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Spielbericht Profis - 27.11.2016

Es geht nicht nur um den FC Bayern

Teilweise recht lustloser Auftritt des GästeblocksNachdem die Frankfurter Polizei beim Gastspiel der Kölner wohl überrumpelt wurde, wollte sie sich offensichtlich gegen Dortmund von der taffen Seite zeigen. Schon weit vor Frankfurt wurden die Busse der Ultras von der BFE begleitet, Ausfahrten abgesperrt und auch der Helikopter war in der Luft. Viel Einsatz für nichts – den Steuerzahler und das Überstundenkonto freut es.

Über das gebrauchte Spiel will man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren. Schon bei der Aufstellung mit Aubameyang und Ramos im Sturm gab es viel Unverständnis. Es mag Gründe dafür geben, wirkliche Begeisterung kommt für dieses Testprojekt nicht mehr auf. So war aus dem Block heraus betrachtet in 58 Minuten die einzige Berechtigung von Ramos' Aufstellung ein Kopfball auf Aubameyang. Ansonsten war wieder einmal nicht viel zu sehen. Aber auch die “wilden” und teuren Weltmeister Götzinho und Schürrle werkelten mehr vor sich hin, als dass sie Fußball spielten.

Wenigstens das Intro in der Nordwestkurve war sehr ansehnlichAuf den Rängen verflachte das Niveau ebenso wie auf dem Feld. Die Nordwestkurve ist seit Jahren nur noch ein Schatten ihrer Vergangenheit und in Dortmund scheint nur noch Stimmung aufzukommen, wenn es gegen Real Madrid oder den FC Bayern geht. Wirklich schlimm, wie die Stimmung verflacht, wenn man den Gegner nicht an die Wand spielt.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit wurde man dann in die letzte Klopp-Saison zurückgebeamt. Wie eine Schülertruppe ließ der BVB sich überrumpeln und schon führte die SGE.

Tuchel reagierte mit einem Dreifachwechsel. Es kamen Reus, Rode und Dembélé von der Bank! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, welche unfassbare individuelle Qualität (und Millionenwerte) der BVB 2016 von der Bank bringt. Auf den Platz zeigte aber in der indisponierten BVB-Elf nur Dembélé eine ansprechende Leistung. Frankfurt ist nicht Legia Warschau und so war von Reus bis zur 93. Minute nicht viel zu sehen.

Weidenfeller geschlagen - Huszti dreht jubelnd abDennoch gelang den Borussen durch eine starke Einzelleistung von Dembélé und dem Torriecher von Aubameyang der glückliche Ausgleich. Doch Sekunden später netzte die SGE wieder ein. Rode hatte einen schwachen Pass auf Ginter gespielt, der zum Ballverlust führte und dann ging es schnell, was aber auch nichts allzu Besonderes war. Am Ende war unter anderem Rode zu weit von Seferovic entfernt. Danach hatten die Frankfurter das Spiel im Griff und führten den Borussen vor, wie man eine Führung runterspielt. Ohne Dembélé hätte der BVB im Grunde direkt einpacken können, denn Gefahr oder Zweikampfstärke strahlte kein anderer Schwarzgelber aus.

Durch den dreifachen Wechsel waren Tuchel die Hände gebunden, taktisch noch groß einzugreifen. Bewerber für eine Auswechslung – auch unter den drei Neuen – gab es genug. Dem Empfinden nach kam Dembélé zu spät – Reus und Rode hätte man zu diesem Zeitpunkt nicht bringen müssen. Nachher ist man immer schlauer, aber auch Tuchel sparte nach dem Spiel nicht mit harten Worten, da sei Kritik am Trainer auch erlaubt.

Götze gegen ChandlerSo ging das Spiel verdientermaßen verloren. So langsam muss man sich fragen, ob in Dortmund rechtzeitig alle aufwachen. Sowohl am Rheinlanddamm, auf den Tribünen und in Brackel sollte man sich so langsam einmal mit der Ist-Situation beschäftigen. Siege gegen Bayern sind Bonus, Champions League gegen die Großen ist Kür, aber Bundesliga ist die verdammte, verschissene Pflicht. Spiele gegen Ingolstadt, Frankfurt und vor allem gegen Schalke müssen gewonnen werden. Mit einem Bruchteil des Einsatzes, Willens und der Kampfbereitschaft gegen Bayern hätte man heute mehr Zähler auf dem Konto.

So sind die Rasenball-Freaks enteilt und unsere Nachbarn kommen in Schlagdistanz. Verletzungen hin oder her – der mit Abstand zweitteuerste Kader der Bundesliga bekommt einfachste Dinge nicht auf die Kette und beide Tore sind wieder einmal auf unfassbare Unkonzentriertheit zurückzuführen. Das ist ein Einstellungsproblem - das ist einfach schlecht. Wie schon in der Klopp-Saison droht, dass man sich selbst so lange gegenseitig versichert, man komme wieder in Tritt, dass es fast zu spät ist.

Doch auch auf den Tribünen muss wieder der Erfolgsspeck abgelegt werden. Da kommt seit Wochen nicht viel und selbst Champions-League-Abende Enttäuschte Gesichter nach Abpfiff auf dem Rasen und in der Kurvewerden heruntergespult. Gegen die Bauern vom Niederrhein, Köln, das Dummvolk aus Hoffenheim und die Augsburger stehen in diesem Jahr noch wichtige Spiele an, um die Ausgangslage zu verbessern. Die sollte genutzt werden, um in der Bundesliga nicht ins graue Mittelfeld zurückzufallen.

Statistik

Eintracht Frankfurt: Hradecky – Hector, Abraham, Vallejo, Oczipka – Chandler, Hasebe, Huszti (82. Barkok), Gacinovic – Fabián (90.+4 Hrgota) – Meier (70. Seferovic)

Borussia Dortmund: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl (58. Rode) – Götze, Castro – Ramos (58. Dembélé) , Aubameyang, Schürrle (58. Reus)

Tore: 1:0 Huszti (46., Chandler), 1:1 Aubameyang (77. Dembélé), 2:1 Seferovic (79. Huszti)

Nicolai, 27.11.2016


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