dann natürlich der Börsengang der Aktiengesellschaft gewesen, die noch einmal frisches Geld für schon lange nicht mehr vorhandene Vermögenswerte in die Kassen gespült hätte. Ein Finanzierungsprinzip, auf das Niebaum sicher Gebrauchsmusterschutz beantragt hätte, wenn nicht nach anfänglichen Erfolgen zu schnell der Nachteil dieser Methode ans Tageslicht gekommen wäre. Nun wollen wir ja nicht erneut auf diese Fehler und deren tragische Auswirkungen für den BVB hinweisen, das haben wir schon zur Genüge getan, sondern viel mehr auf die Dummheit der Schlacker, eben jene Fehler trotz deutlich erkennbarer Risiken einfach zu kopieren.
Der größte Verein in Buer hat derzeit so um die 255 Millionen Euro Schulden, von denen nur 195 Millionen aus dem Stadionbau stammen, der Rest wurde in die Mannschaft „investiert“ – wobei das, kaufmännisch gesehen, natürlich alles andere als investiv ist. Gleichzeitig macht man bilanziell ordentliche Gewinne – verwunderlich - oder auch nicht, so was kannte man ja aus Dortmund auch.
Man macht halt so lange Gewinn mit neuen Schulden, bis der Schuldenberg so groß ist, dass nichts mehr geht. Nirgendwo verbrennt Geld schneller als in den Taschen divenhafter Fußballstars.
Auch diese Erkenntnis hat der BVB schon lange machen dürfen und auch jene, dass der finanzielle Erfolg dieser Investitionen von Ihrem sportlichen Erfolg abhängig sind.
Nur so ist es zu erklären, dass praktisch der gesamte Aufsichtsrat Anfang dieses Jahres die Reißleine zog und den blinden Kopierer des Niebaum-Meier-Kamikaze-Managements kurzerhand vor die Tür setzte. Plötzlich wurde allen klar, dass „der Rudi“, nicht nur seine dicken Zigarren in Schutt und Asche legen würde, sondern auch den Verein FC Schlacke. Mit Ausbleiben der Einnahmen aus Championsleage würde FC Schlacke ein massives Liquiditätsproblem bekommen. „Er war mutig, hat viel riskiert“, sagt man unter seinen Anhängern – in Wahrheit hat er alles falsch gemacht, was er nur konnte, weil er nie glauben wollte, dass er den Weg, den Niebaum und Meier gingen, auch gehen würde. Und das obwohl er nahezu alles kopiert hatte. Die AG war ja auch schon längst gegründet und irgendwann, wenn die Börse sich wieder erholt hätte, wäre ja auch der Börsengang fällig gewesen.
Aber weder die Börse noch die Mannschaft zeigten die lebensnotwendige Perspektive auf den Erfolg und aus war’s. Seit langem das erste Mal, würde man sich 2006 keine Ablöse für einen neuen Spieler leisten können. Was dem Asselrudi ja dann auch seinen Job gekostet hat.
Bilanzfrisurtechnisch gesehen hatte man zwar zu dem Zeitpunkt zwar noch alles im Griff – man erinnere sich nur an die mysteriöse Kapitalvermehrung durch den günstigen Ein-Euro- Kauf des mehr als baufälligen Packstadions. Auch hier fruchtete das Niebaum-Prinzip der ständigen Höherbewertung des nicht vorhanden Anlagevermögens.
Aber neue Liquidität brachte das selbstverständlich nicht, es sei denn, man hätte wirklich einen Käufer gefunden, der die 15,6 Millionen für diese Ruine auf einem völlig wertlosen, weil nicht als Bauland nutzbaren Grundstück, locker gemacht hätte.
Als Unternehmer fragt man sich in einer solchen Situation natürlich, wie man derart bescheuert sein kann, in einer Bilanz Gewinn auszuweisen, den man gar nicht hat. Aber als Fußballfan kennt man sich aus: Die Blauen sind so.
Das hat ja auch zur Folge, dass man Steuern für Einnahmen zahlen muss, die überhaupt nicht existieren.
Die einzige Erklärung dafür kann ja nur sein, dass es gar keinen Gewinn gibt, aber auch dann ist es nicht vertretbar, weil damit falsche Sicherheiten für ohnehin viel zu hohe Kreditlinien gestellt werden.
Nun fragt sich sowohl der neutrale Kritiker, als auch der Staatsanwalt, sind die so dumm oder so kriminell ?
Die Antwort gaben sie sich wohl zu Saisonbeginn selbst. Asselrudi war weg - jetzt wurde nicht mehr in Richtung BVB geschaut, sondern zur Nationalmannschaft und zu Saisonbeginn einem neuen Trend nachgerannt, dem N11-Hype.
Endlich befreit von der Last des allmächtigen Dominators mit der Zigarre sehnte sich der FC Schlacke nach einem neuen Führungsprinzip mit Hilfe eines Motivationstrainers. Und sie taten das, was alle Gruppen tun, die eine gemeinsame Orientierung suchen, sie druckten sich trendige T-Shirts für’s gesellige Beisammensein. Aufschrift: „Die totale Dominanz“ Dann kam, was kommen musste, die Tage wurden kürzer, die Heizkosten stiegen und die Kassen waren leer, die neuen Leibchen wurden zu kurz, der Verein war in Zahlungsschwierigkeiten. Die viel zu kurze Kapitaldecke zeigte klaffende Löcher in der Kasse.
In der Mannschaft fing es an zu brodeln, die Diven zickten, die Fans pfiffen.Die Motivation war dahin.
Man zerfleischte sich. Selbst so Sympathieträger wie „Blondie“ Gerald Asamoah wurden gemobbt, indem eigentlich intime Gespräche an die Presse weiter getragen wurden. Verrat war an der Tagesordnung und letzlich war die Presse an allem schuld.
Auch diesen Effekt kennen wir, blank liegende Nerven, eigentlich wäre als nächstes die Gehaltskürzung fällig gewesen, wenn nicht…
Ja, wenn nicht „der Russe“ gekommen wäre.
Der Russe schlechthin, Präsident Vladimir Putin, als höchster Patriarch des mehrheitlich vom russischen Staat kontrollierten Gasexportmonopolisten Gazprom hat offenbar seine Leidenschaft für königsblaue Leibchen entdeckt. Er vergütet die wachsende Popularität, die sein Unternehmen in Deutschland durch einen Sponsorvertrag mit den Blauen vermeintlich erhält, mit in Aussicht gestellten 125 Millionen Euro in fünfeinhalb Jahren. Das kann sich sehen lassen, denn das sind finanzielle Bereiche des Trikotsponsorings in denen sich Real Madrid und Bayern München bewegen.
Gut so, wird die gemeine Assel nun tönen, aber der neutrale Kritiker fragt sich natürlich sofort, was denn der FC Schlacke Vergleichbares zu bieten hat. An die Einschaltquoten und Fernsehpräsenz des bayerischen Bauernstadels oder die weltweite Verbreitung der Leibchen des weißen Balletts kommen die blauen Gossenkinder nicht annähernd heran. Also muss der Wert dieser Maßnahme wohl in bisher nicht erkennbaren Win-Win-Effekten liegen.
Der Win der blauen Vereinsführung ist klar, sie haben ihren Kopf noch mal gerade so aus der Schlinge gezogen. Sie werden darauf wohl so einige Hektoliter aus den Standleitungen ihres sauerländischen Getränkesponsors heruntergespült haben, als sich plötzlich diese ergiebige Geldquelle auftat. Eine andere Tätigkeit, als das meist unkontrollierte Einspülen dieses alkoholischen Gerstengetränks, findet im Alltag dieser Stadt ohnehin keine Erwähnung.
Aber die Russen, Sauerländer Bier statt Wodka ?
Kaum denkbar, dass die aus purer Geselligkeit Geschmack an den vergleichsweise dünnen Säften der hintersten Westfalen Geschmack gefunden haben und sich ausgerechnet damit diese völlig unbedeutende Stadt mit den unansehnlichen Fans schön getrunken haben.
Eine Stadt der Namenlosen, die außer in der Arbeitslosenstatistik nirgendwo ganz vorne dabei ist, noch nicht einmal, wenn der FC Schlacke Tabellenführer ist, darf sie offiziell beim Namen genannt werden. Mit wem, oder besser noch, für wen sollte man da Werbung machen ?
Nein, dahinter steckt das knallharte Kalkül, eine höchst kritische Situation auszunutzen zu können, um Dominanz über Menschen zu erlangen, die es nicht mehr mitbekommen. Dahinter steckt das Streben nach Macht, es geht um die Dominanz – zuerst bei diesem unbedeutenden blauen Verein, dann irgendwann über die Energielieferungen nach Deutschland.
Ab einem gewissen Punkt hat sich dann doch der Weg des FC Schlacke von dem des BVB getrennt. Energie ist immer gut, auch als Sponsor, aber von wem man sich mit seinem Energieverbrauch abhängig macht, sollte man immer vorher überlegen.
Die Immerblauen sehen das genauso wie beim Öffnen einer Veltinsflasche, wenn der Gashahn aufgedreht wird ist für alle klar: Gazprom, ich tu was tolles für meinen Verein.
Die Schlacker sind die ersten, die sich dieser neuen russischen Dominanz hingeben und die dürfen jetzt mit einer kleinen Korrektur ihre Leibchen weiter tragen, neue Aufschrift:
Totale Dumminanz - auf Deutsch: Wir merken nichts mehr .
Geschrieben von Klopfer
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