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Warmlaufen - 29.09.2017

Dank u wel - Oder wie der Spaß am Fußball zurückkehrt

Mehr Schatten als Licht in der aktuellen Fußballwelt

Mein Vater hat mich zum ersten Mal mit ins Stadion genommen, als ich sieben Jahre alt war. Viele Erinnerungen haben ich nicht mehr an diesen Tag. Ich weiß noch, dass ich die Nacht vorher so aufgeregt war, dass ich nicht schlafen konnte. Und das ich damals noch auf Papas Schoss sitzen durfte. Seitdem macht der BVB einen nicht unbeträchtlichen Teil meines Lebens aus und je älter ich wurde, desto größer wurde dieser Anteil. Heim- oder Auswärtsspiel, nah oder fern. Der private Terminplan wurde stets fein säuberlich um den Bundesligaspielplan herumgebastelt. Längst sind aus Stadionbekanntschaften echte Freunde geworden. Dass mir irgendwann einmal die Lust daran vergehen würde, ein Fußballspiel zu besuchen, daran war für mich nie zu denken. Aber letzte Saison war für mich genau dieser Punkt erreicht.
Es war ein schleichender Prozess. Und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es vielen Fußballfans genauso geht. Deshalb will ich hier auch gar nicht alle Gründe aufzählen. Neben der Vermarktung der Bundesliga und schwindelerregenden Ablösesummen hat jeder Kritiker sicher seine ganze persönlichen Gründe. Das Heimspiel gegen RB Leipzig war für mich der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat. Die Vorwürfe und Verallgemeinerungen von Sesselpupsern, die seit x Jahren kein Stadion mehr besucht haben. Vorverurteilungen und immer wieder sollte man sich als BVB-Fan rechtfertigen, schämen, distanzieren. Ich hatte die Schnauze gestrichen voll. Dass ich die Schnauze irgendwann noch voller haben würde... Wer konnte es ahnen. Dazu beigetragen haben Helene Fischer. Und Thomas Tuchel.

Trotz Pokalsieg: "Mit dem Rausschmiss von TT war ich mehr als glücklich."

Um eins vorweg zunehmen: Mit dem Rausschmiss von TT war ich mehr als glücklich. Aber dieses Theater wer, wann, wo, was und wie gesagt hat... Ich fand es nur peinlich. Und nervig. Und vollends verzweifelt habe ich dann, als das Wechseltheater um Dembele losging. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich wirklich gefragt, wie ich es als erwachsene Frau eigentlich vertreten kann, solchen verzogenen Gören zuzujubeln und sie anzufeuern. Ich weiß, der Verein steht über allem und Gott sei Dank weisen nicht all unsere Spieler charakterliche Schwächen dieser Art auf. Trotzdem. Der fade Beigeschmack blieb.
Mehrmals habe ich also den inneren Kampf ausgetragen, ob ich statt der Stadionuniform nicht lieber die Jogginghose anziehe und sich das teure Sky-Abo endlich mal bezahlt macht. Ich gebe zu, wären die Freunde im Block nicht gewesen... Fußball alleine hätte mich das ein oder andere Mal sicher nicht ins Stadion getrieben.
So ätzend ich die letzte Saison empfunden habe, umso glücklicher bin ich mit dem Ist-Zustand. Es ist so herrlich ruhig geworden. Wie ihr gemerkt habt, mag ich keine Störfeuer - egal, von ob von innen oder außen an unserem Verein gezündelt wird. Ich genieße also die Ruhe. Und die Tabellensituation. Denn natürlich trägt auch der sportliche Erfolg dazu bei, dass Fußball Bock macht. Aber es ist eben nicht alles. Auch letzte Saison waren wir erfolgreich und trotzdem habe ich mich sehr auf die Sommerpause gefreut. Daran, dass ich wieder gerne zum BVB fahre, hat unser neuer Trainer

In der letzten Saison gab es einen runden Auftritt des Gästeblocks

erheblichen Anteil. Mit gefällt seine ruhige und unaufgeregte Art. Ja, keine Sorge, die Mannschaft habe ich nicht vergessen. Aber der danken wir ja jedes gute Spiel mit Applaus von den Tribünen. Aber ich habe gedacht, auch Peter Bosz verdient mal ganz persönlichen Applaus und ein Dank u well. Da isses.
Aber weil das hier ja eigentlich der Vorbericht zum Spiel gegen den FC Augsburg sein soll, bemühe ich dann doch noch die Statistik. Augsburg ist ja so ein Verein, den man in der Tippkick-Runde bei den Bonusfragen gerne unter den drei Absteigern listet. Habe ich auch gemacht. In dieser Saison aber hat Augsburg den besten Start seiner Bundesliga-Geschichte hingelegt. Die einzige Niederlage kassierten die Jungs von Trainer Manuel Baum bisher beim 1:0 in Hamburg. Tabellenplatz 5 ist die Belohnung. Und obwohl Augsburg in zwölf Spielen nur einen Sieg gegen uns eingefahren hat, ist man wohl gut beraten, die Schwaben nicht zu unterschätzen. Und das obwohl Trainer Peter Baum vor der Partie die Rolle als Underdog zu perfektionieren scheint. "Der BVB macht in der Bundesliga richtig Spaß. Wenn man sieht, mit welcher Spielfreude sie auftreten, welches Personal sie von der Bank nachlegen können, wie viele Chancen sie herausspielen - das ist toll anzuschauen", hieß es gestern von Baum in der Pressekonferenz. Danke für die Blumen. Aber einlullen lassen wir uns nicht. Und auch die Niederlage gegen Real Madrid in der Champions League scheint unserer Mannschaft keine Magenschmerzen zu bereiten: "Wir haben gegen Real Madrid zu Recht verloren, aber das Selbstvertrauen ist bei uns nach einer Niederlage nicht weg", sagte Peter Bosz heute in der Pressekonferenz. Eben. Un in der Liga gäbe es sowieso keinen Grund für mangelndes Selbstvertrauen.

So könnten sie spielen

FC Augsburg: Hitz - Opare, Gouweleeuw, Khedira, Hinteregger, Max - Koo, Baier - Heller, Caiuby - Finnbogason

Borussia Dortmund: Bürki - Piszcek, Sokratis, Bartra, Toljan - Weigl - Dahoud, Kagawa - Yarmolenko, Auba, Pulisic

Leonie, 29.09.2017


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