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Warmlaufen - 03.04.2017

​Erinnerungen an einen längst vergangenen Flirt. Was fand ich nur an dem?

Albin Ekdal gegen Christian Pulisic im HinspielIch glaube, die meisten Fußballfans haben neben dem eigenen Verein, noch einen weiteren Verein, für den das Fußballherz schlägt. Natürlich nicht im gleichen Ausmaß, von „echter Liebe“ kann nicht die Rede sein. Es ist eher ein seichter Flirt, eine Schwärmerei. Wenn der eigene Verein am Wochenende scheiße gespielt hat, kann man sich im Zweifelsfall noch am Zweit-Verein erfreuen.
Ich habe lange Zeit mit dem HSV geflirtet. Mein Vater hat in seiner Kindheit viel Zeit in Hamburg verbracht. Schon alleine deshalb war die Hansestadt immer Thema bei uns. Ginge es nach mir jeden Wochenendtrip am liebsten in Hamburg verbringen. Die Stadt, die Menschen, das Flair – das ist irgendwie mein Ding. Und weil mir das „Drumherum“ von jeher so gut gefiel, habe ich auch immer wieder zum HSV geschielt und die Spiele intensiver verfolgt, als von anderen Bundesligisten abseits des BVB.
Aber wie das nun mal so ist im Leben, aus dem einen Flirt wird Liebe und aus dem anderen eben nicht. Aus einem anfänglichen Flirt kann sogar Abneigung werden. Und so ist es mir mit dem HSV ergangen. Gründe dafür gibt es genug. So wusste man eine Zeit lang ja gar nicht, in welches Stadion man nun auswärts fährt. AOL-Arena? HSH-Nordbank-Arena? Oder doch Imtech-Arena? Seit 2015 fährt man als Auswärtsfan wieder in den Volkspark. Ein Grund zur Freude? Wie man es nimmt. Zu verdanken hat der HSV das schließlich nur Milliardär Klaus-Michael Kühne, der für schlappe 16 Millionen Euro die Namensrechte an der Arena gekauft hat und die nach seinem Willen nun bis mindestens 2019 wieder Volkspark heißt. Seit 2010 buttert der Logistik-Milliardär immer wieder ordentlich Kohle in den Verein. Seinen Anfang nahm das Geschäft mit der Spielerinvestment-Vereinbarung zwischen dem HSV und Kühne. Kühne spendierte 12,5 Millionen Euro für neue Spieler, erhielt dafür im Gegenzug Beteiligungen der Transferrechte von sechs Spielern. 2012 ermöglichte er dem HSV mit einer Finanzspritze von 8,5 Millionen Euro den Transfer von Rafael van der Vaart – Kühnes erklärtem Lieblingsspieler.
Sokratis wird im Rückspiel leider fehlenZu diesem Zeitpunkt erreichten meine Sympathien für den HSV Minuswerte. Das lag zum einem daran, dass der HSV bei wirklich jeder Gelegenheit für Cash mit Kühne ins Bett stieg und zum anderen an van der Vaart, der für mich seit jeher eine Unsympath sondergleichen war und immer noch ist. Gebracht hat der Niederländer dem HSV nichts. Ebenso wie viele andere Spieler, die Kühne unbedingt haben wollte. Man könnte auf die Idee kommen, dass ein Unternehmer dann vielleicht doch nicht so viel Ahnung vom Geschäft Fußball hat. Aber egal, der HSV nimmt dennoch jede Finanzspritze gerne an. Um die 70 Millionen Euro hat der „Gönner“ bislang in den Verein investiert und ihm gehören elf Prozent an der "ausgelagerten" HSV Fußball AG im Gegenwert von rund 28 Millionen Euro. Und weil im Leben ja bekanntlich nichts umsonst ist, nimmt sich Kühne im Gegenzug das Recht heraus, über Transfers mitzuentscheiden, Spieler, Trainer (die der HSV in schöner Regelmäßigkeit austauscht) und Führungskräfte öffentlich und medienwirksam zu kritisieren. Eine Ende dieser Abhängigkeits-Beziehung ist nicht in Sicht. Ein herrliche Situation, in die sich der Dino da hinein manövriert hat.

Dass die Kühne-Millionen dem Verein bisher nichts gebracht haben, muss ich wohl nicht extra erwähnen: 2012 Platz 15, 2013 ein Zwischenhoch auf Platz sieben, 2014 die Rettung in der Relegation und 2015 erneut nur die Relegation. Letzte Saison dann Platz 10. Traditionsverein hin oder her: Nicht nur einmal habe ich dem HSV den Abstieg gewünscht, damit dieses unsägliche Gebilde endlich mal in sich zusammenbricht. Aber auch diese Saison Aubameyang war im Hinspiel der Mann des Tageswird es wohl nur ein frommer Wunsch bleiben. Wenn ich Hamburg morgen bei uns im Stadion sehe, werde ich mir wieder kurz die Frage stellen, die ein flüchtiger Flirt oft nach sich zieht: Was fand ich nur mal an dem?

So könnten sie spielen

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Ginter, Bartra - Pulisic, Weigl, Castro, Guerreiro - Kagawa, Dembélé - Aubameyang

HSV: Adler - Diekmeier, Papadopoulos, Mavraj, Ostrzolek - Sakai, Ekdal - Gregoritsch, Holtby, Kostic - Wood

Schiedsrichter: Schmidt (Stuttgart)

Leonie, 03. April 2017


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