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Eua Senf - 14.02.2017

Der feine Unterschied

Nach jedem Sieg und nach jedem Spiel folgt die mediale Aufarbeitung des Ganzen. Gegen dieses Gesetz hat auch der letzte Spieltag nicht verstoßen. Ich schaue mir gern die verschiedenen Fußballdiskussionsrunden an und lese auch gern die Berichte der Tageszeitungen, wenn sie den BVB zum Thema machen. An diesem Wochenende waren leider Gewalttaten am Rande des Spiels bestimmend für die Presse.

Diese Ereignisse waren traurig und sind zu verurteilen, allerdings möchte ich im Folgenden nicht weiter auf dieses Thema eingehen. Vielmehr möchte ich auf die Auseinandersetzung der Medien mit dem Projekt Leipzig und besonders auf deren Vergleiche zwischen Leipzig und Traditionsvereinen eingehen. Es ist vielleicht nicht neu, aber an diesem Wochenende waren die Versuche, die Grenzen zwischen „herkömmlichen“ Fußballvereinen und Kunstvereinen verschwimmen zu lassen, besonders prägnant.

Was mich schockierte, war nicht, dass man den Traditionsvereinen vorgeworfen hat, selbst auf die Gelder der Sponsoren angewiesen zu sein. Es hat mich eher verwundert, dass niemand den eigentlichen Grund angesprochen hat, warum viele Fußballfans Konstrukte wie RB Leipzig ablehnen.

Es geht nicht darum, dass die Mannschaft mit Summen aufgebaut ist, die für uns als Fans kaum noch realisierbar sind. Es geht auch nicht darum, dass das Geld nun von einem österreichischen Getränkekonzern kommt – es könnte genau so gut von einem russischen Erdgasförderer oder einem deutschen Pharmaunternehmen kommen. Nein, es geht in erster Linie darum, warum dieses Geld fließt.

Auch wenn wir Fans von einem über 100 Jahre alten Verein sind, der mehr von seinen Fans zu leben scheint, als manch anderer Fußballclub in Europa, so dürfen wir uns nicht vormachen, dass Borussia Dortmund ohne die übermäßigen Sponsorengelder dort stehen würde, wo der Verein aktuell steht. Auch Bayern München, die schon vor der Kapitalisierung des Fußballs der Klassenprimus der Bundesliga wurden, könnte ohne seine Sponsoren wohl nicht einmal in der Regionalliga Süd dem Abstiegskampf entgehen. Also wo liegt jetzt der Unterschied zwischen den Traditionsvereinen mit Millionensponsoren im Rücken und dem oft gescholtenen Projekt RB Leipzig?

Er liegt in der Art und Weise, weshalb die Vereine die Sponsorengelder erhalten haben. Borussia Dortmund – und glücklicherweise gilt das auch noch für den Großteil der Bundesliga – hat sich die Sponsorenverträge erspielt. Sie können als eine Art Preisgeld gesehen werden. Natürlich gibt es auch andere Faktoren wie den Standort des Vereins, aber diese können als „weiche Faktoren“ erst einmal vernachlässigt werden. Viel mehr hat man sich durch die jahrelange Etablierung des Vereins in der deutschen Spitzenklasse eine Strahlkraft erarbeitet, die über die Grenzen Deutschlands hinaus geht. Und das führte im modernen Fußball folgerichtig dazu, dass Borussia Dortmund große Unternehmen anlocken konnte, durch welche man dauerhaft konkurrenzfähig bleiben konnte und weiterhin bleiben kann. Man hat sich dieses Geld also verdient, man hat es nicht einfach bekommen. Genau hier liegt der gravierende Unterschied zwischen den etablierten Bundesligisten und Vereinen wie RB Leipzig. Leipzig hat sich dieses Geld nicht durch Erfolge verdient, sondern es war einfach da. Es gab keinen sportlichen Erfolg vor dem Geldregen aus Österreich. Und ohne das Management und die Vereinsführung herabzuwürdigen, kann man klar feststellen, dass der jetzige sportliche Erfolg nicht wie bei den anderen Vereinen auf historischen sportlichen Leistungen beruht, sondern allein auf den finanziellen Mitteln, die dem Verein in den Schoß fielen.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass RB Leipzig der letzte Verein sein wird, der im kommerzialisierten Fußballgeschäft diesen Weg zum sportlichen Erfolg gehen wird. Umso wichtiger ist es allerdings, dass man sich den Unterschied beider Vereinsgebilde klar macht: Es geht vereinfacht gesagt darum, dass einer das Geld verdient hat und ein anderer hat das Geld einfach bekommen. Ist der Erfolg, der mit Hilfe des Geldes bei beiden entstanden ist, also auch mit den gleichen Maßstäben zu bewerten? Ich denke nicht.

Thorben, 10.02.2017

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