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Unsa Senf - 16.08.2017

Saisonerwartungen

Ida:
Neu am Ruder: Peter BoszWohin führt der Weg in der kommenden Saison? Das vergangene „Umbruchjahr“ war wahrlich nicht das ruhigste Jahr unserer Vereinsgeschichte. Und auch zum neuen Saisonstart geht es turbulent daher. Vor allem mit dem Geplänkel um die pubertären Verhaltensauffälligkeiten des Ousmane Dembélé knüpft man direkt zu Saisonbeginn wieder da an, wo man vergangene Saison aufgehört hat. Mit Peter Bosz hat man einen nicht ganz unbekannten Trainer geholt, der Ajax Amsterdam vergangene Saison immerhin bis ins Europa League-Finale geführt hat. Ob er auch Champions League kann, wird sich in der neuen Saison zeigen. Man hat ein wenig das Gefühl, dass es eine weitere unruhige Übergangssaison werden könnte. Im Trainingslager zeigte sich, dass die Ideen von Bosz noch nicht automatisiert werden konnten (völlig verständlich in der kurzen Zeit) und auch personell scheint das letzte Wort noch nicht gesprochen. Vor allem auf den Positionen der Außenverteidiger bleibt ein Fragezeichen bestehen, da die dort vorhandenen Schwächen nicht zu leugnen sind. Ziel wird auch dieses Jahr wieder das direkte Erreichen der Champions League sein. Da auch Leipzig dieses Jahr zum ersten mal mit der Dreifachbelastung konfrontiert wird und schon andere Vereine gezeigt haben, dass drei Wettbewerbe zu Lasten von Punkten gehen können, stehen die Chancen gut, dieses Saisonziel zu erreichen. Wichtig ist trotzdem, dass die Defensive stabiler agiert als letztes Jahr- eine Aufgabe, die Bosz sich zu Herzen nehmen muss- und, dass uns das Verletzungspech unserer Offensivspieler nicht dauerhaft verfolgt. Die ersten Spiele werden zeigen, inwieweit die vergangenen Ziele nach unten korrigiert werden müssen, trotzdem denke ich, dass auch diese Saison der dritte Platz möglich sein wird.

NeusserJens: (Twitter: @Baumwollhose)
Borussia Dortmund 2017/18 wird eine Saison wie eine Autofahrt durch die Schweiz: Es gibt Höhen, es gibt Tiefen, es gibt Sonne, es gibt Schnee und am Ende landet man wieder direkt neben den Bayern.
Mal etwas ernster und konkreter formuliert: Ich befürchte, dass der Start etwas holpriger wird – unabhängig vom Verbleib des Trotzkopfs Dembélé – und wir anfangs viele Spiele durch die individuelle Klasse entscheiden müssen. Das ist insofern gefährlich, als dass z.B. Mr. 1:0 Marco Reus noch bis zur Rückrunde ausfällt, Götze lange verletzt war, Kagawa spät ins Training einstieg und ein Hoffnungsträger wie Dahoud erst richtig in die Mannschaft integriert werden muss. Da würde schon helfen, wenn sich Ous am Riemen (und an seinen langfristigen Vertrag) reißen würde, um uns mit seiner zeitweisen Brillanz den Start in die Saison zu erleichtern. Fehlt: Mr. 1:0 Marco ReusDenn ich denke auch, das sieht man meiner Meinung nach bereits heute von Spiel zu Spiel, dass die Maschine Borussia mittelfristig sehr gut ins Rollen kommen wird und verschiedene Mechanismen irgendwann dazu beitragen, einzelne Schwächen aufzufangen und zu überdecken. Denn das ist auch bitter nötig! Aktuell ist die Defensive wirklich wackelig unterwegs (Bitte, Fußballgott, gib uns schnell fitte und formstarke Außenverteidiger!), der Spielaufbau ausbaufähig und die Offensive entsprechend wenig durchschlagskräftig. Aber ich bin guter Dinge und traue Peter Bosz mittelfristig durchaus zu, eine Mannschaft auf den Platz zu schicken, die perfekte Mechanismen mit individueller Klasse kombiniert und so am Ende allen Ansprüchen gerecht wird. Die Frage ist: Wann und mit wem gelingt dieses Meisterwerk? Davon hängt ab, wo Borussia am Ende der Saison landen wird – vom Gipfel über Bayern bis zum regionalen Flachland ist dabei viel möglich und es wird am Ende von der Summe der Ergebnisse abhängen, was das Resultat ist. Erwartet nur bitte nicht, dass wir mit Zauberfußball ab Spieltag 1 durch die Liga marschieren… das würde mich sehr positiv überraschen.

DerJungemitdemBall: (Twitter: @jungemitdemball)
Schlüsselspieler: Raphael GuerreiroEs ist noch relativ schwer abzusehen, wie von Bosz angestoßene Veränderungen die Spielweise und vor allem den Erfolg in der Bundesliga beeinflussen werden. Nicht zu übersehen ist, wie schnell man vom etablierten Ballbesitzfußball unter Tuchel abgerückt ist und wieder stärker den Fokus auf das Gegenpressing legt. Hier stellt sich für mich persönlich die Frage, ob das in der Bundesliga noch zeitgemäß und erfolgsversprechend ist. Schon unter Klopp war in der letzten Saison ersichtlich, dass sich die Gegner des BVB auf „Gegenpressing als Spielmacher“ eingestellt haben. Wird beispielsweise. der FC Augsburg noch blindlinks in Pressingfallen laufen oder sich darauf beschränken, den Ball möglichst schnell und weit über die erste Pressingzone zu befördern? In dieser Hinsicht ist mir noch nicht ersichtlich, ob das als einzige Idee zielführend sein wird. Genauso gut kann es aber auch sein, dass Bosz Schritt für Schritt weitere Spielideen für das letzte Spielfelddrittel entwickelt.
Erschwerend kommt natürlich in der ersten Saisonphase hinzu, dass mit Reus, Guerreiro, Weigl und (vielleicht) Schmelzer noch länger auf mMn spielentscheidende Spieler verzichtet werden muss. Darüber hinaus muss man sehen, ob Dembélé bleibt oder den BVB noch Richtung Barcelona verlässt und wen man als Ersatz verpflichten kann. Zusätzlich: Wie löst man die Probleme auf den Außenverteidigerpositionen, die ja allzu offensichtlich sind?
Alles in allem also eine spannende Saison, die uns da auf dem Spielfeld bevorsteht. Ich tippe darauf, dass wir uns erst über einige Wochen „einrumpeln“ müssen, am Ende aber knapp die Champions League-Qualifikation erreichen werden.

Larissa:
Triple oder ich gehe zu den Bayern.
Im Ernst: Ich mache mir vor der Saison keine Gedanken mehr. Die hören eh nicht auf mich.

Sascha:
Wenn man sich die letzten Testspiele angeschaut hat, dann habe ich den Eindruck, dass der gezeigte Fußball etliche Leute anspricht, weil er ein bisschen wie ein Blick ins Fotoalbum von 2010 ist. Offensivpressing, frühes Anlaufen des Gegners - halt das, was für viele die geliebte "Vollgasveranstaltung" ist. 2010 ist aber schon lange vorbei und Pressing ist einfach nichts mehr, mit dem man den Gegner überrascht. Klopp war damals einer der ersten, der es kompromisslos auf den Platz brachte und die Liga hatte erst einmal keine Antwort darauf. Aber in den folgenden Jahren hatten sich mehr und mehr Mannschaften darauf eingestellt und uns mehrheitlich den Ball überlassen. Und genau das macht mich momentan noch sehr skeptisch, was die kommende Saison angeht. Passende Taktik gegen MadridUnter Bosz merkte man einerseits, dass die Mannschaft wieder das Gespür für Offensivpressing für sich findet. Aber auch sehr deutlich, dass sie sehr ratlos ist, was sie bei eigenem Ballbesitz anfangen soll. Da wird der Ball an der Strafraumkante quer gepasst, bis er entweder per Fehlpass verloren geht oder aus der Not geboren die Flanke aus dem Halbfeld angesetzt. Hier ist bislang noch gar kein Plan des Trainers zu sehen. Bös gesagt, spielen wir bislang einen Ball, mit dem wir in der CL gegen Madrid und Co. bestehen, aber in der Liga gegen viele Mannschaften Probleme bekommen werden. Teams wie Köln oder Frankfurt werden uns liebend gerne den Ball überlassen, die Räume eng machen und auf den Ballverlust zum schnellen Umschalten warten. Ich hoffe wirklich, dass Bosz hier erst am Anfang des Wegs ist und den Kickern noch das passende Werkzeug für die Momente an die Hand gibt, in denen wir weder pressen noch schnell umschalten können. Die werden nämlich deutlich in der Mehrzahl sein. Ich bin mir da sehr unsicher und befürchte eine eher zähe Saison in der Liga, aber auch eine gute in der Königsklasse, die erst im Viertelfinale endet. Im Pokal dürfen jetzt wirklich mal wieder andere nach Berlin.

Steffi: (Twitter: @buchrebellin)
Geiler Offensivfußball bis der Tempel überkochtEs ist schon ein bisschen komisch. In den letzten Jahren hatte ich nach einer Saison eigentlich sofort Bock auf die nächste. Dieses Mal war irgendwie alles gar nicht so schlimm. Ab und zu hat man mal einen Blick in den Kalender geworfen und das war es auch schon. Auch jetzt, 1 ½ Wochen vor Saisonstart und mit dem an diesem Wochenende schon startenden DFB-Pokal vor der Brust kommt mir alles noch weit weg vor. Das ganze aus dem Ruder gelaufene Transfer-Getöse trägt auch nicht gerade dazu bei, meine Fußball-Lust anzufachen.
Ich weiß allerdings, spätestens wenn ich beim ersten Heimspiel der Saison wieder mit meinen Leuten, auf meiner Süd und in meinem Tempel stehe, dann wird das alte Gefühl wieder da sein. Nur weiß ich eben nicht, ob das auch in fünf Jahren noch so sein wird. Den Gedanken, dass ich gegenüber diesem Sport mal eine gewisse Distanz fühlen könnte, hätte ich noch vor 2-3 Jahre nicht für möglich gehalten. Meine Borussia hält mich bisher davon ab, meine Gefühle für den Fußball weiter erkalten zu lassen. Geht halt nicht, Borussia kriecht einem ins Herz und unter die Haut. Den BVB kriegt man aus einer Dortmunderin nicht so leicht raus.
Was ich von meinem BVB erwarte? Nach einem weiteren Umschwung (neuer Trainer, neue Philosophie, neue Taktik) weiß man eigentlich mal wieder nicht so recht, wo der Hase langläuft. Momentan nervt zudem, dass man nicht genau weiß, WELCHER Hase da Ende August überhaupt noch über den Rasen des Westfalenstadions hoppeln wird. Aubameyang hier und Dembélé da. Auch wenn man sich als BVB-Fan ein bisschen an den Weggang von großen Stars gewöhnt hat, empfinde ich es dieses Jahr als besonders störend. Dass man gefühlt für Ersatz den Wert eines kleinen Inselstaates auf die Theke legen muss, hilft auch nicht gerade, sich auf Alternativen zu freuen.
Um die Attraktivität der Liga hochzuhalten, wünsche ich mir endlich mal wieder einen Zweikampf um die deutsche Meisterschaft (na ja, ein paar egoistische Gründe sind natürlich auch dabei…), dass der ungeliebte Nachbar weiter so unter ferner liefen lustig vor sich hin stolpert, Hoffenheim und Leipzig ob der Dreifachbelastung einfach mal schön auf die Nase (und die große Klappe) fliegen und wir einfach atemberaubend geilen Offensivfußball spielen, bis der Tempel überkocht.
Natürlich könnte man jetzt hier wunderbare taktische Ausführungen vornehmen und betrachten, was in den letzten Wochen unter Bosz bereits anders lief und noch einiger Nachjustierung bedarf, aber das ist mir jetzt alles zu verquast und emotionslos. Und nach 50 Trillionen Euro-Transfers, Fifa-Machenschaften und dem ganzen anderen Kram, über den man sich in den letzten Monaten als Fan so ärgern durfte, möchte ich mir wenigstens eines so lange wie möglich bewahren – die Leidenschaft für den BVB. Ich bin einfach gespannt auf den neuen Trainer und die bisherigen neuen Spieler und hoffe nach den Vorkommnissen im April immer noch so stark wie nie, dass alle gesund bleiben.

Vanni: (Twitter: @reallyvanni)
Meine sportlichen Erwartungen an den Ballspielverein bewegen sich in einem ähnlichen Rahmen wie in der vergangenen Saison. In der Bundesliga die Champions League klarmachen, in selbiger die Gruppenphase überstehen und dann mal schauen, im DFB-Pokal möglichst weit (und vielleicht ja wieder zum Titel kommen). Mit diesen Zielen bin ich und ist der BVB in den letzten Jahren eigentlich ganz gut gefahren. Gefühlt würde ich zwar sagen, dass die Meisterschaft in der kommenden Spielzeit wieder offener werden könnte, ob wir ein echter Herausforderer für die Bayern werden können, vermag ich aufgrund des Trainerwechsels und einiger noch zu unklar definierten Variablen noch nicht zu sagen.
Was ich auf dem Platz sehen möchte, ist unverändert Leidenschaft und attraktiver Fußball. Hier bin ich vorsichtig optimistisch, dass uns in diesem Bereich eine Steigerung erwarten könnte, da mir vor allem das Pressingspiel in den bisherigen Partien unter Bosz gut gefallen hat. Schafft die Mannschaft es, sich auch in Spielen gegen tief stehende Gegner offensive Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten, bin ich guter Dinge und freue mich auf das, was da auf uns zukommen könnte.

Seb:
2011,2012 - 2018?In der Liga erwarte ich einen Platz unter den ersten Vier, der zur direkten Teilnahme an der Champions League berechtigt. Mit diesem Kader muss man, Dembélé hin oder her, erwarten können, dass man genügend Punkte holt, um auch nächstes Jahr wieder in der Champions League vertreten zu sein. Was im Trainingslager von der "Idee Bosz" zu sehen war, hat meine Vorfreude durchaus erhöht. Ich glaube auch, dass dieses System funktionieren wird. Es wurde von Spiel zu Spiel deutlicher, dass die Automatismen besser ineinander greifen. Ob sofort gegen tief stehende Gegner eine Lösung gefunden werden kann, ist schwer zu sagen, aber ich denke, dass Peter Bosz auch hier einen Ansatz mit der Mannschaft erarbeitet.
Im Pokal ist das immer so eine Sache. Da bin ich wahrscheinlich noch geschädigt aus den vielen Jahren, wo wir früh ausgeschieden sind. Die jüngere Vergangenheit spricht da zwar eine andere Sprache, aber in einem Spiel ist halt immer alles möglich. Da muss nur mal die Abseitslinie beim Videoschiedsrichter nicht richtig kalibriert sein und schon ist man raus.
In der Champions League gehe ich davon aus, dass wir die Gruppenphase mal wieder überleben und ins Achtelfinale einziehen. Wenn man aus Topf zwei startet, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch. So ganz traurig wäre ich aber auch über einen dritten Platz nicht. Die letzte Europa League-Saison war sehr attraktiv und ich will endlich den verbliebenen Europapokal gewinnen. Der BVB als einer der wenigen Vereine mit allen drei großen europäischen Trophäen wäre schon geil.
Auch wenn ich es nicht von der Mannschaft erwarte, aber der grenzenlose Optimist in mir sagt, dass wir dieses Jahr Meister werden. Die Bayern sind verwundbar und verlieren den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Peter Bosz impft der Mannschaft sein System schneller ein als alle gedacht hätten und wir grüßen am Ende von der Spitze. Rein statistisch sind wir sowieso wieder dran: Zwei Mal hintereinander, dann sechs Jahre warten. 56/57/63, 95/96/02 und 11/12/18, so kommt’s. Ganz bestimmt.


Redaktion, 16.08.2017


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