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Spielbericht Profis - 11.03.2016

BVB zerpflückt die lilienweißen Londoner

Fahnenintro auf der SüdtribüneMit dem Tabellen-2. der englischen Premier League kam das nächste europäische Schwergewicht ins Westfalenstadion. Der erste Akt im Achtelfinale gegen die Mannen aus dem Norden Londons versprach ein Spiel auf internationalem Top-Niveau zu werden. Zwei junge und hungrige Mannschaften, dazu das Aufeinandertreffen der beiden Trainerfüchse Tuchel und Pochettino. Also hieß es: Bring on the Spurs!

Taktik & Personal

Der BVB musste den kurzfristigen und bitteren Ausfall von Ilkay Gündogan verkraften, der im Abschlusstraining wohl einen Schlag auf den Fuß bekommen hatte. Für ihn stand Castro in der Startelf. Im Tor durfte Roman Weidenfeller ran, während der Abwehrverbund aus Piszczek, Hummels, Bender und Schmelzer bestand. Die defensive Sechserposition übernahm wie gewohnt Weigl. In der Offensive vertraute man auf das Personal aus Mkhitaryan, Durm, Reus und Aubameyang.Die Gäste begannen etwas defensiver als erwartet, wobei besonders das Fehlen von Sturmspitze Kane überraschte. Auch Leistungsträger Lamela musste zunächst auf der Bank Platz nehmen. Den Platz zwischen den Pfosten nahm der französische Nationaltorhüter Lloris ein. Seine zu dirigierende Abwehrreihe setzte Mats Hummels gegen Nacer Chadlisich aus Trippier, Wimmer, Alderweireld und Davies zusammen. Zudema durfte Talent Onomah seine Startelfpremiere feiern und wurde im defensiven Mittelfeld von Eigengewächs Mason und Carroll unterstützt. Die Offensive bildeten der in Dortmund wenig beliebte Son, Eriksen und Chadli.

Erste Hälfte

Die erste Aktion der Partie gehörte prompt den Gästen aus Nord-London. Die Schwarzgelben vertändelten den Ball und konnten die Situation nicht klären, so dass Eriksen einen ersten Warnschuss in Richtung Dortmunder Tor abfeuern konnte. Für den Schlussmann gar nicht mal so schlecht, bei kühlen Temperaturen von Beginn an warm zu werden. Die Marschrichtung des Teams von Trainer Mauricio Pochettino war von der ersten Minute an zu erkennen: Die Lilienweißen pressten die Dortmunder bereits tief in der gegnerischen Hälfte und versuchten den BVB so zu schnellen Ballverlusten im Spielaufbau zu zwingen. Dies funktionierte in den ersten Minuten auch relativ gut, so dass Tottenham in der vierten Minute den ersten Eckball verzeichnen konnte. Die Borussia schüttelte sich kurz, und legte dann den Vorwärtsgang ein.

Die erste Möglichkeit brachte Castro, nach Kopfballablage von Reus, im Fallen nur rechts am Kasten von Hugo Lloris vorbei. Knappe 30 Sekunden später dann die erste Riesenchance: Aubameyang schleppte den Ball bis zur Strafraumgrenze und steckte dann clever auf den einlaufenden Durm durch. Der an diesem Abend nominelle offensive Außen rutschte in den Ball und setzte die Kugel nur minimal am rechten Pfosten vorbei. Ein erstes Ausrufezeichen der Borussia. 

Pierre-Emerick Aubameyang sorgte für die beruhigende FührungDer BVB war jetzt spürbar angekommen in diesem Achtelfinale und so begann die erste richtige Drangphase der Dortmunder. Einer guten Chance von Aubameyang in Minute 11, folgte ein erneut durchgestarteter Erik Durm mit praktisch freier Bahn zum Tor. Am Ende war es dann ein Haken zu viel und der Verteidiger luchste dem jungen Borussen den Ball vom Fuß. Den Torschrei hatte der Tempel dann zum ersten Mal in Minute 14 auf den Lippen, doch das Tor von Aubameyang wurde zurecht wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen. Trotz augenscheinlicher Anfälligkeit für schnelle Tempogegenstöße der Dortmunder, presste Tottenham weiter sehr hoch in der Dortmunder Hälfte. Nach einer halben Stunde konnte der BVB dann seine deutliche Überlegenheit auch endlich in Zählbares ummünzen, denn das 1:0 von Aubameyang war längst überfällig. Nach einer starken Flanke von Schmelzer köpfte der Gabuner den Ball unhaltbar ein. In der unmittelbaren Phase nach dem Gegentor, versuchten die Spurs merklich in der Offensive noch etwas zu bewegen. Durch unnötige Ballverluste im Spielaufbau beraubten sie sich jedoch ein ums andere Mal selbst jeglicher Chancen, einen konstruktiven Angriff vortragen zu können. In Minute 35 wird dem BVB ein Freistoß zugesprochen, den Reus aus knapp 18 Metern knapp links am Pfosten vorbei setzt. Zuvor traf Carroll mit hohem Bein Schmelzer äußerst schmerzhaft im Gesicht. Kurz vor dem Halbzeitpfiff drückten die Dortmunder auf das zweite Tor, die Chancen von Mkhitaryan und Durm konnten jedoch nicht verwertet werden. Tottenham wirkte leicht überfordert und war sichtlich erfreut, den Halbzeitpfiff zu hören.

Zweite Hälfte

Piszczek und Durm gegen OnomahDer zweite Spielabschnitt begann ähnlich wie der erste zu Ende ging. Aubameyang startete durch, legte den Ball auf links zu Castro ab, der den Ball aus spitzem Winkel nur an den linken Pfosten setzen konnte. Parallel zu Dortmunds Spielfreude und Offensivdrang, setzten sich auch die Probleme der Londoner im Spielaufbau weiter fort.

Einen kleinen Dämpfer erlitt die Stimmung dann in Minute 57: Sven Bender musste verletzt vom Platz, für ihn kam Neven Subotic ins Spiel. Wie Frustbewältigung auf Reus’sche Art aussieht, zeigte die Nummer 11 des BVB dann eindrucksvoll in der 61. Minute. Über weite Strecken des bisherigen Spiels glücklos und blass, zimmerte Reus den Ball nach einem Eckball dermaßen ins Netz, dass Torhüter Lloris anschließend aussah, als hätte er nicht ganz verstanden was gerade passiert war. Subotic hatte den Ball nach einem kurz ausgeführten Eckball mit dem Kopf an den zweiten Pfosten verlängert, wo der Offensivmann sich seiner Enttäuschung auf sinnvolle Art und Weise entledigte und das 2:0 markierte. Die Spurs gaben kurz darauf durch Son ihr erstes offensives Lebenszeichen in Hälfte zwei ab, blieben aber weiter ohne echte Torgefahr. Tottenham-Coach Pochettino versuchte dem Spiel durch die Einwechslung von Erik Lamela einen Impuls in die richtige Richtung zu verleihen, doch der Wechsel für den blassen Eriksen vollbrachte auch keine Wunder mehr. 

Marco Reus machte den Deckel drauf20 Minuten vor Schluss machten die Dortmunder dann den Deckel drauf. Und wie! Das 3:0 von Reus ging aus einem wunderschönen Spielzug hervor, mit entscheidender Beteiligung von Aubameyang, Castro und natürlich der freundlich passiven Defensive der Lilienweißen aus England. Trotz komfortabler Führung, blieb die Borussia weiter bemerkenswert konzentriert und fokussiert, und ließ sich auch durch einige unnötige Fouls und härteres Einsteigen der Spurs-Spieler nicht mehr aus der Ruhe bringen. Mkhitaryan tauchte dann eine Viertelstunde vor Schluss noch mal frei vorm Tor auf, dreschte den Ball jedoch in Rücklage deutlich über den Kasten. Knappe zehn Minuten vor Abpfiff erhob sich das Westfalenstadion dann, um die aus dem Spiel scheidenden Reus und Aubameyang angemessen mit Standing Ovations zu verabschieden. Eine starke Leistung von beiden Akteuren am heutigen Abend.

Die restliche Spielzeit ist schnell zusammengefasst: Tottenham kann nicht, Dortmund musste nicht. Spiel und Gegner wurden souverän verwaltet, von den Londonern kam offensiv nichts mehr. Der eingewechselte Harry Kane hing ohne Bindung komplett in der Luft, Lamela war hauptsächlich damit beschäftigt, zu provozieren. Diesen Europapokalabend hatte sich Mauricio Pochettino sicher ganz anders vorgestellt. 

Fazit

Jubel nach Abpfiff vor der SüdtribüneVerdienter kann ein Sieg kaum sein. Der BVB dominierte den Gegner über die gesamte Spielzeit und hätte gut und gerne ein bis zwei Tore mehr machen können, wenn nicht sogar müssen. Schwer zu glauben, dass diese Mannschaft von Tottenham in England zurzeit den zweiten Tabellenplatz belegt. In der Offensive größtenteils komplett harmlos und blass, werden die Spurs mit großer Wahrscheinlichkeit im Rückspiel anders auftreten (müssen). Doch mit einem mehr als komfortablen Polster von 3:0, kann der BVB dem Rückspiel am nächsten Donnerstag in London äußerst entspannt entgegenblicken. Sollte kein totaler Leistungseinbruch stattfinden, führt die Reise in der Europa League die Schwarzgelben auf direktem Wege ins Viertelfinale. Denn das Hinspiel war, so hart es auch klingt, ein deutlicher Klassenunterschied.

Auch die Zuschauer auf den Tribünen zeigten sich, anders als in vielen Spielen in dieser Saison, über die fast kompletten 90 Minuten in beachtlich guter Form. Bis auf die Nordtribüne, die überwiegend mit betretend schweigenden englischen Fans gefüllt war, kam von allen anderen Rängen lautstarke Unterstützung. Generell hinterließen auch die Anhänger der Spurs einen durchweg positiven Eindruck. Schon tagsüber lange vor dem Spiel, versammelten sich einige 100 von ihnen friedlich in der Innenstadt auf dem alten Markt und genossen bei ein paar Kaltgetränken das gute Wetter.

Einen faden Beigeschmack hinterließ allerdings das Auftreten der Polizei vor dem Spiel. Sowohl der Einsatz von Schlagstock und Pfefferspray gegen gegnerische Fans, als auch eine deutlich provozierende Geste in Richtung Dortmunder Fangruppen werfen erneut viele Fragen auf. So wurde uns berichtet, dass zwei Ultragruppen aus unerklärlichen Gründen auf dem Weg zum Stadion Videokameras vor die Nase gehalten bekamen, um so die marschierende Masse sehr detailliert zu filmen. Trotz deeskalierender Maßnahmen seitens der Gruppen, forderte man schließlich sogar Verstärkung. Warum Dortmunder auf ihrer "traditionellen" Route grundlos provoziert werden, lässt sich wohl schwer beantworten.

Statistik

BVB: Weidenfeller - Piszczek, Hummels, Bender (57. Subotic), Schmelzer - Weigl, Castro - Durm, Mkhitaryan, Reus (Ramos 82.) - Aubameyang (Kagawa 82.)

Dreimal Jubeltraube im WestfalenstadionTottenham: Lloris - Trippier, Alderweireld, Wimmer, Davies - Carroll, Mason - Onomah, Son (Kane 76.), Eriksen (Lamela 68.) - Chadli (Dembele 58.)

Schiedsrichter: Cüneyt Çakır

Assistenten: Bahattin Duran, Tarik Ongun

Torrichter: Hüseyin Göçek, Barış Şimşek

Vierter Offizieller: Cem Satman (alle Türkei)

Tore: 1:0 Aubameyang (30.), 2:0 Reus (61.), 3:0 Reus (70.)

Zuschauer: 65.848 (ausverkauft)

Karten: Carroll, Lamela

Torschüsse: 10:1

Ecken: 9:4

Thomas Tuchel war zufriedenBallbesitz: 66:34 %

Stimmen zum Spiel:

Thomas Tuchel : „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung und dem Ergebnis. Wir haben sehr frisch und sehr griffig gewirkt. Zu Beginn war Tottenham sehr sehr stark, danach sind wir schnell passsicherer geworden und hatten eine Vielzahl an Torchancen. In der zweiten Hälfte waren wir dann komplett dominant. Wir sind sehr zufrieden mit unserer starken Leistung heute.“

zu Erik Durm: „Er macht das momentan sehr gut. Er hat im Training eine tolle Form und hat schon im ersten Rückrundenspiel in Gladbach eine tolle Leistung abgeliefert. Er trainiert sehr gut und hat die körperlichen Voraussetzungen die unserem Spiel gut tun. Er ist flexibel einsetzbar, und das lieben wir Trainer.“

Boris, 11.03.2016


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