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Spielbericht Profis - 24.09.2016

Von Heißspornen und Geduldeten – BVB ringt Freiburg nieder

Guter Auftritt der SüdtribüneDer Vereinsrekord ist eingestellt! Mit dem umkämpften 3:1 gegen den SC Freiburg ist Borussia Dortmund nun seit 24 Heim-Pflichtspielen in Folge ungeschlagen. Aubameyang, Piszczek und Guerreiro besorgten vor einer tollen Kulisse die nächsten drei Punkte. Muss ja nicht immer ein Kantersieg sein.

Götzes Heimdebüt

20:30 Uhr. Dortmund. Westfalenstadion. Flutlicht an. Abendspiele haben ihren ganz eigenen Reiz. Es kribbelt einfach, wenn sich die heimischen Tribünen in den Glanz des Scheinwerferlichts hüllen und die Spieler dann zu den Gesängen der Fans den Rasen betreten. Für einen Dortmunder sicherlich ein besonderer Gang: Mario Götze feierte nach 1248 Tagen sein Heimcomeback und wurde weitestgehend warm empfangen. Nach dem Warmlaufen waren einzelne Pfiffe zu hören und bei seiner mit großem Applaus bedachten Auswechslung in Halbzeit Zwei erklangen ein paar Schmährufe von der Süd. Götze hielt aber gut sichtbar einen Daumen nach oben. Es scheint, als ob die BVB-Gemeinde ihren „verlorenen Sohn“ wieder lieb hat.

Startelfdebut für Emre MorEin anderer Borusse musste sich vor Beginn des Spiels der Kritik der Fans stellen. Die Jubos präsentierten ein Transparent mit der Aufschrift „Haltungsnoten Watzkespagat: 0 0 0 Kläglich gescheitert“. Der BVB-Geschäftsführer gehört unter anderem durch die Personalfragen um Kuba und Subotic anscheinend spätestens jetzt nicht mehr zu den Lieblingen der Dortmunder Ultras. Dauerhaft schlechte Stimmung gegen ihn zu machen, wird den Dialog mit dem Verein aber auch nicht verbessern.

Auf Stotterstart folgt Turbozündung

Aber nun zum Spiel: Emre Mor feierte sein Startelfdebüt und für den verletzen Adrian Ramos saß erstmals Mikel Merino auf der Bank. Nuri Sahin wurde von Thomas Tuchel weiterhin nicht in den Kader berufen. Castro und Weigl bildeten das Herz des Mittelfelds, für den verletzten Bartra stand wie erwartet Ginter in der Startelf.

Freiburgs Trainer Christian Streich hatte vor dem Spiel angekündigt, nicht nur Schadensbegrenzung betreiben zu wollen. Wer gegen den Dortmunder Lieblingsgegner der letzten Jahre ein nächstes Schützenfest erwartet hatte, wurde schnell wachgerüttelt. Das Team aus dem Breisgau ging mit Zweikampfhärte und frühem Pressing in die Partie.

Stets gut abgeschirmt: Gonzalo CastroUnsere Borussen zeigten sich sichtlich überrascht und mussten nach vier Minuten das erste Mal zittern, als sich Griffo in abseitsverdächtiger Position halblinks vor Bürki wiederfand, jedoch nur einen harmlosen Schuss abgeben konnte. Der leichten Unsicherheit des Teams setzte die Südtribübe vollen Einsatz entgegen. Für erste Entlastungsangriffe sorgte der äußerst agile Dembélé, der seine Mitspieler mit Dribblings auf der linken Bahn mitriss und um die 20. Minute ein echtes Chancenfestival unserer Borussen einleitete. Erst lupfte Aubameyang ein bockstarkes Zuspiel von Ginter ähnlich wie in Warschau links am Kasten vorbei (die macht er sonst im Schlaf) und Mor setzte einen abgefälschten Schuss auf die Latte. Nach leicht nervösem Beginn zeigte der kleine Neuzugang in vielen Aktionen, dass er den Gegnern Knoten in die Beine spielen kann.

Spätestens nach 38 Minuten war dann richtig Feuer im Spiel. Dembélé brachte Günter im vollen Lauf zu Fall, traf aber auch den Ball. Schiri Dingert, der sich durch einige strittige Entscheidungen nicht nur Freunde machte, zeigte die Gelbe Karte und wurde dafür vom jungen Franzosen mit hämischem Applaus bedacht. Schmelzer und Ginter stürmten auf Dembélé zu, um Schlimmeres zu verhindern, der Flügelflitzer revanchierte sich allerdings spielerisch: Götze spielte ihn in der 45. Minute links im Strafraum glänzend frei und seine flache Hereingabe Ball und Torschütze im Tor - 1:0 für den BVBan den langen Pfosten musste Aubameyang zum 1:0 nur noch über die Linie drücken. Dembélé muss auf dem Feld noch etwas abgeklärter werden, ist mit seinen Dribblings aber eine große Bereicherung für unser Offensivspiel. Der Junge läuft richtig heiß! Die Mannschaft wurde dann mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufen in die Kabine verabschiedet.

Guerreiro erlöst zitterndes Westfalenstadion

Nach dem verdienten Pausentee wurden unsere Jungs mit dem Gassenhauer „Es war Liebe auf den ersten Blick“ empfangen und legten los wie die Feuerwehr: In Folge einiger guter Chancen und einer fast missglückten Dribbeleinlage von Bürki besorgte Lukas Piszczek die vermeintliche Entscheidung: Castro wurde vom Polen in der rechten Strafraumhälfte stark in Szene gesetzt. Sein Querpass wurde vom Freiburger Söyüncü (der türkische Sprachminister hat angerufen und möchte seine Umlaute zurück) in die Füße von Piszczek abgeblockt, der mit seinem Schuss aus kurzer Distanz seinen zweiten Treffer in Folge markierte. Wer braucht schon Lewandowski…

AOhne Rücksicht auf Verluste - Sokratis im Zweikampfnstatt das nächste Tennisergebnis einzuleiten, fing sich unser BVB nach einer Stunde den unnötigen und eindeutig postfaktischen Anschlusstreffer. Bei einem Stellungsfehler auf der linken Abwehrseite steckte Haberer durch zu Philipp, der aus halbrechter Position alleine vor Bürki ins lange Toreck abschloss. Der Freiburger Anhang, der im Angesicht des Wochentags in großer Zahl erschienen war, witterte Morgenluft. Die Südtribüne ließ sich vom Gegentor die Stimmung nicht vermiesen und peitschte Tuchels Truppe weiter nach vorne.

Der mittlerweile angeschlagene Aubameyang hatte zweimal die Riesenchance zur Entscheidung, scheiterte jedoch erst am Pfosten und dann, im Angesicht des herausstürmenden Freiburger Keepers, an der eigenen Genauigkeit und verzog in Rücklage aus der Kurzdistanz. Der SCF sorgte für einzelne Entlastungsangriffe, wurde aber vorerst nicht gefährlich. Spätestens mit der Hereinnahme von Rode zehn Minuten vor Schluss war klar: Heute gibt es kein Schützenfest, sondern einen Arbeitssieg. Der neue Mittelfeldmotor war es dann auch, der einen verunglückten Abschlag von Bürki in die Füße eines Freiburgers zurückeroberte. Zittern im Tempel!

Dank von Thomas Tuchel an seinen Torschützen zum 1:0Die vierminütige Nachspielzeit wurde hingegen schnell zur Party. Mit Tiki-Taka-Fußball wie aus dem Lehrbuch spielten Aubameyang und Castro den eingewechselten Guerreiro am linken Fünfereck frei. Der Europameister schlenzte die Pille ins lange Eck und ließ sich auf Knien rutschend von der Süd feiern. „Wer wird deutscher Meister? BVB Borussia! Wer wird deutscher Meister? Borussia BVB!“ hallte es durch das Stadion, in dem der Abpfiff durch den frenetischen Jubel fast ein bisschen unterging.

Warmsingen für Real

Mit dieser Leistung kann die Süd am Dienstag dazu beitragen, dass wir gegen Real Madrid eine magische Nacht im Westfalenstadion erleben. Nach ein paar müden Auftritten sind die Fans nun wieder voll da und können die Mannschaft hoffentlich weiter auf der Welle des Erfolgs begleiten. Sportlich gesehen sollten am Dienstag die höchstwahrscheinlich wenigen Großchancen besser ausgespielt werden. Stellungsfehler wie beim 2:1 können sich unsere Borussen ebenfalls nicht erlauben. Ansonsten zeigt unser Team aktuell Spiel für Spiel, dass es richtig Bock auf diese Saison hat. Auf in eine geile Champions-League-Woche!

Statistik

Borussia Dortmund: Bürki – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl – Mor (64. Pulisic), Castro, Götze (71. Guerreiro), Dembélé (80. Rode) – allen Grund zur Freude nach Abpfiff: Dembélé und GuerreiroAubameyang
SC Freiburg: Schwolow – Ignjovski, Gulde (54. Niedermeier), Söyüncü, Günter – Bulut, Höfler, Abrashi, Grifo – Petersen (54. Haberer), Philipp (67. Niederlechner)

Zuschauer: 80.800. (nicht ausverkauft)

Tore: 1:0 Aubameyang (45., Dembélé), 2:0 Piszczek (53.), 2:1 Philipp (60., Haberer), 3:1 Guerreiro (90.+1. Castro)

Marcel Schmelzer zur Stimmung im Westfalenstadion

"Im gesamten Stadion ist die Stimmung jetzt wieder besser. Klar ist das bei den guten Ergebnissen und den vielen Toren auch einfach. Aber heute gab es auch einen Moment, in dem es etwas unruhig wurde. Aber dann haben wir das dritte Tor gemacht und dann war das wieder vorbei. Unruhe von den Seiten hilft uns einfach nicht weiter, wenn das Spiel gerade nicht so gut läuft. Genau in diesen Momenten brauchen wir die Unterstützung. Ich hoffe, dass es gegen Real so wird wie bei den anderen Champions-League-Heimspielen. Gerade gegen Real Madrid brauchen wir jede Minute die Hilfe der Fans, insbesondere für die jungen Spieler."

Lionard, 24.09.2016


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