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Auffem Platz - 18.03.2018

1:0 gegen Hannover - Arbeitssieg folgt auf peinliches Europapokal-Aus

Klare Ansage des Fanbündnisses Südtribüne Dortmund vor dem Anpfiff

Borussia parallel zum Sonntagsbraten – die neue Anstoßzeit am Sonntagmittag zur asiatischen Prime-Time lockte dennoch offiziell 81.360 Zuschauer ins ausverkaufte Stadion. Drei Tage nach dem blamablen Europa-League-Aus gegen den von einem rechtsaffinen Mäzen aufgepumpten Brauseverein aus Österreich stellte sich die Frage, ob die Herren im schwarzgelben Trikot wohl gegen Hannover 96 wieder Lust verspüren würden, ein Fußballspiel gewinnen zu wollen.

Aktionsspieltag „Strich durch Vorurteile“

Der Spieltag selbst stand unter dem Motto „Strich durch Vorurteile“, unter der die Stiftung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) „eine umfassende Initiative gegen Diskriminierung jeder Art“ wiederbelebte. Im Rahmen des Aktionsspieltages wurden Spots gegen Rassismus und Diskriminierung bei den TV-Partnern der Bundesliga gesendet, die inhaltlich an ebenjene anknüpften, die bereits vor drei Jahren zu sehen waren. Leider erscheint die Arbeit gegen Rassismus, Ausgrenzung und Intoleranz im Jahr 2018 noch viel wichtiger zu sein. Alleine ein Blick in den deutschen Bundestag, in dem eine rechtsoffene Partei sitzt, reicht aus, um zu verstehen, wie wichtig diese Basis-Arbeit ist. Wenn landauf, landab die Rassisten auf die Straße gehen, um ihre Heimat vor angeblicher Überfremdung zu verteidigen, dann kann man diesen Leuten – in Anlehnung an das DFL-Motto – nicht oft genug einen Strich durch deren Vorurteile machen. Und gerade in Dortmund weiß man, wie wichtig es ist, seine Stimme gegen braunes Gedankengut zu erheben.

Auch die Hannoveraner Fans zeigten ein Spruchband zum Thema 50+1

Im Rahmen des Aktionsspieltages stellten alle 36 Vereine der ersten und zweiten Bundesliga jeweils ein soziales Projekt aus ihrer Nachbarschaft der breiten Öffentlichkeit vor. In Dortmund fiel die Wahl auf das „Selbstlernzentrum für Geflüchtete und deutsche Jugendliche“ in der Möllerstraße. Weitere Infos zu diesem und den 35 anderen Projekten sind auf der Kampagnen-Seite klicke-gemeinsames.de zu finden. Die Zusammenarbeit soll zudem mittelfristig angelegt sein: „Die 36 von den Proficlubs ausgewählten Projekte werden über den Aktionsspieltag hinaus von der DFL Stiftung, ihren Partnern und den Clubs begleitet“, heißt es auf der vorgenannten Webseite.

BVB veranstaltete Aktionstag - neues Graffiti unter der Süd

Der BVB veranstaltete im Rahmen dieses Aktionsspieltages gemeinsam mit der Fanabteilung, dem Fanprojekt, dem BVB-Lernzentrum sowie dem antirassistischen Dortmunder Fanbündnis „ballspielvereint“ am Samstag den „zweiten BVB-Aktionstag“ unter dem Motto „Rassismus erkennen, Zivilcourage stärken“ im Westfalenstadion. Neben verschiedenen Workshops u.a. zu den Themen Diskriminierungsformen im Fußball, Borussen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus und der Neonazi-Szene in Dortmund gab es auch einen Graffiti-Workshop, bei dem auf der mittleren Ebene im Aufgang zu Block 80 der Slogan „Alle anders, alle zusammen“ an die Wand gesprüht wurde.

Dortmunder Torjubel zum 1:0

Angesichts des Gegners, bei dem der Vereinspräsident Martin Kind gerne die Mehrheit des Vereins übernehmen möchte, erstreckte sich zum Einlaufen der beiden Teams über den kompletten Zaun vor der Südtribüne ein Spruchband mit der Aufschrift „50+1 bleibt! Ohne Wenn und Aber!“ Vor dem Gästeblock hing entsprechend während des gesamten Spiels das Banner: „Kind muss weg!“

BVB startet furios, Batshuayi trifft per Hacke

Der BVB begann fulminant, Michy Batshuayi traf nach einem Zuspiel von André Schürrle nur den Pfosten (1.). Schürrle selbst verfehlte mit seinem Schuss das Tor (9.). In der Folgezeit verflachte das Spiel jedoch, bis Batshuayi das Stadion wieder wachrüttelte. Der Belgier verwertete eine Schürrle-Ecke von der linken Seite am ersten Pfosten per Hacke zum 1:0 (24.). Der 24-Jährige verpasste später frei vor dem Tor stehend das beruhigende 2:0 (34.). Auf der Gegenseite ließen die Dortmunder ihre Gegenspieler plötzlich viel zu frei agieren. Pirmin Schwegler tauchte nach einer Flanke von Matthias Ostrzolek blank am zweiten Pfosten auf, doch Roman Bürki parierte den Schuss (39.).

Ömer Toprak musste zur Halbzeit ausgewechselt werden

Zur zweiten Hälfte brachte BVB-Trainer Peter Stöger Sokratis für den angeschlagenen Ömer Toprak. Mahmoud Dahoud verlieh dem zweiten Durchgang einen Knalleffekt, doch seinen Schuss klärte 96-Keeper Philipp Tschauner zur Ecke (50.). Hannover erhöhte nach dem Seitenwechsel den Druck, ohne sich dabei jedoch zwingende Torchancen erspielen zu können. Marvin Bakalorz bekam nach einer Flanke nicht genug Druck hinter den Ball (65.). Auf der Gegenseite lag den BVB-Fans beim Schuss von Dahoud bereits der Torschrei auf den Lippen, doch die Kugel ging knapp am Tor vorbei (69.). In der Schlussphase waren es die Dortmunder, die das Spiel zu ihren Gunsten hätten entscheiden können. Batshuayi bekam nach Schürrle-Flanke auch nicht genug Dampf hinter seinen Kopfball (85.). Der eingewechselte Maximilian Philipp traf nach Batshuayis Ablage nur den Pfosten (88.). In der Schlussminute vergab Batshuayi die Chance zum 2:0, nachdem Tschauner einen Götze-Schuss nicht festhalten konnte (90.). Und so stand am Ende ein knapper, aber verdienter 1:0-Arbeitsheimsieg gegen Hannover 96.

Statistiken:

BVB: Bürki – Schmelzer, Toprak (46. Sokratis), Akanji, Piszczek – Dahoud, Castro (64. Weigl) – Schürrle, Götze, Pulisic (70. Philipp) – Batshuayi.
Hannover: Tschauner – Ostrzolek, Anton, Sané, Sorg (78. Fossum), Korb – Schwegler, Bakalorz (86. Maina) – Füllkrug (72. Sarenren Bazee), Klaus –

Die Welle nach Abpfiff vor der Südtribüne

De Jesus.
Tor: 1:0 Batshuayi (24.). Schiedsrichter: Patrick Ittrich. Zuschauer: 81.360 (ausverkauft). Gelbe Karten: Akanji, Sokratis – Schwegler. Zweikämpfe: 117:117. Zweikämpfe gewonnen: 57:60. Zweikampfquote in Prozent: 48,72:51,28. Ballkontakte: 704:551. Ballbesitz in Prozent: 59,5:40,5. Gespielte Pässe: 492:336. Passquote in Prozent: 79,47:68,75. Torschüsse: 25:9. Abseits: 4:5. Ecken: 12:2. Flanken: 27:11. Foul gespielt: 17:13. Die meisten Torschüsse: Batshuayi (7) – de Jesus (4). Die meisten Torschussvorlagen: Schürrle (3) – Ostrzolek (2). Die meisten Ballkontakte: Piszczek (92) – Schwegler (62). Die Zweikampfstärksten: Akanji (71,43) - Ostrzolek (75).

Stimmen zum Spiel:

André Breitenreiter (Hannover): „Wir haben erwartet, dass Borussia von Anfang an Druck machen würde, um in Führung zu gehen. Diese erste Druckwelle mussten wir überstehen, das ist uns mit etwas Glück gelungen. Das 0:1 nach einer Standardsituation darf so nicht passieren. Wir haben

Andre Breitenreiter, Peter Stöger und Horst Heldt im Gespräch

aber in der ersten Hälfte aber auch Nadelstiche gesetzt, auch wenn uns der Mut etwas fehlte. In der Halbzeit haben wir uns neu orientiert und uns gesagt, dass hier heute alles möglich ist. Wir haben in der zweiten Hälfte dominant gespielt und ein gutes Passspiel gezeigt. Wir haben es aber verpasst, den letzten Pass zu spielen. Wir haben nie nachgelassen, offensiv gewechselt und waren drauf und dran den Ausgleich zu erzielen. In der Schlussphase haben wir ein-, zweimal Glück gehabt.“

Peter Stöger (BVB): „Wir haben das Spiel verdient gewonnen. Nach der Enttäuschung des Europapokalspiels war es eine gute Reaktion. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie das Spiel gewinnen will. Ich war mit vielen Dingen einverstanden, es war viel Zug zum Tor und man hat den Willen gesehen, zum Abschluss zu kommen. Wir sind sehr zufrieden.“

DM, 18.03.2018


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