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Unsa Senf - 26.01.2018

Neven Subotic - ein Riesentyp verabschiedet sich

Die Nummer 4 trug Subotic beim BVB für acht JahreWas viele Fans von Borussia Dortmund in den letzten Wochen und Monaten bereits befürchteten und kommen sehen konnten, wurde gestern mit einem Blick auf den Facebook-Account von Borussia Dortmund Wirklichkeit. Die Nummer 4 wird den Ballspielverein verlassen. Lobend darf man dabei erwähnen, dass der BVB ihm keine Steine in den Weg gelegt hat und den Vertrag auf Nevens Wunsch hin auflöste. Subotic wird sich dem französischen Erstligisten AS Saint Etienne anschließen.

Es ist ein Abschied, der viele ins Mark trifft – bei aller sportlicher Nachvollziehbarkeit. Neven Subotic gehen zu sehen bricht mir das Herz und trifft mich damit mehr als die Abgänge von Hummels, Gündogan, Mkhitaryan, Dembélé und eventuell auch Aubameyang zusammen. Warum? Weil nicht einfach nur ein Fußballspieler den BVB verlässt, sondern ein Borusse.

Zwei IdentifikationsfigurenWenn mich jemand darum bitten würde, Neven Subotic in einem Wort zu beschreiben, suchte ich nicht nach fußballerischen Adjektiven oder Zuschreibungen. Kein „Innenverteidiger", kein, „Leuchtturm", kein „Riesengrätsche" (wie in Wembley). Stattdessen greife ich zu einer anderen Zuschreibung: „Riesentyp!" Es wären auch andere Begriffe denkbar: „Vorbild!" etwa. „Musterprofi!" vielleicht. „Beispiel!" für viele andere Fußballer. Es kombiniert das, was Neven Subotic auf und vor allem neben dem Platz repräsentierte. Während andere Fußballer ihre Sommerpause auf großen Yachten verbrachten und sich dort mit ihren Freundinnen vergnügten oder irgendwo im Urlaub Chai Latte genossen, engagierte sich Neven Subotic immer an anderen Orten dieser Welt, an denen man sonst keinen Fußballer vermutet. Neven Subotic, ein millionenschwerer Fußballprofi, baute Brunnen in Äthiopien und setzte sich für die Qualität des Trinkwassers in Afrika ein. Das alleine ist eigentlich schon beeindruckend genug.

Am meisten aus den Socken gehauen hat mich Neven aber im Juli 2015. schwatzgelb.de feierte sein 15-jähriges Bestehen mit einem großen Fest in der Gaststätte Rote Erde. Am selben Tag spielten die Profis ein Testspiel beim VfL Bochum. Subotic wurde im Vorfeld gefragt, ob er nicht Lust hätte, vorbei zu kommen. Nicht, um mitzufeiern und für ausgelassene Stimmung zu sorgen, sondern um den Anwesenden von seiner Stiftungsarbeit zu berichten. Er musste nicht lange überlegen, sagte zu und kam somit nach dem Testspiel vorbei – keine Selbstverständlichkeit. In letzter Zeit fand er sich häufig auf der Bank wiederNeven referierte schließlich circa 30 Minuten darüber, was Kinder beim Aufwachsen in Afrika mit Blick auf die Wasserqualität durchmachen müssen, berichtete von Kotspuren im Trinkwasser. Ein Fußballprofi, den man sonst jede Woche anfeuert und nach vorne treibt, schaffte es an diesem Abend, dass ihm mehrere Hunderte Fans zuhörten. Fast schon andächtig und alle sichtlich beeindruckt. Man merkte ihm an, dass es sich bei seiner Stiftung nicht nur um irgendein Marketingprojekt handelte. Es war, es ist sein Projekt. So, wie er davon berichtete, war es klar, dass er es aus Leidenschaft tut und daran glaubt, selbst etwas verbessern zu können. Nicht nur, weil er jede einzelne Spende, die an seine Stiftung geht, aus der eigenen Kasse verdoppelt.

Das alles hat Neven über die Zeit hinweg für mich zu weitaus mehr als einem Fußballer gemacht. Neven ist eine Identifikationsfigur bei Borussia Dortmund. Eine von denen, die man nach den Abgängen von Sebastian Kehl und Kevin Großkreutz auch gut gebrauchen konnte. Und deswegen hinterlässt er auch eine so große Lücke. Ja, es bleiben noch einige solcher Spieler. Marcel Schmelzer, Roman Weidenfeller, Marco Reus, Lukasz Piszczek... Aber die Riege der Meisterelf 2011 und der Doublemannschaft 2012, die ein Märchen Wirklichkeit werden ließ, wird eben immer kleiner. Auch, wenn Neven in den letzten Jahren weniger zum Zug kam und kurzzeitig sogar nach Köln verliehen wurde, es war immer schön zu wissen, dass man noch jemanden wie ihn unter Vertrag hat. Während ich die bisherigen Abgänge noch unter „Jau, war ja klar. Tüss." einordnen konnte, trifft mich diese Meldung weitaus heftiger.

Musterprofi Neven SuboticNevens Entscheidung ist nachvollziehbar, gut begründet und unaufgeregt. Ich glaube, es wird keinen Borussen geben, der seinen Wunsch nach mehr Spielzeit nicht nachvollziehen könnte. Und gerade deswegen wird auch niemand enttäuscht oder gar sauer auf ihn sein, weswegen man auch direkt von vielen guten Wünschen für die Zukunft lesen konnte. Diesen möchte ich mich nur anschließen.

Ich wünsche Neven Subotic nur das Beste auf der ganzen Welt. Der AS Saint Etienne wird einen tollen Menschen und einen starken Fußballer dazu gewinnen. Und ich gönne ihm jede Minute Spielzeit, jeden fußballerischen Erfolg (solange der BVB nicht darunter leidet). Ich hoffe, nein, ich weiß, dass er seine Stiftungsarbeit fortsetzen werden wird und auch dabei sei ihm nur alles Gute zu wünschen.

Ob jetzt Musterprofi, Vorbild, Beispiel oder einfach nur Riesentyp. Danke für alles, Neven! Du schriebst es selber, du wirst immer ein Borusse bleiben. Und falls du mal einen Parkplatz in Dortmund brauchen solltest: du weißt ja, wo du immer parken kannst...

Vanni, 26.01.2018


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