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Spielbericht Profis - 02.04.2017

Skandal(e) im Derby! Kein Aprilscherz!

Blasser Auftritt des Gästeblock

Skandal über Skandal im Revierderby. Erst ein skandalöser Torjubel des BVB-Stürmers, dann ein nicht gegebener Handelfmeter für die Gastgeber in der Nachspielzeit und zum Schluss zeigt das Maskottchen dem Schiedsrichter die rote Karte. Damit noch nicht genug: Am Ende steht es im Derby 1:1 unentschieden. Skandalös!

Die beste Nachricht des Tages: Es war ein friedliches Derby, passend zum Spielergebnis. Etliche Interviews der Verantwortlichen beider Vereine trugen sicherlich dazu bei, dass im Vorfeld keine angeheizte Stimmung aufkam. Dass einige nach dem Derby sich über mangelnde Derbystimmung beklagten, lag sicherlich auch daran, dass die Ultras des BVB immer noch mit einem Stadionverbot für die Arena belegt sind. Nur selten vermochten es die knapp 5.500 BVB-Fans, auf sich aufmerksam zu machen. Die drei kleinen Fähnchen wirkten etwas verloren in einem ansonsten gelb strahlenden Gästeblock. Auf der Gegenseite bekleckerte sich die Heimkurve auch nicht gerade mit viel Ruhm. Eigentlich waren es nur die Fehlentscheidungen des Schiedsrichtergespanns, welche die Halle zum „kochen“ brachten. Ansonsten wirkt das Theater: „Wir sind ein Malocher Verein und dem Bergbau immer noch sehr verbunden“ genauso kommerzialisiert wie auf der Gegenseite das Geschwafel von „echter Liebe“. Immerhin

Felix Passlack stand neu in der Startelf

behält man peinliche Traditionen wie die der „Fanbox“ zur Halbzeitpause, in der ein jeder Fan sein Liedchen zwitschern darf, bei - egal wie peinlich es auch ist. Vermutlich meint man genau das, wenn man sich auf die Fan-Nähe bei unseren Reviernachbarn bezieht.

"Derby ist, wenn man nicht nur siegen, sondern auch den Gegner verlieren sehen möchte" (Hallensprecher der Arena)

Während die Fans vor dem Spiel ihr übliches Hass erfülltes Liedgut abspulten, um wenigstens etwas Derbyatmosphäre zu erzeugen, zuckte so manch ein Zuschauer bei dem Verlesen der Mannschaftsaufstellungen zusammen. Bei den Borussen rutschte der „Ex-Gelsenkirchen-Fan“ Felix Passlack statt Christian Pulisic in die Startelf. Durm, Götze, Reus, Rode und Schürrle fehlten verletzungsbedingt. Auf Seiten der Gastgeber fehlte der Leistungsträger Kolasinac, für den Coke sein Debüt nach einer langen Verletzung geben durfte. Dieser sollte gleich mächtig gefordert werden, schließlich war sein Gegenspieler Ousmane Dembélé. Gleich schon in der 3. Minute, nach einem Solo von Dembélé, gab es die erste gute Gelegenheit für den BVB. Doch auch die Gastgeber trugen zum lebhaften Start bei. Burgstaller konnte im Gegenzug in letzter Sekunde geblockt werden. So verheißungsvoll die ersten Minuten auch waren, umso schneller neutralisierte sich das Spiel beider Mannschaften. Hitzig ging es weder auf den Rängen noch auf dem Rasen zu. Dortmund wirkt

Shinji Kagawa gegen Nabil Bentaleb

zwar im Spiel selbst wacher und einen Tacken aggressiver, dennoch hatte der BVB kaum Durchschlagskraft nach vorne. Selten gelang es dem BVB, das Spieltempo anzuziehen. Auf der Gegenseite profitierte man stets von einfachen Ballverlusten des BVB im Mittelfeld. Dembélé schwankte dabei stets zwischen Genie und Wahnsinn - meist allerdings letzteres.

Auch nach Wiederanpfiff änderte sich zunächst wenig. Erst ein perfekt vorgetragener Konter des BVB nach einer Großchance durch Burgstaller in der 53.Minute brach den Bann. Das Duo Dembélé und Kagawa leitete die Führung durch Aubameyang ein. Doch dann überschlugen sich förmlich die Ereignisse. Ein Co-Trainer des BVB rannte -nein sprintete - wie Aubaymeyang zu Aubameyang um diesem eine Maske für seinen Torjubel zu überreichen. Sämtliche Journalisten begannen, nach der passenden Comicfigur zu der Maske zu recherchieren, und verpassten vermutlich die alles entscheidene Szene des Spiels: nämlich nur eine Minute später hatte Aubameyang die große Chance auf seinen zweiten Treffer. Doch statt das Tor selbst zu erzielen legte er den Ball äußerst schlampig auf Dembélé quer, so dass ein Blauer klären konnte. Eigentlich die richtige Entscheidung, denn für einen weiteren Masken-Jubel hätte es die gelb-rote Karte gegeben. Kurz darauf traf Dembélé in der (74. Minute) nur den Pfosten. Hätte, hätte… alles nur Konjunktiv. Inzwischen hatten auch die Journalisten herausgefunden, um was für eine Maske es sich bei Aubameyang handelt: „The Masked

Torjubel zum 1-0 durch Pierre-Emerick Aubameyang

Finisher“ (maskierter Torjäger) - eine Figur aus dem Werbespott eines Sportartikelherstellers, der schon lange nicht mehr Sponsor des BVB ist. Vermutlich würde die Kritik an Aubameyang nur halb so scharf ausfallen, wenn der BVB das Derby gewonnen hätte, so aber bleibt ein fader Beigeschmack.

"Schöner wäre es, er hätte zwei Tore geschossen" (Zorc)

Denn gerade als der BVB sich anschickte, die Führung auszubauen, traf Kehrer mit einem Flachschuss zum 1:1. Zu einem Zeitpunkt als Marcel Schmelzer verletzt vom Platz gekrochen ist und Dortmund in Unterzahl agierte. Kreisligahaft, dass man es nicht schaffte, schnellst möglich einen Ersatzspieler auf den Platz zu schicken. Noch trauriger, dass ein am Boden liegender Spieler mit Gegenständen aus der Nordkurve beworfen wurde. Vielleicht sollte man doch mal über Fangnetze vor der Nordkurve nachdenken. Von diesem Zeitpunkt an wirkte der BVB vollkommen diffus und gab das Heft schließlich ganz an die Gastgeber ab. In der Nachspielzeit übte sich Bartra im eigenen Strafraum im Handspiel, doch Schiedsrichter Felix Zwayer gab den Elfmeter nicht. Glück gehabt! Trainer Weinzierl durfte die letzten Sekunden des Spiels auf der Tribüne zubringen, nachdem er sich äußerst unsportlich über die Szene beschwert hatte.

Zufriedene Gesichter sehen anders aus

Doch der größte Skandal ereignete sich direkt nach dem Abpfiff: das Maskottchen der Blauen betrat das Spielfeld, sammelte die Rote Karte auf, die Zwayer zuvor verloren hatte, und zeigte sie dem Unparteiischen. Endlich mal einen Grund, ein gerechtfertigtes Hallenverbot auszusprechen.

So haben sie gespielt

Schalke: Fährmann - Kehrer, Höwedes, Nastasic, Coke (70. Schöpf) - Goretzka, Stambouli (70. Meyer) - Caligiuri, Bentaleb, Choupo-Moting - Burgstaller (85. Huntelaar)

Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Bartra - Castro, Weigl - Passlack (74. Guerreiro), Schmelzer (79. Mor) - Dembélé, Kagawa (87. Pulisic) – Aubameyang

Zuschauer: 62.300 (ausverkauft)

Stimmen zum Spiel:

Bürki: "Unsere Leistung war vollkommen okay. Wir haben gekämpft, haben in den Zweikämpfen richtig dagegen gehalten, vom Einsatz und Willen her war das alles gut. Allerdings wäre das auch echt komisch, wenn einer von uns im Derby nicht dazu bereit gewesen wäre, alles reinzuhauen.“

Tuchel: „Wir haben das Spiel lange mit viel Ballbesitz kontrolliert. Schalke hat sehr kompakt verteidigt, aber schon in der ersten Hälfte sind wir zu Thomas Tuchel war mit der Torausbeute nicht zufriedenguten Torchancen gekommen. Nach der Pause konnten wir dann eine Schippe drauflegen und sind auch verdient in Führung gegangen. Dann haben wir einige Chancen liegen gelassen, kassieren den Ausgleich. Am Ende wurde es ein emotionales und intensives Spiel, in dem wir natürlich ein Glück haben, dass der Schiedsrichter das Handspiel nicht pfeift.“

Watzke: "Wenn du siehst, wie die Schalker von ihren Fans für ein Unentschieden gegen den BVB zu Hause frenetisch gefeiert werden. Das war für mich dann schon wieder eine leichte Entschädigung."

Zahlen und Daten

(jeweils aus BVB-Sicht)

Ecken: 3:9

Abseits: 2:6

Gelbe-Karten: 1:2

gewonnene Zweikämpfe: 95:85

Laufdistanz: 112,71 km : 111,57 km

Christoph, 02.03+1.2017


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