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Auffem Platz - 18.09.2016

Ein halbes Dutzend reicht nicht

Die Südtribüne hatte sechsmal Grund zum JubelnSchlag auf Schlag und wenig Zeit zum Durchatmen — so gestaltet sich dieser Tage der „Alltag“ bei der Borussia. Leipzig, Warschau, Darmstadt und Wolfsburg heißen die Aufgaben, die der BVB in ganzen zwölf Tagen bewältigen muss. Nach der Galavorstellung unter der Woche in der Champions League, hieß es im Ligaalltag die klare Pflichtaufgabe Darmstadt 98 zu bewältigen. Und den Schwarz-Gelben im Tempel sollte ein mehr als unterhaltsames Spektakel geboten werden.

Taktik und Personal

Das Konzept und die Möglichkeiten der viel zitierten „Belastungssteuerung“ greift beim BVB derzeit in vollem Umfang. Sieben Spiele in 20 Tagen — Zeit zur Rotation. Mit vier Änderungen im Vergleich zur Partie in der CL bei Legia Warschau startete Schwarz-Gelb in die Begegnung. Bartra, Götze, Piszczek und Aubameyang machten Platz für Ginter, Guerreiro, Passlack und Ramos. Den Rest der Mannschaft bildeten Bürki, Sokratis, Kapitän Schmelzer, Weigl, Pulisic, Castro und Dembele. 

Erste Hälfte

Die Fans der Lilien kamen nicht an ihren letztjährigen Auftritt heranSchon vor dem Anpfiff war eigentlich klar, in welche Richtung sich diese Partie bewegen würde. Mit zwei 5er - und 4er Ketten nistete sich der krasse Außenseiter aus Darmstadt ab Minute eins in der eigenen Hälfte ein. Und es dauerte auch tatsächlich nicht wirklich lang, da klingelte es schon zum ersten Mal hinter Darmstadts Keeper Esser. Sturmspitze Ramos steckte glänzend auf den startenden Dembele durch, der Querpass des Franzosen  kam eigentlich zu lasch, erreichte in der Strafraum-Mitte jedoch trotzdem Gonzalo Castro, der am Ende nur noch einschieben musste.

Man merkte vor allem der neuen Sturmspitze Adrian Ramos an, mit welcher Lust, Gier und Konzentration der BVB die vermeintliche Pflichtaufgabe in Angriff nehmen sollte. Engagiert und voller Spielfreude, hatte der Kolumbianer allein in Hälfte eins drei dicke Möglichkeiten, per Kopf das zweite Tor nachzulegen, aber Keeper Esser parierte jedes Mal äußerst stark. Die Dortmunder werden ihrer Favoritenrolle komplett gerecht, dominieren die Partie nach Belieben und drücken ordentlich aufs Gaspedal. Das Zusammenspiel der Offensive, gegen einen zugegeben teilweise überforderten Gegner, lief und wirkte phasenweise wie aus einem Guss. Dembele und Guerreiro kombinierten auf links besonders augenfreundlich und hatten sichtlich Spaß am eigenen Spiel.

Erster Startelfeinsatz für Adrian RamosDie schwarzgelbe Lawine rollte und rollte weiter in Richtung Darmstädter Tor an, nur der Ball hatte vor der Pause weniger Lust daran die Torlinie ein erneutes Mal zu überqueren. So ging es, für den Gegner äußerst schmeichelhaft, mit nur einem Tor Vorsprung in die Kabine und zur Halbzeitpause. Wahrscheinlich mit mindestens zwei oder drei Toren zu wenig auf dem Dortmunder Konto.

Interessantes am Rande: In Minute 39 war der Arbeitstag für Änis Ben-Hatira bei den Darmstädtern schon vorbei, da er nicht nur sichtlich wenig Lust hatte sich aktiv am Spiel zu beteiligen, sondern auch noch völlig unnötig wohl ein „Zeichen“ setzen wollte und Schmelzer schmerzhaft umsenste und die erste gelbe Karte des Spiels sah.

Zweite Hälfte

Personell unverändert, aber mit genauso viel Dampf kam der BVB aus der Kabine. 9:0 Torschüsse zum Pausentee, sich selbst jedoch nur mit einem Treffer belohnt. Doch der Ertrag des guten und flüssigen Spiels ließ nicht lange auf sich warten: In Minute 48 kombinierte sich Pulisic mit Ramos erst klasse vor den Strafraum der Darmstädter, Guerreiros strammen Schuss wehrte Esser zwar gut zur Seite ab, Ramos reagierte gedanklich aber am schnellsten und nagelte den Ball per Abstauber aus scharfem Winkel ins Gehäuse. Ab da war die Marschroute für die restliche Zeit der Partie klar: Vollgas.

Erster Pflichtspieltreffer für den BVB: Sebastian Rode(Am Rande und für zwischendurch: Nach einer Darmstädter Ecke rollte ein Dortmunder Konter über Dembele, den anschließenden Textil - und Trikottest vom überlaufenen Verteidiger Jungwirth überstand das so häufig kritisierte Puma - Trikot komplett unbeschadet!)

Zurück auf dem Platz, gaben die Gäste ihren allerersten Torschuss in Minute 52 durch den zuvor eingewechselten Bezjak ab. Im Anschluss folgte großer Fußballspaß in schwarz - gelb: Dembele bat erneut den bemitleidenswerten Jungwirth erst zum Tänzchen, schickte dann auf überragende Art und Weise Schmelzer auf die Reise, und dessen eigentlich verunglückte Hereingabe gelangte über Umwege zu Guerreiro, und dessen abgewehrten Schuss verwertete der (noch) 17-jährige Pulisic zum 3:0. Der junge US-Amerikaner beschenkte sich einen Tag vor der Volljährigkeit schon vorzeitig selbst. 

Den zu diesem Zeitpunkt schon lange ohnehin hilflosen und überforderten Darmstädtern, erwies anschließend ausgerechnet Kapitän Peter Niemeyer einen absoluten Bärendienst. Mit ein bisschen mehr als einer halben Stunde Restspielzeit flog der ehemalige Herthaner mit Gelb-Rot vom Platz, und eröffnete damit der anschließenden schwarz-gelben Show Tür und Tor. Doch vorerst durfte sich der (subjektive) Mann des Spiels schon in Minute 63 feiern lassen: Raphael Guerreiro musste nach einem äußerst starken Spiel das Feld für Kagawa räumen, gleichzeitig kam auch Jubel um Emre Mor's SchlusspunktEmre Mor für Dembele in die Partie. Und der junge türkische Nationalspieler platzte merklich vor Spielfreude und Leichtigkeit. Mit Ball am Fuß eine Augenweide für jeden Stadionbesucher, feuerte der 19-jährige den ersten Versuch in der 70. Minute in Richtung Esser ab und sollte auch im Anschluss auf sich aufmerksam machen.

Darmstadt sollte in Unterzahl im restlichen Spiel die personifizierte Schadensbegrenzung darstellen. Das Problem dabei war nur, dass es nicht mal im Ansatz funktionierte. Castro, Rode, Mor — das offensive Feuerwerk trug an diesem Nachmittag viele Namen die dazu beitrugen, dass das halbe Dutzend am Ende vollgemacht werden konnte. Das normale Tore - Schießen schien den Dortmundern langweilig geworden zu sein, denn besonders die Tore vier und fünf waren ein echter Augenschmaus. Nach Zuspiel des überragenden Pulisic krönte der ebenfalls bärenstarke Castro seine Leistung mit einem Hacken-Tor, Rode tat es ihm bei Tor Nr. 5 dann gleich und hielt ebenfalls die Hacke hin. Die Vorlage? Kam natürlich von Castro. Mit seinem ersten Bundesliga-Treffer setzte Mor der Vollgas-Veranstaltung dann die Krone auf und markierte mit dem 6:0 den Schlusspunkt des Torregens. 

Für den Gast aus Darmstadt war das erfreulichste Ereignis an diesem Nachmittag in Dortmund vermutlich der Schlusspfiff.   

Fazit

Jubel nach AbpfiffNach dem Torspektakel unter der Woche in Polen, nun also die nächste Sechs-Tore-Show. Eine Mischung aus Spaß, Spielfreude und absoluter Gier auf Tore bescherte dem BVB den höchsten Sieg seit 2009, und den Darmstädtern gleichzeitig die höchste Bundesliganiederlage. Die Borussia ist nun saisonübergreifend seit 23 Heimspielen in der Bundesliga ungeschlagen. Sollte im nächsten Heimspiel gegen den SC Freiburg nichts außergewöhnliches passieren, wäre damit ein neuer Vereinsrekord erreicht. Doch schon am Dienstag wartet zuerst die schwierige Auswärtsfahrt nach Wolfsburg. Auch da sollten die drei Punkte kein Ding der Unmöglichkeit sein. „Die Taktung muss hoch gehalten werden“, weiß auch Cheftrainer Thomas Tuchel.

Abseits

Im Internationalisierungswahn den Anstand verloren? Danke Kuba und Neven!“ Neben dem Platz und auf der Süd, positionierte sich ein Teil der Anhänger relativ deutlich zu den von der schwarz-gelben GmbH durchgeführten Maßnahmen im Rahmen der weltweiten Vermarktung. Vor allem die Reisen nach Dubai und China sorgten bei vielen Fans zuletzt für Kopf schütteln und Unverständnis. Ein sicherlich heikles und streitbares Thema, da solche Reisen und PR - Kritik von der Südtribüne bezüglich Neben & KubaVeranstaltungen im Rahmen der internationalen Vermarktung und zum Erhalt der Konkurrenzfähigkeit einerseits wohl zu vermeiden sind. Andererseits muss man sich aber fragen, ob Länder wie Dubai oder China, in denen mit Menschenrechten auf sehr exklusive Art und Weise umgegangen wird, die vorteilhaftesten Orte zur Durchführung solcher Maßnahmen sind. Die gleichzeitige Kritik am Umgang mit verdienten und langjährigen Spielern wie Kuba und Subotic ist dabei auf menschlicher Ebene ebenfalls zumindest diskussionswürdig, aus sportlicher Sicht greift hier allerdings, und das wohl berechtigt, das Leistungsprinzip.

Ein nicht wirklich erfolgreiches Heimdebüt verlebte Rückkehrer Mario Götze. Sah der eigentliche Plan von Thomas Tuchel noch vor, den Heimkehrer im Laufe der Partie zumindest einzuwechseln, gab dies der Spielverlauf jedoch nicht mehr her und so muss der so viel diskutierte Nationalspieler weiterhin auf seinen „ersten“ Auftritt im Tempel warten. Zudem gab es wohl, unnötigerweise, während des Warmmachens einen gezielten Becherwurf in Richtung Mario G. Sollte dies tatsächlich der Fall gewesen sein, ist nur eins klar: Längst nicht jeder ist wieder warm geworden mit der Entscheidung der Borussia, den verlorenen Sohn zurück zu holen.

Statistik

BVB: Bürki - Passlack, Sokratis, Ginter, Schmelzer (71. Rode) - Weigl - Castro, Guerreiro (63. Kagawa), Pulisic, Dembele (63. Mor) - Ramos

Darmstadt: Esser - Holland, Guwara, Milosevic, Höhn, Jungwirth - Niemeyer, Vrancic (46. Bezjak) - Ben - Hatira (39. Sirigu), Heller (70. Colak) - Auch Christian Pulisic erzielte sein erstes SaisontorSchipplock

Schiedsrichter: Benjamin Brand

Assistenten: Robert Schröder, Frederick Assmuth

Vierter Offizieller: Christian Gittelmann

Tore: 1:0 Castro (7.), 2:0 Ramos (48.), 3:0 Pulisic (54.), 4:0 Castro (76.), 5:0 Rode (84.), 6:0 Mor (88.)

Zuschauer: 81.360 (ausverkauft)

Karten: Ben - Hatira, Milosevic, Höhn, Jungwirth (alle Darmstadt)

Chancenverhältnis: 14:2

Ecken: 12:2

Thomas Tuchel zeigte sich voll zufriedenBallbesitz: 72:28 %

Stimmen zum Spiel

Thomas Tuchel (zum Spiel):

„Wir haben heute eine sehr runde Leistung gebracht. Wir wollten die Schlagzahl hoch halten, das ist uns gelungen. Wir haben das Spiel in jeder Phase kontrolliert und am Ende völlig verdient gewonnen. Am Ende haben wir viele und schöne Tore geschossen und unseren Zuschauern einen tollen Nachmittag geboten.“

… zum Nicht-Einsatz von Mario Götze

„Das hatte einen ganz klaren Grund. Es war der hohen Intensität geschuldet, die Mario in den letzten Wochen gegangen ist. Er kommt aus einer Verletzung und einer Phase, in der die Intensität nicht so hoch war. Deshalb war es angesagt, Vorsicht walten zu lassen.“

18.09.2016, Boris Davidovski


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