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Spielberichte Profis - 06.05.2017

Frühes Abseitstor brycht TSG das Genick

Grüße von der Südtribüne an Julian Nagelsmann

Zwei fulminante Anfangsphasen, eine spannende Schlussphase, dazwischen wenig Fußball, aber dennoch Spannung und ordentlich etwas zu sehen… wollte man Borussia Dortmund vs. TSG Hoffenheim in einen Satz packen, man könnte es vielleicht so versuchen. Aber vielleicht würde man einem intensiven Spiel somit auch Unrecht tun, weil es doch eigentlich mehr zu bieten hatte. Alleine alle Fehler des Schiedsrichters Dr. Felix Brych aufzuzählen, würde wohl schon den Rahmen sprengen. Konzentrieren wir uns also auf die wirklich wichtigen und am Ende entscheidenden Hard Facts: der BVB schlägt die TSG Hoffenheim mit 2:1 (1:0) und springt somit wieder auf den für die direkte Qualifikation zur Champions League berechtigenden dritten Platz. Und: die Tradition schlägt jeden Trend.

Vor dem Spiel

In der letzten Saison wäre die Partie Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim keine Partie gewesen, mit der man viele Menschen aus den Socken hauen konnte. Es wäre eine recht reguläre Ansetzung gewesen, ein wenig Hitze wäre durch die immer wieder geäußerte Kritik an Dietmar Hopp und seinem Spielzeug aber sicherlich auch hereingekommen. Am 32. Spieltag der laufenden Saison passten nun jedoch eigentlich alle Rahmenfaktoren. Der erste sonnige Tag im Mai, Heimspiel gegen den ungeliebten Gegner und auch sportlich wurde das Duell trotz immer noch zwei zu

Genesungswünsche an Davud vom Fanprojekt

spielender Partien schon zum Endspiel um den direkten Einzug in die Champions League hochstilisiert. Für beide Mannschaften, besonders für die Borussia, ist das direkte Erreichen der Königsklasse ohne den Umweg Qualifikationsrunde aber durchaus von großer Bedeutung, während man sich in Hoffenheim am Ende auch nicht grämen wird, sollte es nur der vierte Platz werden. Schließlich spielt der Verein von Julian Nagelsmann erstmals in der kommenden Saison überhaupt international. Der sportliche Wert der Partie war jedenfalls ebenso gegeben.

Und als wäre das nicht alles genug gewesen, gab es kurzfristig auch noch Gesprächs- und Diskussionsbedarf, weil sich Hans-Joachim Watzke mal wieder zu Wort gemeldet hatte und man nicht unbedingt viel zwischen den Zeilen lesen musste, um einen gewissen Dissenz zwischen ihm und Thomas Tuchel festzustellen... und das ist wohl noch freundlich ausgedrückt. Man mag sicherlich trefflich darüber diskutieren können, ob der Zeitpunkt für die vom Geschäftsführer getätigten Aussagen glücklich gewählt ist, sichtbare Auswirkungen auf die Leistung der Mannschaft an diesem Wochenende hatten sie aber nicht.

Thomas Tuchel schickte wohl die beste Elf auf den Rasen, die er zu bieten hatte. Mit Reus, Dembélé und Guerreiro sollte im Mittelfeld gewirbelt werden, vorne drin stand natürlich der 27-Tore-Mann aus Gabun und in der Abwehr sollte die Entscheidung für Schmelzer, Sokratis, Ginter und Piszczek wohl nicht für schlaflose Nächte gesorgt haben. Zusätzlich kehrte nach langer Verletzungspause Sebastian Rode zurück in den BVB-Kader.

Guerreiro gegen Kaderabek

Der BVB meldete am Freitag, dass immerhin 3.500 Fans der Hoffenheimer nach Dortmund reisen sollten. „Immerhin“ deswegen, weil man normalerweise wohl deutlich weniger erwarten konnte, aber der Erfolg der Gäste zieht sicherlich noch den einen oder anderen reisewilligen Erfolgsfan an beziehungsweise lässt ihn nach Dortmund fahren. Für die Stehplätze auf der Nordtribüne waren sie trotzdem zu wenig, einmal mehr wurden die Gäste in die Nord-West-Ecke ausquartiert und waren dort wenig überraschend auch ebenso wenig zu vernehmen.

Kurz nach Anpfiff und im Anschluss an die Partie gab es einige Transparente in Richtung des engagierten und beliebten Mitarbeiters des Fanprojekts Davud zu lesen, der unter der Woche überraschend und schwer erkrankt ist. Nicht nur die Banner, sondern auch diese Worte sollen ihm aber auch Grüße und Genesungswünsche schicken. Auch von schwatzgelb.de: Gute Besserung, Davud!

„Sportliches“

Jubel um Marco Reus zum frühen 1-0

Schon nach zehn Minuten war das Westfalenstadion deutlicher und lauter auf Betriebstemperatur als in der Vorwoche beim Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Fairerweise muss man nun sagen, dass der Spielverlauf, der nicht gerade beliebte Gegner und so manche Schiedsrichterentscheidung da ihre Finger mit im Spiel hatten. Trotzdem machten die ersten 15 Minuten allein aus Stimmungssicht gefühlt schon deutlich mehr Spaß als der laue Sommerkick gegen den Effzeh. Zumindest mir. Dr. Felix Brych sollte die Anfangsphase, wie auch die gesamte Partie aber nicht unbedingt gefallen haben. Er erwischte tatsächlich einen rabenschwarzen Tag. So traf er eine Vielzahl an Fehlentscheidungen auf beiden Seiten, wenn auch vielleicht mit unterschiedlicher Gewichtung beziehungsweise Bedeutung. Nur eine kleine Auswahl: Marco Reus stand beim Führungstor deutlich im Abseits, auch der von Aubameyang verschossene Handelfmeter war so nicht korrekt entschieden, gleiches gilt für eine hohe Zahl an Foul-Entscheidungen, beispielsweise gegen Castro, der kurz vor der Pause den Ball spielte, aber dennoch die fünfte gelbe Karte sah. Hoffenheim wurde ein Elfmeter nach Foul von Sokratis an Wagner verwehrt und ein vielversprechender Konter durch Kramaric zurück gepfiffen, gleichzeitig hätte man sich aber nicht beschweren können, hätte Demirbay die Ampelkarte gesehen… Eine durchaus bunte Ansammlung, die Herr Brych also wohl lieber wieder vergessen wird. Thomas Tuchel gab nach dem Spiel in der Pressekonferenz zu, eher davon profitiert zu haben und sicherlich kann sich der BVB am Ende auch aufgrund des Ergebnisses weniger über den Schiedsrichter beschweren als die Gäste. Julian Nagelsmann sprach in der gleichen PK von „Murphy’s Law“, man könnte aber genauso gut sagen, dass sich Schiedsrichterleistungen manchmal eben doch ausgleichen, wenn man noch einmal an das Hinspiel denkt, wo das Pendel zur anderen Seite ausschlug.

Aubameyang gegen Vogt

Dem geneigten Leser wird nun aufgefallen sein, dass es bislang doch recht wenig um das runde Leder und das Sportliche ging. Der Grund dafür ist simpel: das tat es in der Anfangsphase der Partie auch recht selten. Highlights waren da das Tor von Marco Reus, der wie schon erwähnt nach vier Minuten aus Abseitsposition traf, nachdem ein langer Ball noch einmal von Castro verlängert wurde und eben die Elfmeter-Szene, bei der Reus eine Flanke in den Strafraum brachte, wo Kaderabek den Ball zwar strafwürdig mit der Hand spielte. Vorher hatte Reus das Leder aber seinerseits mit der Hand unter Kontrolle gebracht. Pierre-Emerick Aubameyang, der auch nicht unbedingt seinen besten Tag erwischt hatte, zeigte sich aber als fairer Sportsmann und pöhlte den Ball links am Kasten vorbei. Dazu gesellten sich viele Foulspiele, viele Proteste und schon nach 15 Minuten drohte Brych die Partie komplett aus der Hand zu verlieren. Zu seinem Glück beruhigte sich das Spiel in der Folge, was aber auch nicht unbedingt bedeutete, dass fußballerisch auf einmal mehr ging. Denn nach 15 Minuten war auf einmal der Schwung der Dortmunder Mannschaft auch deutlich reduzierter, das Spiel kühlte ein wenig ab. Hoffenheim brachte aber auch nicht die bekannte Offensiv-Power auf den Platz, was die alte Henne-Ei-Frage wieder hervor ruft, ob nun die BVB-Defensive besonders stark oder die TSG-Offensive bemerkenswert schwach agierte. Vielleicht war es auch eine Mischung aus beiden, die Dortmunder Defensive soll an dieser Stelle aber doch hervor gehoben werden, da besonders Ginter und Sokratis einige knappe Bälle stark verteidigten. Exemplarisch kann man hier zum Beispiel die 78. Minute herausgreifen, in der beide in Zusammenarbeit einen Hoffenheimer Konter in Überzahl unterbanden. Auch Sebastian Rudy wurde bemerkenswert gut aus dem Spiel genommen, sodass die Gäste aus dem Spiel heraus nicht eine einzige zwingende Großchancen auf meinen Notizblock unterbrachten.

Jubel zum 2-0

Dass der BVB defensiv gute Arbeit machte, zeigte sich auch darin, dass Julian Nagelsmann schon nach 70 Minuten seine drei Wechsel aufgebraucht hatte, was meistens nicht unbedingt das Zeichen von großer Zufriedenheit mit dem Spiel ist, vor allem nicht bei einem knappen Spielstand von 1:0. Thomas Tuchel hatte zu diesem Zeitpunkt beispielsweise noch gar nicht gewechselt, auch wenn der BVB offensiv sicherlich auch nicht überragend war, aber zumindest Gelegenheiten und Offensiv-Aktionen herausspielte. Beispielsweise Reus‘ Volley nach langem Ball, der von Baumann gerade noch zur Ecke gelenkt wurde (58.) oder Ginters (!) Schuss aus 18 Metern, der knapp über den Kasten ging. Dembélé und Aubameyang erwischten eher schlechte Tage, weswegen es umso wichtiger war, dass der BVB noch über Reus verfügen konnte, der auch nach 73 Minuten fast für die Entscheidung sorgte, eine Dembélé-Flanke aber über den Kasten setzte. Für die vermeintliche Entscheidung sorgte letzten Endes dann aber doch Aubameyang, der zwar wirklich nicht überzeugend spielte, aber dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort stand. Dann nämlich, als Guerreiro eine Piszczek-Flanke nur an den Pfosten setzte, der Ball von dort aber direkt an den Kopf des Gabuners sprang, der nur noch einnicken musste.

Castro gegen UthDass sich das Spiel damit noch nicht gänzlich erledigt hatte, war dann Matthias Ginter zu verdanken, der Hoffenheim zumindest am Leben ließ, weil er Wagner umriss, obwohl dieser vermutlich ohnehin nicht mehr an die Flanke von Kramaric heran gekommen wäre. Ärgerlich, aber am Ende auch gar nicht mehr relevant, weil für Hoffenheim keine weitere Torraumszene mehr heraus sprang. So blieb die Schlussphase spannend und die Partie fand am Ende in der Borussia einen verdienten Sieger, auch wenn die Begleitumstände rund um Felix Brych wohl sicherlich ein wenig glücklich waren.

Nach der Partie

Pünktlich zum Schlusspfiff wurde dann erst einmal gegen die Hoffenheimer sowie Dietmar Hopp und seine Mama gepöbelt, ehe wieder ein paar Klassiker aus dem Schrank geholt und dann gemeinsam mit der Mannschaft angestimmt wurden. So ahnte mal wieder keiner, dass wir den Pokal gewinnen, Borussia Dortmund spielt auch nächste Saison mit Kündigung international, die Tradition schlägt jeden Trend und eins bleibt immer bestehen: Borussia Dortmund wird nie untergehen.

Der BVB hat im Kampf um den dritten Platz nun den klaren Vorteil, auch wenn Thomas Tuchel auf der PK noch einmal betonte, dass immer noch zwei Spiele zu spielen seien und damit noch nichts entschieden sei. Recht hat der Mann. In Augsburg und in zwei Wochen im letzten Heimspiel gegen

Jubel nach Abpfiff vor der Südtribüne

Bremen wird die Borussia wohl noch Punkte brauchen, um wirklich die Garantie zu haben, auch in der kommenden Saison noch einmal Champions League spielen zu können. Dennoch war es ein wichtiger Schritt, den die Borussia-Elf gehen konnte. Drei Spiele haben wir noch und einmal mehr ist es Papa Sokratis, der für klare Verhältnisse sorgt, wenn er zu Protokoll gibt, dass man die beiden Bundesliga-Partien noch gewinnen und dann den Pott nach Dortmund holen müsse. Akzeptiert. Keine Einwände.

Statistik

Borussia Dortmund: Bürki – Piszczek, Ginter, Sokratis, Schmelzer – Castro, Weigl – Guerreiro (90. Bender), Reus (80. Rode), Dembélé (80. Kagawa) – Aubameyang

Hoffenheim: Baumann - Süle, Vogt, Hübner (70. Szalai) – Kaderabek (58. Toljan), Demirbay, Rudy, Zuber – Kramaric – Uth (64. Amiri), Wagner

Tore: 1:0 Reus (03+1.), 2:0 Aubameyang (82.), 2:1 Kramaric (86., Foulelfmeter)

Bes. Vorkommnis: Aubameyang verschießt Handelfmeter (14.)

Gelbe Karten: Reus, Castro, Sokratis, Dembélé – Uth, Demirbay

Schiedsrichter ohne Kontrolle: Dr. Felix Brych

Zuschauer: 81.360 (ausverkauftes Westfalenstadion)

Vanni, 06.05.2017


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