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Helden in schwatzgelb - 13.11.2016

„Weil Borussia mein Leben ist“ – Nachruf auf Aki Schmidt

Aki Schmidt war ein begnadeter Erzähler. Das wurde uns schnell klar, als wir ihn letztes Jahr anlässlich seines 80. Geburtstages bei einer seiner Stadionführungen begleiten und anschließend ein Interview mit ihm führen durften. Bei einer Tour durch sein „Wohnzimmer“, das Westfalenstadion, zog er die Gruppe innerhalb kürzester Zeit mit seinen Anekdoten in den Bann und hatte sichtlich Spaß dabei – so sehr, dass sich hinter uns irgendwann die Besuchergruppen, die nach uns gestartet waren, stauten.


Nach der neunzigminütigen beeindruckenden Führung rechneten wir damit, dass Aki Schmidt uns lediglich noch ein paar Minuten für kurze Fragen zur Verfügung stehen würde. Schließlich hatte er wegen seines bevorstehenden 80. Geburtstages einiges um die Ohren. Aber weit gefehlt. Aki erzählte lebhaft aus seinem Fußballerleben und berichtete über seine BVB-Mannschaftskollegen, von denen die meisten wie er aus Dortmund und Umgebung kamen: „Wir hatten damals 1966 nur Siggi Held, der kam aus Offenbach, unser Ausländer war der Siggi.“ Die Stadt als gemeinsamer Bezugspunkt der Mannschaft, das war für Aki Schmidt ungemein wichtig. Vor allem durch die Identifikation mit Dortmund sei es dem Team gelungen, eine Einheit zu bilden und nur so hätten sie im Endspiel um den Europapokal 1966 gegen das vermeintlich überlegene Liverpool gewinnen können. Das Spiel gegen Liverpool war überhaupt das Stichwort für unzählige spannende Anekdoten, die Aki uns nun erzählte. Wie er in der Kabine nach Libudas großartiger Bogenlampe zu diesem gesagt habe: „Wenn Du den nicht reingehauen hättest, dann hätte ich Dich umgebracht.“ Oder wie er vor dem Spiel die abschätzigen Aussagen des Liverpooler Trainers Bill Shankly über den BVB gehört und sich gedacht habe, was das denn für ein Spinner sei. Und wie sie dann in Dortmund gefeiert wurden und es sie letztlich die Meisterschaft gekostet hat, denn dies gelte immer: „Du kannst nicht mit der breiten Brust Hosianna machen.“

In seinen Worten klang aber auch Wehmut mit, dass im heutigen Fußballbetrieb die Spieler nicht mehr so verwurzelt mit ihrem Verein seien und die Hingabe an den Verein nachgelassen habe. Für ihn, das lässt sich wirklich mit voller Überzeugung sagen, trifft dies nicht zu. Selten hat jemand seine Liebe zum BVB so intensiv gelebt wie Aki. Seine tiefe Verwurzelung mit Dortmund zeigte sich nicht nur darin, dass er nach dem Ende seiner Karriere und diversen Stationen als Trainer wieder ins Ruhrgebiet zurückgezogen ist. Er blieb auch dem BVB durch seine Tätigkeit als Fanbetreuer, Mitglied im Ältestenrat und ehrenamtlicher Stadionführer eng verbunden. Auf die Frage, warum er all dies mache, antwortete er: „Ich mache das, weil Borussia mein Leben ist.“

Mit Aki Schmidt hat der BVB einen ganz Großen verloren, der nie die Bodenhaftung verloren und „Hosianna gemacht“ hat, sondern einfach nur glücklich über das Erreichte war. Und der darüber nicht die Neugier für jüngere Fans verlor, weshalb am Ende unseres Interviews auf einmal wir diejenigen waren, die unzählige Fragen beantworteten. Seine fröhliche Art, seine Offenheit und  natürlich seine spannend erzählten Geschichten werden fehlen.

Mach es gut, Aki!

 

Nina, 13.11.2016

 


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