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Spielbericht Profis - 12.03.2017

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...

Durchwachsender Auftritt des Gästebereichs

Als der Wecker uns gestern Morgen um 2:30 Uhr sanft aus den Federn kräht, verfluche ich meine Freizeitbeschäftigung für einen kurzen Augenblick. Dann stelle ich fest, dass ich krank zuhause bleiben muss und das Spiel lediglich vor dem Fernseher miterleben kann. Der Benutzer der linken Betthälfte macht sich also auf den Weg nach Berlin, ich schreibe für euch den Spielbericht. Ich hasse es selten, ausschlafen zu können. Heute schon. Sehr sogar.

Um 15:15 schalte ich mein Unterhaltungsmedium an und warte gespannt auf den Anpfiff. Wie immer ist der Gästeblock heimspielverdächtig mit etwa 10.000 Mann gut gefüllt und startet mit einer Hüpfeinlage in den frühlingshaften Nachmittag. Die Berliner kontern mit dem fast schon traditionellen Einschunkeln, auf das eine ebenso beeindruckende Hüpfeinlage folgt. Ich fühle mich, als wäre ich mitten drin. Mein Zeh wippt rhythmisch auf und ab und ich stimme in die Gesänge des Gästeanhangs mit ein. Ein schriller Pfiff reißt mich aus meiner Trance. Anpfiff. Und kaum dass ich nach meinem Stift greife, startet der erste

Schalparade in der Ostkurve

Dortmunder Angriff. Unleserlich kritzle ich das Geschehen der nächsten Minuten auf meinen Notizblock: Minute zwei Schürrle, Minute fünf Ginter nach Ecke, Schürrle Direktschuss in der 09. Minute. So viel Abwechslung, so viele Chancen. Ganz nach meinem Geschmack. Mein zufriedenes Grinsen weicht jedoch augenblicklich einem Aufschrei ála "Samma, bist du bescheuert?" Nach einem Fehler von Ginter startet Ibišević durch, Kalou steht komplett frei und versenkt den Ball im Dortmunder Kasten. Hervorragende Abwehrarbeit seitens schwarzgelb, ich bin begeistert. In den nächsten Minuten brennt sich vor allem ein Name in mein Gehirn: Kalou. Kalou hier, Kalou da, Kalou überall und nirgends. Ernstzunehmende Angriffe auf Dortmunder Seite vermisse ich zusehends und wenn es sie doch gibt, dann scheitern sie daran, dass das Tor der Berliner nicht hoch genug ist. Vielleicht schreckt auch das gewöhnungsbedürftige, rosafarbene Trikot des Torwarts ab. "Die Farben blau-weiß, die Trikots gestreift..." - so und nicht anders!

Leichtes Spiel für Salomon Kalou

Albträume bekomme ich heute Nacht auch von Ecken. Ob es die eigenen oder Ecken für die Hertha sind, jedes Mal sind sie Ursprung eines Unglücks. Kurze Ecken unsererseits haben denselben Effekt wie Marmorkuchen essen, obwohl man Marmorkuchen zum Kotzen findet. Sie sind und bleiben sinnlos. Mittlerweile in Minute 25 angekommen nehmen die Chancen auf Dortmunder Seite wieder zu, die Verwertung selbiger bleibt allerdings bescheiden. Das Spiel findet fast ausschließlich in der Berliner Hälfte statt, der Rasen im Strafraum bleibt jedoch nahezu unbenutzt. Im folgenden Moment wird Tuchel für einen Augenblick eingeblendet, schreibt mit mir um die Wette. Ob er sich gerade über den gleichen Mist aufregt wie ich? Ich hoffe es. Nennenswerte Chancen liefern kurz vor dem Halbzeitpfiff dann Bartra und Schürrle, ehe mich der Singsang der Hertha-Anhänger in den Halbzeitschlaf schaukelt.

Die zweite Halbzeit beginnt mit einem jeden schwarzgelben Spielzug begleitenden Pfeifkonzert seitens der Berliner. Nach mehreren gescheiterten Versuchen ist es in der 55. Minute dann kein Geringerer als Pierre-Emerick Aubameyang, der nach hübsch anzusehender Vorlage von Kaaaaaagawa Shinji die Kugel ins Netz schiebt. Schwarzgelb versucht zusehends, den Druck zu erhöhen und erarbeitet sich vermehrt Chancen. Chancen, nicht Tore.

Pierre-Emerich Aubameyang sorgte für das zwischenzeitliche 1:1

Auf den Rängen peitscht man währenddessen mit einem Wechselgesang-Battle die eigene Mannschaft nach vorne. In der 70. Minute folgt dann ein vermeidbarer Freistoß in äußert ungünstiger Position. Plattenhardt läuft an und scheppert den Ball ins Dortmunder Tor. Autsch. Zum Schluss sind es lediglich Schürrle und Castro, die der grenzenlosen Freiheit über den Wolken auf den Grund gehen wollen. Das Tor scheint wirklich dieses Mal tiefer gelegt zu sein. Der Preis für den Vollhonk des Tages geht kurz vor Abpfiff dann an Mitchell Weiser, der sich wie von der Tarantel gestochen nach einer Scheinberührung durch Dembélé auf dem Boden kringelnd zum Affen macht.

Ich habe viel gemeckert über Chancenverwertung, Ecken und übermotivierte Bubis. Trotzdem lässt sich am Ende deutlich festhalten, dass das kein Spiel zum Kopf-auf-die-Tischkante-Hauen war. Der Wille war da, die Chancen auch, nur die Punkte sind beim falschen Team gelandet. Bis jetzt hielt sich meine Statistik konsequent, dass immer wenn ich das Spiel nicht vor Ort erleben kann, die Punkte an uns gehen. Heute wurde sie zerstört. Bleibt zu hoffen, dass den roten Wiederkäuern zumindest der zweite Platz noch streitig gemacht werden kann. Aber jetzt erstmal volle Konzentration auf den Angstgegner vom Dorf: die wilde Meute aus Lotte.

Unsere Fotostrecke zur Auswärtspleite bei Hertha BSC gibt es wie immer auf unserer BVB-Fotoseite unter diesem Link.

Michi, 12.03.2017


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