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Warmlaufen - 31.03.2017

Das Derbyinterview mit...

Kennen sich schon lange: Lukasz und seine HalsschlagaderKurz vor dem Spiel in Gelsenkirchen haben wir die Möglichkeit bekommen, mit einem der auffälligsten Akteure des Derbys im April 2012 zu sprechen.

SG.de: Hallo, Halsschlagader von Lukasz Piszczek. Danke, dass du dir kurz vor dem Derby spontan Zeit für uns nehmen konntest.

Halsschlagader: Kein Thema, jetzt ist noch alles sehr entspannt. Samstagvormittag, wenn der Puls steigt und der Blutdruck Richtung 200 zu 160 geht, dann wäre so ein Termin schon problematischer.

SG.de: Verletzungen sind natürlich immer ein Thema beim BVB. Deshalb zum Einstieg an dich die Frage: Dir und Lukasz geht’s gut?

Halsschlagader: Das ist eine interessante Frage. Allgemein haben wir die Länderspielpause gut überstanden und fühlen uns gut. Klar, wir gehen halt beide schon auf die 32 zu und an manchen Tagen fühlt man sich etwas älter als an anderen, aber generell ist alles im grünen Bereich.

Trotzdem muss ich beim Interview etwas aufs Gaspedal drücken. Lukasz hat dem Interview zwar zugestimmt und aktuell behilft er sich da mit einem Benzinschlauch, aber er mag es einfach nicht, wenn ich zu lange weg bin. Er sagt, dass ihm dann immer schnell schummerig wird. Wir sollten uns also etwas beeilen.

SG.de: Das verstehen wir natürlich vollkommen. Diese Saison läufts bei Euch mal wieder so richtig und wir konnten dich bereits schon fünf Mal in Aktion sehen. Beschreib unseren Lesern doch einfach mal, wie das so für dich ist, wenn ihr beiden ein Tor schießt.

Halsschlagader: Das ist schon ein geiler Moment, wenn man sieht, dass der Ball im Netz zappelt. Wobei, eigentlich sehe ich das ja nicht direkt. Beim Fußball gibt es sehr komplexe Abläufe, so dass wir die verschiedenen Funktionen unter uns aufgeteilt haben. Beim Tor meldet das Auge ans Hirn, dass die Murmel hinter der Linie ist. Ich spüre da zwar schon ein Vibrieren der Haut, aber Genaues weiß ich noch nicht. Mir hat mal ein Ohr erzählt, dass in diesem Moment alle Leute klatschen und jubeln. Muss schon geil sein, so was mitzubekommen. Der Rest des Körpers und ich kriegen das aber erst Millisekunden später mit, weil das Hirn laut „JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA“ durch den ganzen Körper brüllt.

Und dann gibt’s kein Halten mehr bei uns im Laden. Die Endorphinkorken knallen ordentlich und von den Zehen bis zu den Ohren ist überall Rambazamba. Ich selbst muss dann immer sofort nach draußen und gucken, was los ist. Klappt natürlich nicht so ganz wegen dieser Haut, aber ein paar Zentimeter sind immer drin.

SG.de (schmunzelnd): Haben wir gesehen.

Halsschlagader: Jau, mir haben zum Beispiel Milz und Nieren auch schon mal gesagt, dass ich es etwas ruhiger angehen lassen soll. Nicht, dass ich noch platze. Aber was soll ich sagen? Ich bin halt eher so der impulsive Typ. Man muss auch sehen, dass ich da unter einem enormen Druck stehe. Das ist halt Profifußball. Die Füße ständig in Bewegung, die Muskeln immer abwechselnd am An- und Entspannen. Das Hirn mischt auch ordentlich mit und will alle naselang was anderes. Mal geht’s linksrum, dann rechtsrum, anstoppen, schießen. Da steppt immer in einem anderen Körperbereich gerade der Bär. Wir Adern müssen alle über 90 Minuten richtig malochen. Wir haben mal versucht, uns so ein Fußballspiel in Ruhe anzugucken und es ganz locker angehen zu lassen. Meine Fresse, das gab hier intern aber einen richtigen Anschiss. Krämpfe, Atemnot – das ganze Programm. Möchte ich nicht noch mal erleben. Seitdem sind wir immer bei Anpfiff bis in die Haarspitzen motiviert. Also so rein bildlich gesprochen. Eigentlich haben die Haarspitzen ja nur bei Kopfbällen was zu tun.

SG.de: Wenn das bei einem normalen Ligaspiel schon so hektisch ist, dann muss das beim Derby ja noch mal eine Nummer härter sein. Erzähl doch mal, wie war das im April 2012?

Halsschlagader: Wenn ich ehrlich bin, erinnere ich mich gar nicht mehr an Details. Ging einfach alles drunter und drüber hier. Ich weiß noch, dass da irgendjemand im Motorcortex wie verrückt „Reinwemmsen, reinwemmsen“ gebrüllt hat und als nächstes war ich wieder draußen und habe mit den anderen Jungs auf dem Platz amtlich gefeiert. Ich hab dann später vom Auge gehört, dass wir einen Eckball ins Tor gepöhlt haben. Aber das kriegste so ja nicht mit. Hatte ich vorhin schon erzählt, wie das abläuft. War echt geil. Beim Derby ist der Puls eben noch mal fünf Umdrehungen höher als normal und das muss in dem Moment dann einfach raus.

Lustig war auch, als ich kurz nach dem 2:1 von Kehli im Luftkampf Kontakt mit der Halsschlagader von Farfan hatte. Im Laufe der Zeit kennt man sich ja untereinander. Ich so: „Willste nächsten Samstag mal vorbei kommen und gucken, wie so eine Meisterfeier geht?“. Sie meinte dann einfach nur: „Ach, halt die Fresse“. Zum Schießen, die Blauen. Damit kriegst du sie immer.

SG.de: Und wie stehen die Chancen, dass wir dich Samstag wieder sehen?

Halsschlagader: Also, ich kann natürlich nichts versprechen, aber Lukasz und ich, wir geben unser Bestes. Tun wir immer. Ich will auf jeden Fall noch mal so was erleben.

Du, ich muss jetzt auch echt los. Ich seh gerade, dass das Augenlid schon leicht flattert. Lange reicht der Benzinschlauch nicht mehr. Und bevor noch was passiert….

SG.de: Alles klar. Dann alles Gute und viel Erfolg für Samstag. Und grüß' Lukasz von uns.

Sascha, 31.03.2017


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