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Unsa Senf - 15.07.2016

Einfach nur nicht scheiße sein - Erwartungen an einen Spieler

Götze. Sein Name und der Gedanke an eine Rückkehr zum BVB erzeugt bei mir Widerwillen. Nein, mehr noch: tiefe Abneigung. Um fair zu bleiben, das ist jetzt nicht spezifisch für unseren Noch-Ex-Kicker. Genau diese Abneigung würde ich einem Robert Lewandowski entgegen bringen oder einem Mkhitaryan, sollte eine Rückholung jemals ein Thema werden.

Aber warum ist das so? Sportliche Gründe spielen dabei überhaupt keine Rolle. Ein Götze, sollte er die spielerische Klasse von 2011 zurückerlangen, wäre zweifelsfrei ebenso eine echte Verstärkung wie der Mkhitaryan der letzten Saison. Von Robert Lewandowski, den ich fußballerisch für einen der besten Stürmer der Welt halte, ganz zu schweigen. Diese Sichtweise, die rein den sportlichen Mehrwert eines Transfers bilanziert und in eine Kosten-Nutzen-Analyse überführt, ist für mich zu sehr das Mittel, das durch den Zweck geheiligt wird. Ich will mehr. Ein Spieler muss mich auch auf anderen Ebenen überzeugen.

Dabei will ich gar nicht so weit gehen und mich mit einem Spieler identifizieren wollen. Ich weiß auch nicht so wirklich, was das genau bedeuten soll. Das Weltmeisterjahr 1990 ist schon lange her. Damals haben wir als Kinder auf der Straße oder im Hof gekickt und ein wichtiges Ritual war, im Vorfeld abzuklären, wer von uns jetzt Rudi Völler, Jürgen Klinsmann oder Lothar Matthäus sein durfte. Ja, liebe Kinder, damals gab es Menschen, die freiwillig Lothar Matthäus sein wollten. Das ist schon lange vorbei. Wenn ich in der Freizeit pöhlen gehe, bilde ich mir nicht mehr ein, ein Profifußballer zu sein. Und wenn, dann wäre ich wohl eher ein Tinga. Wenigstens von der taktischen Raumaufteilung. Nein, ich habe die Altersgrenze schon lange überschritten, ab der man sich langsam eingestehen muss, dass es mit einem Leben voller Glamour, Aufmerksamkeit und Luxus wohl nichts mehr wird und mein Alltag sich fundamental von der Lebenswirklichkeit eines Fußballprofis unterscheidet. Ein Bundesligaspieler bietet für mich genau so viel Identifikationspotential wie ein Stockfisch.

Und schon gar nicht erwarte ich von einem Spieler das soziale Engagement, die Opferbereitschaft und Mitmenschlichkeit eines Neven Subotic. Er ist ein Supertyp. Ein Vorbild. Aber ihn als Maßstab zu nehmen wäre nicht nur unfair, sondern auch ziemlich verlogen. Ich fahre nämlich selbst bald in den Urlaub. Zwar nur deutsche See, aber ich nutze ihn auch nicht, um in Äthiopien Brunnenbauprojekte zu unterstützen oder im Amazonasgebiet den Regenwald zu retten. Wie könnte ich da einem Mario Götze oder irgendeinem anderen Profi vorhalten, dass er während seiner wohlverdienten Ferien mit einer Luxusjacht vor Mauritius rumschippert? Hätte ich das Geld, würde ich Euch vermutlich auch eine Postkarte von solchen Traumzielen schicken. Natürlich über Instagram.

Nein, das alles erwarte ich gar nicht von einem Spieler. Ich möchte einfach, dass Spieler, die das Trikot unseres Ballspielvereins tragen, mir zumindest nicht unsymphatisch sind. Ich verbringe viel Freizeit mit ihnen, auch wenn sie davon nichts wissen. Sie sind in meinem Kopf, ich mache mir Gedanken über sie und das, was sie auf dem Fußballplatz darbieten. Ich liebe Fußball, er ist ein bedeutender Teil von mir – und damit sind es auch zwangsläufig die Spieler. Und deshalb will ich nicht, dass in diesem Kopf Spieler herumspuken, die mich anwidern. Es gibt Spieler, für die will ich in meinen Gedanken keinen Platz reservieren müssen. Ein Mario Mandzukic mit seinem erbärmlichen Nationalismus, ein Rafinha mit seinen hinterhältigen Verstößen gegen jedes Gebot der Fairness, Robert Lewandowski und Henrikh Mkhitaryan mit ihren scheinheiligen Unschuldsmienen, die ihre Berater die Drecksarbeit machen lassen, für die sie anscheinend selber zu feige sind. Und auch Mario Götze mit seiner unerträglichen Selbstverliebtheit und seiner Bereitwilligkeit, sich zur inhaltslosen Hülle zu degradieren.
Alles Spieler, mit denen ich mich nicht für länger in einem Raum aufhalten möchte, weil sie mir völlig unsympathisch sind. Warum sollte ich mich dann darauf freuen, mit ihnen jeden zweiten Samstag im selben Stadion zu sein? Zur Ehrenrettung aller Profis sei gesagt, dass das wirklich nur wenige Spieler betrifft. Gegen den absolut größten Teil habe ich gar nichts einzuwenden. Sie leben ihr Leben und ich lebe meins. Eine Zeit lang überschneiden sich diese beiden Leben und von meiner Seite aus gesehen kommen wir in dieser Zeitspanne eigentlich prima miteinander aus.

Es ist dieser kleine, überschaubare Anteil von ihnen, mit dem ich nicht zusammen sein will. Demgegenüber diese Abneigung besteht. Ich werde mich mit ihm arrangieren müssen, weil die einzige Alternative wäre, selber zu gehen. Aber ich muss sie nicht mit offenen Armen empfangen. Und schon gar nicht muss ich mich auf sie freuen. Mir wäre es lieber, wenn sie einfach wegblieben.

Sascha, 15.07.2016


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