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Eua Senf - 16.01.2018

Manuel Akanji - der neue Innenverteidiger im Porträt

Normalerweise erlangen Fussballspieler durch Erfolg einen höheren Bekanntheitsgrad. Von dieser Gesetzmässigkeit ist auch Manuel Akanji keine Ausnahme. Seine zwei einschneidendsten Punkte in seiner Karriere kamen allerdings im oder mit dem Misserfolg. Doch der Reihe nach.

Manuel Obafemi Akanji wurde am 19. Juli 1995 in Wiesendangen im Kanton Zürich als Sohn eines nigerianischen Vaters und einer Schweizer Mutter geboren. Beide Elternteile waren sportlich aktiv, was sich positiv auf die Athletik des Sohnemannes auswirkte. Akanji startete seine Karriere beim lokalen FC Wiesendangen, ehe er mit 11 Jahren vom grösseren Nachbar, dem FC Winterthur, übernommen wurde. Seine ältere Schwester war massgeblich am Aufbau eines Frauenteams beim FC Winterthur beteiligt, in welchem sie auch selber noch spielt.

Beim grösseren FCW arbeitete er sich kontinuierlich hoch. Mit 18 Jahren debütierte er in der Winterthurer U21 und nur 8 Monate später stand er erstmalig in der Startformation des A-Teams. In der darauffolgenden Saison etablierte sich Akanji nicht nur in der ersten Mannschaft, er erhielt auch sein erstes Aufgebot für eine Schweizer U-Auswahl, die U20.

In der Saison 14/15 kam auch das erste negative, aber einschneidende Erlebnis. Akanji traf mit dem FCW in der zweiten Runde des Schweizer Cups auf den FC Basel. Ausgerechnet Akanjis Gegenspieler Breel Embolo traf in diesem Spiel dreifach und die Winterthurer verloren 4:0. Zu Akanjis Unglück gesellte sich aber auch das Glück dazu, dass die Basler trotz der schlechten Leistung Notiz des jungen Innenverteidigers nahmen und ihn weiter verfolgten. Was sie sahen gefiel den Basler Scouts so sehr, dass sie Akanji im Sommer 2015 für eine sechsstellige Summe verpflichteten.

Auch beim FCB startete Akanji zuerst in der U21. Aber bereits nach 3 Spielen war klar, dass er auch in der Super League mithalten würde können. Er debütierte im September 2015 mit einem Kurzeinsatz im Fanionteam des FCB. Weniger als 6 Monate später folgte aber der nächste Rückschlag. Akanji kam im Training nach einem Kopfballduell falsch auf und riss sich das Kreuzband. Die Verletzung setzte ihn fast ein Jahr ausser Gefecht. Aber auch hier konnte er etwas Positives für sich gewinnen. Akanji wollte es den Kritikern zeigen, die meinten, dass er durch die Verletzung zu viel an Geschwindigkeit verlor und er es schwer haben würde, sich wieder in der ersten Mannschaft zu etablieren.

Im ersten Spiel nach der gravierenden Verletzung saß er noch 90 Minuten auf der Bank. Doch bereits im zweiten Spiel spielte er die volle Zeit durch. Akanji war nicht bloß zurück, selbst die Kritiker mussten anmerken, dass er besser, schneller und abgeklärter war als noch vor seiner Verletzung. Am Ende der Saison stand er als Double-Gewinner da und wurde für das WM-Qualifikationsspiel gegen die Färöer erstmals für die Nationalmannschaft aufgeboten. Bis heute hat er 4 Länderspiele absolviert und die Schweiz hat mit ihm noch kein Gegentor erhalten.

Im vergangenen Herbst feierte Akanji dann seine Premiere in der Champions League. Als mittlerer Teil einer Dreierkette war er massgeblich am unerwarteten Erfolg des FC Basel beteiligt. Basel spielte vier von sechs Spielen zu Null und schaffte es sogar, in Moskau und gegen Benfica keinen einzigen Torschuss zuzulassen. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten in der Meisterschaft stabilisierte sich das Team zusehends und hatte in der Vorrunde die beste Defensive der Liga. Akanji war auch daran entscheidend beteiligt.

Doch wo liegen die Stärken des 22-jährigen Rechtsfusses? Manuel Akanji ist aussergewöhnlich schnell für einen Spieler seiner Grösse (1.87 Meter). Als der FCB im Wintertrainingslager der letzten Saison Sprinttests durchführte war er in den Top 3. Dazu verfügt er über einen sehr guten Pass. Er kann mit einem Ball mehrere Verteidigungslinien überspielen. Seine Spezialität ist der flache Ball auf den Stürmer, mit dem er gleich 2 dieser Verteidigungslinien aus dem Spiel nehmen kann. Ein Genuss für Packing-Fetischisten. Zudem ist er sehr ruhig am Ball, gerät kaum in Hektik und weiss sich in brenzligen Situationen mit einfachen Aktionen zu helfen. Ab und zu wagt er sich auch nach vorne. Da er über eine feine Technik verfügt ist er fähig, per Dribbling den einen oder anderen Gegenspieler zu vernaschen. Akanji kann auch Gegenspieler über 90 Minuten aus dem Spiel nehmen. Zuletzt hat er dies eindrücklich bewiesen, als er gegen Manchester United Romelu Lukaku praktisch unsichtbar machte. Gepaart mit seinem ausgezeichneten Timing im Tackling macht ihn dies zu einem zuverlässigen Innenverteidiger.

Doch Akanji ist noch nicht an seinem Zenit angelangt. Er hat noch immer Verbesserungspotenzial. Sein Timing bei Kopfbällen muss noch besser werden. Ausserdem kann es vorkommen, dass er etwas unkonzentriert agiert. Zuletzt gesehen in einem Spiel gegen Sion, als er einen Ball falsch traf und dem Gegner dadurch zu einem Tor verhalf. Trotz seiner stattlichen Masse könnte er auch noch ein bis zwei Kilo an Muskelmasse vertragen. Dennoch hat Akanji alles, was ein moderner Innenverteidiger braucht und man traut ihm in der Schweiz den Wechsel in die Bundesliga ohne Vorbehalte zu.

Weil Akanji so schnell ist kann er notfalls auch als Aussenverteidiger spielen. Dies sollte aber wirklich nur im äussersten Notfall geschehen. Seine Stammposition ist Innenverteidiger. Akanji hat Erfahrung mit einer Dreier- und Viererkette und kann sich relativ schnell an neue Spielsysteme gewöhnen.

Abseits des Feldes ist Akanji ein zuvorkommender, freundlicher Typ, der sich gerne mit Hip Hop beschäftigt und dies unter der Dusche auch zum Besten gibt. Er ist auch als professioneller Spieler bekannt. Affentheater um ausgelassene Mannschaftssitzungen wird es mit ihm nicht geben. Sein bester Kumpel ist Breel Embolo, mit dem er zuletzt die Ferien verbrachte. Embolo selber wollte ihm auch einen Wechsel zu Schalke schmackhaft machen, aber das dürfte spätestens seit heute kein Thema mehr sein...

Oliver Zesiger (@aulit_z), Schweizer Head Researcher für Football Manager und Scout, 16.01.2018


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