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Spielbericht Profis - 18.04.2016

Mit Jugend forscht zur Pflichterfüllung

HeimintroKeine Zeit, und vor allem keine Lust für Selbstmitleid! Der Schock auf der Insel ist noch keine drei Tage her und als Borusse nicht annähernd verdaut, schon holt die Schwarzgelben der Alltag wieder ein. Und der heißt Bundesliga gegen den Angstgegner von der Elbe. „Die absolute Pflicht, Leistung zu bringen“. Mit diesen Worten versuchte Cheftrainer Tuchel auf der PK vor seinem 200. Spiel als Bundesligatrainer schon im Keim die Versuche zu ersticken, jegliche möglichen Alibis für eine Nicht-Leistung nach dem Spiel zu finden. Gerade jetzt also die Chance, gegen eine auf sportlichem Niveau eindeutig unterlegene, in den letzten Jahren aber immer wieder problematisch zu bespielende Mannschaft aus Hamburg die einzig richtige Reaktion zu zeigen: Leistung und volle Konzentration! Kein Liverpool und auch keine Hertha, es zählte nur das Hier und Jetzt. Und das sollte schwierig genug werden.

Taktik & Personal

Choreo HSVBeim BVB ist vor dem Pokalhalbfinale am Mittwoch in Berlin große Rotation („Belastungssteuerung“) angesagt. Lediglich Castro, Kagawa und Hummels bleiben im Vergleich zur Partie in Liverpool in der Startelf. Bürki im Tor, Bender, Ginter und Youngster Passlack bilden die neuformierte Abwehrreihe. Das defensive Mittelfeld setzt sich aus Sahin und Rückkehrer Gündogan zusammen. Pulisic und Ramos komplettieren die Offensive.

Erste Hälfte


Passlack und PulisicWer vom Anpfiff weg eine mit Wut im Bauch spielende Borussia erwartet hatte, der wurde zunächst einmal enttäuscht. Ganze acht Personalwechsel nahm Tuchel im Vergleich zu m Europapokalspiel am Donnerstag vor, und das machte sich eindeutig bemerkbar. Anfangs noch viel über die linke Bubi-Seite um die beiden erst 17-jährigen Passlack und Pulisic (zusammengenommen immer noch jünger als Gegenspieler Emir Spahic), fehlte den Schwatzgelben augenscheinlich das Tempo und die Präzision im Aufbauspiel. Zwar war man nach den ersten gut 15 Minuten Ball - und feldüberlegen, gefährliche Torannäherungen gab es zu dem Zeitpunkt noch keine. Die erste Ecke brachte nichts ein, und auch der Kopfball von Matze Ginter strahlte keine wirkliche Gefahr für Ex-Nationaltorwart Rene Adler aus. Der HSV, anfangs noch in Erwartung eines Dortmunder Sturmlaufs, hatte genug gesehen und legte seine abwartende Haltung immer mehr ab. Der erste Torschuss von Nicolai Müller ging noch knapp links am Tor vorbei, die nächste Gelegenheit für die Hanseaten gestaltete sich dann deutlich gefährlicher. Läppischer Ballverlust der Dortmunder im Aufbauspiel, und plötzlich ist man bei einer 3-gegen-3 im Rückwärtsgang äußerst schlecht aufgestellt. Flanke von Lasogga auf den Kopf von Ilicevic, und nur Zentimeter bewahren den BVB vor einem Rückstand. Gegen den HSV könnte man sich ja in letzter Zeit schon fast daran gewöhnen.

Mitnichten war diese Situation jedoch ein Weckruf für die Hausherren, deren Spielaufbau weiter von Trägheit und Tempolosigkeit geprägt wurde. Die Angriffsbemühungen liefen überwiegend über rechts und Ginter, dessen Flankenläufe: ohne Ertrag. Zu langsam schalteten und antizipierten die Herren in Gelb zu diesem Zeitpunkt, und exemplarisch dafür stehen besonders zwei Szenen: In Minute 34 spazierte Ilicevic unbedrängt durch die Dortmunder Hälfte und hatte anschließend Pech beim Abschluss, kurz darauf drückte Bender im Kopf den falschen Knopf und spielte einen katastrophal zu kurzen Rückpass in die Füße des zuvor für Lasogga eingewechselten Schipplock, der jedoch selbst über so viel Großzügigkeit überrascht zu sein schien, und das fast schon sichere Führungstor völlig unerklärlich herschenkte.

2:0 durch RamosZiemlich bezeichnend war dann auch die Tatsache, dass die jugendliche Unbekümmertheit eines 17-jährigen als Dosenöffner für die Borussia dienen musste. Im Anschluss an eine kurz ausgeführte Ecke spielte Hummels einen Hackenpass auf Pulisic, der mit einer starken Aktion und einem trockenen Schuss ins kurze Eck das eminent wichtige Führungstor erzielen konnte. Das Premierentor des US-Amerikaners beflügelte das Spiel der Borussen spürbar. Vor allem der blutjunge Offensivspieler strotzte vor Selbstvertrauen und war für die Hamburger nur schwer zu halten. Mit der nächsten Aktion schaltete Pulisic auch in den Vollgas-Modus und zog mit seinem Solo über das halbe Feld die nächste Chance, sein letzter Pass geriet aber zu kurz. Kurz vor dem Halbzeitpfiff sorgte dann eine erneut gelungene Einzelaktion für eine komfortablere Führung: Sahin spielte einen klugen Pass auf Ramos, der ließ zwei Hamburger aussteigen und vollendete mit einem Schlenzer ins lange Eck zum wichtigen 2:0.


Zweite Hälfte

Jubel nach dem 3:0 durch RamosDer BVB kam nicht nur ergebnistechnisch mit deutlichem Oberwasser aus der Kabine. Mental deutlich gefestigter durch die beiden Treffer in wichtigen Phasen im ersten Spielabschnitt, war die Borussia von Beginn an die klar bessere und überlegene Mannschaft. Man war spürbar gewillt, so schnell wie möglich den Deckel drauf zu machen, und es ging da weiter, wo in der ersten Hälfte aufgehört wurde. Der Elfmeterpfiff für Passlack in der 46. blieb wohl zurecht aus, kurz darauf jedoch brachten sich die Hamburger selbst in noch größere Bredouille. Kagawa wurde von Ramos auf die Reise geschickt, Adler stürmte aus seinem Tor und mähte den Japaner außerhalb des Strafraums um. Schiri Fritz grübelte lange, entschied sich dann aber doch und zeigte glatt Rot. Eine umstrittene Entscheidung, aus Dortmunder Sicht sicherlich eher glücklich. Der Rest der Spielhälfte gestaltet sich relativ eindeutig: Der BVB kontrollierte Ball und Gegner ohne größere Probleme, die Hamburger kamen in Unterzahl nur sehr selten zu jeglichen Offensivaktionen. Als dann auch noch Albin Ekdal verletzt vom Platz musste und die Hanseaten alle Wechseloptionen schon ausgeschöpft hatten, wurde es für den HSV noch eine Prise bitterer. Mit nur noch acht Feldspielern, glich die Partie in der Schlussphase eher einem Handballspiel. Pass-Stafetten rund um den Strafraum, ließen das dritte Tor der Dortmunder nur noch wie eine Frage der Zeit wirken. Der eingewechselte Aubameyang, im Kampf um die Torjägerkanone spätestens seit Samstag deutlich unter Zugzwang, vergab die Chance auf das 3:0. Kurze Zeit später machte es dann erneut Ramos besser, als er einen von Drobny schlecht abgewehrten Torschuss zur endgültigen Entscheidung und seinem zweiten Tor abstaubte. Sichtlich erfreut und mit den Gedanken schon beim Spiel am Freitagabend gegen Bremen, vernahmen die Hamburger den Schlusspfiff und befinden sich nun wieder mitten im Abstiegskampf.


Fazit

Danke an die FansEin im Endeffekt verdienter und deutlicher Sieg. Der HSV war aber vor allem zu Beginn der Partie die bessere Mannschaft und bereitete dem BVB vor allem mit starker Defensive größere Probleme. Schadlos und vor allem glücklich überstanden die Dortmunder die Riesenchance von Schipplock nach dem kapitalen Aussetzer von Bender. Die beiden Treffer fielen vor der Halbzeit, und damit zum genau richtigen Zeitpunkt. Mit der Führung im Rücken kam der BVB deutlich stärker aus der Kabine und bestimmte zunehmend das Spiel. Mit dem dritten Treffer krönte der Kolumbianer Ramos seine gute Leistung und machte den Sack für die Borussia zu. Mit einer zusätzlichen Portion Selbstvertrauen reisen die Dortmunder nun zum Pokalhalbfinale nach Berlin, mit dem festen Ziel im Mai nochmals dorthin aufbrechen zu müssen.

Für den HSV war die Bilanz nach dem Spiel eher bitterer Natur: Drei Gegentore, drei Verletzte, Platzverweis für den Kapitän. Die Gesamtsituation könnte vor dem wichtigen Derby am Freitag gegen Bremen deutlich besser sein.

Statistik

BVB: Bürki - Ginter (75. Schmelzer), Hummels, Bender, Passlack - Gündogan (65. Leitner), Sahin - Pulisic, Kagawa, Castro (75.) - Ramos

Hamburg: Adler - Sakai, Cleber, Spahic, Ostrzolek - Ekdal, Kacar (54. Drobny), Holtby - Müller (67. Gregoritsch), Ilicevic - Lasogga (34. Schipplock)


Schiedsrichter: Marco Fritz

Tore: 1:0 Pulisic (38.), 2:0 Ramos (44.), 3:0 Ramos (86.)

Zuschauer: 81.359 (ausverkauft)

Karten: Rot für Adler (52.)

Torschüsse: 7:3

Ecken: 10:0

Ballbesitz: 68:32 %

Stimmen zum Spiel

Thomas Tuchel: „Wir hatten viele Veränderungen in der Startelf, haben uns auch ein bisschen schwer getan, keine Frage. Der HSV hat aggressiv und giftig verteidigt. Es hat sich zwar etwas zäh angefühlt, aber wir haben 3:0 gewonnen und sind sehr zufrieden. Wir sind guten Mutes für Spiel im DFB-Pokal in Berlin. Wir wollen ins Finale.“

18.04.2016, Boris Davidovski

 


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