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Unsa Senf - 12.04.2017

​Dortmund hui, UEFA pfui

Drei Bomben detonieren am gestrigen Abend unmittelbar neben dem vorbeifahrenden Mannschaftsbus unserer Borussia und verletzen dabei einen Spieler am Arm und setzten alle Businsassen unter Schock. Das Championsleague-Spiel gegen den AS Monaco wird daraufhin zurecht abgesagt und die UEFA verkündet schon wenige Minuten nach der Absage den Ausweichtermin: Keine 24 Stunden später soll nun angepfiffen werden, an einem Werktag um 18:45 Uhr. Mit dieser Spielansetzung demaskiert sich die UEFA wieder einmal selbst und zeigt, dass für sie nur zwei Werte zählen: der schnöde Mammon und die korrekte Vermarktung ihres Produkts. Scheiß auf die Psyche der Spieler, scheiß auf die Fans, scheiß auf die Herausforderungen für den gastgebenden Verein, mal eben einen zweiten Spieltag zu organisieren.

Ganz anders und gar nicht selbstbezogen präsentierten sich der BVB, seine Fans und die Stadt Dortmund. Unmittelbar nach der Absage formierte sich unter dem Hashtag „bedforawayfans“ eine große Welle der Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und Nächstenliebe. Alles Werte, die für mich für den Fußball stehen. Werte, die für mich den Fußball ausmachen und die mir größten Respekt abverlangen und mich dankbar zurücklassen.

Doch diese Werte und wir Fans sind der UEFA egal, für sie ist ihr Saubermann-Image und ihr Produkt wichtig. Das Image verteidigt man mit fadenscheinigen und flachen Antirassismus-Kampagnen; das Produkt mit allen Mitteln, die die Exklusivität eines Championsleague-Spiel gewährleisten.

Nun soll also heute das Spiel stattfinden. Um 18:45. Ziemlich genau 24 Stunden nach der Detonation. Das ist grober Unfug.

Ein Fußballspiel in einem Championsleague-Viertelfinale entscheidet sich in nicht unerheblichem Maße in den Köpfen der Spieler. Wie sollen sich unsere Spieler so kurz nach einem derartigen Erlebnis auf ein derartig wichtiges Spiel fokussieren können?

Und auch für die Fans ist die neue Anstoßzeit und Ansetzung eine Zumutung. Sie werden für die Vorkommnisse von der UEFA noch bestraft, müssen Urlaub nehmen, Reisen umplanen, können das Spiel vielleicht nicht sehen. Dazu kommt, dass es selbst für die Fans aus Dortmund und Umgebung durch die frühe Ansetzung in vielen Fällen nur schwerlich möglich sein dürfte, das Spiel zu sehen oder pünktlich zum Anpfiff im Westfalenstadion zu sein.

Warum also wehrt sich der BVB nicht gegen diese Geißelung durch die UEFA? Um das zu verstehen reicht ein Blick in die UEFA-Regularien oder nennen wir es besser den Knebel-Vertrag. Dieser besagt, dass eine Weigerung das Spiel zu bestreiten, den Ausschluß aus dem Wettbewerb zur Folge hätte und 1 Million Euro Geldstrafe mit sich bringen würde. Darüber hinaus verlöre der BVB jeglichen Anspruch auf Prämien und Zahlungen aus dem Marketingpool für die bisher ausgetragenen Spiele. Man muss sich also entgegen dem gesunden Menschenverstand dieser Marktmacht des Verbandes beugen oder man muss mit erheblichen finanziellen Einbußen rechnen. Wohlgemerkt nicht für ein selbst verschuldetes Vergehen, sondern als Opfer eines Bombenangriffs.

Nun kann man anführen, dass der BVB ebenso wie der AS Monaco nun im Falle eines Halbfinals fünf Englische Wochen vor der Brust hat und somit schlichtweg kein anderer Ausweichtermin vorhanden ist. Lediglich eine Verschiebung der Pokalhalbfinals in Frankreich und Deutschland hätte Abhilfe schaffen können, wäre in meinen Augen aber ein probates Mittel und nicht gänzlich unmöglich gewesen. Grundsätzlich sollte man sich aber in den oberen Etagen der DFL, des DFB und der UEFA einmal die Frage stellen, ob man den Spielplan nicht längst überreizt hat. Diese Form der Mehrfachbelastung führt zu hoher mentaler und körperlicher Belastung, deren Folge eine höhere Verletzungsanfälligkeit und auf Zuschauerseite auch eine Überreizung darstellt. Auch in dieser Frage sind die Vereine geknebelt durch die Verträge mit DFL und UEFA, ergänzt durch die unsäglichen Länderspiel-Pausen, die teils mit weiten Reisen für die Nationalspieler verbunden sind. Es ist an den Vereinen, sich hier gegen das immer weiter voranschreitende Expansionsstreben der Verbände aufzulehnen. Aber das ist ein anderes Thema.

Wer also erfahren möchte, welch positive Kraft der Fußball abseits des Platzes hat, aber auch wie kaputt das Geschäft um das runde Leder ist, der muss dieser Tage nur nach Dortmund blicken.

12. April 2017, Export17


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