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Auffem Platz - 11.02.2018

Eiskalt

Weil Poptown fehlte verzichtete der Rest auf Fanutensilien

In einem für lange Zeit offenen Spiel gewinnt der BVB gegen den HSV am Ende verdient mit 2:0 und baut die „Stöger-Serie“ von inzwischen sieben ungeschlagenen Spielen weiter aus.Mühsam tippelt der BVB mit kleinen Schritten in die richtige Richtung- tabellarisch und spielerisch.

Auseinandersetzungen vor dem Spiel

Bereits wenige Stunden vor dem Spiel gibt es die ersten unschönen Szenen: Einige BVB-Ultras liefern sich im Vorfeld des Spiels mit „Problemfans“ des HSV eine Prügelei in der Dortmunder Innenstadt. Nachdem die Polizei 21 Anzeigen wegen Landfriedensbruch, versuchter gefährlicher Körperverletzung, Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz, Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Sachbeschädigung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verfasst hatte, durften knapp 93 HSV Fans die Heimreise antreten, zwei weitere wurden in Gewahrsam genommen. Geschehnisse, auf die man gerne verzichten kann und die man vielleicht auch hätte verhindern können. Dabei darf schon die Frage gestellt werden, wie es einer bekannten HSV-Gruppierung (Poptown) gelingen kann, durch die Dortmunder Innenstadt zu ziehen, ohne von der Polizei bemerkt zu werden. Ob das Aufeinandertreffen mit den Dortmunder Ultras an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten Zufall gewesen ist, sei einmal dahingestellt.

Stimmung nahe am Gefrierpunkt

Auf der Heimseite gab es wieder das Banner gegen Montagsspiele

Vielleicht war der relativ trostlos gestaltete HSV-Block, in dem nur wenige Fahnen zu sehen waren, den Geschehnissen des „Vorspiels“ in der Innenstadt geschuldet. Auch wenn das Verhältnis zwischen den HSV und BVB Anhängern schon lange nicht mehr so gut ist wie noch in den 90er Jahren, so war „verunglimpfendes“ Liedgut über den BVB überdurchschnittlich häufig zu hören. Noch viel erschreckender aus Dortmunder Sicht ist allerdings gewesen, dass die gut 8.000 mitgereisten HSV Fans die oft „erstarrte“ und vor sich hin „nuschelnde“ Südtribüne gegen die Wand sang. Vielleicht sollte auch bei einigen Fans die Vorgabe „back to the roots“ sein.

Nazis raus aus dem Stadion

Immerhin zeigten sich einige Fans in Sachen Fanpolitik aktiv. Neben einigen Bannern für Fanfreundliche Anstoßzeiten und für den Erhalt von 50+1, gab es auch ein großes Banner mit der Aufschrift: „Fuck NOFV! Nazis raus aus den Stadien“. Hintergrund dieses Plakats ist, dass der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) zuletzt den SV Babelsberg mit einer Strafe von 7340 Euro

Protest gegen den NOFV per Spruchband

belegt. In einer ersten Urteilsbegründung heißt es, Babelsberg würde bestraft, weil ein Babelsberger Fan beim Regionalliga-Spiel gegen Cottbus auf die antisemitischen und rassistischen Schmährufe der Cottbuser reagierte und in deren Richtung „Nazischweine raus“ rief. Erst nachdem das Urteil publik wurde, ruderte man bei der Urteilsbegründung zurück und gab an, dass es sich um einen Fehler handelt. Nicht der Ruf des Fans sollte bestraft werden, sondern das Abbrennen von Pyrotechnik.

Debüt und eine Comeback

Es war kurz vor drei, als die Nachricht auf vielen Mobiltelefonen aufploppte: „Marco Reus ist in der Startelf"- nach mehr als acht Monaten Verletzungspause. Der Name Reus wurde beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung euphorisch vom ganzen Stadion gefeiert. Aber auch zwei weitere Spieler feierten ihr Debüt vor der Südribüne. Neben Batshuayi, dem Doppeltorschützen von Köln, stand Akanji erstmals für den BVB in der Startelf. Für ihn musste Sokratis weichen, der nach Spielende hustend durch die Katakomben des Stadions schlurfte.

Erste Halbzeit

Kaum zu glauben: Marco Reus gab sein Comeback

Das Spiel läuft erst wenige Minuten als Reus mit einem feinen Steilpass auf Schürrle die erste gute Chance des BVB einläutet. Die ersten Minuten verlaufen aus BVB-Sicht verheißungsvoll, doch mit zunehmender Spieldauer beginnt der HSV mehr Druck zu machen und spielt mutig nach vorn mit, ohne dabei aber zwingend vor das Tor des BVB zu kommen. Die Taktik des HSV, auf Wackler der Dortmunder Abwehr zu setzten, scheint ein vielversprechender Ansatz zu sein. Auch das frühe Pressing der Hamburger stellt den BVB vor eine unangenehme Herausforderung. Zur Halbzeit kann der HSV bereits vier Ecken und fünf Torschüsse für sich verbuchen. Auch wenn der BVB mehr Ballbesitz hat, gelingt es kaum gefährlich vor das Tor zu kommen. Selten sind Spielzüge wie der in der 25. Minute, als Toljan vom linken Flügel vor den ersten Pfosten flankt und Batshuayi aus sieben Metern mit dem Kopf das Leder deutlich an der linken Torstange vorbei köpft .Der HSV hat es am Ende der ersten Halbzeit geschafft, den BVB völlig einzulullen und die wenigen BVB-Anhänger, deren Hände bei der Kälte noch nicht eingefroren sind, zu einem vorsichtigen Pfeifkonzert zu veranlassen. Mit dem Hamburger Torhüter konnte man schon fast Mitleid haben: Er hatte so wenig zu tun, dass er sich in der Halbzeitpause hat warmschießen lassen.

Zweite Halbzeit

Der angekündigte Salto von Michy

Das Spiel ist gerade einmal 3 Minuten alt, als von der rechten Seite Pulisic flach und scharf in die Mitte flankt (schießt), wo Batshuayi am langen Pfosten lauert und aus kurzer Distanz ins leere Tor schiebt. Die Führung fiel aus dem Nichts und war auch zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt verdient, zeigte aber zunächst Wirkung beim HSV, der erst einmal tief durchatmen musste. Knapp 15 Minuten passierte zunächst einmal nichts, bis der BVB die nächste Riesen-Chance versiebte. Reus legt ein tolles Solo hin und schiebt zu Schürrle, der aus halblinker Position zum Schuss kommt, aber an Mathenia scheitert. Den Nachschuss verzieht Pulisic anschließend aus kurzer Distanz. Von nun an wurde das Spiel wieder offener und der HSV glaubte wieder an seine Chance, mehr aus dem Westfalenstadion mitzunehmen. Obwohl der BVB teilweise das Gefühl vermittelte, um den Ausgleich zu betteln, gelang in der 92. Minute der Lucky-Punch. Nach einem Solo von Schürrle über links, zieht dieser in die Mitte und steckt klasse auf Götze durch. Dieser behält die Nerven und lupft den Ball über den HSV Torwart hinweg ins Netz.

Fazit

Mario Götze sorgte für den Schlusspunkt

Der BVB macht erneut einen kleinen Schritt in die richtige Richtung und schlägt bei seinen wenigen Chancen eiskalt zu. Auch wenn das Passspiel oft ungenau und zu langsam ist, waren es nur Wackler in der BVB Defensive und keine Erdbeben mit verehrenden Auswirkungen. Auch wenn einzelne Spieler immer noch weit hinter ihren Möglichkeitenspielen, gibt es einige Lichtblicke. Sei es Marco Reus, der das BVB Spiel belebte, ein Akanji, der einen ordentlichen und soliden Einstand gab, oder der erneut überzeugende Batshuayi, der nicht nur durch sein Tor zu glänzen wusste. Der HSV verkaufte sich ordentlich, allerdings reicht es nicht aus nur über Standards Gefahr auszustrahlen.

Stimmen zum Spiel

Akanji...

Startelfdebut für Manuel Akanji

...zur Frage wie wichtig der Sieg gegen den HSV ist: "Sehr wichtig. Wir haben die Leistung aus dem letzten Spiel bestätigt. Wir sind froh, dass wir gewonnen haben. Es war viel Arbeit, aber das gehört dazu."

...zu seiner Leistung: "Wir hatten viele Zweikämpfe. Ich konnte im Spielaufbau nicht so viel machen, wie normalerweise in Basel. Hamburg hat die Mitte gut geschlossen, deshalb war es nicht leicht, die Pässe in die Schnittstellen zu finden. Defensiv haben wir als Mannschaft aber eine gute Leistung geboten - und ich denke, ich konnte dabei helfen."

...über seine Enttäuschung nicht für die Euro-League gemeldet worden zu sein: "Ich spiele nur in der Champions League (lacht).. Ich hätte auch gern international mit der Mannschaft gespielt, aber ich verstehe auch die Situation. Wir hatten mit Alex Isak nur einen Stürmer und Michy kann uns sehr helfen, wenn er vorne Tore schießt. Das kann ich nicht so gut."

"Wir haben auch positive Dinge in unserem Spiel gehabt"Stöger: „Es war ein schweres Spiel gegen einen gut organisierten Gegner, dem wir Möglichkeiten gegeben haben, weil in manchen Phasen das Passspiel zu langsam oder nicht genau genug war. Wir haben auch positive Dinge in unserem Spiel gehabt: Wenn es schwer ist, muss die Laufbereitschaft passen. Ich habe das Gefühl gehabt, dass die Jungs viel unternommen haben für diese Führung, auch wenn nicht alles funktioniert hat. Es war ein kleiner Schritt nach vorn.“

So haben sie gespielt

Borussia: Bürki - Piszczek , Akanji , Toprak , Toljan - Weigl - Pulisic (85. Castro), Kagawa (63. Dahoud) , Reus (71. Reus), Schürrle - Batshuayi

Hamburger SV: Mathenia - Jung , Mavraj , van Drongelen - G. Sakai , Ekdal (71. Hahn) , Walace , Douglas Santos - Hunt (52. Arp) - Wood (52. Salihovic), Kostic

Tore: 1:0 Batshuayi (49.), 2:0 Götze (90.+2)

André Schürrle freute sich über eine gute LeistungZuschauer: 81.360 (davon 8.000 HSV-Anhänger)

Zahlen und Daten

Zweikämpfe gewonnen: BVB 96 / HSV 57

Ballbesitz: BVB 58 % / HSV 42%

Ecken: BVB 2 / HSV 4

Torschüsse: BVB 10 / HSV 8

Flanken: BVB 9 / HSV 22

Christoph, 11.02.2018



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