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Spielbericht Profis - 17.12.2017

Captain America beschert Merry Chrismas

Warm-Up

Fahnenchaos auf der Südtribüne

Jahresabschluss in der Bundesliga, Heimpremiere für Neu-Peter, das letzte Heimspiel eines überaus turbulenten Jahres für Schwatzgelb: Die Partie gegen die TSG von 1899 bot genug Thematiken, um von der künstlich am Leben gehaltenen Diskussion um den vielleicht-oder-vielleicht-auch-nicht neuen kommenden BVB-Coach Nagelsmann abzulenken. Gegen den direkten Konkurrenten und Tabellennachbarn sollte an die gute Leistung gegen Mainz angeknüpft werden. Die aus Sicht der Gäste sieglose Serie von acht Spielen sollte von Seiten der Borussia fortgeführt werden - gegen keinen anderen Bundesligisten war 1899 länger erfolglos. Ganze zehn Verletzte erleichterten die Aufgabe für die Gastgeber nicht wirklich, nichtsdestotrotz erhielt die Mannschaft kurz vor Anpfiff eine Motivationsspritze der besonderen Art.

Die Sonnenkinder aus Selm sangen traditionell auch in diesem Jahr vor dem letzten Heimspiel des Jahres allseits bekannte Lieder - die vielen Kleinen fungierten als 12. Mann.

Taktik & Personal

Peter Stöger vertraute in seinem ersten Heimspiel im Tempel der gleichen Elf wie in Mainz, Julian Nagelsmann veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum spät errungenen 1:0-Erfolg gegen Stuttgart auf drei Positionen: Zuber, Amiri und Grillitsch durften anstelle von Schulz, Rupp und Geiger starten.


Erste Hälfte

Ein Novum im Gästeblock

„Es ist immer noch der BVB“. Das Spiel der Borussia gegen Mainz verfolgte Julian Nagelsmann ganz genau. Sogar von der Tribüne aus. Trotz neuem Trainer und teils verändertem Spielverhalten - die TSG von 1899 ging äußerst konzentriert und aufmerksam in das Gastspiel im Tempel. Auf sich aufmerksam machen wollten wohl auch besonders die mitgereisten „Fans“ der Gäste, die gefühlte zehn Sekunden nach Anpfiff unnötigerweise Pyro zündeten. Im Anschluss an ein lautes „Auf Wiedersehen“ durften sich die Verantwortlichen das Spiel kurze Zeit später, wenn überhaupt, von woanders anschauen.

Auf dem Grün machte es Yarmolenko erstmals spannend, als der Ukrainer die erste dicke Großchance der Partie vergab. Grillitsch erlaubte sich einen deftigen Fehlpass, Pulisic konnte mit seiner Aufmerksamkeit und gutem Zuspiel das erste Mal auf sich aufmerksam machen. Der US-Boy stand in der anschließenden Phase im Verbund mit Yarr immer wieder im Mittelpunkt, die ersten guten Gelegenheiten der Partie blieben ungenutzt liegen.

Blauweißer Jubel und schwarzgelbe Tristesse beim 0-1

Nach 20 Minuten ging der Gast relativ aus dem Nichts in Führung: Die erste gute Kombination der Gäste über Amiri und Kaderabek landet in der Mitte bei Uth, der zum 1:0 abstauben konnte. Zuvor hebelte der starke Pass in die Schnittstelle von Amiri die komplette schwarzgelbe Hintermannschaft aus - eine zuletzt leider nicht selten gesehene Szenerie. Unmittelbar nach dem Rückstand übernahmen die „Blauen“ Ball und Spielkontrolle, die anfangs nicht genutzten Chancen rächten sich für den BVB viel zu schnell. Bezeichnend zeigte sich die Qualität in Aufbau, Passgenauigkeit und technischer Präzision der Truppe unter Nagelsmann in einer Szene:
Die Borussia presste den Gegner hoch bis zum Strafraum, trotz äußerst hohen Drucks seitens Schwarzgelb kombinierte sich die TSG über etliche Passstationen ansehnlich und stark aus der eigenen Hälfte - und fast bis zum eigenen gefährlichen Torabschluss.

Symptomatisch für die eher unglückliche erste Hälfte der Borussia war Yarmolenko: Kurz vor dem Pausenpfiff vertändelte der Ukrainer die Kugel erneut in aussichtsreicher Position, getrieben von Frust senste er im Anschluss seinen Gegenspieler unnötig an der Seitenlinie um. So ging der BVB im letzten Heimspiel des Jahres mit einem Rückstand in die Kabine - mal wieder selbst verschuldet.

Zweite Hälfte

Andrey Yarmolenko traf oft die falsche Entscheidung

Personell unverändert standen die beiden Teams nach einer Viertelstunde erneut auf dem Rasen - es folgte eine hektische, temporeiche und offen geführte Phase der Partie. Knappe 20 Minuten zeigte der BVB sich mit zu wenig Durchschlagskraft und ohne Überraschungsmoment - auch das Eckenverhältnis von 6:0 lieferte bis dato keinen Ertrag. Auba hing weitestgehend in der Luft, jeder in die Tiefe gespielte Ball musste mit dem Rücken zum Tor angenommen werden. Nach knapp einer gespielten Stunde mimte Stefan Posch den Weihnachtsmann, verwechselte seine Trikotfarbe blau wohl mit rot und beschenkte den BVB verfrüht mit einem Foul im Strafraum an Kagawa. Pierre-Emerick verwandelte sicher, der Ausgleich verlieh Schwarzgelb den erhofften Aufschwung und Rückenwind im Spiel. Trotz des Schocks und dem Wissen um Santa in den eigenen Reihen steckten die Gäste nicht auf, kamen im Anschluss vor allem durch Kaderabek, schon vor dem Elfmeter, zu ganz dicken Gelegenheiten die Partie in die andere Richtung zu lenken.

Die #9 in gelb verließ den Platz, der eingewechselte Dahoud sollte wenig später noch in den Mittelpunkt des Geschehens geraten. 1899 trotz oder aufgrund des kassierten Treffers stand massiert tief in der eigenen Hälfte, hätte sich über das Remis als Endergebnis nicht beschwert. Nach einer eigenen Ecke kurz vor Schluss musste die TSG allerdings einen Konter über Sokratis (!) über sich ergehen lassen, den der BVB schlampig ausspielte und ungenutzt ließ.

Jubel um Aubameyangs Ausgleichstreffer

Doch das letzte Heimspiel des Jahres wäre nicht würdig zu Ende gebracht, ohne ein dickes Ausrufezeichen am Ende: Der neue und schon fast alte US-Held Pulisic von Kagawa im Strafraum fein bedient, Captain America vollendete technisch anspruchsvoll und ließ Baumann ins Leere fliegen - der Tempel explodierte. Der ekstatische Schlusspunkt einer turbulenten Bundesliga-Hinrunde, die man besser nicht hätte beenden können.

Fazit

Gelungener Jahresabschluss vor heimischer Kulisse, der auch gut und gerne hätte anders verlaufen können. Die Gäste erst mit der eher unverdienten Führung, bestraften jedoch die fahrlässige Chancenverwertung der Borussia. Im Anschluss an den Gegentreffer erinnerte der BVB phasenweise leider erneut an die „Leistung“ im letzten Heimspiel gegen Bremen. Der Ausgleich war ein Geschenk, die TSG hätte zuvor den zweiten Treffer erzielen können. In der zweiten Hälfte war das Spiel ausgeglichen, „Captain America“ entscheid die Partie mit einem Lucky Punch und dem letzten Willen zugunsten von Schwatzgelb.

Die Entscheidung: Pulisic umspielt Baumann und schiebt zum 2:1 ein

Peter Stöger mit sechs Punkten aus den beiden ersten Spielen - besser hätte es nicht laufen können. Als absolutes Highlight kommt es am kommenden Mittwoch zum Pokalspiel bei den Bayern - die einmalige Chance, mit einem Weiterkommen allen Borussen ein letztes riesiges Weihnachtsgeschenk unter die Nordmanntanne zu legen und ein extremes Jahr versöhnlich enden zu lassen.

Abseits

Nicht nur im Spiel gegen die TSG der Held: Christian „Bubi“ Pulisic schickt sich derweil an, America again great zu machen. Zumindest was den Fußball angeht. Mit zarten 19 Lenzen wurde der schwarzgelbe US-Boy in dieser Woche zum „US Soccer Player of the Year“ gewählt. Hut ab, Junge!

Traditionell vor dem letzten Heimspiel des Jahres, sangen bereits zum zehnten Mal die Sonnenkinder aus Selm allseits bekannte Lieder. Für die jungen Kinder des Chors ein sicherlich schier unglaubliches Erlebnis im vollbesetzten Westfalenstadion. Alle

Endlich mal wieder die Welle nach einem Heimsieg

machen mit, alle haben Lust, keiner ist sich zu schade bei „Jingle Bells“ komplett abzugehen - eine tolle Tradition, die verpflichtet!

Statistik

BVB: Bürki - Toljan, Sokratis, Toprak, Schmelzer - Weigl - Kagawa, Guerreiro - Yarmolenko (73. Dahoud), Aubameyang, Pulisic (90. +3 Subotic)

1899: Baumann - B. Hübner, Vogt, Posch (90.+1 Akpoguma) - Zuber, Grillitsch, Kaderabek - Amiri, Demirbay - Gnabry (63. Kramaric), Uth (69. Szalai)

Schiedsrichter: Harm Osmers
Assistenten: Florian Heft, Thomas Gorniak
Vierter Offizieller: Guido Kleve
Video-Assistenten: Marco Fritz, Sven Jablonski

Kollektives Hüpfen vor der SüdtribüneTore: 0:1 Uth (21.), 1:1 Aubameyang (63.), 2:1 Pulisic (89.)

Zuschauer: 81.000

Karten: keine

Torschüsse: 6:3

Ecken: 6:4

Ballbesitz: 46:54 %

Stimmen zum Spiel:

Peter Stöger:

„Dieses Spiel muss man nicht unbedingt gewinnen. Wir sind gut reingekommen, hatten zu Beginn ein paar gute Möglichkeiten, dann hat sich Hoffenheim besser auf uns eingestellt. Wir haben sie nicht mehr permanent stören können, unsere Passquote ist etwas zurückgegangen und das

Peter Stöger war mit dem Ergebnis zufrieden

ganze Spiel wurde etwas schleppender. In der Phase haben wir Glück, dass das 2:0 nicht fällt. Am Schluss haben wir dann alles reingeworfen. Das ist genau das, was wir von der Mannschaft verlangen. Der Pass in die Tiefe von Kagawa vor dem 2:1 ist überragend und Pulisic geht da optimal rein, macht ein super Tor. Wir haben in den letzten zwei Spielen gezeigt, dass unser Wille und unsere Einstellung zu gewinnen da ist. Mal schauen, was jetzt noch in München möglich ist. Angenehm wird es dort sicher nicht und spannend allemal, aber chancenlos sind wir sicherlich auch nicht.“

Christian Pulisic:

„Das war ein super Gefühl. Wir haben bis zum Ende gekämpft. Vor der Südtribüne ein Tor zu machen, ist immer ein sehr schönes Gefühl. Shinji hat den Ball durchgespielt und ich war etwas zu nah am Torwart dran, deswegen musste ich ihn mit einem Kontakt vorbei legen. Der Rest war dann einfach. Ein tolles Gefühl. Hinter uns liegen ein paar schwierige Wochen. Jetzt haben wir in zwei Spielen zwei Mal gewonnen. Das gibt uns sehr viel Selbstvertrauen. Es ist sehr gut, auch die Fans wieder hinter uns zu spüren. Zuhause ein Sieg ist eh immer super.“

Julian Weigl:

Julian Nagelsmann war nur mit der Leistung zufrieden

„Es war ein sehr emotionales Spiel und einfach wichtig, zu gewinnen. Ein Quäntchen Glück war dabei, aber manchmal braucht man das auch einfach. Wir haben uns das am Ende des Spiels auch erarbeitet, haben nicht aufgesteckt, haben nach vorne gespielt, noch mal alles reingeworfen. Dafür wurden wir belohnt. Durch die zwei Siege sind wir absolut noch im Rennen um die Champions League, das war für uns ganz wichtig.“

Julian Nagelsmann:

„Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht und in der ersten Halbzeit ein tolles Tor geschossen. Nach der Pause haben wir drei hundertprozentige Chancen, müssen den Sack zumachen. Am Ende ist die Niederlage sicherlich nicht verdient, sondern sehr ärgerlich, weil wir nicht das schlechtere Team waren.“

Aki Watzke im aktuellen sportstudio:

… zu Peter Stöger:

„Wenn Peter Stöger mit uns durch die Decke geht, dann wäre das eine tolle Situation für uns. Wir können in aller Ruhe analysieren, was wir machen. Diese Situation haben wir uns geschaffen. Der Trainer fühlt sich nicht diskreditiert. Es ist für uns eine Chance, in aller Ruhe zu überlegen, was wir machen. Wir sind nach allen Seiten offen, nichts in Stein gemeißelt.

… zum Mannschaftsklima:

„Da war schon letztes Jahr ein größeres Thema. Und dieses Jahr ist es uns nicht gelungen, das so, wie wir es eigentlich bei Borussia Dortmund sind, hinzubekommen.“

… zu Julian Nagelsmann:

„Wenn ich Nagelsmann auf der Pressekonferenz verstanden habe, hat er mit keinem anderen Verein Kontakt. Dann hat Dietmar Hopp gesagt, Nagelsmann bleibt definitiv bis 2019. Über was reden wir also gerade?“

Boris Davidovski. 17.12.2017


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