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SG-Spezial zur Bundestagswahl - 19.09.2017

​Sport und Politk? So klingt das in den Wahlprogrammen

Die Menschen sind vielfältig und so vielfältig wie sie selber sind, sind auch ihre Ansichten. Dass Sport wichtig ist, darüber sind sich jedoch alle einig. Sport verbindet, Sport fordert, Sport fördert und ist somit fördernswert, das haben auch die Parteien erkannt und das Thema Sport in ihre Wahlprogramme integriert. In der Ausführlichkeit und Differenziertheit unterscheiden sich die Parteien jedoch deutlich voneinander. Einigkeit herrschet bisweilen vor allem beim Stellenwert von Sport: So fördert Sport die Gesundheit und die Mobilität (CDU) und funktioniert als Integrations- und Inklusionsmotor durch den sich Menschen kennenlernen und Vorurteile abbauen (SPD, Linke, FDP und Grüne). Aus diesem Grund plädieren auch alle Parteien geschlossen dafür Sport in allen Bereichen vor allem auch ehrenamtlich zu fördern: das beginnt in der Schule oder auf dem lokalen Sportplatz und führt bis hin zum Profi- und Spitzensport. Das war es dann aber auch mit der flächendeckenden Einigkeit, da sich die Parteien abseits der Bedeutung von Sport in unterschiedliche Richtungen bewegen.

Doping

Um den Confed Cup herum beherrschte das Thema Doping intensiv die Nachrichtenwelt im Bereich Sport und fand seinen Höhepunkt in der Auseinandersetzung von der ARD und Mehmet Scholl. Scholl kritisierte zu diesem Zeitpunkt die negative Vorberichtserstattung bezogen auf den Confed Cup, obwohl Doping im Sport bereits seit jeher ein Problem darstellt. Wie hoch die Zahl des gesamten Doping Missbrauchs liegt, bleibt insgesamt wohl nur auf im Bereich des Vermutbaren. Umso wichtiger ist es, dass von Seiten der Politik Maßnahmen eingeführt werden sportliche Fairness im Bereich des Breiten- und Spitzensports zu fördern. Bei der CDU/CSU und Die Linke findet sich diesbezüglich jedoch keinerlei Anmerkung oder Vorschlag im Wahlprogramm. Bei der SPD ist man sich zwar darüber einig, dass der Kampf gegen Doping und Spielmanipulationen ein zentrales Anliegen im Bereich Sport und Politik sein muss, erläutert wird dieser Punkt jedoch nicht weiter. Dort zeigt sich das Wahlprogramm der FDP schon konkreter: hier wird erläutert, dass der Betrug in Form von Doping nachhaltig bekämpft werden muss, diese Ambition jedoch durch das von der großen Koalition beschlossene Anti-Doping-Gesetz verfehlt wird. Die FDP hingegen unterstützt die Arbeit der Anti-Doping-Agenturen (NADA und WADA) und möchte in diesem Bereich die Forschung verstärken und effizientere Kontrollen ermöglichen. Hierbei steht jedoch die Wahrung der rechtsstaatlichen Grund- und Persönlichkeitsrechte im Vordergrund. Grüne setzen in ihrem Wahlprogramm einerseits auf Prävention, auf wirksame Kontrollmechanismen und Konsequenzen, Aufarbeitung der Dopingvergangenheit sowie auch auf Schutz und Unterstützung von Dopingopfern. Konkrete Maßnahmen werden im Parteiprogramm jedoch nicht erwähnt.

Sportverbände

Auch in diesem Themenbereich ist wieder keinerlei Stellungnahme von Seiten der CDU/CSU vorzufinden. Auch die SPD und die FDP sehen keinerlei Notwendigkeit auf diesen Aspekt in ihren Wahlprogrammen einzugehen. Sah Die Linke noch keine Berührungspunkte im Falle von Doping, wird sie bezogen auf Kommerzialisierung und Sportverbände hingegen äußerst konkret. Die Linke kritisiert vor allem die Profitmaximierung, die im Profisport vorhanden ist, während grundlegende Werte wie Toleranz und Fairness nicht ausreichend gestärkt werden. Zusätzlich setzt sich die Linke dafür ein, dass die Gewinne, die im Profisport erzielt werden nicht nur in diesem Bereich investiert werden dürfen, sondern auch dem Amateurbereich und anderen Mitgliedsbereichen des DFB zugute kommen müssen. Bezogen auf diesen Aspekt wird vor allem die Deutsche Fußball Liga GmbH aufgrund fehlender demokratischer Strukturen kritisiert. Auch die Grünen setzen sich kritisch mit den gängigen Strukturen innerhalb der Verbände auseinander. Die bösen Ks in Form von Kommerzialisierung und Korruption werden von den Grünen abgestraft und Forderungen nach mehr Transparenz und Good Governance laut. Ähnlich wie die Linke fordern die Grünen mehr Rücksicht und Mitsprache bei Großevents und beziehen dies sowohl auf ökologische Standards als auch auf Menschenrechte.

Der Fußball und seine Fans

Fußball und Fankultur, Fußballfans und die Polizei, Willkur und Notwendigkeit – es gibt einige brisante Aspekte, zu denen mittlerweile jeder Bürger, auch ohne die Fähigkeit kritischer Reflexion, eine Meinung hat und so ist vor allem die moralische Frage von gut und schlecht bzw. Schuld und Nichtschuld häufig voreilig geklärt. Zumindest sehen die FDP und die SPD kein politisches Interesse daran gängige vermeintliche Sicherheitspraxen kritisch zu hinterfragen. Auch bei der CDU/CSU findet sich die Wahrung von Persönlichkeitsrechten vor allem im Bereich von Fußballfans nicht im Wahlprogramm wieder. Interessanterweise wird das Fußballstadion jedoch im Bereich der inneren Sicherheit erwähnt. Sogenannte Gefahrenorte sollen durch den Einsatz intelligenter Videotechnik zu Fahndungszwecken stärker überwacht und Daten für einen geraumen Zeitpunkt gespeichert werden. Zu den sogenannten Gefahrenorten zählt die CDU/CSU auch das Fußballstadion. Die Linke und die Grünen sprechen sich hingegen vehement gegen die zunehmende Kriminalisierung und Überwachung von Fußballfans aus. Die Linke bezieht sich dabei ausdrücklich auf die Vorverurteilung nichtrassistischer und gewaltfreier Fußball-Fan-und Ultragruppen, Fanbetreuung, Fanprojekte und Fanbeauftrage aus (die Linke) und bringt als explizites Beispiel Vorfälle in Leipzig an. Die Grünen sprechen sich für den Schutz von Bürgerrechten von Fußballfans und gegen den Missbrauch von ausufernden Datensammlungen und Kollektivstrafen aus. Stattdessen sollen sozialpädagogische Fanprojekte und Programme gegen Rechtsextremismus stärker unterstützt werden.

Ausblick

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die grundlegenden Werte, die von den jeweiligen Parteien vertreten werden nicht eins zu eins auf den Bereich Sport zu übertragen sind. Vor allem die eher liberal und freiheitlich eingestellte Partei FDP zeigt bei einem Thema wie Datenspeicherung keinerlei Interesse. Grundlegende Bürgerrechte scheinen vor allem von der Linken und den Grünen thematisiert zu werden. Die Linke positioniert sich im Bereich Sport ähnlich vehement gegen einen erhöhten Einfluss von Geld und daraus folgenden korrupten Mechanismen wie in ihrer allgemeinen Haltung zu finanzpolitischen Themen. Vor allem die SPD zeigt sich in ihrem Wahlprogramm äußerst vage. Zwar liegt ein deutlicher Fokus auf der Unterstützung ehrenamtlicher Arbeit und dem Breitensport, konkrete Inhalte werden jedoch meist nur kurz angeschnitten und wenig konkretisiert. Das geringste Interesse am Gebiet Sport zeigt jedoch die CDU/CSU, indem so gut wie keine Inhalte thematisiert werden und nur die zentrale Überwachung von Fußballstadien explizit betont wird.

Ida, 19.09.2017


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