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Spielbericht Profis - 04.12.2016

BVB auf Dahoud gegen Borussia Mönchengladbach


Thomas Tuchel nahm sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt heraus, den schwachen Auftritt seiner Mannschaft scharf zu kritisieren. Man sollte soweit meinen, dass es einem Fußballlehrer jederzeit zusteht, die von ihm angeleiteten Spieler zu tadeln und auf Missstände hinzuweisen. Was allerdings in dieser Woche medial und auch von einem Teil der Fans folgen sollte, war so nicht ganz abzusehen. Mangelnde Selbstkritik wurde Tuchel genauso attestiert wie der Umstand, dass ein echter Borusse niemals elf andere Borussen beschimpfen würde. Faktisch sprach der Trainer aber bereits am vergangenen Samstagabend von "uns" und "wir" und betonte auf der PK am Freitag nochmals, dass er sich bei dieser Kritik explizit immer mit einbeziehen würde und aufgrund seiner Emotionen solcher harschen Worte bedient hatte.

Sicherlich eine der schlechteren Leistungen im WS

Insgesamt vielleicht etwas zu viel Klamauk und Aufregung in der aktuellen Situation, bei der die Nichtleistung der Spieler fast etwas unterging und die Leichtigkeit des Saisonbeginns etwas abhanden gekommen ist. Auch der Trainer kann wenig daran ändern, wenn ein Spieler nicht dazu im Stande ist, einen Pass über wenige Meter sauber bei seinem Mitspieler anzubringen und so einen Gegentreffer einleitet. Vielleicht etwas zu viel Trainer- und zu wenig Spieler-Kritik. Allein durch diese Geschichte und die damit verbundene EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung, Anm. d. Verf.) in Dortmund wurde die Reaktion der Mannschaft auf die Kritik an ihrer Leistung in Frankfurt im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach mit Spannung erwartet.

Personalien

Dembélé, hier im Zweikampf gegen Hazard, kam neu ins Team

Die Personalsituation stellt sich im Vergleich zum Oktober weiterhin als relativ entspannt dar, konnte das Trainerteam bis auf Bürki, Bender, Subotic, Park und Guerreiro aus dem Vollen schöpfen. Der Ausfall des Neuzugangs aus Frankreich wog aber auch im Vorfeld dieses Spieles schwer, ist doch gerade der Portugiese der Spieler, der es aktuell am besten vermag, die Tiefe des Feldes mit den hohen Räumen in der gegnerischen Hälfte zu verbinden. Tuchel schickte seine Mannschaft im 3-5-2 System aufs Feld, wobei er gegenüber dem Spiel in Frankfurt vier Änderungen (Achtung: Rotation!) vornahm. Ins Auge fielen dabei vor Spielbeginn vor allem die Täusche zwischen Julian Weigl und Nuri Sahin, der wie Reus damit zu seinem ersten Startelfeinsatz in dieser Bundesligasaison kam und zwischen Mario Götze und Ousmane Dembélé. Die Aufstellung Sahins begründete Tuchel lapidar: "Nuri steht mit einer großen Ausstrahlung auf dem Trainingsplatz, deswegen rein damit!"

Erste Halbzeit

Jubel um Aubameyangs Ausgleichstreffer

Beim BVB bildeten Bartra, Sokratis und Ginter eine in dieser Saison schon häufiger gesehene Dreierkette, die sich bei gegnerischem Ballbesitz mit den zurückrückenden Schmelzer und Piszczek zu einer Fünferkette transformierte. Auch die Gäste aus Gladbach stellten sich in einer ähnlichen Grundformation auf, verzichteten in den ersten 45 Minuten aber nahezu vollständig auf ein hohes Pressing, das dem BVB gegen Frankfurt noch große Probleme bereitet hatte. Es dauerte nur vier Minuten, ehe das Spiel an Fahrt aufnahm und Aubameyang den Führungstreffer auf dem Fuß hatte. Vorausgegangen war ein gutes Pressing auf der rechten Angriffsseite, den durch die Abwehrkette hindurchgesteckten Ball konnte der Stürmer allerdings aus spitzem Winkel nicht im Tor unterbringen.

Kurioserweise sollte die erste Aktion den Gladbachern, die bis dato noch gar nicht in Ballbesitz gelangt waren, den Führungstreffer bescheren. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf auf Höhe der Mittellinie gelangte der Ball auf die linke Seite zu Oscar Wendt, dessen Flanke zunächst eigentlich ungefährlich schien. Spannend machte diese erst Marc Bartra in bester D-Jugend-Manier und klärte den Kopfball direkt in den zentralen Raum vor dem 16er. Ein Fußballer wie Raffael sagte danke und ließ Weidenfeller mit einem satten Schuss in die linke untere Torecke keinerlei Chance. Während der Gedanke daran, dass ein Spiel eigentlich nicht schlechter starten kann, noch nicht ganz verflogen war, verwandelte Aubameyang im direkten Gegenzug eine Ablage von Reus aus halbrechter Position mit dem Vollspann. Nur 59 Sekunden lagen zwischen den Treffern. Beide Abwehrreihen also zunächst im Tiefschlaf.

Jubel um Lukasz Führungstreffer

Nach 15 Minuten entschied sich Lars Stindl (Achtung: Stürmer im eigenen 16er neigen zu Dummheiten), eine Hereingabe des BVB unnötigerweise zum Eckball zu klären. Sind Standardsituationen auch in dieser Saison nicht unbedingt die absolute Spezialität der Mannschaft, so schlug sie hier eiskalt zu. Die von Dembélé hereingebrachte Ecke verlängerte der diesmal glückliche Bartra auf Piszczek, der den Ball aus kurzer Distanz mit dem Kopf an Sommer vorbeibringen konnte. Auffällig war vor allem, dass Gladbach speziell in den ersten 30 Minuten des Spiels nur wenig Interesse an längeren Ballbesitzphasen hatte, sich mit seiner Fünferkette tief zurückzog und auf Umschaltsituationen lauerte, die allerdings durch den BVB kaum bis gar nicht angeboten wurden. Dementsprechend war es auch nur wenig verwunderlich, dass der Ballbesitz nach einer halben Stunde bereits bei 68 zu 32 Prozent lag.

Wermutstropfen war vor allem die Verletzung von Nuri Sahin, der über eine Knieverletzung klagte und schon nach 36 Minuten unter aufmunternden Sprechchören das Feld für Julian Weigl verlassen musste. Überhaupt trudelte die erste Halbzeit nach der spannenden Anfangsphase dann ruhiger aus, nur Ginter hatte nach einer Ecke noch eine Einschussmöglichkeit, setzte den Ball aber über den Querbalken.

Zweite Halbzeit

Da können Sommer und Strobl nur zuschauen: 3:1 für den BVB

Nach dem Wiederanpfiff konnte man zunächst den Eindruck gewinnen, die Gladbacher würden mit Oberwasser aus der Halbzeitpause kommen. De facto waren es aber die Schwarzgelben, die nach 48 Minuten den Torschrei auf den Lippen hatten, als Reus eine Hereingabe von Piszczek mit der Hacke ins Tor beförderte. Anders als der hörbar irritierte Tom Bayer, der fünf Minuten benötigte, um zu realisieren, dass das Tor nicht gegeben wurde, war die Abseitsposition von Reus mehr als deutlich. In Minute 53 wurden dann die Gladbacher gefährlich, als Reus einen Ball auf der rechten Seite verlor und Sokratis eine Hereingabe nur noch so klären konnte, dass sie hauchzart am rechten Pfosten des BVB-Kastens vorbei strich. Auch bei der darauffolgenden Ecke lag der Ausgleich in der Luft, denn Weidenfeller sah im Luftduell mit Christensen alles anderen als gut aus. Zum Glück köpfte der Däne den Ball über das Gehäuse.

Im Vergleich zur ersten Halbzeit wurde das Spiel zu diesem Zeitpunkt etwas wilder und offener, da die Gladbacher ihre Grundformation im Vergleich zur ersten Halbzeit nun etwas höher ins Feld schoben. In dieser Phase hatte der BVB auch etwas Glück, denn ein Ziehen von Bartra an Hazard an der Strafraumgrenze wurde von Schiedsrichter Fritz nicht erkannt.

Zuckervorlage zum 4:1 durch Marco Reus

Marco Reus leitete in der 64. Minute mit seiner Aktion die entscheidenden Minuten der zweiten Halbzeit ein. Zuerst setzte er sich in zentraler Position vor dem Tor mit einem tollen Tunnel gegen Elvedi durch und legte den Ball im nächsten Moment auf Dembélé quer, der seine zwei Gegenspieler in unnachahmlicher Art "auswackelte" und aus 15 Metern zum 3-1 traf. Mit seinem dritten Saisontor krönte der Franzose seine sehr ansprechende Leistung.

Auch beim nächsten Tor standen Dembélé und Reus im Mittelpunkt. Erst setzte sich Dembélé mit einem tollen Dribbling (gefühlt) gegen das gesamte Gladbacher Mittelfeld durch und legte auf Reus ab, der im 16er per Hacke auf den völlig unbedrängten Aubameyang passte. 4-1 für den BVB. Ein herausragender Spielzug, bei der die Gladbacher Spieler sich nach dem Spiel allerdings auch fragen dürften, wieso sie in dieser Situation nur Geleitschutz boten. Beide Mannschaften einigten sich nach dem vierten Treffer spürbar auf den Spielausgang und so hatte der BVB in den letzten Minuten der Partie keinerlei Probleme mehr zu überstehen, sondern konnte bereits Kräfte für das kommende Spiel in Madrid sparen, bei dem es um nichts anderes als um den Gruppensieg geht.

Fazit

Der Abschluss zum 4:1

Souveräne Vorstellung des BVB, der sich im Vergleich zum Spiel in Frankfurt in der Defensive und Offensive wesentlich engagierter zeigte und die Tore zu den richtigen Zeitpunkten erzielte. Auch wenn die falsche Borussia für ihre eklatante Auswärtsschwäche bekannt ist und bekanntlich keine allzu gute Zeit durchsteht, so muss man ihr Mittelfeld erstmal so sezieren, wie es der BVB in der zweiten Halbzeit getan hat. Die Stars des Spiels waren Marco Reus und Ousmane Dembélé. Ersterer bereitete zum ersten Mal in einer Bundesligapartie drei Tore vor und Zweiter bestach durch seine eleganten Dribblings, die ihm in der Mitte der Hinrunde (verständlicherweise kann einem jungen Spieler die Konstanz fehlen) nicht mehr so leicht gefallen waren.

Statistik

Borussia Dortmund: Weidenfeller - Schmelzer, Ginter, Sokratis, Bartra, Piszczek - Sahin (Weigl, 36.), Castro - Dembélé (Mor, 89.), Reus (Pulisic, 78.) - Aubameyang.

Borussia Mönchengladbach: Sommer - Wendt, Christensen, Elvedi, Korb - Strobl, Kramer, Dahoud (Vestergard, 73.) - Hazard (Johnson 78.), Stindl, Rafael (Hahn, 82.).

Tore: 0:1 Raffael (6.), 1:1 Aubameyang (7), 2:1 Piszczek (15.) 3:1 Dembélé (64.), 4:1 Aubameyang (68.)

DerJungeMitDemBall, 03+1.12.2016


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