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Eua Senf - 29.08.2017

Wir drehen uns im Kreise, man hört es kaum – so leise

Die Entscheider des BvB sind gesprächsbereit für Rekordtransfers. Ein klares Nein in dieser Sache wäre für mich ein Zeichen der Stärke gewesen sowie die Botschaft, die qualitative Spitze des Kaders sichern zu wollen – es anders zu machen als in den Vorjahren. Auch um im Rennen um Platz 1 auf voller Distanz wettbewerbsfähiger zu sein. Aber Kritik in Richtung Kommandobrücke zu schicken wäre falsch. Denn Ousmane will weg, bockt rum und sammelt Müll – da machste nichts dran.

Aber sind es wirklich die Einzelkönner, die ich sehen will? Sind sie es, durch die Borussia als Verein für mich greifbar wird? Eher nicht, denn das sportliche Können der Profikicker auf dem Platz ist meilenweit von meinem entfernt. Identifikationspotential tut sich hier nicht auf. Aber abseits des grünen Rasens könnte sich was ergeben. Dafür bräuchte es BvB-Spieler mit lockerer Zunge, die verbal mal einen raushauen. Ich möchte Typen sehen, die Derbys vorab in Interviews anheizen, die sich nicht wie Diplomaten oder artige Beamte hinter Phrasen und auswendig gelernten Satzbausteinen verstecken. Ich möchte verbale Leader sehen, die durch ihre Worte eine Ansage an den nächsten Gegner schicken und sich nicht um die Boulevardmedien sorgen, falls man sich am Ende zu weit aus dem Fenster gelehnt haben sollte. Für mich entstünde hierdurch eine emotionale Nähe zwischen Spielern und Fans. Borussia würde durch eine authentische Sprache enger an der Gesellschaft bleiben, eben greifbar sein. Gerade jetzt, wo das Business stark im Fokus steht.

Oder übertreibe ich? Bin ich schlichtweg sensationslustig und getrieben von Pushmitteilungen? Eher nicht. Zwar bin ich in whatsapp-Gruppen vorne mit dabei, wenn es Neuigkeiten von Andre-Horst, Erik und Auba gibt. Das driftet aber nicht ins Extreme ab. In diesen Momenten geht es lediglich um Fakten – um bloße Wasserstandsmeldungen, die hämisch, polemisch oder bestätigend von Freunden und mir im Privaten kommentiert werden. Mit Sensationen jongliere ich sicher nicht.

Das gerade Beschriebene mache ich, um mit Freunden Kontakt zu halten. Gleiches sollten die Jungs von Borussia mit ihren Fans tun. Ich will Spieler, die durch ihre Worte emotional binden und deren Aussagen zum Ohrwurm werden. Ich will Spieler, die nicht nur in Richtung Fankurve klatschen, sondern mit ihren Worten uns Fans in Richtung Westfalenstadion sprinten lassen. Sicherlich mag das anfangs schwer sein, wenn man als Spieler lediglich durch Kameras zur breiten Masse sprechen kann und polarisierend wirken soll wie in der von mir gewünschten Form. Ich setze hier aber voll auf den Flow. Ist man erst einmal drin, dann läuft’s auch. Und Situationen zur Umsetzung würden sich im Arbeitsalltag genug ergeben. Ich denke an Pressekonferenzen vor den Spielen, an Interviews auf dem Feld direkt nach einem Spiel oder an Videobotschaften auf der Vereinshomepage. Der Zaun vor der Südtribüne würde einen Marktschreier in Sporthose sicherlich auch aushalten.

Ich will abrundend sagen, dass ich ausdrücklich das gesprochene Wort meine, das die Lizenzspieler fokussieren sollten. Denn auf dieser Ebene sind wir Fans erprobt, überaus empfänglich und durchaus ebenbürtig.

Ich wünsche mir mit Blick auf die Mannschaft, auf offene Ohren zu stoßen und tollkühne sowie wortgewandte Borussen in der kommenden Spielzeit bestaunen und abfeiern zu dürfen. Ich möchte mich nicht mehr im Kreis drehen.

Letztlich scheint es mir wie in jeder Feedbackrunde zu sein. Einer muss den Anfang machen. Also Schmelle, Nuri, Marco und alle anderen Nice Guys – es wird Zeit für den nächsten Entwicklungsschritt. Stellt Alternativen zum gut gecoachten Musterprofi dar! Brecht aus dem Kreis aus und werdet laut!

Große Klappe – was dahinter, BVB!

Gastautor Daniel, 28.08.2017

Die Redaktion: Wie Ihr mit Sicherheit gemerkt hat, hat uns dieser Text erreicht, bevor der Wechsel von Dembélé abgemacht war.

In der Rubrik „Eua Senf“ veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Texte, die uns von unseren Lesern zugesandt wurden.
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