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Auffem Platz - 29.02.2016

Geburtstagskind Rudy die tragische Figur - BVB dreht das Spiel in Überzahl

Fahnen und Doppelhalter mutieren zu einer echten Seltenheit auf der SüdtribüneDank eines Kraftakts in der Schlussphase drehte der BVB in Überzahl das Spiel gegen den Dorfverein aus dem Kraichgau und setzte sich am Ende verdient mit 3:1 (0:1) durch. 

Taktik

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel formierte sein Team im traditionellen 4-2-3-1-System mit Sven Bender und Neven Subotic in der Innenverteidigung sowie Nuri Sahin und Julian Weigl auf der Doppelsechs.

Julian Nagelsmann rührte mit seiner TSG Beton an. Vor einer Fünfer-Abwehrkette mit den Außenspielern Pavel Kaderabek und Jeremy Toljan, die bei Bedarf auch vorrückten, stand mit Tobias Strobl und dem Geburtstagskind Sebastian Rudy noch eine Doppel-Sechs. In der Offensive sollten Mark-Alexander Uth, Nadiem Amiri und Kevin Volland für Entlastung sorgen.

Erste Hälfte

Hartgeführte Zweikämpfe sind eine Spezialität der HoffenheimerEs ist jedes Mal aufs Neue ein Trauerspiel, wenn der Dorfverein aus dem Kraichgau ins Westfalenstadion kommt. Die wenigen Schlachtenbummler wurden - ihrer Fankultur entsprechend völlig zurecht - in der Nordost-Ecke positioniert. Drei mittlere Schwenkfahnen und ein, zwei Banner vor der Werbebande waren alles, was Hoffenheim aufzubieten hatte - und das nach fast acht Jahren als Erstligist. Im Vorfeld des Duells wiesen die Kraichgauer noch darauf hin, dass 700 Karten aus dem Gästekontingent zurückgeschickt worden seien - was auf die Preispolitik des BVB geschoben wurde.

Auf der Gegenseite meldete sich TU nach rund fünf Minuten Spielzeit mit einem Banner zu Wort: „Gute Besserung, Lars! Wir sind bei dir!“ Nach zwölf Minuten war es schließlich soweit: Aus dem Gästeblock drang erstmals - und auch letztmals - ein zaghafter Wechselgesang („TSG - Hoffenheim!“) in die Ohren des Autors dieser Zeilen. Wäre es der Kinderchor der evangelischen Kirchengemeinde Sinsheim unter der Leitung des Kantors Werner Freiberger gewesen - man hätte durchaus den Hut zücken können.

Auf dem Platz gab es hingegen wenig Bemerkenswertes. Der ansonsten glücklose Shinji Kagawa holte immerhin mit seinem Schuss aus spitzem Winkel eine Ecke heraus (21.). Doch plötzlich die kalte Dusche für den BVB: Einen Schuss von Volland konnte Roman Bürki nur direkt vor die Füße Sebastian Rudy gegen Shini Kagawavon Sebastian Rudy abwehren, der sich artig bedankte und zum 0:1 einschob (25.). Mit einer glänzenden Reaktion verhinderte Bürki wenige Minuten später jedoch das 0:2 gegen Volland (29.). Für den BVB wäre Marco Reus fast erfolgreich gewesen, doch seinen Freistoß hechtete Torwart Oliver Baumann zur Ecke (43.). 

Zweite Hälfte

Den Genesungswünschen von TU schlossen sich die DES mit einem Spruchband vor der zweiten Hälfte an: „Gute Besserung, Lars!“ war darauf zu lesen.

Thomas Tuchel reagierte auf die schwache Vorstellung Kagawas und brachte Ilkay Gündogan für den Japaner. Und der Eingewechselte hätte fast einen Einstand nach Maß gefeiert, doch nach Zuspiel von Julian Weigl traf er nur den Pfosten (48.). Auf der Gegenseite vergab Uth das 0:2 (49.).

Der Knackpunkt des Spiels war letztlich wohl die 58. Minute. Nachdem Pierre-Emerick Aubameyang im Mittelkreis zu enteilen drohte, packte Sebastian Rudy von hinten die Sense aus und sprang dem Gabuner in die Hacken. Und so blieb dem Schiedsrichter Peter Sippel keine andere Wahl als Rudy an dessen 26. Geburtstag völlig zurecht die rote Karte zu zeigen.

Henrikh Mkhitaryan erzielte den wichtigen AusgleichDer BVB baute nun zunehmend Druck auf. Lukas Piszczeks Schuss wurde nur zur Ecke abgewehrt (65.). Bei Gündogans Schuss war Baumann rechtzeitig unten und parierte (68.). Zehn Minuten vor dem Ende war der Bann schließlich gebrochen, als Henrikh Mkhitaryan das 1:1 erzielte. Nach dem schönsten Spielzug des Spiels war es endlich vollbracht: Gündogan schickte den Ball auf die Außenbahn, Piszczek erreichte diesen Zentimeter vor der Grundlinie, flankte in die Mitte, wo der eingewechselte Adrian Ramos zum 2:1 vollendete (85.) - erste Sahne. Einen Konter, eingeleitet von Ramos, vollendete Mkhitaryan mit einem Querpass auf Aubameyang, der zum 3:1 einnetzte (90.+2).

Statistik

BVB (4-2-3-1): Bürki - Schmelzer, Bender, Subotic, Piszczek - Sahin (74. Leitner), Weigl (74. Ramos) - Reus, Kagawa (46. Gündogan), Mkhitaryan - Aubameyang.
Hoffenheim (5-2-3): Baumann - Toljan, Bicakcic, Süle, Schär, Kaderabek - Rudy, Strobl - Volland (72. Hamad), Amiri (63. Polanski), Uth.
Tore: 0:1 Rudy (25.), 1:1 Mkhitaryan (80.), 2:1 Ramos (85.), 3:1 Aubameyang (90.+2). Schiedsrichter: Peter Sippel. Zuschauer: 81.359 (ausverkauft). Rote Karte: Rudy (58., grobes Foulspiel). 

Noten:

Joker Adrian Ramos stach zum 2-1Roman Bürki: Sah beim 0:1 schlecht aus, verhinderte aber das 0:2. Note 5+.
Marcel Schmelzer: Defensiv solide, nach vorne aber zahlreiche Ballverluste. Note 4.
Sven Bender: „Iron Manni“ - solide, ohne hervorzustechen. Note 4+.
Neven Subotic: Einige riskante Aktionen im Defensivspiel. Note 4.
Lukas Piszczek: Defensiv wie gewohnt, bereitete das 2:1 vor. Note 3.
Nuri Sahin: Fiel auf der Doppel-Sechs kaum auf. Note 4+.
Julian Weigl: Ohne Schwankungen nach oben oder unten. Note 4+.
Marco Reus: Blieb abgesehen von einem Freistoß weitgehend blass. Note 4-.
Shinji Kagawa: Erwischte einen glücklosen Tag. Note 5.
Henrikh Mkhitaryan: Drehte vor allem gegen Ende auf. Note 2-.
Pierre-Emerick Aubameyang: Vergab einige Chancen teils kläglich, dann aber noch mit dem 3:1. Note 4-.
Ilkay Gündogan: Brachte direkt nach seiner Einwechslung Schwung und belebte das Offensivspiel. Note 2.
Moritz Leitner: Ohne Note.
Die Entscheidung - PEA'17 mit dem 3:1Adrian Ramos: Ohne Note.

Stimmen zum Spiel

Julian Nagelsmann (Hoffenheim): „Wir sind in der ersten Hälfte sehr gut ins Spiel gekommen und haben da sehr wenig zugelassen. Wir können 2:0 in Führung gehen. Ich war zufrieden, das war eine ordentliche Leistung. Nach der roten Karte war es dann schwer, Zugriff aufs Spiel zu kriegen und für Entlastung zu sorgen. Das zweite Tor muss so nicht fallen, das hatte nichts mit der Unterzahl zu tun. Über die rote Karte möchte ich mich nicht beschweren. Es ist keine Muss-Entscheidung, sie ist aber vertretbar.“

Thomas Tuchel (BVB): „Wir haben sehr gut begonnen, die Hereingaben waren aber schlampig und nicht präzise. Dann gab es ein paar einfache Ballverluste, da haben wir ein wenig das Selbstvertrauen verloren, das Gegentor hat dann das Übrige getan. Wir haben physisch aber sehr viel investiert, die Ruhe bewahrt und den Druck erhöht. Du brauchst dann aber das Tor, um die notwendige Stimmung zu erzeugen, was dann ja auch gelungen ist. Es war ein superwichtiger und superschöner Sieg.“

Daniel Mertens, 29.02.2016


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