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Unsa Senf - 03.02.2017

RB und der Schrei nach Wettbewerbsverzerrung

Zwei Bullen in Europa?Frühjahr 2018: RB Leipzig hat seine Gruppe in der Champions League als Dritter beendet und auch RB Salzburg hat seine Gruppenphase in der Europa League überstanden. Plötzlich liegen in den Lostöpfen zwei Pferde aus dem gleichen Stall, die Schwesterclubs aus Leipzig und Salzburg. Was wäre eigentlich, wenn beide Mannschaften aufeinander träfen? Oder noch sensibler: Was wäre, wenn beide Mannschaften irgendwann einmal in der Gruppenphase aufeinander träfen?

Undenkbar? Natürlich, die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Fall überhaupt eintritt, ist sicherlich gering einzuschätzen. Andererseits steigt sie mit jedem Spieltag. Beide RB-Teams sind auf dem Weg in den europäischen Wettbewerb. Die Leipziger marschieren mit riesigen Schritten Richtung Champions League, die Salzburger Vertreter sind immerhin auf Kurs Europa League (dass RB Salzburg irgendwann mal Champions League spielt, ist zugegeben, eher unwahrscheinlich). Trotzdem könnten beide Mannschaften durch die Abstiegsregel CL -> EL ab 2018 in der EL landen und demnach im gleichen Wettbewerb um die Krone ringen.

RB Leipzig und RB Salzburg: Keine außergewöhnliche Beziehung?

Während RB Leipzig sich eventuell noch mit dem Financial Fairplay rumärgern muss, wie die 11Freunde berichteten, ist Salzburg schon ein relativ konstantes Mitglied im Dunstkreis des europäischen Wettbewerbes. Die Frage ist jedoch: Dürften überhaupt beide Mannschaften im europäischen Wettbewerb vertreten sein? Wäre der Wettbewerbsverzerrung nicht Tür und Tor geöffnet? Oder wie es die UEFA formuliert: Ist die Integrität des Wettbewerbes nicht dadurch gefährdet?

"Der schwierigste Transfer meiner Karriere" - auch Rangnick kann sich das Lachen nicht verkneifenAuch diese Frage wurde bereits im oben verlinkten 11Freunde-Artikel betrachtet, allerdings aufbauend auf einer etwas unüberlegten Aussage von Ralf Rangnick, die als Anlass genommen wurde, festzustellen, dass eine Person auf beide Vereine Einfluss hat. Obwohl die wenigsten versuchen würden, diesen Umstand wegzudiskutieren, arbeitet man beim Brausehersteller schon in die andere Richtung. Wie „derstandard.at" berichtet, sieht Salzburg die formale Trennung von Leipzig als vollzogen an. Salzburgs Generalmanager Joachim Sauer lässt sich in dem Artikel zitieren, dass Red Bull nur noch als normaler Hauptsponsor auftrete und daher keine außergewöhnlichen Verbindungen mehr zur Leipziger Filiale bestünden. Dazu passend dann auch die Aussage von Ralf Rangnick, der den Transfer von Dayoutchanculle Upamecano als den schwierigsten seiner Karriere bezeichnet. Ob er damit herausstellen wollte, dass die Verhandlungen zwischen den zwei Filialen inzwischen knallhart geführt werden? Man muss wohl nur fest genug dran glauben, ist doch hinlänglich bekannt, dass Salzburg das Farmteam der Leipziger ist, was auch die Transferstatistik belegt. Alleine in den letzten drei Spielzeiten wurde eine zweistellige Anzahl von Transfers zwischen den beiden „Vereinen" realisiert, dazu noch einige Leihgeschäfte. „Keine außergewöhnlichen Verbindungen" – Joachim Sauer sollte vielleicht noch mal über seine Sichtweise nachdenken.

Was sagt die UEFA?

Ein klarer Fall für eine Überprüfung durch die UEFA also, schließlich sind beide Teams auf dem Weg in den europäischen Wettbewerb. Wir haben mal bei der UEFA nachgefragt, inwiefern eine solche Prüfung bereits stattfindet. Folgende Fragen wurden an die UEFA übermittelt:

1. Ist nach Meinung der UEFA die Integrität des Wettbewerbs gefährdet, sofern sich beide von Red Bull kontrollierten Clubs qualifizieren?

2. Was sind die Kriterien, die in diesem Fall geprüft werden? Inwiefern erfüllen die RB-Clubs diese Kriterien?

3. Inwiefern wurden die Veränderungen im Management / in der Organisation der Clubs beobachtet? Ist dies als ausreichender Nachweis der Eigenständigkeit der Clubs anzusehen?

Die kurze Antwort der UEFA:

"We do not have any comments to make on this specific case at present.

However, we can refer you to Article 5 of the European Competitions Regulations, which refers to the Integrity of the Competition and deals with cross ownership matters."

Man kann also zur Zeit keinerlei Auskunft zu diesem Fall geben, verweist aber auf Artikel 5 des Regelwerkes. Eine weiterführende Nachfrage, warum keine Auskunft gegeben werden kann und ob die Prüfung bereits durchgeführt wurde / wird bzw. erst nach der Qualifikation der Teams erfolgt, wurde ähnlich kurz beantwortet:

"We do not have any comment to make at this stage as the teams in question have not qualified for European competitions. We will be able to answer these hypothetical questions only when we know which clubs will be competing in European competitions next season."

Es gibt derzeit keinen Sachstand, da die Mannschaften noch nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert sind. Die Antwort auf diese hypothetische Fragen können wir erst geben, sobald feststeht, wer nächste Saison im europäischen Wettbewerb spielt.

Mit dem kleinen Bruder bald in Europa?Das ist vermutlich sogar eine wahrheitsgemäße Aussage. Die UEFA hofft möglicherweise noch darauf, dass eine Prüfung und damit ein Entscheid pro / contra Red Bull nicht notwendig ist. Mögliche zukünftige Geldgeber verprellt man halt nur ungern. Die DFL bietet da ja das beste Beispiel: VW mischt fast überall mit. Ob persönlich, über Töchter oder sogar zeitweise in Person von Martin Winterkorn im Aufsichtsrat eines Vereins: Der Konzern aus Wolfsburg hat in der Bundesliga vielerlei Verstrickungen.

Die UEFA tut sich jedenfalls mal wieder keinen Gefallen damit, die Entscheidung auf die lange Bank zu schieben. Dass sich beide RB Filialen für den europäischen Wettbewerb oder zumindest deren Qualifikationsrunden qualifizieren, scheint relativ sicher. Warum also nicht schon mit der Prüfung beginnen? Warum nicht schon jetzt Auflagen ausgeben bzw. ein Urteil verkünden? Alles ungelegte Eier, aber wenn man Ende Mai erst mit der Prüfung beginnt, kommt man zeitlich eventuell in Bedrängnis: Ende Juni steht schon die erste Qualifikationsrunde an! Ein Ergebnis gegen Red Bull würde vermutlich auch noch zu einem Einspruch führen, der dann noch zusätzlich diskutiert werden müsste.

Präzedenzfall schaffen?!

Andererseits ist natürlich die Frage, ob Red Bull überhaupt wichtig ist, dass beide Teams am europäischen Wettbewerb teilnehmen dürfen. Man hat die Salzburger schließlich schon soweit gemolken, dass nur ein marginaler Erfolg von RBS in der Europa League zu erwarten wäre. Hier dürfte aber sehr wohl ein Interesse seitens Red Bull bestehen, zwei Teams im Wettbewerb zu platzieren, alleine schon, um die Grenzen auszuloten und einen Präzedenzfall zu schaffen. Sollten sich die Gerüchte irgendwann bewahrheiten, dass RB einen weiteren Verein im europäischen Ausland akquirieren möchte, wäre ein solcher Präzedenzfall Gold bzw. Geld wert.

Am Ende kommt es wohl, wie es kommen muss. Irgendwie wird RB schon seine Vereine im europäischen Wettbewerb teilnehmen lassen dürfen. Die Integrität des Wettbewerbes ist dadurch sicherlich nicht gefährdet, schließlich gibt es ja zwischen den beiden Vereinen keine außergewöhnlichen Beziehungen. Stimmt’s, Herr Sauer?


Seb, 03.02.2017


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