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Eua Senf - 22.03.2018

Dortmund und Leeds

Der Dortmunder Bierkutscher steht in Leeds auf dem Dortmund SquareWer schon einmal in der nordenglischen Stadt Leeds einen Rundgang gemacht hat, der wird als BVB Fan vielleicht nicht schlecht gestaunt haben, wenn er über ein bekanntes Gesicht aus Dortmund gestolpert ist. Der Dortmunder Bierkutscher treibt dort sein Unwesen und verweist auf die langjährige Städtepartnerschaft zwischen Dortmund und Leeds.

Dieser Umstand wird bestimmt auch ein Thema im Jahr 2006 gewesen sein, als während der WM eine Handvoll Dortmunder auf Fans des Traditionsvereins Leeds United in einer Kölner Kneipe trafen. Bei den üblichen Fangetränken fand man schnell heraus, dass man viele Gemeinsamkeiten hatte und blieb in Kontakt.

Beide Vereine waren Mitte der 2000er Jahre nicht wirklich erfolgreich und den LUFC traf es sehr heftig. Der sportliche Niedergang hielt konstant an, man fand sich schnell in der 3. höchsten Spielklasse in England wieder.

Simon und Phil sind seit Ihrer Geburt Anhänger von Leeds United In diese Zeit fielen auch die ersten gegenseitigen Besuche. Eines der ersten Highlights war sicherlich der Jahreswechsel 2006/2007, der ja traditionell auf der Insel mit Fußball und nochmal Fußball begleitet wird. Eine kleine Delegation an BVB Fans machte sich auf, um das Auswärtsspiel von LUFC gegen Stoke City zu besuchen. Die Distanz zwischen den beiden Städten ist sehr überschaubar.

Wir staunten nicht schlecht, als uns die Abfahrtszeit des Busses angekündigt wurde. In den frühen Morgenstunden bei Nieselregeln sollten wir den Weg mit den „Maverick Whites“ antreten. Unsere Frage nach der frühen Abfahrtszeit sollte rasch beantwortet werden.

Das erste Ziel des Tages war nicht etwa das Britannia Stadium, sondern ein Pub ein paar Meilen außerhalb. Die Szenerie begeistert mich heute noch: Ein Bus mit trinkwütigen Leedsfans fällt in einem Pub mitten im Nirgendwo ein und der Wirt öffnet mit einem Morgenmantel die Tür. Was dann passierte dürfte sich jeder denken können. Alkoholische Getränke wurden von der Reisegruppe fachmännisch vernichtet und für einige war das auch der Beginn einer persönlichen Freundschaft, die bis heute andauern sollte.

Paul, Chris und Simon im WestfalenstadionNun erschloss sich mir auch der Sinn der frühen Abfahrt: Seit der Katastrophe in Hillsborough ist die Mitnahme von Alkohol in Fanbussen nicht gerne gesehen und kann zu großen Problemen mit der ansässigen Staatsmacht führen. So ganz verstehen kann ich den Sinn zwar nicht, da man sich nun vor den Spielen schön einen reinkippt, aber wenigstens werden so die ländlichen Pubs unterstützt. Ein schöner Beitrag gegen das Pubsterben in England.

Das Spiel selbst blieb mir kaum in Erinnerung (außer das Patrick Berger bei Stoke zu dieser Zeit unter Vertrag stand), aber die Leidenschaft und Hingabe der Fans zu ihrem Verein war beeindruckend und absolut vergleichbar mit uns. Es ist immer wieder schlimm zu sehen, wenn ein solcher Verein mit einer derartigen Unterstützung langsam aber sicher absteigt und in finanzielle Schwierigkeiten gerät.

Kurz nach dem Derby 2007 besuchte uns unter anderem Nigel in HannoverWährend dieser Tour kamen wir auch zum ersten Mal mit „Big Mark“ in Kontakt. Mark war ein altes Urgestein der Fanszene von Leeds und war an Herzlichkeit nur schwer zu überbieten. Sein Tod traf uns ein paar Jahre sehr schwer, aber es war uns eine Ehre, diese Persönlichkeit kennengelernt zu haben.

Generell sind es ja die unterschiedlichen Charaktere, die einen Verein ausmachen. Wir hatten das Glück eine Vielzahl an „Bekloppten“ zu treffen. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle die Leedsfans der ersten Stunde, die uns immer wieder herzlich in der „Eternal City“ aufgenommen haben: Phil, Simon, Paul, Mark B., Nigel und last but not least Chris. Die Jungs verbindet eine lange Freundschaft, die eng mit der Geschichte von Leeds United verknüpft ist. Phil ist sehr aktiv im Umfeld des Vereins und schreibt unter anderem eine eigene Kolumne im offiziellen Stadionheft des Vereins.

Die Jungs waren es auch, die rund 50 BVB Fans halfen einen Fanbus von Leeds zum CL Spiel gegen Manchester City zu organisieren. Die Idee mit dem Bus kam kurz nach der Auslosung der CL Gruppenphase. Viele BVB Fans suchten nach preisgünstigen Routen nach Manchester, da bot sich Leeds meistens an. Leider ist der Flughafen nicht wirklich zentral und Manchester noch ein gutes Stück weg. Wir diskutierten das mit unseren Leeds-Freunden und Lee erklärte sich bereit, einen Bus für uns anzufragen.

Chris und Mark in ihrem „natürlichen Umfeld“. Der Leeds Pub in DortmundZu Lee muss man (nicht) viel sagen: Dieser Kerl hat nun über 25 Jahre alle Spiele seines Vereins gesehen und alle „Ups and Downs“ miterlebt. Einige Geschichten erzählte er uns gerne auf dem Weg nach Manchester. Die Stimmung im Bus war super. Man merkte sofort, dass es für alle nicht alltäglich war mit Engländern in England zu einem Spiel einer deutschen Mannschaft zu fahren und dann auch zusammen im Gästeblock das Spiel zu verfolgen.

Spricht man mit den Jungs aus Leeds über deren Besuche in Dortmund, fallen vor allem 2 Worte „Alex Frei“. Über die Jahre waren immer regelmäßig kleinere und größere Gruppen von Leeds Fans bei uns in Dortmund und das ein‘ oder andere Derby wurde natürlich auch besucht. Neben DEM Derbysieg 2007 blieb vor allem das legendäre 3:3 in Erinnerung. Die komplette Nacht wurde zur absoluten Legende und spätestens als Phil (knapp 2m) in einer Kneipe im Kreuzviertel auf den Tischen tanzte und „Who put the ball in the Scheisse net?“ anstimmte, gab es gar kein Halten mehr. Das Wort „Eskalaltion“ musste neu definiert werden.

Daniel und Phil. Es wäre schön, wenn die nächste Generation die Freundschaft weiterpflegen würdeIm Jahr 2016 jährte sich die Freundschaft zum 10. Mal. Wir trafen uns im Rahmen eines BVB Heimspiels, um gemeinsam auf die ganzen Erinnerungen zurückzublicken. Es ist immer wieder erstaunlich was man über die Jahre vergisst und was an alten Geschichten wieder ins Gedächtnis zurückgeholt werden kann: Da war unter anderem ein Auswärtsspiel unserer Borussia in Gladbach an einem Freitagabend.

Wir haben das Ding verloren und für Phil sollte eine komplizierte Rückreise auf die Insel beginnen. Die Nacht haben wir in Düsseldorf zelebriert und uns in den frühen Morgenstunden verabschiedet… leider fiel sein Flieger aus und Leeds spielte an dem Samstag gegen Birmingham. Phil reagierte blitzschnell (wie er das in seinem Zustand hinbekommen hat werde ich nie verstehen) und flog erst nach Zürich, um von da einen Flieger nach Manchester zu bekomme. Die letzten Meilen waren für ihn dann auch kein Problem mehr und Leeds konnte das Spiel sogar 3:2 gewinnen.

Lässt man die ganzen Jahre Revue passieren, wird einem schnell klar, dass der Fußball schon tolle Geschichten schreibt. Eine länderübergreifende Freundschaft über mehr als 10 Jahre aufrecht zu halten ist schon etwas Besonderes und macht sehr deutlich, dass der Fußball eine außergewöhnliche Kraft hat, um Menschen zu verbinden. Für die Zukunft wünsche ich den „Champions of Europe“ alles Gute und hoffentlich wird der Traum eines Spiels gegeneinander wahr.

In diesem Sinne: Marching on together!!!

Gastautor kesterter, 22.03.2018


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