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Auffem Platz - 06.03.2016

Dem Protest auf den Rängen folgt Nullnummer als Mutmacher

Torlos im SpitzenspielDrei Tage lang durften wir in Dortmund zuletzt zaghaft von der Deutschen Meisterschaft träumen. Das 0:0 gegen Bayern München dürfte dem nun nach menschlichem Ermessen zwar ein Ende bereitet haben, die Enttäuschung rund um die Strobelallee sollte jedoch nicht allzu groß sein. Die Borussia lieferte beim torlosen Remis gegen den amtierenden und wohl auch neuen Titelträger der Bundesliga insbesondere im ersten Durchgang ein beachtliches Spiel ab und zeigte eine Leistung, auf der man für die nahe Zukunft auch mit Blick in höchste Sphären aufbauen kann.

Taktik

Thomas Tuchel formierte die Borussen-Elf im gewohnten 4-2-3-1, das jedoch nicht ganz in Form gegossen war. Insbesondere Erik Durm pendelte stets zwischen seiner vorgesehene Position im vorderen rechten Mittelfeld und der rechten Verteidiger-Seite zur Unterstützung von Lukas Piszczek. Sven Bender und Mats Hummels bildeten die Innenverteidigung, Julian Weigl und Ilkay Gündogan die Doppel-Sechs.

Pep Guardiola schickte seine Mannschaft ebenfalls in einem 4-2-3-1 aufs Feld, wobei Xabi Alonso gegen den Ball auch gerne mal zur Unterstützung von der Doppel-Sechs in die Vierer-Abwehrkette zurückfiel, wodurch die Bayern das Feld gut zustellten.

Südtribüne Dortmund: Nein zu Montagsspielen!

Protest gegen Montagsspiele auf der SüdtribüneDie ersten Akzente an diesem Abend im Westfalenstadion setzten die Mitglieder des Fan-Bündnisses „Südtribüne Dortmund“. Sie nutzten die Plattform des vielbeworbenen „Deutschen Clasico“, um erfolgreich und öffentlichkeitswirksam gegen die ab 2017/18 drohenden Montagsspiele in der Bundesliga zu protestieren. Die diesbezügliche Empörung wurde dabei von verschiedensten Akteuren des Bündnisses zum Ausdruck gebracht. So hing „The Unity“ zum Einlauf der Mannschaften ein großes Banner mit dem Aufdruck „Für fangerechte Anstoßzeiten! Nein zu Montagsspielen!“ am Zaun vor der Südtribüne auf. Die „Desperados“ meinten in Anspielung auf einen alten Hit der Boomtown Rats: „Tell me why we don’t like mondays! We want to shoot the whole day down!“ Doch auch zahlreiche Fanclubs wie beispielsweise die „Supporters Lennetal“ („Geh mich weg mit die Montach!”) oder die „Blackstars Werl“ („Keiner mag Montage“) meldeten sich zu Wort. Das gelungene Protest-Bild vor den Augen der Fußball-Welt rundete der Gästeblock ab: Die Münchener zeigten ein großes Spruchband mit der Aufschrift „Für fangerechte Anstoßzeiten - Gegen Montagsspiele“.

Doch kurz zurück zum Fan-Bündnis „Südtribüne Dortmund“: Von dessen Mitgliedern wurde zuletzt ein neues Aushängeschild angefertigt, das gegen Bayern seine Premiere feierte. Am Zaun vor den Blöcken 12 und 13 hängt fortan ein großes Banner mit dem Schriftzug „Borussia Dortmund“, das die Ausdrucksstärke der Gelben Wand noch weiter unterstreichen soll.

Erste Hälfte

Kimmich und Lahm gegen GündoganZum Spielbeginn fühlte man sich schließlich an alte Zeiten erinnert. Die Südtribüne verwandelte das Stadion endlich wieder in einen wahren Hexenkessel: Frenetischer Jubel bei Balleroberungen der Schwatzgelben, gellende Pfiffe beim Ballbesitz der Bayern. Und die Spieler auf dem Rasen setzten die Unterstützung in Leistung um. In der ersten halben Stunde legte der BVB los wie die Feuerwehr. Besonders hervorzuheben ist hierbei Erik Durm. Eigentlich sollte er im rechten, bisweilen offensiven, Mittelfeld zum Einsatz kommen, doch es war wie bei Hase und Igel: Ob der Ball vorne oder hinten war, der 23-Jährige war schon da.

Pierre-Emerick Aubameyang vergab eine erste Chance gegen Manuel Neuer (11.). Auf der Gegenseite stand Arturo Vidal nach einer Flanke von Douglas Costa plötzlich blank, konnte die Gelegenheit jedoch nicht nutzen (18.). Der in der ersten Hälfte überragende Durm vergab aus spitzem Winkel und traf nur das Außennetz (19.). Nach Zuspiel von Aubameyang von der rechten Seite vergab der im gesamten Spiel enttäuschende Reus in der Mitte (26.). Hinten konnte wiederum Torwart Roman Bürki ein, zwei Aussetzer aus der Anfangsphase mit einer bärenstarken Parade im Eins-gegen-Eins mit Douglas Costa wettmachen (27.). Kurz vor der Pause zog Arjen Robben in der ihm typischen Weise von der Außenbahn in die Mitte, schoss jedoch knapp rechts unten vorbei (43.).

Zweite Hälfte

Sogar Böller flogen auf Manuel NeuerDie zweite Hälfte begann für den BVB wenig ruhmreich. Manuel Neuer sollte fortan vor der Südtribüne den Kasten hüten. Entsprechend standesgemäß wurde er auch empfangen. Leider hatten einige Schwachköpfe ihre Emotionen dabei nicht unter Kontrolle und warfen zwei Böller in Richtung UGE-Manuel. Dieser wiederum konnte sich kurz nach dem Wiederanpfiff gegen Aubameyang auszeichnen (51.).

Doch in der zweiten Hälfte schienen dem BVB allmählich die Kräfte auszugehen, jedenfalls wurden die Bayern allmählich dominanter. Robben schoss die Kugel über das Tor (59.) und Bürki konnte einen strammen Schuss von Vidal nach einer Ecke mit den Fingerspitzen noch an die Latte lenken (64.).

Unverständlich wirkten aufgrund der Verlagerung der Spielanteile zugunsten der Bayern die späten Wechsel. Adrian Ramos für den völlig indisponierten Reus war folgerichtig, aber einerseits in der 81. Minute vermutlich zu spät - und vielleicht hätte ein Ramos in der Spitze und ein auf die Außenbahn verschobener Aubameyang dem Spiel besser getan als andersherum. Nichtsdestotrotz besaß Ramos noch eine klasse Chance zum 1:0, die er nach Aubameyang-Flanke jedoch nicht nutzen konnte (88.). Und so endete das Spiel am Ende leistungsgerecht 0:0.

Zu dritt vereint gegen Arturo VidalOhne es empirisch nachweisen zu können, aber ich wage die These aufzustellen, dass die schwächere zweite Halbzeit nicht zuletzt auch etwas mit dem Stimmungsabfall auf den Rängen zu tun hat. Über weite Strecken herrschte nach dem Seitenwechsel eine gleichsam angespannte wie erwartungsvolle Ruhe, während in der Hölle Westfalenstadions der ersten 45 Minuten auch die Mannschaft eine bärenstarke Leistung zeigte. Hier bleibt zu hoffen, dass der Hexenkessel am Donnerstag gegen Tottenham über die vollen 90 Minuten anhält, um den Weg ins Viertelfinale zu ebnen.

Sonstiges

Rund um das Spiel sammelten rund 40 Helfer der Neven-Subotic-Stiftung im Stadion Spenden für gute Zwecke, die dem Innenverteidiger des BVB seit Jahren eine Herzensangelegenheit sind, und verteilten Info-Material. Wer die Möglichkeit gestern verpasst hat, der findet weitere Informationen auf der Internet-Seite der Stiftung: http://nevensuboticstiftung.de/.

Verhaltene Gesichter nach AbpfiffUnd wer am heutigen, verregneten Sonntag noch nichts vorhat: Das Bündnis „ballspiel.vereint!“ präsentiert ab 16:30 Uhr im Pressekonferenzraum des Westfalenstadions einen Film mitsamt Zeitzeugengespräch unter dem Titel „Nach dem Brand“. Der Film dokumentiert den Umgang der Familie Arslan mit dem Brandanschlag von Neonazis auf ihr Wohnhaus in Mölln am 23.11.1992.

Statistik

BVB (4-2-3-1): Bürki - Schmelzer, Hummels, Bender, Piszczek - Gündogan (90.+1 Sahin), Weigl - Reus (81. Ramos), Mkhitaryan, Durm - Aubameyang.
Bayern (4-2-3-1): Neuer - Bernat, Alaba, Kimmich, Lahm - Vidal, Xabi Alonso (90. Benatia) - Douglas Costa (75. Ribery), Müller, Robben - Lewandowski.
Tore: keine. Schiedsrichter: Tobias Stieler. Zuschauer: 81.359 (ausverkauft). Gelbe Karten: Bender (37. Minute) - Xabi Alonso (22. Minute). Torschüsse: 11:17. Ecken: 2:6. Flanken: 5:11. Ballkontakte: 40:60 %. Zweikämpfe gewonnen: 48:52 %. Fouls: 10:11. Abseits: 1:3. Die meisten Torschüsse: Aubameyang (4) - Robben (5). Die meisten Torschussvorlagen: Mkhitaryan (4) - Müller (4). Die meisten Ballkontakte: Piszczek (81) - Xabi Alonso (125). Die Zweikampfstärksten: Piszczek (69 %) - Kimmich (64 %).

Noten:

Gewohnt zuverlässiger Staubsauger. Note 3+.Roman Bürki: Ein, zwei Schnitzer zu Beginn, im Verlauf zwei bärenstarke Paraden. Note 2-.
Marcel Schmelzer: Überzeugender Auftritt. Note 3+.
Mats Hummels: Nach vorne stark, jedoch auch einige Fehlpässe. Note 3+.
Sven Bender: Gewohnt zuverlässiger Staubsauger. Note 3+.
Lukas Piszczek: Solide Leistung im Rücken von ED37. Note 3+.
Ilkay Gündogan: Hätte mehr Akzente im Offensivspiel setzen können. Note 3-.
Julian Weigl: Erledigte seine Aufgabe auf der 6 zufriedenstellend. Note 3.
Marco Reus: Wieder einmal in einem großen Spiel völlig abgetaucht. Note 5.
Henrikh Mkhitaryan: Bemüht, aber ohne zwingende Aktionen nach vorne. Note 4+.
Erik Durm: In der ersten Hälfte überragend, danach jedoch etwas unscheinbarer. Note 2.
Pierre-Emerick Aubameyang: Sorgte für Unruhe, jedoch ohne Abschlussglück. Note 3+.
Adrian Ramos und Nuri Sahin: Ohne Note.

Stimmen zum Spiel:

Pep Guardiola (Bayern): „Es war ein gutes Spiel für den deutschen Fußball. In den ersten 25 Minuten hatten wir große Probleme. Danach war es aber besser. In der zweiten Hälfte haben wir das Spiel kontrolliert. Das war wie ein Finale für Thomas Tuchel hatte viel Spaß beim coachenuns, Borussia Dortmund ist ein großer, großer Gegner. Ohne uns wäre der BVB Deutscher Meister und ohne den BVB wären wir bereits Deutscher Meister.“

Thomas Tuchel (BVB): „Die erste halbe Stunde war super, da hatten wir eine hohe Präzision. Es war ein unglaubliches Tempo von beiden Mannschaften, ich habe es genossen, dass ich bei diesem Spiel coachen durfte. Nach der Halbzeit konnten die Bayern ihr Niveau halten, wir haben etwas den Mut und die Handlungsschnelligkeit verloren. Ich bin aber sehr glücklich, dass wir nie die Ordnung gegen den Ball verloren haben und immer versucht haben, nach vorne zu verteidigen. Wir haben nie den Biss, den Glauben und die Mentalität verloren, hätten aber noch sauberer spielen können und waren teilweise zu überhastet und unpräzise.“

Daniel Mertens, 06.03.2016


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