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Warmlaufen - 22.11.2016

Feuer und Flamme

Es kann nicht immer nur schön sein.“Brutale Mentalität”, nannte Michael Zorc nach dem Spiel gegen die Bayern die herausragendste Eigenschaft der Borussen nach dem überragenden Sieg und verfiel dabei wohl nicht ganz zufällig in den alten Jürgen-Klopp-Sprech. “Brutal” war auch das Wort, das die Bayernspieler bei der Grätsche von Bartra gegen Müller geschrien haben dürften, das dem Spanier bei größten Teilen des Publikums spontane Jubelschreie und Szenenapplaus einbrachte. “Brutal” ist nicht fleißig oder bescheiden. “Brutal” ist gemein, unschön, dreckig. Dreckig wie der Sieg gegen die Bayern. Gleichzeitig sprachen die Spieler aber auch von einem der emotionalsten Momente der letzten Jahre. Das Publikum war so laut wie schon lange nicht mehr. Es ist vielleicht ein bisschen einfach, aber es schien als ob diese simple Regel, die man sich in Dortmund seit Jahr und Tag erzählt und die im heutigen Fußball mit den gegelten Haaren, dem Eventpublikum und den sauberen Kombinationen manchmal wie eine Geschichte aus vergangenen Zeiten wirkt, doch noch immer wahr ist: in Dortmund brauchst du nicht schön zu spielen oder ein super Fußballer zu sein. Das Publikum kannst du nur durch Kampf und vollen Einsatz gewinnen. Genau das hat am Samstag den Funken gezündet. Nun ist es natürlich sowohl für die Mannschaft als auch für die Fans bei einer frühen Führung gegen die Bayern verhältnismäßig einfach, Kampf und Feuer zu entwickeln. Dennoch war das Feuer und der Kampf zum ersten Mal seit langer Zeit wieder da und das an sich ist genauso schön wie der Sieg gegen die Bayern.

Auch eine Art von Feuer und FlammeNun kommt ein Gegner, der selbst auf und vor allem neben dem Feld eher das Element “Kampf” und “brutal” verkörpert. Auch wenn die Fans vom Auswärtsspiel in Dortmund ausgeschlossen sind aufgrund diverser teilweise massiver Verfehlungen und uns darum glücklicherweise Szenen wie im Hinspiel erspart bleiben dürften, als Legia Hooligans den Gästeblock versuchten zu stürmen und das ganze Stadion mit gestohlenem Pfefferspray einnebelten. Doch Legia, nach dem 0:6 im Hinspiel gegen den BVB noch als chancenloser 0-Punkte Letzter abgestempelt, hat ohne Publikum zuhause tatsächlich den ersten Punkt in der Gruppe geholt. Gegen niemand Geringeres als Real Madrid. Ganz so einfach wie im Hinspiel dürfte es also nicht werden und alle Borussen werden alles geben müssen, um den Platz als Sieger zu verlassen.

Ein Sieg, der bei einer nicht mal so unwahrscheinlichen Niederlage von Real Madrid gegen die starken, aber unglücklich agierenden Lissabonner den vorzeitigen Gruppensieg bedeuten würde, nachdem man gegen Sporting letzten Spieltag bereits den Einzug in die nächste Runde gesichert hatte. Und so könnte dann eine Saison, die vor wenigen Wochen noch so trist und langweilig schien, auf einmal eine Wende Richtung spannend, faszinierend und vielleicht sogar erfolgversprechend nehmen.

Eines ist jedoch schon vor dem Spiel sicher: ohne Kampf wird es nicht gehen. Wenn aber gekämpft wird, dann werden der Mannschaft auch wieder die Herzen der Tribüne zufliegen wie am letzten Samstag. Und dann sind alle wieder Feuer und Flamme für Borussia!

 

So könnten sie spielen

 Borussia Dortmund: Weidenfeller – Ginter, Sokratis, Bartra, Durm – Sahin (Rode) – Pulisic, Castro, Dembélé, Reus (Schürrle) – Ramos

Legia Warschau: Malarz – Bereszynski, Rzezniczak, Pazdan, Hlousek – Kopczynski, Moulin – Guilherme, Odjidja-Ofoe, Radovic – Prijovic

Schiedsrichter: Strömbergsson (Schweden); Assistenten: Gustavsson, Nilsson; Torrichter: Pandzic, Al-Hakim, Vierter Schiedsrichter: Brogevik (alle Schweden)

Nadja, 22.11.2016


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