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Im Fokus - 03.04.2017

Erste Erfahrungen mit dem BVB Ticket-Zweitmarkt

Pünktlich zum Start des neuen Ticketzeitmarktes Anfang März kündigte mein Sitznachbar an, nicht gegen Ingolstadt dabei sein zu können. Prinzipiell natürlich eher nicht schön, da Fußball am besten zusammen mit Freunden geguckt wird, in diesem speziellen Fall jedoch auch ziemlich praktisch. Die Möglichkeit zum Selbstversuch mit der neuen Plattform war gegeben.

Dabei stellt sich die erste Schwierigkeit gleich zu Beginn: der Zugang zum Zweitmarkt für Verkäufer ist noch zu versteckt. Zwar findet man im Menü des Ticketbereichs den Punkt „Zweitmarkt“, die Angabe „Der Karteninhaber (Erstkäufer) meldet sich hierzu im BVB TicketShop im Bereich „Anmelden“ mit seinen persönlichen Zugangsdaten an.“ ist jedoch mitten im Text unter den FAQ versteckt. Wer direkt die Eingangsseite des Onlineshops ansteuert, findet keinerlei Hinweise auf den Zweitmarkt. Wünschenswert wäre es, wenn Borussia dem Button „Mein Konto“ noch den Hinweis spendieren würde, dass sich dort ebenfalls der Verkaufsbereich von Tages- oder Dauerkarten befindet.


Der Zweitmarkt für Tickets versteckt sich im Ticketshop unter 'Mein Konto'

Hat man den persönlichen Bereich betreten, steht der Link zum Zweitmarkt erfreulicherweise prominent direkt in der Mitte. Die weitere Bedienung ist dann kinderleicht. Ist man im Besitz mehrerer Dauerkarten, kann jede Karte einzeln mittels eines Mausklicks zum Verkauf angeboten werden. Zumindest wenn es sich nicht um Karten der Südblöcke 12 und 13 handelt. Karten für diese Bereiche sind vom Weiterverkauf ausgeschlossen. Entscheidet man sich dafür, öffnet sich ein weiteres Dialogfenster, in dem man angeben kann, ob ein Teil des Betrages der „Leuchte auf“- Stiftung gespendet werden möchte. Eine niederschwellige Möglichkeit, etwas Gutes zu tun. Erst nach Angabe der Bankverbindung und Bestätigung, dass man sich mit den AGB und Datenschutzbestimmungen einverstanden erklärt, schaltet man mit einem weiteren Mausklick das Angebot tatsächlich scharf.

Findet das Ticket einen Käufer, so dass die eigene Karte gesperrt wird, soll man eigentlich per E-Mail informiert werden. In meinem Fall ist diese Mail jedoch nie eingetroffen, so dass die Überraschung am Spieltag groß war, dass der Platz neben mir nicht leer blieb. Der Käufer war auf jeden Fall vom offiziellen Zweitmarkt stark begeistert, weil es für ihn als gelegentlichen Stadiongänger eine unkomplizierte und zusätzliche Möglichkeit zum Ticketkauf darstellt.

Kritisieren kann man noch die relativ lange Zeit, bis das Geld beim Verkäufer gutgeschrieben ist. Zwar kommuniziert der BVB offen und gut sichtbar in der Anleitung zur Benutzung des Zweitmarktes, dass bis zu 14 Tagen zum Geldeingang verstreichen können, eine derartige Dauer für einen Geldtransfer erscheint jedoch absolut nicht mehr zeitgemäß.

Unter dem Strich ist die Plattform zum Ticketzweitmarkt eine sehr wichtige Alternative für all diejenigen, die nicht so vernetzt sind, dass sie ihre Karten auch unkompliziert im Freundes- und Bekanntenkreis loswerden, wenn sie die Tickets nicht selber nutzen können. Sehr gut an der Umsetzung ist, dass man seine Dauerkarte nicht physisch überreichen muss. Sie stellt einen großen monetären und ideellen Wert dar, der Ersatz bei Verlust ist zeitaufwändig. Hier wird dem Ticketinhaber eine Hemmschwelle genommen, den Platz einer fremden Person zu überlassen.

Wenn man den Zugang zum Zweitmarkt erst gefunden hat, ist die weitere Bedienung wirkliche spielend einfach. Es nimmt nicht einmal eine Minute Zeit in Anspruch, seine Karte zum Verkauf zu veröffentlichen. Wenn man Auffindbarkeit und Mailversand verbessert hat, ein richtig rundes Dingen. Und solche „Kinderkrankheiten“ zum Start sind wohl auch absolut normal.

Wir haben hier die wichtigsten Infos zum Ticketzweitmarkt zusammengestellt:

1. Was ist ein offizieller Ticket-Zweitmarkt?

Ein offizieller Ticket-Zweitmarkt ist eine Plattform, auf der Fans untereinander nicht benötigte Tages- und/oder Dauerkarten kaufen und verkaufen können. Diese Plattform wird vom Verein betrieben und garantiert sowohl Käufer als auch Verkäufer einen sicheren Transfer von Geld und Eintrittskarte. Die Preise richten sich dabei nach den nominellen Preisen und sollen für alle Parteien fair gestaltet sein. Der Verkäufer erhält (zumindest zum Großteil) den von ihm gezahlten Ticketpreis für ein Einzelspiel zurück, der Verein erhebt in der Regel eine geringe Bearbeitungsgebühr und der Käufer kann das Ticket für einen Preis nahe des normalen Tageskartenpreises erwerben. Dieses Modell wendet sich direkt gegen private und kommerzielle Ticketverkäufe zu teilweise deutlich überhöhten Preisen.

2. Darf man seine Karten nicht bereits jetzt weiterverkaufen?

Die Vereine haben ein Interesse daran, den unkontrollierten Ticketabsatz zu unterbinden. So soll zum Beispiel eine Weitergabe an Personen mit bundesweitem Stadionverbot erschwert werden. Und natürlich haben die Clubs wenig Interesse daran, dass Drittpersonen mit „Schwarzmarktpreisen“ an ihren Eintrittskarten enorm mitverdienen. Aus diesem Grund ist der Weiterverkauf häufig über die AGB zumindest teilweise ausgeschlossen. Der BVB hat diesen Sachverhalt unter Punkt 6 seiner Allgemeinen Ticket-Geschäftsbedingungen (ATGB)
geregelt.

Dabei wird dem Ticketinhaber durchaus die Möglichkeit eingeräumt, z. B. im Krankheitsfall sein Ticket privat weiter zu geben. Ein eventueller Preisaufschlag wird allerdings auf maximal 15 % begrenzt. So ist untersagt,

„das Ticket im Falle der privaten Weitergabe zu einem höheren als dem bezahlten Preis weiterzugeben; ein Preisaufschlag von bis zu 15% zum Ausgleich entstandener Transaktionskosten ist indes zulässig.“

Darüber hinaus besteht bei Dauerkarteninhabern ein ganz praktischer Grund, unbenötigte Tickets nicht weiter zu geben: Außerhalb des Familien- und Freundeskreises gibt man seine Dauerkarte physisch nur sehr ungern aus der Hand. Sie stellt einen Wert dar und der Ersatz bei Verlust ist zeitaufwendig und mit Kosten verbunden.

3. Welche Gültigkeit haben die AGB der Vereine?

Warum ist eine derartige Plattform überhaupt notwendig, wenn der Weiterverkauf von Tickets zu überhöhten Preisen von den Vereinen über die AGB ausgeschlossen wird ? Weil Papier geduldig ist und zumindest im privaten Bereich die Vorgaben der AGB nicht rechtsverbindlich sind. Für nichtpersonalisierte Tickets hat der Bundesgerichtshof in einem Urteil am 11.09.2008 festgestellt, dass der HSV Wiederverkäufern nicht den Tickethandel untersagen kann, wenn sie die Karten ihrerseits von Privatpersonen und nicht über die offiziellen Vertriebswege beziehen. Damit wird implizit auch der Ticketverkauf von Privatpersonen legitimiert. Der BGH erwähnt dabei konkret, dass Sicherheitsbedenken und Sorge um ein faires Preisgefüge keinen Einfluss auf das Urteil haben.

Die immer wieder als Schlagwort genutzten „Schwarzmarktpreise“ haben in dieser Hinsicht rechtlich keinerlei Relevanz.

4. Was ist so schlimm an Viagogo und Seatwave?

Die Bundesliga ist ein Boomprodukt, die Ticketkontingente für viele Spiele sind sehr knapp. Plattformen wie Viagogo und Seatwave fördern den gezielten Aufkauf von Tickets in größeren Mengen mit dem einzigen Ziel, diese Karten mit teilweise enormen Aufschlägen weiterzuverkaufen.


Bei Viagogo werden Karten für die Süd gegen den 1. FC Köln für 100 EUR angeboten

Wegen dieser Form der persönlichen Bereicherung auf dem Rücken der Fans gab es in der Vergangenheit in den Kurven massiven Protest gegen diese Plattformen.

Im Jahr 2013 kündigte der FC Schalke 04 nach massiven Mitgliederprotesten auf der Jahreshauptversammlung die offizielle Zusammenarbeit mit Viagogo als Wiederverkäufer.

Auch in Dortmund gibt es Erfahrungsberichte über die nicht gerade seriös wirkenden Geschäftspraktiken dieser Ticketplattformen. In der Vergangenheit häuften sich beispielsweise die Schilderungen über angemietete Hotelräume im Stadionumfeld, in denen Tickets im größeren Rahmen an die Käufer übergeben wurden.

5. Ist die Einrichtung eines offiziellen Ticket-Zweitmarkts freiwillig?

Nicht so ganz. Bereits Anfang des Jahres 2014 kündigte der damalige Geschäftsführer der DFL, Andreas Rettig, eine Einführung ligaweiter Zweitmarktplattformen an. In der Folge unterwarfen sich alle 36 Profivereine einem entsprechenden Kodex, den sogenannten „Fair Play Regeln“, die explizit diese Thematik behandeln:

Darüber hinaus vergab die DFL an die Karlsruher Firma Objektkultur Software GmbH den Auftrag zur Konzeption, Implementierung und Betrieb einer entsprechenden Plattform, die von allen Profivereinen genutzt werden kann, wenn sie keine anderen Lösungen umsetzen können oder wollen. Die Umsetzung war mit Beginn der Spielzeit 2015/2016 geplant.

6. Was machen die anderen Vereine?

Bis jetzt war Borussia Dortmund einer von nur noch sechs Vereinen der ersten Liga, die noch keinen derartigen Zweitmarkt anbieten. Ansonsten bieten alle Vereine bis auf Darmstadt 98, Leipzig und die TSG Hoffenheim ihren Fans einen derartigen Service an.

Dabei erfolgt die Umsetzung dieses Zweitmarktes individuell. Neben der vom Verband entwickelten Plattform arbeiten Vereine wie z. B. der 1. FC Köln mit fanSALE als Betriebsplattform. Angeboten wird sie von der CTS Eventim AG & Co. KgaA, einem der großen Anbieter im Bereich Ticketverkauf. So arbeitet Borussia Dortmund beispielsweise im Bereich des Onlineshops für Tagestickets mit Eventim zusammen.

Andere Vereine wiederum haben eine Lösung in Eigenregie entwickelt. Dass sich die Kosten dafür im Rahmen bewegen, zeigt zum Beispiel der Umstand, dass ein kleiner Verein wie der FC Ingolstadt bereits seit einiger Zeit ein derartiges System anbietet.


03. April 2017, Sascha und Fritze


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