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Warmlaufen - 19.03.2016

In Augsburg über die Ziellinie

Jubelnde MannschaftSchnappatmung wieder eingestellt? Nach der Kracherauslosung in der Europa-League steht für dieses Wochenende wieder ganz normaler Ligaalltag auf dem Programm. Gegner ist, wir verkneifen uns jetzt mühsam das Wort „ausgerechnet“, der FC Augsburg. Ein Verein, der seit neulich auch einen Bezug zur Merseyside hat. Schließlich hat man in der EL bereits in der Zwischenrunde aka Sechszehntelfinale gegen Klopps neuen Verein die Segel streichen müssen. Aber auch noch aus einer anderen Sicht ist das Gastspiel bei den Fuggerstädtern besonderns. Augsburg ist Ziellinie.

Mit einem Sieg hätte der BVB bereits am 27. Spieltag seine Punkte 62, 63 und 64 eingefahren. Zumindest in den letzten 20 Jahren hat diese Zahl immer ausgereicht, um mindestens Tabellendritter zu werden. Borussia hätte somit statistisch die direkte Qualifikation für die Champions-League in der Tasche und das gesteckte Saisonziel sensationell früh erreicht. Ok, dieses Ziel hat man gedanklich eh schon lange abgehakt, aber trotzdem sollte man das nicht einfach so locker unter den Tisch fallen lassen. Wir spielen eine phänomenale Saison. Die Spieler haben bislang 44 Spiele in den Knochen, das sind jetzt schon mehr als das Gros der Ligavereine nach dem letzten Spieltag absolviert haben wird. Von diesen Spielen haben wir 34 gewonnen und jeweils nur fünf Spiele unentschieden gespielt, oder mit einer Niederlage beendet. Dabei haben wir 110 Tore geschossen und 38 Tore kassiert. Im Schnitt spielen wir also 2,50:0,86 und holen, über alles gerechnet, 2,43 Punkte. Auch wenn Gegner wie Wolfsberg und Paderborn mit Sicherheit den Schnitt positiv beeinflussen.

Die Zahlen sind einfach beeindruckend und bei aller wiedergewonnenen Souveränität und Selbstsicherheit darf man diese Leistung einfach nicht gering schätzen. Das ganze mit einem Kader, der in der Winterpause noch etwas verkleinert wurde und angesichts der enormen Belastung mit Sicherheit hart an der Grenze des Machbaren entlang navigiert. An dieser Stelle muss man einfach mal alle Hüte vor Thomas Tuchel und seinem Trainerteam ziehen. Wer sich vor seinem Amtsantritt gefragt hat, ob Tuchel auch „Große kann“, der wird daran jetzt keinen Zweifel mehr haben. Vermutlich kann er das sogar noch besser als einen Verein wie Mainz, weil eine höhere Kaderqualität ihm viel mehr Möglichkeiten gibt, seine Ideen und Vorstellungen umzusetzen. Davon scheint er ein verdammt großes Repertoire zu haben. Der hobbymäßige Taktikfuchs, der während des Kicks auch mal auf das gesamte Spielfeld achtet, stellt immer wieder mit Erstaunen fest, dass sich die Mannschaft auf einmal ganz anders positioniert als es noch vor fünf Minuten der Fall war. Da wechselt die Vierer- zur Dreierkette und wieder zurück, da lässt sich ein Gündogan mal in die eigene Hälfte zurück fallen, nur um dann wieder fast auf gleicher Höhe mir Reus und Mkhitaryan aufzuspielen und dann gibt Hummels auf einmal den Hybriden aus Linksaußen und Spielmacher.

Thomas TuchelSo ganz nebenbei hat Tuchel dann unsere Borussia während der Winterpause auch noch mal eben zu einer phänomenal stabilen Defensive ausgebaut, an der sich in diesem Jahr fast jede gegnerische Sturmreihe die Zähne ausgebissen hat, und diese Komplexität soweit in den Köpfen aller Spieler verankert, dass er nahezu auf allen Positionen ohne größeren Qualitätsverlust durchwechseln kann. Und so sollten sich die Augsburgfans besser nicht erfreut die Hände reiben, wenn zur „Belastungssteuerung“ vielleicht Spieler wie Pulisic, Leitner oder Ramos für die Kicker der allerersten Elf zu Beginn auf dem Platz stehen. Die Jungs wissen, was der Trainer von ihnen verlangt und Tuchel weiß, wie er sie aufstellen muss.

Sonntag ein Sieg und die Pflicht ist erfüllt. Anschließend können wir mal gucken, was noch auf den großartigsten Verein der Welt wartet. Wir können das jetzt alles ganz entspannt-spannend auf uns zukommen lassen. Und Augsburg zeigen, wie man gegen Liverpool weiterkommt.

FC Augsburg: Hitz – Verhaegh, Gouweleeuw, Klavan, Max - Baier, Kohr, Esswein, Koo, Caiuby – Finnbogason

Borussia Dortmund: Bürki – Schmelzer, Hummels, Sokratis, Piszczek – Weigl – Reus, Gündogan, Mkhitaryan – Aubameyang

oder vielleicht auch

Bürki – Schmelzer, Subotic, Sokratis, Ginter – Weigl, Sahin – Kagawa, Castro, Mkhitaryan – Ramos

oder

Bürki – Park, Subotic, Hummels, Ginter – Sahin, Gündogan – Kagawa, Castro, Durm- Ramos

oder einfach irgendwas anderes, das Sinn macht.

Sascha, 19.03.2016


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