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Warmlaufen - 17.10.2016

In die Höhle der Löwen


Die "Stadt der sieben Hügel" bietet an zahllosen Aussichtspunkten einen traumhaften BlickPortugal – da war doch was. Bereits im Februar führte es den BVB im Sechzehntelfinale der Europa League nach Porto in den Norden des Landes. Über 3.000 Fans begleiteten die Schwarzgelben in die Stadt des Portweins und brachten einstimmig positive Eindrücke zurück in die Bierhauptstadt, was nicht nur an der heimischen Biermarke mit dem klangvollen Namen „Super Bock“ gelegen haben dürfte. Nun also Lissabon, das viele Jahre lang als klassischer Geheimtipp unter den Städtereisen galt. Die Stadt an der Mündung des Tejo lockt mit ihren Straßen voller Mosaikpflaster, kachelverzierten Häuserwänden, verschlungenen Gassen und Treppen, malerischen Sonnenuntergängen und landestypischer Herzlichkeit.

Prägen das Stadtbild von Lissabon: die nostalgischen StraßenbahnenFür Touristen sind Portugal und seine Hauptstadt kontinuierlich zum Trendziel geworden. Das merkt nicht nur, wer in den Sommermonaten keinen Fuß mehr in die beliebte Straßenbahnlinie 28 bekommt. Nicht weiter verwunderlich, lockt Lissabon neben seinen Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten auch mit (aus deutscher Sicht) moderaten Preisen für Speis und Trank. Mittelpunkt der Stadt sind die am Flussufer gelegenen Stadtteile Baixa, Alfama und das Ausgehviertel Bairro Alto. Im Norden befinden sich die Spielstätten der Lokalrivalen Sport Lisboa e Benfica und Sporting Clube de Portugal. Letztere bezeichnen sich in Anlehnung an ihr Wappentier auch als leões (deutsch: Löwen).

Zum ersten Mal in seiner Geschichte führt es den BVB nun in die Höhle der Löwen – das Estádio José Alvalade. 08/15 sucht man hier vergebens, denn in dem grün-weißen Sportkomplex verbergen Mehr als nur ein Stadion: Die Heimspielstätte von Sporting Lissabonsich nicht nur ein Fußballstadion, sondern auch Fitnesscenter, Kino und ein Lebensmitteldiscounter. Erbaut wurde das Gebilde pünktlich zur Europameisterschaft 2004, auf einen Titel im neuen Zuhause warten die Gastgeber aber immer noch. 2005 verpasste Sporting den Gewinn des UEFA Cups im eigenen Station, die letzte Meisterschaft stammt aus dem Jahr 2002.

Generell liegen die goldenen Zeiten der Löwen schon einige Jahrzehnte zurück. Die meisten Trophäen sammelte Sporting in den 40er und 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Am 4. September 1955 bestritten die Portugiesen das allererste Spiel im neugegründeten Europapokal der Landesmeister gegen Partizan Belgrad. Insgesamt 18 Meisterschaften und 16 Pokalsiege gehen auf das Konto von Sporting – und das nur im Fußball. Rechnet man die Titel aller im Club angebotenen Sportarten (darunter Krav Maga, Bogenschießen, Leichtathletik und Tauchen) dazu, ist er hinter dem FC Barcelona der erfolgreichste Verein Europas.

Bemerkenswert sind auch die unzähligen bekannten Namen, die Sporting in seiner jüngeren Fußball-Geschichte hervorgebracht hat. Der Europameistertitel 2016 lässt sich daher sicher auch in Teilen auf die Jugendarbeit der Lissabonner zurückführen, der unter anderem Nani, Ricardo Quaresma und natürlich Cristiano Ronaldo entsprungen sind. Im EM-Finale waren zehn Spieler im Einsatz, die einmal für Sporting gespielt haben oder immer noch spielen.

Doch zurück in die Gegenwart: In der Liga NOS stehen die Hauptstädter hinter dem punktgleichen FC Porto aktuell auf Tabellenplatz 3. Geprägt wird ihr Spiel zum einen durch eine gefällige Offensive, zum anderen aber auch durch eine wackelige Defensive. Das Torverhältnis von 16:9 spricht Bände und ist dem des BVB nicht unähnlich. Am Wochenende pausierte die portugiesische Liga, stattdessen trat Sporting bereits am Donnerstag im Pokal gegen Zweitligist Famalicão an und hatte dabei auf zahlreiche Stars verzichtet, die zuvor mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren – und gegen den BVB etwas ausgeruhter zu Werke gehen dürften.

Allerdings müssen die Portugiesen am Dienstag auf den Kopf des Löwenrudels verzichten: Kapitän Adrien Silva fällt nach einer Knie-OP für mehrere Wochen aus. Ohne ihn ist die Verteidigung noch anfälliger für Gegentore, was der bisherige Saisonverlauf bereits deutlich gezeigt hat. Gegen Real Madrid wurde der 27-Jährige in der 73. Spielminute ausgewechselt und die Löwen gaben ihre Führung noch aus der Hand.


Der Platz Rossio wird vor dem Spiel Treffpunkt für die mitgereisten BVB-Fans Mit Ausfällen kennt man sich derzeit auch beim BVB (zu) gut aus. Neben den Dauerverletzten musste Thomas Tuchel zuletzt auch auf Guerreiro, Castro, Piszczek und Sokratis verzichten. In der Rumpfelf gegen Hertha BSC gab deshalb Mikel Merino sein Startelf-Debüt und sogar Joo-Ho Park kam zu seinem ersten Einsatz in dieser Saison. Nicht ganz freiwillig bot der BVB am Freitag die drittjüngste Mannschaft seiner Vereinsgeschichte auf. Welche Aufstellung Tuchel gegen Sporting auf den Platz schickt und ob Bankdrücker Nuri Sahin mal wieder Europapokalluft schnuppern darf, wird sich zeigen. Nun fällt auch noch Marcel Schmelzer aufgrund eines Faserrisses aus und weder Merino noch Park stehen als Alternativen zur Verfügung, weil beide nicht für die Champions League gemeldet wurden. Immerhin haben Sokratis und Piszczek beschwerdefrei trainieren können, so dass es berechtigte Hoffnung auf ihren Einsatz gibt. 

Von seinem bisher einzigen Gastspiel in Lissabon (gegen Benfica) brachte der BVB in der Champions-League-Saison 1963/64 einen Sieg mit nach Hause. Mehr als 50 Jahre später dürfte es für eine junge verletzungsgeplagte Mannschaft eine Herausforderung werde, den Löwen etwas Zählbares abzuringen. Aber an Herausforderungen wächst man bekanntlich.

 

So könnten sie spielen:

Sporting: Rui Patrício – Schelotto, Coates, Rúben Semedo, Zegelaar – William Carvalho, Gelson Martins – Elias, Bryan Ruiz, Markovic – Bas Dost

Borussia: Bürki – Passlack, Bartra, Ginter, Piszczek – Weigl, Rode – Pulisic, Götze, Mor – Aubameyang

Ort: Estádio José Alvalade (50.095 Plätze)

Schiedsrichter: Damir Skomina

goldkind, 17.10.2016

 

 

 


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