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Warmlaufen - 10.02.2017

Ist dARMstadt sexy?!

Nur drei Tage nach dem nervenaufreibenden Pokalkrimi tritt der BVB beim SV Darmstadt an. Beim weit abgeschlagenen Tabellenletzten der Liga könnte der BVB eine glorreiche Woche (aus sportlicher Sicht) vollenden und sich einen „fast“ perfekten Rückrundenstart bescheinigen lassen. Aber - und das ist das Schöne am Fußball - auch der Tabellenletzte kann gegen den aktuell Tabellenvierten gewinnen…

Kam der Klassenerhalt des SV Darmstadt letzte Saison einer kleinen Sensation gleich, taumeln die Lilien diese Saison immer stärker dem Abstieg entgegen. Nach gerade einmal nur zwei Siegen, drei Unentschieden und ganzen 14 Niederlagen sind die Aussichten auf den Klassenerhalt alles andere als gerade rosig. Auch durch den neuen Trainer, der zwar sein Spielerkönnen in der Bundesliga auch beim BVB unter Beweis gestellt hat (2002-2004), allerdings als Trainer kaum Erfahrung und noch weniger Erfolge vorweisen kann, scheint die Situation in Darmstadt nicht viel aussichtsreicher geworden zu sein. Bevor Thorsten Frings beim SV Darmstadt anheuerte, wurde er als Co-Trainer beim SV Werder Bremen entlassen. Dennoch passt dieser Trainer zu den Lilien, die, wenn man es böse formuliert, einer Anhäufung von aussortierten Spielern sehr nahe kommt, wodurch diese Mannschaft nicht weniger sympathisch wird, ganz im Gegenteil. Aus der finanziellen Not eine Tugend machen, mit dem Abstand geringsten Etat in der Liga der Großen und Reichen mitmischen, birgt schon genug Stoff für eine Hollywood-Verfilmung. Ganz zu schweigen von dem Balsam für die arg gebeutelte romantische Fußballerseele in einer Fußballwelt, in der die Geldsummen, die im Umlauf sind, für den „Normalo-Bürger“ nicht mehr nachvollziehbar sind. Hinzukommt, dass ein Besuch im Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor einer Zeitreise in die 90er Jahre gleichkommt, in der es noch Flutlichtmasten und unbedachte Tribünen gab. Damals… als die Spieler noch mit dem Mannschaftsbus durch die Lande gefahren sind und nicht für knapp 250km den Privat-Jet genutzt haben…

Über Wunder und Wundertüten

Acker oder Fußballplatz?

Ganz sicher ist die Darmstädter Mannschaft eine kleine Wundertüte. Zumal auch zur Winterpause erneut die eine oder andere „namhafte“ Neuverpfichtung (Sam oder auch Altintop) getätigt wurde. Insgesamt wurden in dieser Saison 18 neue Spieler verpflichtet und 16 Spieler abgegeben. Kein Wunder, dass man in Darmstadt über das Gerede von einem Umbruch beim BVB nur müde lächeln kann.

Auf dem Papier haben die Lilien gegen den BVB eigentlich keine Chance. Dennoch gibt es genug Fußballerweisheiten, nach denen auch ein Underdog zu überraschen weiß. Wenn das Eine zum Anderen kommt, kann es schon einmal zu einer „kleinen“ Sensation kommen. Ein schwer bespielbarer Platz zum Beispiel. Ein unangenehmer und hoch motivierter Gegner, der nichts mehr zu verlieren hat und seine nicht mehr vorhandene Chance nutzen möchte. Vielleicht sind die Beine auf Seiten der Schwatzgelben nach der langen Pokalnacht noch schlapp und müde oder aber der Ausblick auf das kommende Champions-League-Spiel am Dienstag in Lissabon kostet den ein oder anderen Prozentpunkt an Konzentration. Auch könnte der 6:0-Kantersieg im Hinspiel im Hinterkopf eine Rolle spielen und dazu führen, dass man den Gegner unterschätzt. Auch so eine Fußballer-Weisheit, die jeder kennt und die dennoch oft von der Kreisliga bis zur Bundesliga Bestätigung findet. Da kann der Trainer noch so sehr an seine Spieler appellieren und warnen…..“entscheidend is auf’m Platz“.

"In den vermeintlich großen Spielen, in denen die Chancen bei 50:50 stehen, tun wir uns leichter…“
T.Tuchel

Die wieder etwas länger gewordene Verletztenliste auf Seiten der Dortmunder kann bei so einem breiten und qualitativ hoch besetztem Kader sicher nicht als Ausrede dienen, sollte das Projekt „sicherer drei Punkte“ nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Sicherlich könnten in zwei Drittel der Bundesliga Mannschaften die Ausfälle von Dembele, Piszcek, Schmelzer, Reus, Götze und Matthias Ginter von der Qualität her kaum kompensiert werden, beim BVB hingegen (fast) schon.

„Die Higlightspiele (…) können wir sehr gut spielen“
T. Tuchel

Kein Dach, dafür aber wundervolle Flutlichmasten!

Wenn Tuchel auf der Pressekonferenz zu Protokoll gibt, dass der BVB mit „Highlightspielen“ besser klar kommt als mit „gewöhnlichen“ Spielen, kann man sich eigentlich als BVB-Anhänger auf einen schönen und erfolgreichen Fußballsamstag freuen. Schließlich zählt ein Auswärtsspiel in Darmstadt zu einem solchen „Highlightspiel“, zumindest aus Fansicht.



So könnten sie spielen

SV Darmstadt 98: Esser – Sirigu, Milosevic, Sulu, Holland – Niemeyer, Altintop, Gondorf – Sam, Heller – Boyd

Auf der Bank: Fernandes, Banggaard, Fedetskyy, Gorka, Guwara, Höhn, Kamavuaka, Steinhöfer, Rosenthal, Vrancic, Bezjak, Colak, Schipplock, Stroh-Engel

Borussia Dortmund: Bürki – Passlack, Sokratis, Bartra, Durm – Weigl – Pulisic, Castro, Kagawa, Schürrle – Aubameyang

Auf der Bank: Weidenfeller, Park, Merino, Dembélé, Guerreiro, Mor, Isak, Reus, Ginter


Christoph 10.2.2017


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