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Unsa Senf - 26.01.2017

Neven Subotic zum 1. FC Köln: Die beste aller Alternativen?

Nicht Hamburg, nicht Middlesbrough – Neven Subotic zieht es zum 1. FC Köln. Und der Innenverteidiger wird, entgegen der bisherigen Vermutung, auch nicht verkauft, sondern wechselt auf Leihbasis und bis Saisonende in die Domstadt. Sein bis 2018 laufender Vertrag beim BVB bleibt vorerst bestehen.

Es scheint für alle Beteiligten derzeit die beste Lösung zu sein: Neven Subotic selbst bekommt die Möglichkeit, nach zahlreichen Verletzungen seine sportliche Rehabilitation zu starten. Bei einem Verein, der derzeit nicht nur ein fußballerisches Hoch erlebt: Manager Jörg Schmadtke und Trainer Peter Stöger haben dem stets aufgewühlten Umfeld den ersehnten gesunden Ruhepuls zu verpasst. Sicherlich ein Fakt, der dem Wohlfühlmenschen Subotic sehr entgegen kommt. Die Vergleiche der derzeitigen Kölner Aufbruchsstimmung mit der BVB-Euphorie der Jahre 2008 bis 2010 sind jedenfalls nicht allzu weit hergeholt. An Letzterer hatte Subotic als Teil des „Kinder-Abwehrriegels“ einst maßgeblichen Anteil.

Die knapp 100 Kilometer zwischen Bier- und Kölsch-Hauptstadt ermöglichen es Neven darüber hinaus, an trainingsfreien Tagen vergleichsweise unkompliziert nach Dortmund zu reisen und sich vor Ort um die Geschäfte seiner Stiftung zu kümmern, die er längst schon als „zweiten Hauptberuf“ bezeichnet.

Ein Vorbild, das man nicht gerne ziehen lässt

Derweil können sich die Geißböcke über einen Ersatz für den in diesem Winter zum Hamburger SV abgewanderten Mergim Mavraj freuen, der aufgrund seiner Verletzungshistorie zwar nicht gänzlich ohne Risiko ist, jedoch immer noch das Potenzial besitzt, in der Bundesliga mindestens überdurchschnittliche Leistungen zu zeigen und aufgrund des Modells der Leihe kein finanzielles Wagnis darstellt.

Neven Subotic ist durch seine Stiftungsarbeit zu einem Vorbild geworden, wenn es darum geht, anderen Menschen als privilegierter Mensch etwas zurückzugeben. Außerdem setzt er sich in Talkshows und darüber hinaus öffentlich mit seiner Biographie als Kriegsgeflüchteter auseinander – und hilft damit, ein derzeit hochsensibles und von manchen Menschen für ihre fremdenfeindlichen Zwecke missbrauchtes Thema zu versachlichen. In Zeiten von Football Leaks, Mammut-Weltmeisterschaften und ohnehin spürbarer Entfernung des Fußball-Zirkus‘ von den Lebensrealitäten seiner Anhänger ist das eine geradezu wohltuende Reflexion. Einen solchen Menschen auf der Bank oder der Tribüne versauern zu sehen, und sei es die des schwatzgelben Lieblingsvereins, schmerzt. Es ist unserem Innenverteidiger nur zu wünschen, dass er sportlich endlich wieder Fuß fasst.

Und aufgrund des weiterhin gültigen Vertrages beim BVB bleibt zumindest der Wunsch lebendig, Neven Subotic vielleicht noch einmal in unseren Farben auflaufen zu sehen. Gleichwohl klar ist, dass die Konkurrenz für den 28-Jährigen bei einer Rückkehr nach Dortmund selbst im Falle eines Anknüpfens an alte Zeiten sehr groß sein wird, nicht zuletzt aufgrund der sich anbahnenden Verpflichtung Ömer Topraks.

Diesmal ein Abschied mit Stil?

Und der BVB? Ihm bietet sich, sollte man im Sommer zu dem Schluss kommen, endgültig getrennte Wege gehen zu wollen, eine zweite Chance. Die Chance, dem zweifachen Deutschen Meister, Pokalgewinner und bei vielen Fans beliebten Borussen den Abschied zu bereiten, den er verdient. Wir erinnern uns: Vor einem halben Jahr, als ein sicher geglaubter Wechsel nach Middlesbrough am Medizincheck scheiterte, war dies noch gründlich in die Hose gegangen. Trotz Verbleibs in Dortmund listete der BVB ihn vorerst nicht mehr im Kader und erhärtete damit den Verdacht, verschwenderisch mit seinen eigenen Identifikationsfiguren umzugehen.

Immerhin: Im Verein ist man sich der hochsensiblen Gemengelage im eigenen Umfeld mittlerweile bewusst, kündigte via Twitter bereits früh an, dass es nicht bloß bei einer förmlichen Verabschiedung bleiben werde, und postete am Nachmittag die Abschiedsbotschaft eines sichtlich gerührten Neven Subotics.

Es ist alles auch eine Frage des Stils – der BVB hat das nun hoffentlich verstanden.

26.01.2017, Malte S.


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