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Spielbericht Profis - 18.09.2017

Offensivspektakel, Proteste, Spitzenreiter

Gedenken an Mammut

Für den BVB begann nach dem englischen Dämpfer am letzten Mittwoch nun die erste englische Woche in dieser Saison. Der großen Champions-League-Bühne im ehrwürdigen Wembley, folgte nun das täglich Brot des wichtigen Liga-Alltags. Zwar durfte auch der Gegner unter der Woche in der britischen Hauptstadt (lautstark und eindrucksvoll) nach einem Vierteljahrhundert die Rückkehr nach Fußball-Europa feiern, in der Bundesliga starteten die Kölner jedoch eher schlecht als recht. Drei Spiele, drei Niederlagen - die Rheinländer scheinen noch ohne richtige Mehrfachbelastung schon sehr belastet zu sein. Für die Dortmunder war das torlose Unentschieden trotz einstündiger Überzahl im Breisgau in die Kategorie „unglücklich“ einzuordnen. In das Duell gegen die Domstädter am Sonntagabend ging Schwarzgelb zwar auch nicht mehr als Tabellenführer, ein Sieg in der letzten Partie des 4. Spieltags war nichtsdestotrotz Pflicht.

Taktik & Personal

Nur in der ersten Halbzeit gut in Form

Beim BVB verhinderten die Nachwirkungen des harten belgischen Ellenbogens von Vertonghen einen Einsatz von Mario Götze, Julian Weigl kehrte nach vier Monaten (endlich!) in den Kader zurück. Zagadou ersetzt Toljan als Linksverteidiger, den restlichen Defensivriegel bilden Piszczek, Toprak und Sokratis. Im Mittelfeld dirigierte Sahin als defensiver 6er hinter / neben Dahoud und Castro. Vorne durften der in London starke Yarmolenko, Aubameyang und Philipp die Kölner Hintermannschaft durcheinander wirbeln. Ungewöhnlich: Insgesamt saßen nur sechs (!) fitte BVB-Akteure auf der Bank.

Der FC musste den Ausflug auf die britische Insel unter der Woche derweil teuer bezahlen, Verteidiger Jonas Hector fällt wohl mehrere Monate aus. Trainer Peter Stöger stellte in der Offensive dem Ex-Dortmunder Bittencourt noch Risse und Cordoba zur Seite. Ex-GEler Höger sollte zusammen mit Kapitän Lehmann die Mitte dicht machen, Osako fungierte als zusätzliche offensive Option. Die Viererkette vor Keeper Horn bildeten Namensvetter Jannis, Heintz, Mere und Klünter.

Erste Hälfte

Heimdebüt für Andrey Yarmolenko

Yarmolenko brauchte nicht besonders lange, um sich im schönsten Tempel der Welt direkt beliebt zu machen. Nach ziemlich genau zwei Minuten zog der Ukrainer auf rechts das Dribbling samt Übersteiger an, flankte mit rechts auf den Kopf des einlaufenden Philipp - 1:0. Die schnelle Führung für Schwarzgelb sollte schon früh die Weichen für die Marschroute der restlichen Partie stellen. Der FC war in der Anfangsphase noch bemüht mitzuspielen, das frühe Gegentor spielte jedoch dem BVB deutlich in die Karten. Die Borussia attackierte früh und erstickte alle offensiven Annäherungen der Kölner schon im Keim. In vorderster Front stand bei den Gästen Stürmer Cordoba zumeist allein auf weiter Flur, und lieferte sich vor allem mit Sokratis wiederholt intensive Lauf - und Luftduelle. Vereinzelte Momente, in denen die Gäste sich dem Dortmunder Strafraum nähern konnten, blieben eher die Ausnahme.

Offensiv zeigte sich der BVB spielfreudig und variabel, die Neuzugänge auf den Flügeln, Yarmolenko und Philipp, wechselten im ersten Spielabschnitt die Flügel. Nach knapp 20 Minuten konnte Keeper Timo Horn sich mit einer schönen Flugeinlage gegen einen guten Schuss von Aubameyang zeigen, doch die Statistik sprach eine ziemlich deutliche Sprache: Die Gastgeber hatten 70 % Ballbesitz, drängten auf den zweiten Treffer. Vor allem ein Mann in Schwarzgelb zeigte sich grandios gut aufgelegt und überzeugte bei seiner Premiere vor heimischer Kulisse: Andrey Yarmolenko. Die linke Seite der Gäste, bestehend aus den jungen Horn und Bittencourt, hatten im Verbund alle Hände voll zu tun und konnten den Ukrainer kaum stoppen. Tempo-Dribblings, Körpertäuschungen, Schnelligkeit - immer wieder ließ der Außenstürmer seine ganze internationale Klasse aufblitzen.

Schwarzgelber Torjubel zum 1:0

Nach einer knappen halben Stunde zeigte sich das Eckenverhältnis mit 3:3 zwar ausgeglichen, der zweite Treffer für den Ballspielverein schien jedoch nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Von den Domstädtern kam in dieser Phase offensiv so gut wie nichts, die Konzentration lag hauptsächlich auf dem Vorhaben sich nicht vor der Halbzeit einen schon vorentscheidenden Rückstand einzuhandeln. Kapitän Matthias Lehmann ging nach dem Motto „Zeichen setzen“ voran, kassierte nach einem Foul im Mittelfeld gegen Nuri Sahin die erste gelbe Karte der Partie ein. Quasi mit dem Halbzeitpfiff dann der große Streitpunkt des Abends: Nach einer Ecke kommt Horn nicht richtig an den Ball, Sokrates reagiert am schnellsten und schiebt den Ball mit rechts in die Maschen. Schiri Ittrich pfeift zunächst ab und gibt den Treffer nicht, da der Kölner Keeper angeblich gefoult worden sein soll. Nach einer kurzen Pause und in Absprache mit Video-Assistent Dr. Felix Brych, entschied sich das Schiedsrichter-Team doch um und erkannten das Tor zum 2:0 an. So ging es mit einer umstrittenen Entscheidung in die Kabine, die Kölner Verantwortlichen Schmadtke und Stöger echauffierten sich noch auf dem Spielfeld lautstark über die getroffene Entscheidung. Sicherlich ein Novum im heimischen Tempel, und eine eher komische Situation zugleich. Der Videobeweis - im Stadion noch komischer als am TV. Für die Kölner zwar äußerst ärgerlich, war die Führung der Borussia komplett verdient und der zweite Treffer vor der Pause äußerst wichtig.

Zweite Hälfte

Diskussionen um das 2-0

Der BVB machte nach Wiederanpfiff genau da weiter, wo sie aufgehört haben. Nach gefühlt einer Minute wurde Aubameyang mit einem starken Pass von Castro steil geschickt und beförderte den Ball nur Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Um exakt 19:09 Uhr trat dann auch Mo Dahoud das erste Mal in den Vordergrund, der stramme Schuss des Youngsters verfehlte den Kasten jedoch oberhalb der Querlatte um einen knappen halben Meter. Angriff um Angriff rollte nun ohne Pause auf den Kölner Kasten zu, und nach knapp einer Stunde Spielzeit funktionierte die Verbindung Yarmolenko-Philipp erneut vorzüglich. Der Ukrainer spielte einen überragenden Außenristpass, in der Mitte köpfte Philipp Klünter den Ball an die Hand - erneut kam der Videobeweis zum Einsatz. Das Team von Patrick Ittrich entschied erneut zugunsten der Borussia, diesmal gab es Elfmeter. Aubameyang verwandelte im Anschluss sicher und bescherte den Kölnern damit den wohl endgültigen Genickbruch. Die Gäste aus dem Rheinland brachen nun komplett ein, nur Augenblicke später brachte Piszczek den Ball von rechts scharf in die Mitte - Aubameyang konnte komplett allein gelassen mit rechts zum vierten Streich einschieben.

Schon vor dem Treffer zum 2:0 waren sich die Anhänger beider Lager, abseits des Sportlichen, zumindest in einer Sache einig: Der DFB machte sich an diesem Abend (unüberhörbar) weder auf der Süd, noch im Gästeblock besonders beliebt.

Nach den zwei Treffern darf auch der Salto nicht fehlen

Zurück zum Sport: Nach 65 Minuten holte sich Andrey Yarmolenko seine ersten Standing Ovations im Westfalenstadion ab, der in seinem ersten Heimspiel überragende Neuzugang räumte seinen Platz für Christian Pulisic. Der zweite Mann des Spiels, Maximilian Philipp, belohnte sich kurze Zeit später mit seinem zweiten und äußerst schönen Treffer ebenfalls selbst. Mit einem sehenswerten Lupfer machte der neue Mann auf Außen mit dem 5:0 endgültig den Deckel drauf, Schlussmann Timo Horn konnte einem wirklich Leid tun. Bei den Kölnern bot sich auch in Halbzeit zwei ein unverändertes Bild - Offensive gleich Null, in der Defensive nur noch um Schadensbegrenzung bemüht. Die mitgereisten FC-Anhänger übten sich über weite Strecken der zweiten Hälfte in der nötigen Portion Galgenhumor, skandierten „Auswärtssieg“, „Spitzenreiter“ - würde man die Tabelle umdrehen. sicher keine falsche Feststellung.

Fazit

Ein ohne jeden Zweifel verdienter Pflichtsieg gegen zugegebenermaßen äußerst schwache Kölner Gäste. Bis zum zweiten Treffer noch um Offensivaktionen bemüht, zerbrachen die Rheinländer nach den beiden Entscheidungen per Videobeweis vor allem in der zweiten Hälfte dann komplett.

Julian Weigl gab sein Comeback

Fairerweise musste hier aber auch der Einwand gelten, dass der Treffer von Sokrates kein regelkonformes Tor war, da der Ball beim Pfiff von Schiri Ittrich die Torlinie noch nicht überquert hatte. Den Regeln nach hätte der BVB aus diesem Grund zur Halbzeit nur mit einer knappen 1:0 - Führung in die Kabine gehen müssen. Schwierige Entscheidung, die allerdings an der schwachen Leistung der Kölner und dem auch in der Höhe verdienten Erfolg des BVB nichts änderte. Die Borussia zeigte sich effizient in der Chancenverwertung und war auch in allen Phasen der Partie konzentriert in der Defensive. Eine starke und positive Reaktion auf die unnötige Niederlage in der Champions League bei den Tottenham Hotspurs seitens der Borussia, für die Kölner ein abermals herber Nackenschlag und die „Festigung“ von Platz 18 in der Bundesliga. Dortmund damit weiter seit 26 Jahren zuhause gegen Köln ungeschlagen und in der Liga seit 40 Heimspielen unbesiegt. Auf Seiten der Borussia stachen besonders das Offensiv-Trio aus Philipp, Aubameyang und Yarmolenko hervor, in der Defensive gab Sokratis den unüberwindbaren Fels in der Brandung. Mann des Spiels nicht bei, dafür aber in Köln: Felix Brych.

Abseits

Nach Essen zeigte auch Köln Solidarität - nicht alle gefiel es

Nicht Yarmolenko, nicht Philipp und auch nicht Aubameyang - der Videobeweis war nach dem Spiel das vorherrschende Thema in der Nachbesprechung der Partie. Schon vorher Thema diverser kontrovers geführter Diskussionen, sorgte die Entscheidung vor dem 2:0 unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff für zahlreiche Diskussionen.

Doch auch abseits des Platzes gab es im Vorfeld der Partie leider unerfreuliche Nachrichten. Mit einer Schalparade und einem „Ruhe in Frieden, Mammut“ - Plakat wurde dem kürzlich verstorbenen BVB-Fan von der Süd die letzte Ehre erwiesen. Die Kölner Gäste schwiegen aus diesem Grund zu Beginn der Partie aus Respekt und verzichteten vorerst auf eigene Gesänge. Eine gute Geste die zeigt, dass die Unterstützung der eigenen Mannschaft auch in einer sportlich schwierigen Zeit aus menschlichen Gründen für kurze Zeit in den Hintergrund treten kann.

Eher unschön dagegen das in der zweiten Halbzeit gezeigte Banner im Gästeblock, welches Solidarität mit den 0231 Rios vermitteln sollte. Diese Aktion wurde zumindest vereinzelt mit Pfiffen belegt.

Statistik

BVB: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Zagadou - Sahin (66. Weigl), Dahoud, Castro - Yarmolenko (66. Pulisic), Aubameyang (85. Isak), Philipp

Köln: Horn - Klünter, Mere, Heintz, J.Horn - Höger (64. Jojic), Lehmann - Bittencourt (56. Zoller), Osako (64. Sörensen), Risse - Cordoba

Alle am Hüpfen - nur Kagawa hat wohl kein Bock auf die MeisterschaftSchiedsrichter: Patrick Ittrich

Assistenten: Norbert Grudzinski, Marco Achmüller

Vierter Offizieller: Daniel Schlager

Video Assistent: Felix Brych

Tore: 1:0 Philipp (2.), 2:0 Sokratis (45. +2), 3:0 Aubameyang (59.), 4:0 Aubameyang (60.), 5:0 Philipp (69.)

Zuschauer: 81.000

Karten: Lehmann, Klünter, Cordoba (alle Köln)

Chancenverhältnis: 9:1

Ecken: 8:5

Ballbesitz: 70:30

Stimmen zum Spiel

Peter Bosz: „Wir haben zurecht gewonnen, in der zweiten Halbzeit auch gut gespielt. Mit der ersten Hälfte war ich nicht ganz so zufrieden, da haben wir auch die Qualitäten von Köln gespürt. Bei dem einen oder anderen Konter hatten wir das Glück, dass der Ball nicht durchkam. Nach der Niederlage gegen Tottenham war es wichtig, unser Heimspiel zu gewinnen. 5:0 - das ist ein sehr gutes Resultat.“

Peter Stöger:Der Sieg geht absolut in Ordnung, auch in dieser Größenordnung mit 5:0. Das Spiel hat denkbar ungünstig begonnen. Wir haben uns

Vor dem Spiel noch volle Harmonie

dann 20 Minuten lang ganz ordentlich präsentiert. Wir haben in der zweiten Halbzeit defensiv zu viele Fehler gemacht, aber auf der anderen Seite ist der Start auch nicht einfach. Es ist eine neue Situation mit der Europa League. Aber da muss man den Jungs, die uns in den letzten vier Jahren viel Freude gemacht und alles gegeben haben, auch das Vertrauen geben.“

Jörg Schmadtke: „Man kann genau hören, dass der Pfiff ertönt, bevor der Ball im Tor ist. Damit liegt ein Regelverstoß vor und gegen den werden wir Protest einlegen. Wir werden den Spielbericht nicht freigeben, haben jetzt 48 Stunden Zeit, unsere Stellungnahme einzureichen. Das werden wir tun, wir streben eine Neuansetzung an.“

Hans-Joachim Watzke: „Wenn man nicht verlieren kann, greift man zu solchen Mitteln. Schießt man im Spiel zwei Mal aufs Tor und der Gegner macht fünf Tore, dann hat man einfach zurecht verloren und muss sich das klipp und klar eingestehen. Das ist eine Attitüde des schlechten Verlierers. Wenn man so auftritt nach einem 0:5, dann: Chapeau!“

Boris Davidovski, 18.09.2017


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